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NATUR: KÖNIG der Berge


HÖRZU - epaper ⋅ Ausgabe 1/2020 vom 27.12.2019

Kein Hang zu steil, kein Gipfel zu hoch: Der Alpensteinbock erobert sein altes Revier zurück


Artikelbild für den Artikel "NATUR: KÖNIG der Berge" aus der Ausgabe 1/2020 von HÖRZU. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: HÖRZU, Ausgabe 1/2020

AUSSICHTEN Am Schweizer Bergmassiv Pilatus überblickt dieser Steinbock sein Reich


KLETTERKÖNIG Obwohl Steinböcke auch hohe Gipfel meistern, behagt ihnen Schnee nicht


Majestätisch blickt der Alpensteinbock über die Hänge des Pilatus. Das Schweizer Bergmassiv hat alles, was das Herz des Vierbeiners höherschlagen lässt: saftige Wiesen und felsige Abgründe. Hier oben jenseits der Baumgrenze ist sein Reich. Hier kann ihm niemand folgen, wenn er akrobatisch über schmale Grate flieht. Kaum zu glauben, dass der König der ...

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... Berge einmal vor dem Aus stand. Jahrtausendelang wurde er gejagt. Erst wegen seines Fleischs, später weil man ihn mystifizierte. Ein wahrer Steinbockkult führte dazu, dass man dem kraftvollen Kletterer wundersame Eigenschaften zuschrieb. Das pulverisierte Gehörn sollte die Potenz fördern, sein Herz den Kreislauf stär-ken, das Blut allerlei Leiden heilen. Anfang des 19. Jahrhunderts war der Alpensteinbock in ganz Europa ausgerottet.

Steinböcke leben in bis zu 3500 Metern Höhe

KRÄFTEMESSEN Rivalen ringen mit den Hörnern um die Macht. Verletzte gibt es selten


NACHWUCHS Jungtiere kommen meist im Juni zur Welt. Sie können sofort losklettern


Ganz Europa? Nein. Am italienischen Gran Paradiso, oberhalb des Aostatals, überlebten rund 100 Tiere. Sie wurden geschützt, auch als König Viktor Emanuel II. von Sardinien-Piemont das Gebiet 1856 zum königlichen Jagdrevier erklärte. Wildhüter bewachten sie, eigentlich fürs exklusive Jagdvergnügen. Alle Alpensteinböcke, die heute die Berge bewohnen, stammen von diesen letzten Überlebenden ab.

HÄNGEPARTIE Die geteilten Hufe bieten Halt an steilen Felsen. Hier lecken die Tiere Mineralien


FOTOS: S. 14-15: KAMP/GETTY IMAGES (GR.), BORN/FOTOFINDER.COM; S. 16: BARTUSKA/SHUTTERSTOCK, BATTISTI/ALAMY, HÖLZL/ACTION PRESS

Rettung durch Schmuggel

Die Rückkehr begann mit einem Verbrechen: Ab 1906 stahlen Wilderer dem König immer wieder junge Steinböcke, schmuggelten sie in die Schweiz, verkauften sie an Zuchtstationen. Ein gutes Geschäft. Und gut für die Tiere. Schon 1911 konnte die erste Steinbockkolonie in die Freiheit entlassen werden. Heute kraxeln im Alpenraum wieder mehr als 45.000 Exemplare. „In Deutschland leben die meisten in den Allgäuer Alpen, an der Benediktenwand und im Nationalpark Berchtesgaden“, erklärt Henning Werth vom Landesbund für Vogelschutz in Bayern. „Mit dem 2016 gestarteten, Projekt Alpensteinbock‘ wollen wir klären, wie viele es bei uns wirklich gibt und ob sie neue Gebiete erobern.“

Aufwendige Umsiedlungen tragen zum Erfolg bei. Dabei werden ganze Herden in das ursprüngliche Verbreitungsgebiet gebracht. Bis zu 20 Weibchen, Steingeißen genannt, und Jungtiere bilden eine Herde und bleiben meist dem vertrauten Fels massiv treu. Böcke hingegen gründen eigene Junggesellenklubs, ältere Steinböcke durchstreifen als Einzelgänger die Berge. Beide Geschlechter tragen Hörner, wobei der gebogene Kopfschmuck der Böcke deutlich imposanter wirkt. Typisch Macho eben. Nur im Winter zur Brunftzeit nähern sie sich den Herden. „Zu dieser Zeit sind die Steinböcke auch deutlich scheuer als im Sommer“, sagt Experte Henning Werth.

Kampf um den Harem

Treffen zwei Rivalen aufeinander, wird gekämpft: Mit voller Wucht prallen die Tiere aufeinander, ringen mit verhakten Hörnern um die Macht. Der Gewinner bleibt bis zum Frühjahr bei seinem Harem. Kommt dann nach sechs Monaten der Nachwuchs zur Welt, sind die Väter buchstäblich schon über alle Berge. Alpensteinböcke haben sich perfekt ans Leben in der Höhe angepasst. Verhornte Ränder an den Hufen sorgen für Trittfestigkeit, weiche Innenballen verhindern ein Abrutschen. Die beiden Hufzehen lassen sich unabhängig voneinander bewegen. So können die Extremkletterer selbst steilste Wände meistern. Sie knabbern an Gräsern und Blütenpflanzen, lecken todesmutig an steilen Felswänden, um ihren Bedarf an Mineralien zu decken. So viel Anpassung an den Lebensraum birgt natürlich Risiken: Die Hufe wirken wie ideale Steigeisen, machen die Steinböcke aber zu schlechten Läufern. Weil es in der Höhe meist kalt ist, haben Alpensteinböcke keine Schweißdrüsen. An Sommertagen überhitzen sie deshalb schnell. Dann suchen sie schattige Nordwände oder die Nähe von Schneefeldern auf. „Trotzdem könnten die Kletterkünstler zu Gewinnern des Klimawandels werden“, erklärt Henning Werth, der auch für die Betreuung des Schutzgebiets Allgäuer Hochalpen zuständig ist. „Sie haben bei steigenden Temperaturen weniger Probleme.“ Weißer Winterzauber? Nein danke! Ihre Hufe greifen schlecht auf Eis, die Nahrung unter der dicken Schneedecke ist karg. Wird es also in den unzugänglichen Gipfelregionen wärmer, wächst auch das Reich des Königs der Berge.