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NATUR: Krieg der Hörnch


HÖRZU - epaper ⋅ Ausgabe 17/2019 vom 18.04.2019

Grauhörnchen aus Amerika gefährdendie heimischen Tiere. In Schottland werden sie nun gejagt


Artikelbild für den Artikel "NATUR: Krieg der Hörnch" aus der Ausgabe 17/2019 von HÖRZU. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: HÖRZU, Ausgabe 17/2019

Graue Hörnchen sind größer als rote und vermehren sich schneller


Rote Hörnchen bedroht ein Virus, das die grauen übertragen


DieGrauhörnchen machen schon fast95 % der Hörnchen-Population in Großbritannien aus


Die roten Hörnchen Europas: von US-Invasoren in die Enge getrieben


Niedlich, aber bedrohlich: Grauhörnchen gefährden das Ökosystem


Es ist nicht nur der süße Puschelschwanz, für den wir sie so lieben. Es sind auch die kleinen schwarzen Knopfaugen, die spitzen Öhrchen, die flinken Sprünge. Es macht Spaß, ...

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... Eichhörnchen zu beobachten. Die grauen ebenso wie die roten. Während die roten, in Europa heimischen Hörnchen jedoch gefüttert, geschützt und gehätschelt werden, gelten die grauen, ursprünglich in Nordamerika beheimateten Tiere als Plage. In Schottland sind sie zum Abschuss freigegeben – mit dem Segen von Naturschützern.

Nach Schätzungen der britischen Organisation The Wildlife Trusts leben nur noch 140.000 rote Eichhörnchen im Vereinigten Königreich, aber 2,5 Millionen Exemplare der eingeschleppten grauen Art. Engländer brachten im 19. Jahrhundert von Reisen nach Nordamerika Grauhörnchen mit, es galt als schick, wenn ein paar Exemplare dieser „exotischen“ Tiere im Garten herumhüpften. Auch als Haustiere waren sie beliebt: Man hielt sie in Käfigen, doch manch einer ließ die Kleinen frei, wenn er ihrer überdrüssig wurde. Etwa 100 Jahre dauerte es, bis die Neulinge die einheimischen roten Hörnchen verdrängt hatten.

Die amerikanische Art vermehrt sich schneller als die eurasischen Hörnchen. Vor allem aber tragen und übertragen die Grauhörnchen ein tödliches Pockenvirus, gegen das sie selbst immun sind, das die einheimischen Hörnchen aber auf qualvolle Weise sterben lässt. So sind in Süd- und Westengland die original englischen Eichhörnchen heute bis auf vereinzelte Exemplare ausgestorben, den Grauhörnchen hingegen geht es prächtig. Nur in Schottland leben in manchen Regionen noch rote Hörnchen, allerdings sind auch dort die grauen Rivalen übermächtig. Ihre Anzahl soll nun stark dezimiert werden, damit die roten nicht ganz von der Insel verschwinden.

Massenhaftes Töten für denNaturschutz

Arte zeigt eine Reportage über den Kampf der Briten gegen die Invasion der grauen Hörnchen (siehe TV-Tipp). Darin kommen Jäger zu Wort wie auch Tierschützer, die gegen die massenhafte Tötung protestieren. Zudem lernt man die Naturschützerin Stephanie Johnstone vom Scottish Wildlife Trust kennen, die erklärt: Wegen des Pockenvirus bleibe nur die Wahl zwischen „einem schnellen humanen Tod für die grauen und einem qualvollen Tod für die roten“. Die Schotten, so sagt sie, hätten sich für das Leben der roten entschieden.

Und wie steht ein deutscher Experte zu dieser Entscheidung? Sebastian Kolberg, Referent für Artenschutz beim Naturschutzbund Deutschland (NABU), findet: „Der Mensch hat die Grauhörnchen eingebracht, also muss er sich jetzt auch kümmern. Das ist wichtig, um die heimische Flora und Fauna zu schützen und somit die Artenvielfalt zu erhalten.“ Seit 2016 gilt in der EU eine Verordnung zur Bekämpfung gebietsfremder Arten. Das Vorgehen gegen tierische und pflanzliche Invasoren ist demnach in drei Schritte unterteilt. Experte Kolberg erklärt: „Erstens muss man präventiv handeln, etwa durch Einfuhr- und Freisetzungsverbote. Gibt es bereits eine Initialpopulation, gilt es, diese zu entfernen. Hat sich die invasive Art erst einmal etabliert, reicht das nicht mehr. Dann ist es Zeit für den dritten Schritt, das sind sogenannte Managementmaßnahmen, um die heimische Ökologie zu schützen.“ Zu so einem Management gehöre es auch, den Lebensraum der heimischen Arten zu verbessern.

In Deutschland sind die roten Eichhörnchen noch ohne Konkurrenz


Während Grauhörnchen sich in Laubwäldern am wohlsten fühlen, sind rote Eichhörnchen eigentlich in Nadelwäldern zu Hause. Doch von denen gibt es nur noch wenige in Westeuropa, und fast alle werden als Holzplantagen genutzt: Die Bäume dort sind jung, die Wälder insgesamt nicht ideal für rote Eichhörnchen. „Man könnte Eichhörnchengebiete ausweisen, um ihnen Rückzugsräume vor den Grauhörnchen zu bieten“, schlägt Kolberg vor.

Auf den Britischen Inseln haben es einheimische Tiere gegenüber Einwanderern besonders schwer, denn sie können räumlich nicht ausweichen. Auch in Norditalien gibt es Grauhörnchen schon lange, bisher haben sie die Alpen allerdings nicht überwunden. Sieht man heute in Deutschland graue Eichhörnchen, gehören sie der heimischen Art an. Sie sind zwar andersfarbig, aber völlig unbedenklich.


3 von4 britischenroten Hörnchen leben in Schottland


Ein Jäger zeigt in Schottland seine Beute: erlegte Grauhörnchen