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NATUR: Meister der Tarnung


HÖRZU - epaper ⋅ Ausgabe 36/2019 vom 30.08.2019

Mit cleveren Tricks machen sich Tiere fast unsichtbar.Das schützt vor Feinden, bringt aber auch Vorteile bei der Jagd


Artikelbild für den Artikel "NATUR: Meister der Tarnung" aus der Ausgabe 36/2019 von HÖRZU. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: HÖRZU, Ausgabe 36/2019

BLATTSCHWANZGECKOEin wahrer Hochstapler! Bis zu 30 Zentimeter Länge misst der nachtaktive Gecko – trotzdem wird er im heimischen Madagaskar häufig übersehen. Mit seinem dunkelbraunen Körper schmiegt er sich an die gleichfarbige Rinde. Die praktischen Haftzehen bieten ihm auf jeder Fläche Halt


Verstecken, Verkleiden, Verschmelzen: die Taktiken der Tiere


GLASFLÜGELFALTERDurch diesen Schmetterling kann man einfach hindurchschauen. Die transparenten Schwingen des Falters, der in den ...

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Der Baum blinzelt. Nur einen winzigen Moment leuchten zwei orangefarbene Augen am Stamm auf. Drehen sich blitzschnell von links nach rechts, mustern die Umgebung. Alles sicher?

Keine Feinde in Sicht! Schon wird die Rinde wieder dunkel. Mühelos verschmilzt der kleine Blattschwanzgecko mit seiner Umwelt. Braune Haut auf braunem Stamm – nur sehr geübten Beobachtern gelingt es, den raffinierten Verkleidungskünstler zu entdecken. Eine clevere Taktik, um in den Wäldern Madagaskars das Überleben zu sichern. „Hinter den Tarnungen verbergen sich im Wesentlichen zwei Strategien: Schutz vor Feinden und das Verstecken eigener Angriffe“, sagt Prof. Ralph Tollrian vom Lehrstuhl für Evolutionsökologie und Biodiversität der Tiere an der Ruhr-Universität Bochum. Wer nicht gesehen wird, entgeht Attacken, hat aber selbst alle Vorteile beim Beutezug. Fressen oder gefressen werden, lautet hier die Devise.

LAUBHEUSCHRECKETon in Ton: Fast könnte man die Tettigonioidea inmitten des Blätterwalds für löchriges Gestrüpp halten. Geschickt hat das Insekt sich im Lauf der Evolution an seine grüne Umgebung angepasst


SEEPFERDCHENDas Kleinste seiner Art: Nur knapp zwei Zentimeter misst das Pygmäenseepferdchen. Dank seiner knubbeligen Haut verschmilzt der Winzling mit den Korallen in seiner Umgebung


Doch nicht nur der Gecko, auch zahlreiche andere Tiere erweisen sich als wahre Meister ihres Fachs. Die Laubheuschrecke verwandelt sich zum löchrigen Blatt, die Haut des Oktopus passt sich der jeweiligen Umgebung an, durch den transparenten Glasflügelfalter schauen Angreifer regelrecht hindurch. Eine Vielfalt an Tarnungen getreu Darwins Grundsatz „Survival of the Fittest“ – der besser Angepasste überlebt. „Die Evolution befindet sich in einem fortlaufenden Optimierungsprozess“, so Tollrian. „Wenn zwei Arten einander sehr ähnlich sind, verdrängt auf Dauer die besser angepasste ihre Konkurrentin.“ Im Verlauf von Jahrtausenden sorgt die Natur auf diese Weise für eine Auslese.

Das Tierreich lädt zum Maskenball

Verstecken, Verkleiden, Verschmelzen: Die Taktiken der pfiffigen Selbstdarsteller sind an Raffinesse kaum zu überbieten. Beim Tarnspiel unterscheiden Experten mehrere Varianten. Bekanntester Trick: eins werden mit der Umgebung. Der braun melierte Bartkauz verschwindet in den Mulden gleichfarbiger Bäume, auf dem Meeresboden gleicht der Rochen sich dem Untergrund an. Camouflage der Extraklasse. Variante zwei: jemand anderen imitieren. Bei der Mimese werden Tiere zu gewieften Versteckspielern, passen sich in Optik, Form und Verhalten ihrer Umwelt an. Bestes Beispiel für die tierischen Täuschungen ist der bereits erwähnte Blattschwanzgecko. Wie ein Stück Rinde verschmilzt er mit dem Baum, verharrt leblos im Geäst. Weiteres Hilfsmittel beim Versteckspiel: sein blattähnlicher Schwanz. Flach, verdorrt, mit faserigen Strukturen, ist er kaum zu unterscheiden vom restlichen Blätterwald, schwankt bei leichtem Wind sogar gemächlich hin und her. Verwechslungsgefahr!

Dritte Variante beim tierischen Maskenball: sich als Schreck des Feindes verkleiden. Hornissen, Wespen, Bienen – dank ihres schmerzhaften Stachels gelten sie unter Vögeln als gefährlich. Ein Ruf, den sich die harmlose Schwebfliege zunutze macht. Ihr grelles Gewand erinnert an die stechenden Insekten. Botschaft: Gelb heißt giftig, haltet euch von mir fern! Diese als Mimikry bekannte Hochstapelei darf nur nicht zu oft vorkommen: „Wenn ein Großteil der kleinen gelben Organismen sich als harmlos erweist, verbinden Vögel keine Gefahr mehr mit der Farbe“, sagt Experte Tollrian. „Der Warneffekt verblasst.“

Nicht jedes Tier erweist sich als Meister der Tarnung, doch nahezu alle haben sich bestmöglich an die Umwelt angepasst. Was passiert nun, wenn der Klimawandel ihre Umgebung verändert? Tiere, deren Tarnung von der Witterung abhängt, bekämen ein Problem. Der weiße Eisbär würde im Grünen auffallen – Optik und Umwelt passen nicht mehr zusammen, das Angriffsrisiko steigt. Doch auch Schneehasen, die sich erst im Winter weiß färben, wären gefährdet: „Meist steuert die Verkürzung der Tageslänge die Anpassungen an den Winter – über Hormone“, so Prof. Tollrian. Schneehasen würden bei längeren Wärmephasen trotzdem weiß werden und wären für Feinde besser erkennbar. Merke: Gegen den Klimawandel hilft selbst die beste Verkleidung nicht.MELANIE KOCH

STEINFISCHAm liebsten liegt er auf der Lauer. Steinfische sind schlechte Schwimmer, verstecken ist ihr Über-lebenstrick. Praktisch: Ihre Oberfläche gleicht sich optisch Korallen an


KRABBENSPINNEOb weiß, gelb oder grünlich: Das gewiefte Insekt passt sich der jeweiligen Blütenfarbe an. Gut getarnt lauert es so allen auf, die arglos den leckeren Nektar genießen wollen


EULEDie Augen verraten sie: Für die Ost-Kreischeule bieten Baummulden ein ideales Versteck. Sicher verborgen hält sie hier nach potenzieller Beute Ausschau


FOTOS: S. 14-15: MARENT/OKAPIA, JUNIORS; S. 16-17: READ/CIPRIANI/GETTY IMAGES (2), DIRSCHERL/MCGEORGE/ALAMY (2), HYDE/NATUREPL