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NATUR: Insel der Affen


HÖRZU - epaper ⋅ Ausgabe 10/2020 vom 28.02.2020

Ein Filmteam will den seltenen Drills ganz nah kommen. Doch die Dreharbeiten werden zum lebensgefährlichen Abenteuer


Artikelbild für den Artikel "NATUR: Insel der Affen" aus der Ausgabe 10/2020 von HÖRZU. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: HÖRZU, Ausgabe 10/2020

IHR LEBEN
Ein Männchen sucht an einem Feigenbaum reife Früchte


IHRE HEIMAT
Die Insel Bioko liegt 40 Kilometer vor Afrikas Westküste und gehört zu Äquatorialguinea. Der Süden beheimatet viele seltene Tierarten


Er wurde schon von einem Bären überrascht, stürzte zweimal mit dem Heißluftballon ab, holte sich in der Arktis Erfrierungen an der Nase. Oliver Goetzl meisterte alle Herausforderungen: Er vertrieb den Bären mit einem Schubser und Schreien, trug von den Ballonstürzen „lediglich“ zwei ...

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... angebrochene Wirbel davon, allein seine Nase schmerzt noch heute bei Kälte.

Diesmal, so dachte der Hamburger Naturfilmer, habe er mit seinem Kompagnon Ivo Nörenberg einen zwar anstrengenden, aber ungefährlichen Dreh vor sich. Kein Ballon, keine Raubtiere, kein Extremklima. Nur schwitzen, warten, Drills beobachten. Drills sind die nächsten Verwandten der Mandrills und kaum bekannt. „Wir wollten als Allererste ein großes Porträt der Drills drehen“, so Goetzl. „Sie sind nach den Menschenaffen die weltweit größten Primaten, sehr selten und extrem scheu.“

Zu Gast auf King Kongs Insel

Der NDR strahlt direkt im Anschluss an ihre mehrfach preisgekrönte Naturdoku (s. TV-Tipp Seite 18) das packende Making-of aus: „Unter Afrikas Affen: Das Abenteuer“. Es zeigt den extremen Einsatz der Filmer: planerisch, mental, auch körper lich. „Das war der anstrengendste und gefährlichste Dreh unseres Lebens“, betont Goetzl. Drei Jahre in Folge fährt das Team für je vier Monate nach Bioko. Die tropische Insel gehört zu Äquatorialguinea, einem armen, autoritär regierten Land an Afrikas Westküste. Die letzte Etappe der Anreise ist die kräftezehrendste. In zwei beschwerlichen Tageswanderungen geht es über unzählige Wurzeln und durch fünf tiefe Flüsse in die Heimat der Drills. Dort bauen die Naturfilmer aus Lkw-Planen, Zelten und Treibholz ihr Camp auf – das ungebetene Besucher anzieht: Geißelspinnen, Mäuse, Riesen-Hundertfüßer. Mit einem örtlichen Kollegen spüren sie einige Drillgruppen auf. Einer Sippe kommen sie besonders nah. Goetzl: „Das Gesicht des Alphamännchens hat mich tief berührt, man denkt an King Kong und das tiefe Afrika – und fühlt sich plötzlich nur als Gast auf seiner Insel.“

IMPONIERGEHABE
Ein Männchen zeigt seine gefährlichen Zähne


KINDERSTUBE
Jungtiere bleiben zwei bis drei Jahre bei der Mutter


KEHRSEITE
Das blauviolette Hinterteil schreckt Rivalen ab


Das Team installiert versteckte Kameras an 14 Futterbäumen. Noch vor Sonnenaufgang beziehen die Filmemacher selbst Posten im kugeligen Tarnzelt, warten dort zehn Stunden auf die Primaten, die an solchen Futterstellen Feigen pflücken. Eine Szene zeigt das „Supergroup“-Phänomen: Dabei kommen mehrere Sippen und Junggesellen zusammen. „Wie bei einer Hirschbrunft“, erklärt Goetzl. „Die Männchen sind aufgepeitscht von Hormonen, laufen und springen umher, zeigen ihre Eckzähne.“ Die sind bis zu zehn Zentimeter lang. Tödliche Waffen, die aber selten bei Rivalitäten zum Einsatz kommen. Die Tiere kommunizieren über Laute und Gesten: „Sie grunzen in allen Tonlagen, präsentieren die Farben ihres Hinterteils, schütteln den Nacken, nicken mit dem Kopf. Alles Zeichen von Dominanz“, so Goetzl. Eine erstmals dokumentierte Szene entstand am Strand. Ein Männchen findet eine angespülte Kokosnuss und öffnet sie mit den Zähnen. Im dritten Jahr gelingt endlich die erhoffte Familiensequenz: „Normalerweise kommt der Nachwuchs in der Regenzeit, wir hatten großes Glück.“

Notfall im Dschungelcamp

Dann überschattet ein Notfall die Produktion: Oliver Goetzl bekommt hohes Fieber. Er wird ausgeflogen. In Hamburg verschlimmert sich sein Zustand. Eine Niere ist geschädigt, die Leber aufgeblasen. Diagnose: Leptospirose, eine gefährliche Infektion, die durch Nagetierurin übertragen wird. Goetzl nimmt starke Antibiotika, fliegt nach fünf Wochen zum finalen Dreh. Nach dessen Ende folgt der nächste Rückschlag. Er hat Schwellungen, Schmerzen, katastrophale Blutwerte. Verdacht auf Loa loa, einen Fadenwurm, der durch Bremsen übertragen wird. Nachweisbar ist er nicht. Schließlich wird Goetzl mit einer chemoähnlichen Tablettentherapie gerettet, die Symptome klingen ab. Würde er die Reise wieder machen? Goetzl: „Auf jeden Fall, das ist ja größtenteils überwunden.“ Das Making-of zeigt auch die Strapazen des Filmemachens und das Leben im Camp.

In der Doku selbst ist die Natur der große Star: Die Kamera gleitet über Dschungelgrün und zeigt neben Drills auch Lederschildkröten, Schwarze Stummelaffen, Rotducker-Antilopen. Bioko ist wie eine Arche Noah, doch nicht unberührt. Drills werden gewildert, nur 3000 Individuen haben auf Bioko, in Kamerun und Nigeria überlebt. „Wir lassen den Film in den Dörfern potenzieller Wilderer zeigen und unterstützen Ökotourismus“, so Goetzl. „Die Leute sollen sehen, dass sie mit lebenden Tieren mehr verdienen als mit toten.“ Vielleicht sind zahlungskräftige Besucher die Rettung der letzten Drills.

AM WASSERFALL
Kameraprofis Justin Jay (l.), Oliver Goetzl


UNTERKUNFT Das Dschungelcamp aus Zelten, Planen und Treibholz


FOTOS: S. 16-17: JUSTIN JAY (2), CELA/F1ONLINE; S. 18: JUSTIN JAY, TANIA ESCOBAR (4); KARTE: HÖRZU