Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 2 Min.

NATUR: Wilder Wühler


HÖRZU - epaper ⋅ Ausgabe 37/2019 vom 06.09.2019

Früher galt er als Bauernplage, heute als Rarität: Wie Tierschützer den Feldhamsterretten wollen


Artikelbild für den Artikel "NATUR: Wilder Wühler" aus der Ausgabe 37/2019 von HÖRZU. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: HÖRZU, Ausgabe 37/2019

NAGER Er lebt im Kornfeld, aber frisst neben Getreide auch Gräser, Früchte, Insekten und Kleintiere


Kinder lieben ihn. Der Hamster, dieser goldige Gesell, gehört zu den beliebtesten Haustieren. Senkt sich die Sonne, erwacht der quirlige Nager mit dem flauschigen Fell und den dunklen Knopfaugen. Unermüdlich dreht er seine Runden: im Laufrad, durch Pappröhren, über Holzstege. In der Welt der Heimtiere ist er ein König und sein Tisch reich gedeckt.

Doch bei seinem wilden Cousin, ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 1,09€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von HÖRZU. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 37/2019 von Liebe Leserinnen und Leser,. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Liebe Leserinnen und Leser,
Titelbild der Ausgabe 37/2019 von FOTO DER WOCHE: Basstölpel im Atlantik EIN FALL VON FUTTERNEID. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
FOTO DER WOCHE: Basstölpel im Atlantik EIN FALL VON FUTTERNEID
Titelbild der Ausgabe 37/2019 von Kämpferin mit Herz. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Kämpferin mit Herz
Titelbild der Ausgabe 37/2019 von REPORT Die FLEISCH LÜGE. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
REPORT Die FLEISCH LÜGE
Titelbild der Ausgabe 37/2019 von TV-AKTUELL: Mythos BAUHAUS. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
TV-AKTUELL: Mythos BAUHAUS
Titelbild der Ausgabe 37/2019 von IRIS BERBEN: „Wenn der Tod bei mir anklopft, bin ich nicht zu Hause“. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
IRIS BERBEN: „Wenn der Tod bei mir anklopft, bin ich nicht zu Hause“
Vorheriger Artikel
IRIS BERBEN: „Wenn der Tod bei mir anklopft, bin ich nicht …
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel Rendezvous mit einem ROBOTER
aus dieser Ausgabe

... dem Feldhamster, sieht es anders aus. Die Art ist vom Aussterben bedroht: die am meisten gefährdete Säugetierart in Westeuropa. Aus der einstigen Bauernplage wurde das Sorgenkind der Naturschützer.

Kein Bett im Kornfeld

Was ist passiert? Ein Drama im Kornfeld. Früher wurde der Hamster bejagt. Das hat den Bestand in den 70er-Jahren einbrechen lassen. Inzwischen hat der streng geschützte Hamster andere Probleme. Neben dem schrumpfenden Lebensraum macht ihm die moderne Landwirtschaft zu schaffen. Die Bauern mähen ihre Felder viel früher. Der Nager verliert so auf einen Schlag Deckung und Nahrung. Die Weibchen bringen nur noch maximal einen Wurf durch, früher waren es drei. Hamster sind Einzelgänger, Männchen und Weibchen treffen sich nur zur Paarung.

Am schlimmsten ist, dass die bis zu 500 Gramm schweren Tiere auf dem nackten Stoppelfeld leichte Beute für zahlreiche Feinde wie Fuchs, Marder und Greifvögel sind. Außerdem hat der Hamster bei einer frühen Mahd kaum Zeit, genug Futter für den Winter zu sammeln. „Dieses Säugetier bringt ja die Riesenleistung, in nur sechs Monaten die andere Hälfte des Jahres zu organisieren“, erklärt Tierarzt Moritz Franz-Gerstein, Leiter des Projekts Feldhamsterland bei der Deutschen Wildtierstiftung. „Während der Ruhezeit steht er ab und an auf und geht zu seiner Vorratskammer.“ Etwa zwei Kilo Körner und Samen sind eine gute Lebensversicherung für einen Hamsterwinter. Die Körner schafft er mit seinen eingebauten Körben, den sprichwörtlichen Hamsterbacken, in den Bau. Die Behausung ist ein weit verzweigtes, bis 2,5 Meter tiefes Meisterwerk mit Schlafkammer, Toilette, Vorratskammer und Noteingängen. So aufwendige Bauten lassen sich nicht überall graben. Der passende Bodentyp ist deshalb Basis des Projekts Feldhamsterland. Die Tierschützer fahnden anhand von landwirtschaftlichen Karten zunächst nach hamstertypischen Lehm- und Lößböden. Dann machen sie eine Ortsbegehung. Eine solche Hamsterexpedition hat auch die Wissenssendung „Xenius“ (siehe TV-Tipp) begleitet.

Suchtrupp auf dem Acker

Kürzlich suchte Moritz Franz-Gerstein ein Feld an der Hildesheimer Börde ab. „Wir gehen wie bei einer Polizeikette durch die Felder. Es war ein guter Tag, wir haben rund zehn Eingänge entdeckt.“ Die typischen Löcher sind leicht zu erkennen. „Nur die Fallröhren des Hamsters fallen senkrecht und tief ab, einmal konnten wir einen Zollstock zwei Meter gerade nach unten versenken.“ Jeder Bau wird auf einer virtuellen Karte per GPS vermerkt. Wenn die Tierschützer wie bei Hildesheim Lebenszeichen des Hamsters aufspüren, suchen sie das Gespräch mit dem Landwirt.

Ihr Anliegen ist es, dem Hamster eine etwa 40 mal 40 Meter große Fläche zu lassen, die erst spät im Jahr gemäht wird. Seit Projektstart konnten 50 Landwirte zum Mitmachen gewonnen werden – übrigens nicht nur Biobauern.


Feldhamster werden bis zu 35 cm lang


STEHER
Bei Gefahr faucht er. Der dunkle Bauch und die weißen Pfoten sollen bedrohlich wirken


SAMMLER
In seinen dehnbaren Hamsterbacken transportiert der Nager bis zu 50 Gramm Futter


FAMILIENTIER Nach 20 Tagen Tragzeit kommen sechs bis zehn winzige Junge zur Welt, die schnell wachsen


FOTOS: CORDIER/OKAPIA, BACCEGA/NATUREPL, FISCHER/GETTY IMAGES, ALAMY