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NATUR: Mit & HÖRZU auf Weltreise: LEBEN nach dem INFERNO


HÖRZU - epaper ⋅ Ausgabe 47/2020 vom 13.11.2020

Vor einem Jahr wüteten die Feuer in Australiens Wäldern besonders heftig. Eine Rettungsaktion für die Tiere begann. Gibt es heute wieder Hoffnung?


Artikelbild für den Artikel "NATUR: Mit & HÖRZU auf Weltreise: LEBEN nach dem INFERNO" aus der Ausgabe 47/2020 von HÖRZU. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: HÖRZU, Ausgabe 47/2020

LICHTBLICK In einigen Schutzgebieten blieben die Koalas vom Feuer verschont


ERSTE HILFE Die Pfoten dieses Koalas sind versengt. Er muss in die Tierklinik


TRAGÖDIE Wo Wälder wuchsen, stehen nach dem Flammeninferno nur noch verkohlte Bäume


FLUCHT Kängurumütter suchen verzweifelt nach Lücken in der Feuerwand


Die Bilder gingen im letzten Jahr um die ganze Welt: Australien brennt! Mit bis zu 1000 Grad Celsius fraßen sich die Flammen durch die Wälder. Jahrelange ...

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... Dürre hatte Boden und Bäume ausgetrocknet (siehe Karte unten). So fanden die Brände reichlich Nahrung, wurden von starken Winden weiter angefacht, vereinten sich zu einer einzigen gewaltigen Feuerwalze. Eine beispiellose Katastrophe, die Australiens Natur in Schutt und Asche legte. Die Bilanz nach rund 240 Tagen Inferno ist erschreckend: mehr als 30 Tote, 5900 Ge bäude gingen in Flammen auf. „Von Herbst 2019 bis Frühjahr 2020 verbrannten bis zu 19 Millionen Hektar Land“, erklärt WWF-Artenschutzexpertin Anne Hanschke. „Drei Milliarden Tiere waren von diesen Feuern betroffen. Sie starben in den Flammen oder wurden aus ihrem zerstörten Lebensraum vertrieben.“

Buschbrände gehören in Australien schon immer zum Alltag. „Doch in der letzten Zeit brennt es immer öfter und immer stärker“, beklagt Anne Hanschke. „Normalerweise sind hauptsächlich Grasland und Savannen betroffen, bei der letzten Katastrophe brannten jedoch auch Wälder in den sonst viel feuchteren und gemäßigten subtropischen Zonen.“ Gebiete, die vorher als sicher galten: Regenwälder im nördlichen New South Wales, im tropischen Queensland und in den ehemals feuchten Altwäldern von Tasmanien.

Retter kämpfen um jedes einzelne Tier

Australiens Tierwelt kennt viele Tricks, um solchen Gefahren zu begegnen. Koalas klettern bis in die höchsten Wipfel der Eukalyptusbäume. Ameisenigel vergraben sich tief in der Erde. Kängurus sprinten mit weiten Sprüngen durch Lücken in der Feuerwand. Das gemeinsame Schicksal vereinte Mensch und Tier. Bei der „Operation Bushfire Assist“ suchten Helfer zwischen verkohlten Bäumen nach überlebenden Koalas, Kängurus und Wombats. Mit Spürhunden drangen sie in Gebiete vor, deren Boden noch heiß war vom Feuer. In mobilen Rettungsstationen kümmerten sich Ärzte und Freiwillige um die verletzten Tiere. Familien päppelten etwa verwaiste Wombats auf, um sie später wieder in die Freiheit entlassen zu können. „In dieser ersten Phase waren Spendengelder besonders wichtig“, erklärt Anne Hanschke. „Auch der WWF hat weltweit Spenden für Australien gesammelt, die dann an kleinere Organisationen vor Ort verteilt wurden.“ Eine beeindruckende Welle der Hilfsbereitschaft, die Hoffnung gibt!

KRANKENPFLEGE In Tierkliniken wie hier auf Kangaroo Island pflegen Ärzteteams und Freiwillige die überlebenden Wildtiere


NOTRATION Für Bürstenschwanz- Felskängurus gibt es frische Möhren, von Helikoptern aus der Luft abgeworfen


NEUSTART Viele Bäume treiben wieder aus: ein Zeichen der Hoffnung


Doch damit sind die Tiere noch lange nicht gerettet. Was sollen Koalas fressen, wenn ihre Eukalyptusbäume nur noch kahle Äste tragen? „Eine Studie der Universität Queensland zeigt, dass die Brände den Lebensraum von 70 Tierarten zerstört haben“, stellt Anne Hanschke klar. „Den Tieren fehlen Nahrungsquellen, Nistplätze, Zufluchtsorte.“ Ihr Futter ging ebenso in Flammen auf wie ihre Deckung vor Feinden. Ranger warfen deshalb per Hubschrauber Möhren und Süßkartoffeln über Nationalparks ab. Künstliche Nistboxen in den Bäumen sollen den Vögeln vorübergehend wieder Brutplätze bieten, Wassertränken helfen gegen das Verdursten. Solche Maßnahmen können wenigstens kurzfristig dafür sorgen, die größte Not der Tiere zu lindern. Sogar die sonst so scheuen Koalas kamen Menschen plötzlich freiwillig nahe – auf der Suche nach Wasser.

WÄRME Eine WWF-Mitarbeiterin kümmert sich um einen Ameisenigel


Sie stehen quasi als traurige Symboltiere für die Katastrophe. Auf Kangaroo Island, einer Insel mit Naturschutzgebieten vor der Küste Südaustraliens, verendete die Hälfte der beliebten Beutelsäuger in den Flammen. Dramatischer ist die Situation jedoch für all jene Arten, die bereits vor dem Inferno stark vom Aussterben bedroht waren und nur noch in wenigen kleinen Verbreitungsgebieten lebten. Wie der Braunkopfkakadu, das Bürstenschwanz-Felskänguru oder die Schmalfußbeutelmaus.

Naturschützer wollen neue Wälder pflanzen

Damit Australiens Wildtiere eine Zukunft haben, müssen ihre Lebensräume wiederhergestellt werden. Dabei hilft der WWF-Aktionsplan „Towards Two Billion Trees“. Das Ziel fürs nächste Jahrzehnt: in den betroffenen Gebieten bis zu zwei Milliarden Bäume neu zu pflanzen oder vor weiterer Rodung zu schützen. „Der WWF Australien kämpft dafür, dass die Abholzung der verbliebenen Wälder gestoppt wird und sich die bereits gerodeten regenerieren können“, erklärt Artenschutzexpertin Anne Hanschke. „Die Entwaldung war schon vor der Brandkatastrophe ein Riesenproblem.“ Ein solches Inferno darf sich nicht wiederholen. Deshalb fordern Experten auch verstärkte Maßnahmen gegen die Erderwärmung. Der Klimawandel allein verursacht keine Brände. Aber er schafft extreme Wetterlagen und perfekte Bedingungen für katastrophale Feuer.


70 TIERARTEN sind in Australien akut bedroht, weil die Flammen ihren Lebensraum unbewohnbar gemacht haben


„Wir brauchen innovative Ideen zur Bekämpfung der Klimakrise und natürlich auch zur Unterstützung der Tiere und Pflanzen bei der Anpassung an die sich stark verändernden Umweltbedingungen“, betont Anne Hanschke. Viele gerettete und aufgepäppelte Tiere können zwar wieder in die Freiheit zurückkehren. Aber es wird noch Jahrzehnte dauern, bis sich Australiens Wälder wirklich erholt haben und wieder ausreichend Nahrung und Lebensraum bieten.

HITZEDRAMA: Australiens Klimaproblem

Seit Jahren leidet der Kontinent am anderen Ende der Welt unter extremer Dürre. Die Karte zeigt Gebiete mit Regenmangel vom 1. April 2018 bis 31. Oktober 2019, also in dem Zeitraum, bevor die heftigsten Feuer wüteten. Die Flammensymbole stehen für große verbrannte Landflächen der letzten zwei Jahre. Betroffen sind vor allem die Südostküste und der Norden.


Quellen: Australian Government, Bureau of Meteorology und MyFireWatch

FOTOS: S. 12-13: WHITE/GETTY IMAGES (GR.), SII STUDIO/WWF-AUSTRALIA, IZZOTTI/ALAMY, MARIUZ/SHUTTERSTOCK, KARTE: HÖRZU; S. 14: NEARMY/REUTERS, HARRIS/JOSEPH/WWF-AUSTRALIA (3)