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NATUR: Zurück in die Freiheit


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HÖRZU - epaper ⋅ Ausgabe 45/2020 vom 30.10.2020

Kätzchen in Not: Wie eine Wildtierstation in Guyana einen verwaisten Margay fit macht für den Überlebenskampf im Urwald


Artikelbild für den Artikel "NATUR: Zurück in die Freiheit" aus der Ausgabe 45/2020 von HÖRZU. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: HÖRZU, Ausgabe 45/2020

Abenteuer Schritt für Schritt erkundet der verwaiste Margay den Urwald


Ziehvater Falton bringt der jungen Raubkatze bei, in der Wildnis zu überleben


„Falton kommuniziert fast ausschließlich durch seine Gestik mit dem Margay.“
Marion Pöllmann, Produzentin


Die Wildnis ruft. Vorsichtig tapst die kleine Raubkatze durch das Dickicht des Regenwalds, mustert mit großen Augen Bäume und Büsche. Wehende Blätter? Aufregend! Rennende Käfer? Hinterher! Bald tobt das Jungtier übermütig durchs ...

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... Unterholz. Was für ein Abenteuer! Solche Ausflüge in den Urwald gehören in der Wildtierstation Yacumbi in Guyana zum Alltag. Verwaiste oder verletze Vierbeiner werden hier an ein Leben in Freiheit gewöhnt. Die Raubkatze ist der erste Margay, der in der Station ein vorübergehendes Zuhause findet. Der junge Falton nimmt sich des Kleinen an, tauft seinen Zögling Ocilla und macht ihn monatelang fit für die Wildnis (siehe TV-Tipp Seite 18). Eine schwierige Mission, denn über die scheuen Tiere ist wenig bekannt.

Kletterkünstler in Gefahr

Vom nördlichen Mexiko über Uruguay bis nach Argentinien: Margays sind in nahezu allen Ländern Mittel- und Südamerikas zu finden. Vor allem in tropischen und subtropischen Regenwäldern fühlen sie sich heimisch. „Es gibt auf dem Kontinent keine andere Raubkatze, die so sehr auf Wälder angewiesen ist wie der Margay“, erzählt Dr. Dirk Embert, Südamerika-Referent des WWF, im Interview. „Die Tiere verbringen einen großen Teil ihres Lebens auf Bäumen, und genau das wird ihnen seit einigen Jahren vermehrt zum Verhängnis.“ Zunehmende Waldrodungen rauben den seltenen Vierbeinern ihren Lebens raum: „Margays sind immer häufiger gezwungen, in andere Habitate auszuweichen“, erzählt Dirk Embert. Das kann für die Tiere im täglichen Überlebenskampf schnell zur tödlichen Falle werden.

Schließlich ist der bis zu 80 Zentimeter lange Körper der Raubkatzen perfekt an das Leben in den Regenwäldern angepasst. Ihr langer, breiter Schwanz ermöglicht es ihnen, sich sogar auf schmalen Ästen problemlos auszubalancieren. Dazu kommt: „Die Tiere haben sehr bewegliche Pfoten, ihre Zehen lassen sich weit spreizen“, berichtet der Experte. „Das birgt viele Vorteile: Als eine von insgesamt drei Raubkatzenarten weltweit können Margays kopfüber einen Baum hinunterrennen – ideal, um Beute zu verfolgen.“

Verteidigung Der Margay muss lernen, sich gegen Angreifer zur Wehr zu setzen


Training Spielerisch lernt die Katze von Ziehvater Falton, Beute zu jagen


Freiheit Nach Monaten des Trainings geht es für Ocilla zurück in die Wildnis


Margays gelten als kreative Jäger

Auch bei der Jagd verweilen die grazilen Kletterkünstler am liebsten in luftiger Höhe. Auf ihrem Speiseplan steht neben Früchten und Eiern vor allem Fleisch. Vögel, Echsen, Opossums, aber auch kleine Affenarten: Rund um den brasilianischen Amazonas leben die sogenannten Zweifarbentamarine – für die heimischen Margays ein besonderer Leckerbissen. Um diesen zu erbeuten, werden die Raubkatzen kreativ: „Margays haben es sich angewöhnt, den Schrei verletzter Jungtiere nachzuahmen“, erzählt Dirk Embert. „Diese Stimmenimitation, auch Mimikry genannt, soll erwachsene Äffchen anlocken. Ein Verhalten, das ausschließlich bei der dortigen Population beobachtet werden konnte.“ Auf Beutesuche gehen die Raubkatzen am liebsten allein. Margays sind Einzelgänger und kommen lediglich zur Paarung zusammen. Nach einer Tragzeit von ungefähr 80 Tagen bringt Mama Margay den Nachwuchs zur Welt. Maximal zwei Jungtiere, wie der Experte betont: „Anders als die meisten anderen Raubkatzen besitzen Margays lediglich zwei Zitzen“, so Embert. „Mehr Jungtiere können also nicht gesäugt werden.“ Rund acht Monate dauert es, bis der Nachwuchs ausgewachsen ist. Einen Großteil dieser Zeit bleiben die Tiere bei ihrer Mutter, lernen von ihr alles, was sie über den Urwald wissen müssen.

Damit auch der kleine Ocilla aus der Wildtierstation die Chance bekommt, im Überlebenskampf zu bestehen, schlüpft Falton in den ersten Lebensmonaten in die Mutterrolle. „Er hat versucht, deren Verhalten zu imitieren, um Ocilla schrittweise zu zeigen, wie er jagen und sich verteidigen muss“, so Produzentin Marion Pöllmann. „Gleichzeitig sollte das Tier von Beginn an möglichst viel selbst machen.“ Wochenlang campiert Falton mit dem Kätzchen im Urwald. Er weiß, wie man hier überlebt, nutzt dafür das überlieferte Wissen seines Volks, der Wapishana (siehe Kasten links). Nach einigen Monaten Training heißt es für ihn und Ocilla Abschied nehmen. Das Abenteuer Freiheit beginnt!

WER SIND DIE WAPISHANA?

Mehr als 400 indigene Völker leben in Südamerika. Die rund 13.000 Wapishana sind vor allem in kleinen Dörfern im Süden Guyanas und Norden Brasiliens zu Hause. Eine große Rolle in ihrem Alltag spielt die Landwirtschaft: Neben Süßkartoffeln, Tomaten, Zwiebeln und Gemüse bauen die Wapishana vor allem Maniok an


FOTOS: S. 16-17: PROSICKY/SHUTTERSTOCK, PÖLLMANN/BR; S. 18: PÖLLMANN/BR (3)