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NATUR „Wann rührt ein Baum Ihr HERZ, Herr Wohlleben?“


HÖRZU - epaper ⋅ Ausgabe 42/2018 vom 12.10.2018

Diese und andere Fragen stellten HÖRZU-Leser Deutschlands berühmtestem Förster bei einem exklusiven Waldspaziergang. Was sie sonst noch mit Peter Wohlleben im Forst erlebten


Artikelbild für den Artikel "NATUR „Wann rührt ein Baum Ihr HERZ, Herr Wohlleben?“" aus der Ausgabe 42/2018 von HÖRZU. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: HÖRZU, Ausgabe 42/2018

NATURKUNDE Peter Wohlleben erklärt dem jüngsten Teilnehmer Julien (13), dass jedes Knötchen an einem Zweig ein Jahr anzeigt


Der Himmel strahlt. Die Sonne lacht – und brennt. Wie so oft in diesem Jahr. Das stresst die Bäume. „Und diesen besonders.“ Peter Wohlleben weist auf eine Buche. Einsam steht sie da. Ihre Blätter sind braun und welk, einige ihrer Äste kahl. Hundert Meter weiter bilden große und kleine Buchen eine Gruppe. Die ...

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... Luft ist spürbar kühler. Und feuchter. „Bäume schwitzen gemeinsam“, weiß der Naturexperte. „Dieses Klima entsteht nur in der Gemeinschaft.“

Ein spätsommerlicher Sonnabend in Wershofen in der Eifel. HÖRZU-Leser lassen sich von Bestsellerautor Peter Wohlleben in die geheime Welt der Bäume entführen. Eine dichte Menschentraube zieht in den Wald. Was alle interessiert, sind die Auswirkungen des Hitzesommers auf die Bäume. „Viele sind von der Trockenheit geschwächt und deshalb für Schädlinge wie Borkenkäfer anfällig“, sagt Wohlleben. Er rechnet mit einer starken Blüte in zwei Jahren. Denn: „So ticken die Bäume: ‚Wenn es uns schon schlecht geht, wollen wir noch für reichlich Nachwuchs sorgen.‘“ Und sie haben, glaubt der 54-Jährige, ein Gedächtnis. „All jene, die jetzt gelitten haben, merken sich das und drosseln grundsätzlich ihren Wasserverbrauch.“ Folge: Die Bäume wachsen langsamer. Also ein Desaster? „Nicht für die Bäume. Die können das ab. Für uns schon. Es wird in den nächsten Jahrzehnten weniger Holz geben.“

WALDESLUST Der Forstwirt vermittelt Fachkenntnis – und seine Leidenschaft für Natur


IN DER EIFEL Auf Einladung von HÖRZU nahmen 27 Leser am Wald- und Wolfsseminar mit Peter Wohlleben und Elli H. Radinger (vorn in der Hocke) teil. Zwei Besucher fehlen auf dem Foto


SCHEUE TIERE Das Märchen vom bösen Wolf: Im Rudel zeigt sich der Beutegreifer mitfühlend, fürsorglich und sehr sozial


WIE KLEINE KONSOLEN Fruchtkörper der Zunderschwämme haften an einem Baumstamm


BLICK NACH OBEN Der Forstwirt erklärt Anja Matthies von HÖRZU, welche Dimensionen Baumkronen haben können


Der 1,98-Meter-Hüne ist eine sanfte Erscheinung. Kurzbart, Hornbrille, die schmalen Augen geben ihm etwas Verschmitztes. Er lächelt viel, antwortet schnell, formuliert präzise und verständlich. „Sodass man begierig zuhört“, meint Hildegard Jedamzik aus Hemer im Sauerland. Sein Wissen gibt der studierte Forstwirt gern weiter, etwa an jährlich über 2000 Besucher seiner Waldakademie – und nun auch an 27 Leser, die auf Einladung von HÖRZU an dem Seminar „Bäume und Wölfe“ teilnehmen. Seine Leidenschaft für die Natur teilt er mit Elli H. Radinger, seit 30 Jahren Wolfsforscherin. Sie hält an diesem Tag einen Vortrag über das wahre Wesen des Beutegreifers. Der zeige sich mitfühlend, fürsorglich, sozial in seinem Rudel, sei intelligent und scheu gegenüber Menschen. Steffen Diemar aus Mühltal in Hessen ist anschließend überzeugt: „Vor Wölfen muss ich keine Angst mehr haben.“


»Bäume werden oft wieGARTENMÖBEL behandelt.«
Peter Wohlleben, Forstwirt


Bäume schlafen nachts

Wohlleben beklagt, dass Bäume oft „wie Gartenmöbel behandelt werden“. Er betrachtet sie als Wesen – ganz menschlich. In seinen Schilderungen „kuscheln“ Bäume miteinander, wenn sie eng stehen. Sie „schlafen“ nachts, weil sie dann ihre Äste hängen lassen. Sie „erziehen“ ihren Nachwuchs zu Geduld, indem sie ihm Sonnenlicht nehmen, damit er langsamer wächst. Und sie „kommunizieren“, wenn sie einander durch Düfte vor Wind, Hitze, Schädlingen warnen. „Dieser Spaziergang ist Lehrstunde und Unterhaltung zugleich“, findet Sonja Helsper aus Derschen in Rheinland-Pfalz. Ihr Sohn Julien (13) will Förster werden. Wohlleben zeigt ihm an einem Zweig, wie er das Alter einer Buche erkennen kann: Jedes Knötchen zählt ein Jahr.

Ein guter Erklärer stellt auch Fragen, etwa diese: „Wer hat schon mal einen Obstbaum gekauft?“ Einige Arme gehen hoch. „Bestimmt war er so groß, dass er in den Kofferraum passte.“ Ein Baum mit beschnittenen Wurzeln. Der wurzle nicht mehr tief. Und das, so der Experte, könne ihm zum Verhängnis werden, etwa bei einem Sturm. Zudem „sind in den Wurzeln gehirnähnliche Strukturen. Damit orientieren sie sich im Boden, wo Wasser fließt.“ Sein Blick geht nach oben. Wenn die Krone 200 Quadratmeter groß sei, könne der Wurzelraum zehnmal so groß sein: 2000 Quadratmeter. Wie bei einer heimischen Buche, die man wachsen lässt. „Sie wird die Erderwärmung besser verkraften als Importbäume wie zum Beispiel die Fichte.“

Auf die Frage, wann ein Baum sein Herz rührt, antwortet Wohlleben: „Immer.“ Es gehe ihm um die Lebendigkeit und den Schutz der Bäume, für die es „ein Kinderspiel“ sei, 200, 300 Jahre alt zu werden. Und das ist eines der überwältigenden Gefühle, die man im Wald erlebt: Er war lange vor uns da.


FOTOS: S. 12-13: KILIAN SCHÖNBERGER (GR.), ANJA MATTHIES, MARMARA/LAIF; S. 14: ANJA MATTHIES [M], ANDREAS FECHNER (2), MEYERS/DPA PICTURE-ALLIANCE