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NATUR: KUHE: Die schönsten der Welt


HÖRZU - epaper ⋅ Ausgabe 10/2019 vom 01.03.2019

Seit Jahrtausenden leben Menschen mit und von Rindern. EineReise zu den ursprünglichen Rassen rund um den Globus


Artikelbild für den Artikel "NATUR: KUHE: Die schönsten der Welt" aus der Ausgabe 10/2019 von HÖRZU. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: HÖRZU, Ausgabe 10/2019

Kühle Schönheit
Das Rätische Grauvieh weidet auf den Bergwiesen von Graubünden im Schweizer Engadin in bis zu 2900 Meter Höhe. Es gibt nur noch 500 Exemplare dieser silbrigen bis eisengrauen Rinder


Feuriges Fell
Das lockige Haar der Salers-Rinder leuchtet in der Sonne wie Lava. Die Tiere in der Region Auvergne-Rhône-Alpes sind genügsam und gute Futterverwerter, Kraftfutter benötigen sie nicht


Wie ein Stillleben wirkt die Szene: Land und Herde strahlen große Ruhe aus. Nähert man sich den ...

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... Tieren, hört man leises Rupfen, Mampfen, Kauen. Ein Konzert der Zufriedenheit. Salers grasen am Zentralmassiv in der ostfranzösischen Region Auvergne-Rhône-Alpes. Die Rinder scheinen einer anderen Zeit entsprungen zu sein mit ihrem roten Lockenfell, das in der Sonne lavagleich leuchtet, mit ihren lyraförmigen Hörnern, mit ihrer großen Gelassenheit.

Tatsächlich geht die Geschichte der Bauernfamilie, die mit den Salers lebt, zurück bis ins 14. Jahrhundert. Traditionell werden die Tiere nicht im Stall, sondern noch auf den Weiden gemolken. Und zwar erst, wenn sie zuvor die Kälber gesäugt haben. „Von den Rinderrassen, die wir fotografierten“, weiß Werner Lampert, „waren sie die Einzigen, die vom ersten Moment an wussten, wie sie sich vor der Kamera anstellen müssen.“ Der österreichische Biopionier reiste drei Jahre lang mit einem Team um den Globus, um ursprüngliche Rinder in ihrer natürlichen Umgebung aufzuspüren.

Porträts von100 Rinderrassen

Jetzt präsentiert der 72-Jährige in einem gewaltigen neuen Bildband (siehe Buch-Tipp oben rechts) die Prachtexemplare, die er finden konnte. In atemberaubenden Fotos und spannenden Geschichten porträtiert er insgesamt 100 Rinderrassen.

Lampert erlebte etwa die Geburt eines Shorthorns auf einer Weide im britischen Nationalpark North York Moors und entdeckte das Rätische Grauvieh im Schweizer Engadin, wo es leichtfüßig an steilen Berghängen weidet. Er erzählt von seiner furchteinflößenden Begegnung mit kräftigen Maremmanas in der Toskana und der erstaunlichen Beobachtung von Hinterwäldern im Schwarzwald, die sich mit den Vorderläufen an Baumstämmen hochziehen, um an deren unteren Ästen zu naschen.

Es sind starke, stolze, würdevolle Tiere, die Lampert vorstellt. Spezies, die sich scheinbar problemlos den jeweiligen Lebensbedingungen anpassen. Zum Beispiel die drahtigen M’Bororo mit ihren ausladenden Hörnern, die die Hitze der Sahara ertragen. Oder sibirische Sacha Ynagas, die sich mit flauschiger Behaarung – auch am Euter – vor der Kälte bis minus 68 Grad schützen. Die Vielfalt habe ihn überrascht, so Lampert: „Alle Kühe gleichen sich in einer Form und sind doch unterschiedlich.“ Die Rasse Lulu aus Nepal hat eine Widerristhöhe von 74 bis 90 Zentimeter, Chianinas aus Italien erreichen zwei Meter.

Soziales Herdentier
Die Shorthorns im Nordosten Englands fühlen sich in der Herde stark, sind zutraulich – und wurden als eine der ersten Rassen systematisch gezüchtet


Wuchtiges Urvieh
Die Maremmanas sind dem Auerochsen näher als jede andere Rinderrasse. Die bis 1000 Kilogramm schweren Tiere leben im wilden Macchia-Land der Toskana


BUCHTIPP
Die Kuh Eine Hommage von Werner Lampert, teNeues, 480 Seiten, 49,90 Euro,


Zugleich schwärmt der Autor von den „wunderbaren Mensch-Tier-Beziehungen“ überall auf der Erde. „Rinder standen am Beginn unserer Kultur und unserer Zivilisation“, so der Vorarlberger. „Sie verhalfen uns zu Freiheit und zur Erschließung von Gebieten, ernährten und lehrten uns.“

Stammtiere sind die Auerochsen, die bereits von unseren Urahnen als Fleischlieferanten geschätzt wurden. Um sie schnell und ohne gefährliche Jagd verfügbar zu halten, wurden sie vor 12.000 bis 10.000 Jahren gezähmt und so gezüchtet, dass sie noch besser unseren Ansprüchen genügten. Inzwischen wächst der Hunger auf Fleisch und Milch weltweit.

Das Rind frisst, was unsereins in der Regel nicht isst: Gras, Blätter, Äste. Es hat vier Mägen, mit denen es rohfaserreiche Pflanzen verwertet und in hochwertiges Eiweiß umwandelt. Deshalb liefert es uns nährstoffreiche Lebensmittel. Für Lampert ist es „der perfekte Gefährte“. Wissenschaftlich belegt sei zudem: „Haben wir eine intensive Beziehung zur Kuh, bildet sie, genau wie wir, das Hormon Oxytocin.“ Doch das tiefe Band zwischen Mensch und Kuh drohe verloren zu gehen. In der westlichen Welt betrachte man Rinder nur noch als „Produktionsgegenstände“, so Lampert. Er warnt: „Durch die Einkreuzung leistungsfähiger Rassen, die noch mehr Milch und besseres Fleisch liefern, ist es schwer, indigene Rinder zu halten.“ Alte Rassen aber seien wichtig: Nur die Überlebenskünstler werden fähig sein, sich den Herausforderungen der nächsten Jahrzehnte zu stellen.

Schlauer Obstklauer
Die Hinterwälder im Schwarzwald sind die kleinste Rinderrasse Mitteleuropas. Im Frühherbst versuchen sie alles, um die Früchte der Bäume zu erhaschen



FOTO: © WERNER LAMPERT GMBH, PHOTO RAMONA WALDNER

FOTOS: © WERNER LAMPERT GMBH, PHOTO RAMONA WALDNER