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NATUR: Pfiffige RAUFBOLDE


HÖRZU - epaper ⋅ Ausgabe 28/2019 vom 05.07.2019

Wenn es nach den Murmeltieren ginge, würde ihr Sommer nur aus Fressen, Schlafen und Herumbalgen bestehen. Doch die pelzigen Nager müssen allzeit auf der Hut sein. Wer jetzt in den Alpen wandert, hört ihre warnenden Pfiffe


Artikelbild für den Artikel "NATUR: Pfiffige RAUFBOLDE" aus der Ausgabe 28/2019 von HÖRZU. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: HÖRZU, Ausgabe 28/2019

ACHTUNG!
Ein Fressfeind ist im Anmarsch. Die Murmeltiere sind fluchtbereit


Ein schriller Pfiff gellt durch das Alpenidyll. In der Sprache der Murmeltiere kann das nur eines bedeuten: Steinadler im Anflug! Wo eben noch eine ganze Murmeltierfamilie gemütlich an Klee und Gräsern knabberte, flitzen nun 15 Nager in Windeseile über die Wiese. Sie kennen alle nur ein Ziel: den Eingang zum ...

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... lebensrettenden Bau tief unter der Erde. Diesmal sind alle rechtzeitig untergeschlüpft. Das gelingt nicht immer.

Trödeln kann tödlich sein

Die Kleinsten sind von ihren spielerischen Rangeleien oft so abgelenkt, dass sie zu spät reagieren. Deshalb endet etwa ein Drittel aller Murmeltierjungen als Futter in den Schnäbeln des Adlernachwuchses. Oder sie werden vom Fuchs geschnappt, weil sie die aufeinanderfolgenden kurzen Warnpfiffe eines aufmerksamen Erwachsenen überhört haben. Die gute Nachricht: Ein Jungtier, das sein erstes Lebensjahr übersteht, hat beste Chancen, zwölf Jahre alt zu werden. Doch dazu gehört weit mehr, als sich rechtzeitig vor Fressfeinden in Sicherheit zu bringen. Ein Murmeltier-leben beginnt etwa Ende Mai, wenn das ranghöchste Weibchen im Schutz des Baus zwei bis sieben Junge zur Welt bringt. Nackt, blind, zahnlos und kaum 30 Gramm leicht werden sie dort von der Mutter gesäugt. Erst im Juli verlassen die nun meerschweinchengroßen Knirpse erstmals neugierig den Bau.

IMMER HUNGRIG
Bequem auf den Hinterbeinen sitzend mümmeln sich die Nager ordentlich Speck auf die Rippen


IMMER NEUGIERIG
Mit vier bis fünf Wochen wagen sich die nun etwa 15 Zentimeter großen Murmeltierkinder aus dem Bau und erkunden ihre Umgebung in den Alpen


IMMER AUF DER HUT
Während sich die Kleinen nach Murmeltierart morgens mit Nasereiben begrüßen, hat ein Erwachsener die Umgebung wachsam im Blick


MURMELTIERBAU Von der aufgehäuften Terrasse aus Erde und Geröll bis zur Haupthöhle für den Winterschlaf geht es sieben Meter in die Tiefe. Die Nebenhöhle wird nur im Sommer genutzt


Mission: Winterspeck

Ab jetzt geht es für alle nur noch um eines: Fressen! Die Erwachsenen mümmeln schon seit Wochen. Auf dem Speiseplan stehen zu Beginn Krokus, dann Alpenmaßliebchen, Glockenblumen, Taubnesseln, Disteln, bestimmte Gras- und Kleearten. Mehrfach ungesättigte Fettsäuren bauen das spezielle Fettgewebe auf. Es sichert noch bei drei Grad Körpertemperatur das Überleben der Murmeltiere im siebenmonatigen Winterschlaf in 800 bis 3000 Metern Höhe. Für ein junges Murmeltier ist es gar nicht so einfach, sich bis Oktober die eineinhalb Kilogramm Überlebensgewicht anzufuttern. Schließlich muss man doch auch spielen, mit Bruder und Schwester die Kräfte messen und um die saftigsten Leckerbissen rangeln. Bei älteren Geschwistern können diese Raufereien ziemlich rabiat werden. Vor allem wenn Söhne und Töchter mit drei Jahren geschlechtsreif sind. Dann müssen sie ausziehen und eine eigene Familie gründen. Gehen sie nicht von selbst, lassen die Eltern erst den gesträubten Schwanz wie einen Propeller kreisen und drohen mit den Zähnen. Zeigt das keine Wirkung, attackieren sie den eigenen Nachwuchs mit ihren scharfen Hauern, was zu blutigen Wunden führen kann. Die Suche nach freiem Wohngebiet und wärmendem Partner für den Winter überleben nur 20 bis 30 Prozent der Vertriebenen. Aber alle haben nun mal nicht in der gepolsterten Schlafhöhle Platz.

Heizen ist Männersache

Ein Murmeltierbau ist ein verzweigtes Tunnelsystem. Im Sommer genügen den hitzeempfindlichen Tieren Schlafkammern in eineinhalb Metern Tiefe. Das Winternest graben sie sieben Meter tief in die Erde. Ihre kräftigen Vorderpfoten, die wie kleine Hände mit vier Zehen und langen Krallen aussehen, sind bestens zum Buddeln geeignet. Im Spätsommer schleppt die Familie zwölf Kilo Heu in die Schlafhöhle, um das Winternest damit auszupolstern. Spätestens im Oktober zieht sich der ganze Clan dorthin zurück. Die Tunneleingänge werden mit meterlangen Pfropfen aus Steinen und Erde verstopft. Zuerst kuscheln sich die Jungtiere zusammen, dann die Weibchen. Die großen und bis zu acht Kilogramm schweren Männchen liegen außen und wärmen ihre Sippe, damit alle durch den Winter kommen.

Fünf Fakten über Murmeltiere

■■ VON ASIEN bis Amerika sind flache Grassteppen ihr Zuhause

■■ IN EUROPA leben sie in den Alpen und der Hohen Tatra

■■ IM HIMALAJA vertragen sie dank einer Genvariante 5000 Meter Höhe

■■ IHR NAME stammt vom althochdeutschen „murmunto“ für „Alpenmaus“. Die Österreicher nennen sie Mankei, die Schweizer Munggen

■■ IM FRÜHLING werden sie von ihrer inneren Uhr geweckt, die auf die Tageslänge synchronisiert ist


FOTOS: S. 14-15: WALCH/DPA PICTURE-ALLIANCE; S. 16: HAASMANN/BIOSPHOTO (3); INFOGRAFIK: HÖRZU