Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 3 Min.

NATUR: Tintenfische: Die Könige der Ozeane


HÖRZU - epaper ⋅ Ausgabe 12/2020 vom 13.03.2020

Die intelligenten Tiere, die wegen ihrer seltsamen Anatomie für uns wie Aliens wirken, geben Forschern noch immer Rätsel auf


Artikelbild für den Artikel "NATUR: Tintenfische: Die Könige der Ozeane" aus der Ausgabe 12/2020 von HÖRZU. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: HÖRZU, Ausgabe 12/2020

BEGEGNUNG Oktopusse sind Einzelgänger, aber neugierig auf Menschen


Ein Fels am Meeresgrund. Starrer, stummer Zeuge der weiten Wasserwelt. Doch plötzlich beginnt er sich zu bewegen. Arme und Augen werden sichtbar. Ein Oktopus verlässt sein Versteck. Eben noch war er perfekt getarnt - gleich wird er es wieder sein. Als er über den Boden schwimmt, wechselt seine Farbe von Dunkelgrau zu Sandhell. Noch während er sich auf eine Koralle zubewegt, wird er rötlich-braun, auf seiner Haut ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 1,09€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von HÖRZU. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 12/2020 von Liebe Leserinnen und Leser,. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Liebe Leserinnen und Leser,
Titelbild der Ausgabe 12/2020 von FOTO DER WOCHE: Dubai im Nebel EINE STADT ERWACHT. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
FOTO DER WOCHE: Dubai im Nebel EINE STADT ERWACHT
Titelbild der Ausgabe 12/2020 von Die Kunst des Widerstands. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Die Kunst des Widerstands
Titelbild der Ausgabe 12/2020 von TV-NACHRICHTE: Wem vertrauen die Deutschen?. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
TV-NACHRICHTE: Wem vertrauen die Deutschen?
Titelbild der Ausgabe 12/2020 von Superhelden inklusive. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Superhelden inklusive
Titelbild der Ausgabe 12/2020 von TV-AKTUELL: EXTREMER EINSATZ. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
TV-AKTUELL: EXTREMER EINSATZ
Vorheriger Artikel
TV-NACHRICHTE: Wem vertrauen die Deutschen?
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel Superhelden inklusive
aus dieser Ausgabe

... bilden sich Ausstülpungen, die Korallenzweigen ähneln.

Den Farbwechsel eines Tintenfischs zu beobachten ist für Taucher ein beeindruckendes Erlebnis. In Bruchteilen von Sekunden können die Tiere nicht nur ihre Farbe ändern, sondern auch Muster auf ihre Haut zeichnen und große oder kleine Wülste ausbilden, mal vereinzelt, mal dicht beieinander - je nachdem, wie die Umgebung aussieht, an die sie sich anpassen. „Ein Chamäleon ist dagegen eine lahme Krücke“, sagt Meeresweltexperte Heinz Krimmer. Er ist Sporttaucher und Autor des Buches „Aliens der Ozeane“ (Kosmos, 208 Seiten, 25 Euro). Tintenfische, die unbekannten Wesen? Tatsächlich geben sie der Wissenschaft noch immer Rätsel auf.

Etwa 800 verschiedene Tintenfischarten haben Forscher bislang identifiziert. Man unterscheidet drei große Familien: Kraken beziehungsweise Oktopusse mit acht Armen, Kalmare und Sepien mit jeweils zehn Armen. Einer der kleinsten Kopffüßer ist der nur sechs Millimeter messende Pygmäenkalmar, zu den größten gehört der Riesenkalmar, einschließlich Tentakel bis zu 14 Meter lang. Ein Großteil der Arten ist bis heute wohl noch unentdeckt, denn die meisten leben zwischen 200 und 1000 Metern unter dem Meeresspiegel.

WARNUNG Der giftige Blauringkrake signalisiert mit seinen Ringen: Lass mich in Ruhe!


GEFAHR Die winzigen Blauringkraken sind toxisch


SO GEHT DER FARBWECHSEL

Weitgehend erforscht haben Biologen, wie der Farbwechsel funktioniert: Die Haut der Tintenfische besteht aus mehreren Schichten. In der obersten sitzen Zellen mit Pigmenten, sogenannte Chromatophoren, die von Muskelzellen umgeben sind. Ziehen die sich zusammen, werden auch die Pigmentzellen kleiner, die Farbe verschwindet. Weiten sich die Muskelzellen, kommt die Farbe zurück. Jede Chromatophore hat eine direkte Nervenverbindung zum Gehirn. Darunter liegt eine Schicht mit spiegelartigen Zellen, die Licht und Farben aus der Umgebung reflektieren können. Das Gehirn diktiert der Haut, welchem Umfeld sie sich anzupassen hat.

Erstaunlich: Die Augen der Tintenfische sind farbenblind. Dafür können viele mit dem ganzen Körper sehen. Ihre Haut ist lichtempfindlich, sie reagiert ohne Zutun der Augen auf Helligkeit und Dunkelheit.

Tintenfische werden auch Kopffüßer genannt, da ihre Tentakel vom Kopf abgehen. Ihre Anatomie ist auch sonst ungewöhnlich. Sie haben drei Herzen: Zwei kleine an den Kiemen sorgen dafür, dass Blut schnell zu den Atmungsorganen kommt, und das große Hauptherz pumpt es dann in den Körper. Dieses Blut ist blau und enthält kupferhaltiges Hämocyanin, das Sauerstoff in kaltem Wasser besser bindet. Kopffüßer schwimmen grundsätzlich rückwärts. Die acht Arme der Oktopusse sind mit 1600 Saugnäpfen ausgestattet, die den Tieren Halt geben. Vor allem aber sorgen sie dafür, dass der Krake mit seinen Armen fühlen, schmecken, riechen kann. Jeder Saugnapf enthält 10.000 Neuronen. Insgesamt befinden sich laut Krimmer auf einem einzigen Arm „bis zu 40 Millionen Rezeptoren, die Signalmoleküle aufnehmen können“. Nur 40 Prozent der Neuronen eines Oktopus versammeln sich im Gehirn. „Dieser Befund lässt zwei Interpretationen zu“, so der Experte. „Das Gehirn ist dezentral über den Körper verteilt, oder es gibt ein Haupthirn im Kopf und acht Nebenhirne in den Armen.“

Mit ihrer Intelligenz verblüffen Tintenfische immer wieder. Vor allem Oktopusse sind gewitzt und lernfähig. Sie benutzen Werkzeug, beweisen Neugier und stibitzen Tauchern auch mal die Unterwasserkamera, um sie zu untersuchen, zu umklammern und damit zu verschwinden.

Die meisten erreichen ein Alter von nur etwa einem Jahr. Das ist vielleicht das größte Rätsel, das die Cephalopoden der Wissenschaft aufgeben: Warum haben intelligente, lernfähige Tiere ein so kurzes Leben?

DIE ANATOMIE

Ihre Arme sind Multifunktionsorgane, die fühlen, riechen und schmecken können. Auch sonst ist der KÖRPERBAU von Oktopussen faszinierend

Der Gemeine Krake, auch Oktopus genannt (Plural: Oktopusse, Oktopoden), lebt weltweit in Küstennähe am Meeresgrund in tropischen, warmen und gemäßigten Gewässern wie zum Beispiel dem Mittelmeer. Seine Intelligenz entspricht der von Delfinen oder Hunden. Anders als intelligente Säugetiere leben Kraken jedoch als Einzelgänger. Sie sind geschickte Jäger und können Fische fangen und fressen, die um ein Vielfaches größer sind als sie selbst


FOTOS: S. 12- 13: © NATIONAL AQUARIUM, LECOEUR/NATIONAL GEOGRAPHIC IMAGE COLLECTION; S. 14 - 15: DE NEEF/NATIONAL GEOGRAPHIC IMAGE COLLECTION, NOWAK/VARIO IMAGES, DIRSCHERL/BLICKWINKEL,©SOL90IMAGES