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NATUR Expedition in die UNTERWELT


HÖRZU - epaper ⋅ Ausgabe 9/2019 vom 22.02.2019

In Mexiko entdeckten Forscher die längsteUnterwasserhöhle der Welt. Für das Volk der Maya war sie vor 10.000 Jahren heilige Stätte und Tor zum Totenreich


Artikelbild für den Artikel "NATUR Expedition in die UNTERWELT" aus der Ausgabe 9/2019 von HÖRZU. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: HÖRZU, Ausgabe 9/2019

MAGISCH
Im Licht der Taucher wird ein fantastisches Höhlensystem sichtbar


DER FUNDORT
Die frühe Hochkultur der Maya entstand rund ums Höhlensystem Sac Actún auf der Halbinsel Yucatán


GEHEIMNISVOLL
Tor ins Reich der Finsternis: Taucher am Einstieg in die Höhlen


HEILIGTUM
Durch Cenoten, Löcher in der Kalkdecke, fällt Licht ein und gibt der Höhle die Anmutung einer Kathedrale


CHEFFORSCHER
Der Wissenschaftler Guillermo de Anda aus Mexiko leitet die ...

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Hölle oder Paradies? Für die Maya waren die Unterwasserhöhlen der mexikanischen Halbinsel Yucatán das Tor zur Unterwelt. Für eine Gruppe von Höhlentauchern, die dieses Höhlensystem erkundet haben, sind sie ein seltener Glücksfall. Die Doku „Geheimnisse der Ozeane“ (siehe TV-Tipp) berichtet von dieser fantastischen Welt.

Guillermo de Anda ist Unterwasserarchäologe und Leiter der Forschergruppe Great Maya Aquifer Project. Er und seine Kollegen erkundeten die Höhle Sac Actun. Und die Begeisterung des Wissenschaftler über diesen Fund ist grenzenlos: „Diese gewaltige Höhle ist die wichtigste archäologische Unterwasserstätte der Welt“, sagt er. „Da finden sich Spuren der ersten Siedler Amerikas sowie ausgestorbener Fauna und natürlich der Mayakultur.“

Die sensationellen Funde lassen Rückschlüsse bis ins Zeitalter des Pleistozäns zu, das 2,6 Millionen bis 11.700 Jahre zurückliegt. Entdeckt wurden rund 15.000 Jahre alte Knochen von Riesenfaultieren und Gomphotherien. Diese ausgestorbenen Rüsseltiere gelten als Vorfahren des heutigen Elefanten. Zudem fanden die Forscher 10.000 Jahre alte Schädel und Knochen von Tieren und Menschen, Keramik sowie Altäre der Maya.

Doch damit nicht genug. Dem deutschen Taucher Robert Schmittner gelang ein besonderer Coup: Er fand heraus, dass die Höhle Sac Actun unterirdisch verbunden ist mit der Höhle Dos Ojos im Bundesstaat Quintana Roo. Damit gelten die beiden als ein einziges Unterwasserhöhlensystem – und das ist mit 347 Kilometern nun das längste der Welt. Gelistet ist es unter dem Namen Sac Actun, denn bei einer Verbindung zweier Höhlen wird die kleinere stets der größeren zugefügt. Schmittner, der aus dem unterfränkischen Rothenbuch stammt, taucht seit mehr als 20 Jahren in Mexiko und suchte 14 Jahre lang nach einer Verbindung der Höhlen. Seine Freudenschreie bei der Entdeckung blieben aber ungehört: „Es kamen nur Luftblasen“, erklärt er. Mit den Kollegen erforscht er nun das riesige unterirdische Reich: ein weitverzweigtes Labyrinth aus Grotten, Kavernen, Kanälen. Die Höhleneingänge nannten die Maya „Xibalbás“ (Orte der Angst). Nach ihrem Glauben wurden sie von den Göttern der Unterwelt beherrscht. Für das Urvolk Mittelamerikas waren die Wasserhöhlen der Halbinsel Yucatán Tore zum Totenreich.

Tauchteam: Robert Schmittner (l.) und Guillermo de Anda (r.) nach der geglückten Mission


Die trichterförmigen Öffnungen in der Höhlendecke heißen Cenoten. Sie sind im Schnitt 15 Meter tief, manche sogar bis zu 100 Meter. Die Expedition in die Unterwelt stellt hohe Anforderungen an die Taucher, setzt großes Können und langjährige Erfahrung voraus. Es ist eine aufregende, aber gefährliche Mission. In den 1000 Cenoten, die bisher entdeckt wurden, kamen schon viele Amateurtaucher ums Leben.

ERLEUCHTUNG
Durch das Licht, das eine Cenote durchlässt, schimmert das Wasser türkisfarben


Hinab in die totale Finsternis

Extreme Bedingungen machen das Höhlentauchen zur Herausforderung. Die unterirdischen Grottensysteme führen tief in die totale Finsternis. Der Ausgang ist oft kilometerweit vom Zugang entfernt. Äußerst schmale Durchgänge erschweren den Forschern zusätzlich das Vorankommen. Für Höhlenforscher Robert Schmittner liegt der besondere Reiz genau darin, in eine faszinierende Unterwasserwelt einzutauchen, die vorher gänzlich unbekannt war: „Du bist der erste Mensch, der das sieht. Das macht Gänsehaut.“

Es ist eine magische Welt. Viele menschliche, teils verbrannte Skelette, viele Altäre und ein kunstvoller Schrein sind Belege dafür, dass die Höhlen für die Maya tatsächlich heilige Stätten waren. Um die Götter der Unterwelt milde zu stimmen, feierten sie rituelle Feste und opferten nicht nur Schmuck und Keramik, sondern wohl auch Menschen. Die hohe Zahl der Skelettfunde hat aber einen weiteren Grund: Die Maya verwendeten die Höhlen auch als Friedhof. Jenseits von Totenkult und Mystik boten Cenoten zudem einen ganz praktischen Nutzen: als Brunnen. Das Wort „Cenote“ stammt aus der Mayasprache und bedeutet „heilige Quelle“. Da Yucatán weder Flüsse noch Seen aufweist, waren die Maya auf diese Wasserspeicher angewiesen.

Vor etwa 10.000 Jahren waren die Höhlen noch trocken, denn der Meeresspiegel lag damals 100 Meter niedriger als heute. Als er im Lauf der Zeit anstieg, wurden die Kavernen und Gänge, in denen die Menschen einst Schutz suchten, überflutet. Für Archäologen und Paläontologen bieten sie deshalb ideale Forschungsbedingungen: Organische Materialien wie Leder und Holz werden hier viel besser konserviert als an Land und an der Luft, sie blieben unberührt über Jahrtausende perfekt erhalten. Kleinere Fundstücke bergen die Taucher, um sie im Labor per DNA-Methode zu analysieren. Von größeren Objekten machen sie unter Wasser Fotoaufnahmen, aus denen später am Computer originalgetreue 3-D-Modelle entstehen.

Die Wissenschaftler hoffen zukünftig auf weitere wertvolle Funde, denn in den Höhlensystemen vermuten sie noch reichlich Potenzial. Robert Schmittner ist sich sicher: Die Entdeckung seiner Rekordhöhle war nur ein Anfang. „Um Sac Actun herum gibt es weitere Höhlen, die wir miteinander verbinden könnten“, sagt er. „Dann wird das System eine Länge von 500 Kilometern überschreiten. Und das ist immer noch nicht das Ende.“

SCHATZ
Ein Taucher entdeckt Knochen und Schädel, die viele Tausend Jahre alt sind



FOTOS: S. 14-15: MEYRL/DPA PICTURE-ALLIANCE (GR.), MARC STEINMETZ/VISUM; S. 16-17: ALAMY, PAUL NICKLEN/NG IMAGE COLLECTION (2), EDGERTON/GRAN MAYA AQUIFER PROJECT/@PROYECTOGAM, ARCHIV GRAN ACUIFERO MAYA; KARTE: HÖRZU