Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 3 Min.

NATUR: Rätselhafte: RIESEN


HÖRZU - epaper ⋅ Ausgabe 27/2018 vom 29.06.2018

Mondfische sind gewaltig groß, aber trotzdem schwer zu finden. Ein Hamburger Tierfilmer begab sich auf die Spur der Giganten


Artikelbild für den Artikel "NATUR: Rätselhafte: RIESEN" aus der Ausgabe 27/2018 von HÖRZU. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: HÖRZU, Ausgabe 27/2018

BEGEGNUNG
Vor der Küste Balis haben diese Taucher Glück und treffen einen riesigen Mondfisch


JAGD
Mit seinem stets geöffneten Maul saugt der Mondfisch Beute an, vor allem Quallen


FORSCHER
Filmemacher Thomas Behrend mit der Biologin Tierney Thys


Allein wegen ihrer beeindruckenden Größe gehören Mondfische zu den auffälligsten Lebewesen der Meere. Manche von ihnen werden 3,30 Meter lang, vier Meter hoch und mehr als zwei Tonnen schwer. Damit sind sie die weltweit größten ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 1,09€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von HÖRZU. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 27/2018 von Familie Marderhund: BITTE RECHT FREUNDLICH!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Familie Marderhund: BITTE RECHT FREUNDLICH!
Titelbild der Ausgabe 27/2018 von Jetzt gibt’s: ÄRGER. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Jetzt gibt’s: ÄRGER
Titelbild der Ausgabe 27/2018 von GESUNDHEIT: Die geheime Macht der Zähne. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
GESUNDHEIT: Die geheime Macht der Zähne
Titelbild der Ausgabe 27/2018 von Kampf um den: TEMPELBERG. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Kampf um den: TEMPELBERG
Titelbild der Ausgabe 27/2018 von Die schönste Schlucht der Welt. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Die schönste Schlucht der Welt
Titelbild der Ausgabe 27/2018 von TV-AKTUELL: Aus Hollywood zum „Tatort“. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
TV-AKTUELL: Aus Hollywood zum „Tatort“
Vorheriger Artikel
GESUNDHEIT: Die geheime Macht der Zähne
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel Kampf um den: TEMPELBERG
aus dieser Ausgabe

... Knochenfische. Manch andere dieser Art werden zwar deutlich länger, erreichen aber bei Weitem nicht dieses Gewicht.

Den meisten Menschen fällt jedoch nicht die Größe ins Auge, wenn sie zum ersten Mal auf einen Mondfisch treffen. „Fehlt da nicht etwas?“ ist dann vermutlich die am häufigsten gestellte Frage. Und tatsächlich fehlt da etwas: Mondfische haben keine Schwanzflosse. Stattdessen schließt ein gewellter Hautsaum ihren Körper ab, der von der Rücken- bis zur Afterflosse reicht und in dieser Form einzigartig ist. Der Fachbegriff für ihn lautet Clavus. Durch diese Besonderheit scheint es, als wäre Mondfischen ein Teil ihres Körpers abgeschnitten worden. Auf den Philippinen nennt man sie deshalb auch Putol: „Durchgeschnittene“. In Deutschland werden die ungewöhnlichen Tiere umgangssprachlich als „schwimmende Köpfe“ bezeichnet. Der wissenschaftliche Name lautet Mola mola, eine Anspielung auf die runde Form und die gräuliche Färbung: Das lateinische Wort „mola“ bedeutet Mühlstein.

Weltweite Suche

Einer, der schon fast sein ganzes Leben lang von Mondfischen schwärmt, ist der Hamburger Tierfilmer Thomas Behrend. „Meine ursprüngliche Begeisterung stammt von einem Sammelalbum, das ich als Kind besaß“, erzählt er. „Auf einem der Klebebilder war ein Taucher zu sehen, der vor einem riesigen Mondfisch schwimmt. Seitdem haben mich diese Tiere nicht mehr losgelassen und immer wieder aufs Neue überrascht.“ Behrend drehte mehrere Dokus über Mondfische. Für die jetzt ausgestrahlte Produktion „Mondfische: Rätselhafte Giganten“ (siehe TV-Tipp) reiste er um die halbe Welt, von Kalifornien bis ans Mittelmeer. „Es ist unglaublich schwierig, Mondfische überhaupt zu finden“, sagt er. „Zwar sind sie weitverbreitet und leben in den wärmeren Regionen der Ozeane. Aber diese Lebensräume sind so gigantisch groß, dass man nie weiß, wo und wann dort Mondfische zu sehen sind.“

VERSAMMLUNG
Mondfische, eigentlich Einzelgänger, sind ab und an in Gruppen unterwegs. Warum, weiß man nicht


Ausflüge in die Tiefe

Beim Dreh hatte Thomas Behrend Glück: Gleich bei seinem ersten Tauchgang vor der Küste Kaliforniens begegnete ihm ein Mondfisch. Und dieser ließ den Filmemacher an einem besonderen Schauspiel teilhaben. „Der Koloss stellte plötzlich seinen Körper schräg, verharrte ganz ruhig in dieser Position“, erzählt Behrend. „Das war für einen Schwarm Barsche das Zeichen für ihren Einsatz. Sie schwammen zu dem Mondfisch und befreiten ihn von den Parasiten in seiner Haut.“ Für die Mondfische ist die Reinigung wichtig. Immer wieder legt sich der Mondfisch deshalb auch waagerecht an die Wasseroberfläche und lädt so Vögel ein, ihn von den Quälgeistern zu erlösen. Weil das so wirkt, als würde er sich sonnen, wird er im englischen Sprachraum Sunfish genannt: Sonnenfisch. Bei den Ausflügen an die Oberfläche wärmen sich Mondfische wohl tatsächlich auf, wenn sie sich zuvor in tiefen und kühlen Regionen aufgehalten haben. Überwiegend bewegen sie sich in den oberen 200 Metern der Meere, tauchen bei der Nahrungssuche aber in Tiefen bis zu 600 Metern ab. Sie sind Einzelgänger, ab und zu jedoch auch zu zweit oder in kleinen Gruppen unterwegs. „Mondfische sind alles andere als träge“, sagt Behrend. „Wir haben im Mittelmeer einen Peilsender an einem Mondfisch befestigt und festgestellt, dass die Tiere permanent auf- und abtauchen.“ Andere Forscher konnten nachweisen, dass einzelne Mondfische bis zu 26 Kilometer pro Tag schwammen. Ihre Durchschnittsgeschwindigkeit betrug dabei gemächliche 3,2 Kilometer pro Stunde.

SKELETT
Die Schwanzflosse fehlt. Stattdessen schließen zwölf Flossenstacheln den Körper ab. Sie halten den Hautsaum


Massenweise Nachwuchs

Das Maul der Mondfische ist ständig geöffnet. Bei der Jagd erzeugen sie einen Unterdruck und saugen mit dieser Methode ihre Beute an. Hunderte Kilogramm Quallen und Salpen fressen Mondfische täglich. Dazu Plankton, kleine Fische und andere Meerestiere. Sie selbst haben nur wenige Feinde, stehen bei Seelöwen, Haien und Orcas auf dem Speiseplan. Für Nachwuchs ist ohnehin ausreichend gesorgt: Mondfischweibchen legen pro Laichvorgang 300 Millionen Eier – so viele wie kein anderer Fisch. Bei ihrer Geburt sind Mondfische zwei Millimeter klein und wiegen nur den Bruchteil eines Gramms. Ihr Gewicht steigt also um das 60-Millionen-Fache – so viel wie bei keinem anderen Wirbeltier! Man sollte die Mondfische also nicht nur auf ihre etwas seltsame Form reduzieren: Sie sind durch und durch faszinierende

FOTOS: S. 14-15: ALAMY (GR.), KARL/JOHNSON/ZDF (2); S. 16: COLLA/SEATOPS, FEARN/MAURITIUS IMAGES