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NATUR: Kleiner AFFE, große GEFÜHLE


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HÖRZU - epaper ⋅ Ausgabe 6/2021 vom 05.02.2021

Friede, Freude, freie Liebe: Bonobos entwickeln ein besonderes Sozialverhalten, um Konflikte zu lösen


Artikelbild für den Artikel "NATUR: Kleiner AFFE, große GEFÜHLE" aus der Ausgabe 6/2021 von HÖRZU. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: HÖRZU, Ausgabe 6/2021

Zwischen fünf und acht Jahren kommt der Nachwuchs in die Pubertät


ZUSAMMENHALT
Die Aff en leben in Gemeinschaften, die 30 bis 80 Tiere umfassen


NACHWUCHS Zu den Söhnen haben Mütter ein sehr inniges Verhältnis


Kuscheln! Jetzt! Sofort! Auf wackeligen Beinen folgt das Äffchen seiner Mutter durch den Urwald, streckt ungeduldig eine Hand in ihre Richtung. Wann geht’s endlich wieder auf den Arm? Nach einigen Minuten erbarmt sich die Bonobodame schließlich. Selig schmiegt das Jungtier sich an Mamas warme Brust. ...

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Aufrechter Gang, große Kulleraugen und ausgeprägtes Sozialverhalten: Wie Schimpansen gelten auch Bonobos als nächste Verwandte der Menschen. Während Erstere Konflikte untereinander meist mit Fäusten lösen, nutzen Bonobos einen gefühlvolleren Weg: „Das Liebesleben in Form sexueller Interaktionen spielt eine wichtige Rolle im Alltag der Bonobos“, sagt Ilka Herbinger, Programmleiterin für Zentral- und Westafrika beim WWF. „Sie pflegen auf diese Weise Beziehungen, regulieren ihr Sozialleben und bauen Spannungen ab.“ Egal ob jung oder alt, weiblich oder männlich: Mehrmals täglich genießen Bonobos mit verschiedenen Partnern romantische Augenblicke. Eine Arte-Doku (siehe TV-Tipp Seite 18) begleitet den Alltag der Affen und zeigt, wie das intensive Liebesleben zum friedvollen Miteinander beiträgt.

Führung ist Frauensache

Gemeinsam stark: Bonobos leben meist in Gruppen von bis zu 80 Tieren. Auf die Suche nach Früchten, Kräutern, Insekten machen sie sich aber in deutlich kleineren Teams. Nur so ist gesichert, dass jedes hungrige Maul gestopft wird. Die sogenannte „Fission and Fusion“-Gesellschaft, die sich nach gewissen Rhythmen trennt und vereint, sichert das Überleben. Eine affenstarke Intelligenzleistung.

Organisation ist Frauensache: An der Spitze der Rangordnung stehen zumeist Bonobodamen. Zwar sind sie ausgewachsenen Männchen häufig körperlich unterlegen, halten aber stets zusammen: „Die Weibchen haben eine enge Bindung untereinander, bilden Koalitionen und führen die Gruppen an“, so Herbinger. „Der soziale Status der Männchen ist hingegen meist von dem ihrer Mutter abhängig.“ Nicht selten teilt sich ein Alphaweibchen mit dem eigenen Sohn die Führung der Gruppe. Die Mütter haben eine sehr enge Bindung zum eigenen Nachwuchs. „Bonobokinder werden mehrere Jahre lang gesäugt“, berichtet Expertin Ilka Herbinger.

„Die Mütter teilen ihre Schlafnester mit den Jungen, bis sie nach vier bis acht Jahren den nächsten Nachwuchs erwarten.“ Besonders die Männchen haben zeitlebens eine sehr innige Beziehung zur eigenen Mutter: Während Töchter zur Familiengründung in die Weiten des Regenwalds ziehen, bleiben Männchen meist in der Gruppe, in der sie selbst geboren wurden. Mehr noch: „Studien haben gezeigt, dass Weibchen ihre Söhne dabei unterstützen, paarungsbereite Partnerinnen zu bekommen.“

FEINSCHMECKER Auf dem Speiseplan der Tiere stehen vor allem Früchte, Blätter, Kräuter


GEBÄRDENSPRACHE Bonobos senden mit ihrer Gestik, aber auch Mimik Botschaften


HEIMATREGION
Sie wird eingerahmt von den Armen der Flüsse Kongo, Kasai und Sankuru. Bonobos streifen dort durch Regenwälder der Demokratischen Republik Kongo. Das Wasser grenzt ihr Revier auch gegen jenes der Schimpansen ab


LIEBESSPIEL Durch regelmäßigen Sex lösen die Aff en Konfl ikte und bauen Anspannung ab


VOLLBAD Bonobos suchen im Fluss nach speziellen Kräutern


Kletterkünstler in großer Gefahr

Der weltweit einzige natürliche Lebensraum der Bonobos liegt in einem abgeschiedenen Gebiet in der Demokratischen Republik Kongo, eingerahmt von Seitenarmen des Flusses Kongo (Infokasten oben rechts). Hier streifen die Affen durch die Regenwälder. „Bonobos legen auf ihrer Suche nach Nahrung und Schlafplätzen täglich zwei bis drei Kilometer zurück“, erläutert Ilka Herbinger. „Reviermarkierungen gibt es bei den Tieren jedoch nicht. Anderen Bonobogruppen begegnen sie friedlich.“

Zum Schlafen zieht es die geschickten Kletterkünstler in die Baumkronen, wo sie Abend für Abend ein Nest bauen. Das dichte Blätterdach schirmt die Affen auch gegen Nässe ab: „Zum Schutz vor Regen nutzen Bonobos manchmal Schirme und Kopfbedeckungen aus Blättern.“

Wie viele der scheuen Tiere heute noch durch den Urwald streifen, ist unklar. Laut der Weltnaturschutzunion IUCN gelten Bonobos als stark gefährdet. Rodungen rauben ihren Lebensraum, Wilderer haben es auf ihr Fleisch abgesehen. Ausgewiesene Schutzgebiete sollen nun helfen, den Bestand der Bonobos zu bewahren. Damit sie ihr Reich in den Baumkronen auch in Zukunft noch auf ihre Art regieren können: mit der Macht der Liebe.


FOTOS: S. 16-17: SHAH/NATUREPL.COM (GR.), HARVEY/PICTURE ALLIANCE, URYADNIKOV/ALAMY; S. 18: WHITTACKER/DDP, SHAH/GETTY, URYADNIKOV/ALAMY, SHAH/NATUREPL.COM, KARTE: HÖRZU