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NATURAL HORSEMANSHIP: Nicht bloß Spielerei


Mein Pferd - epaper ⋅ Ausgabe 50/2019 vom 12.04.2019

Die Vision von Pat und Linda Parelli ist es, die Welt zu einembesseren Ort für Menschen und Pferde zu machen. Die entwickelten sieben Spiele sind ein Hilfsmittel, um dieKommunikation zu verbessern und zu verfeinern


Artikelbild für den Artikel "NATURAL HORSEMANSHIP: Nicht bloß Spielerei" aus der Ausgabe 50/2019 von Mein Pferd. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Mein Pferd, Ausgabe 50/2019

Beim Friendly Game soll das Vertrauen des Pferdes in den Menschen gestärkt werden – auch in Situationen wie beispielsweise mit einem großen Ball


Häufig werden die Seven Games nach Parelli von Kritikern als Spielerei abgetan, dabei tragen sie in Wirklichkeit zur Verbesserung der Beziehung zwischen Zwei- und Vierbeiner sowie der Steigerung der Leistungsbereitschaft des Pferdes bei. ...

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... Unabhängig von der Reitweise, der Rasse oder dem Alter des Pferdes können die Spiele eingesetzt werden, um die Kommunikation zwischen Mensch und Pferd zu verbessern. „Parellis Philosophie ist es, einen Dialog mit dem Pferd zu führen und keine Befehle in Monologform zu erteilen“, erklärt ElenaBader, 3*-Parelli-Instruktorin mit eigener Anlage im Westerwald. „Das Pferd soll etwas freiwillig tun, weil es den Sinn dahinter verstanden hat, und nicht, weil es dazu gezwungen wird.“ Bei einem Dialog dürfen beide Parteien sprechen und Vorschläge und Ideen einbringen – genau das ist das Ziel der Parelli-Spiele: Ein aktives, mitdenkendes Pferd, das sich entspannt und vertrauensvoll auf den Menschen als Herdenführer verlässt.

Die Pferdesprache als Schlüssel

Für Pferde ist die Kommunikation mittels nonverbaler Zeichen – also Körpersprache – das Natürlichste der Welt. Es liegt in der Verantwortung des Menschen, diese Sprache zu erlernen, um mit dem Vierbeiner kommunizieren zu können. Die Spiele leiten sich von der natürlichen Kommunikation der Pferde untereinander ab. Wenn Sie Pferde innerhalb ihres natürlichen Lebensraum in der Herde beobachten, werden Sie schnell die kleinen Zeichen und Signale in der Kommunikation untereinander bemerken. So gibt es verschiedene Phasen des Drucks, beispielsweise wenn ein ranghohes ein rangniedrigeres Tier – mithilfe des Driving Games – wegschickt: Zunächst werden die Ohren angelegt, dann bewegt sich der Kopf in die Richtung des rangniedrigeren Pferdes, bevor gebissen und schließlich getreten wird. Die nächsthöhere Stufe des Drucks wird nur bei fehlender Reaktion des Gegenübers eingesetzt. Anhand dieser Phasen werden auch die vier Phasen in der Hilfengebung bei Parelli abgeleitet: wenig, etwas mehr, deutlich mehr und viel Druck. „Zunächst versucht der Mensch, das Pferd lediglich mit Energie beziehungsweise einer Berührung der Haare zu bewegen. Im nächsten Schritt wird die Haut, dann werden die Muskeln und letztendlich die Knochen berührt. Dies ist alles natürlich sinnbildlich gemeint – schließlich wird niemals tatsächlich der Knochen berührt –, und soll nur die Stärke des auszuübenden Drucks verdeutlichen“, so Livia Glaser, eine der jüngsten 1*-Parelli- Instruktorinnen. Der tatsächlich benötigte Druck ist individuell vom Pferd abhängig – bei sehr unsicheren Pferden reicht häufig schon eine verstärkte Körperspannung des Menschen als zweite Stufe.

Die Philosophie von Parelli

Im Jahr 1981 gründete der US-Amerikaner Pat Parelli das Ausbildungsprogramm „Parelli Natural Horsemanship”, seine spätere Frau Linda Parelli prägte das Konzept maßgeblich mit. Bei dem Konzept handelt es sich um eine Art Ausbildung in der Kommunikation zwischen Mensch und Pferd. Dabei wird insbesondere auf die individuelle Persönlichkeit des Pferdes und die daraus resultierenden Bedürfnisse eingegangen. Dies spiegelt sich in dem von Pat Parelli erfundenen Begriff „Horsenality“ – bestehend aus den Wörtern „Horse“ und „Personality“ wieder: Pferde werden anhand ihrer Persönlichkeit in verschiedene Kategorien eingeteilt. Es ist unabdingbar für ein erfolgreiches Miteinander und Training, die Persönlichkeit des eigenen Pferdes zu kennen.

Die ersten drei Spiele nach Parelli bilden die Basis, auf der die restlichen vier Spiele aufbauen. Als Ausrüstung benötigt man ein gut sitzendes Knotenhalfter, einen eher schweren, langen Strick sowie einen Carrot- Stick. Alle Übungen werden zunächst vom Boden aus erarbeitet, anschließend kann man diese problemlos auch im Sattel umsetzen. Entgegen der weit verbreiteten Annahme arbeiten Parelli-Instruktoren zu gleichen Teilen vom Boden und vom Sattel aus mit dem Pferd. Sinn und Zweck der Spiele ist der Vertrauensaufbau, die Stärkung des Selbstvertrauens des Pferdes und natürlich die Verfeinerung der Kommunikation zwischen Pferd und Mensch. Bei der Suche nach einem passenden Trainer sollte man auf die Lizenzierung achten, da diese Trainer persönlich von Pat Parelli ausgebildet wurden. Eine Liste verschiedener Instruktoren finden Sie hier: www.parelli-instruktoren.com

Friendly Game (Freundlichkeitsspiel)

Vertrauensaufbau – „Beim Friendly Game vermittelt der Mensch dem Pferd, dass es vor nichts Angst haben muss. Das Pferd soll Vertrauen in den Menschen, die Umgebung und schlussendlich sich selbst gewinnen“, erklärt die Ausbilderin Elena Bader. Einer der ersten Schritte bei diesem Spiel ist, dass sich das Pferd überall berühren lässt – sowohl mit der Hand, als auch mit dem Stick als Verlängerung des Arms. „Es ist elementar, dass der Mensch eine entspannte Körperhaltung einnimmt. Dadurch signalisiert er dem Pferd, dass es nichts zu befürchten hat und dass keine Aktivität vonseiten des Pferdes gefordert wird“, so Elena Bader. Außerdem ist das Timing für den Erfolg entscheidend: Das Pferd wird generell für richtiges Verhalten – in diesem Fall die Entspannung und das ruhige Stehen – belohnt. Diese Belohnung geschieht, indem der Mensch mit seiner Aktivität – sei es Streicheln, Ballwerfen oder Ähnlichem – aufhört. Dies ist das Prinzip von Annäherung und Rückzug. Es ist wichtig, so lange mit der Aktivität fortzufahren, bis das Pferd wirklich entspannt steht. „Ansonsten wird das unerwünschte Verhalten und möglicherweise die Angst des Pferdes verstärkt. Außerdem muss der Mensch sehr genau darauf achten, ob das Pferd nur ruhig steht und möglicherweise in eine Art Schockstarre verfallen oder ob es wirklich entspannt ist. Tatsächliche Entspannung erkennt man an verschiedenen kleinen Signalen, wie dem Ohrenspiel, dem Kauen oder der Schweifhaltung“, erklärt die Expertin. Durch das Friendly Game kann man das Pferd mit vielen unterschiedlichen Gegenständen und Situationen bekannt machen: von der Plane über die Vorbereitung für medizinische Behandlungen – beispielsweise durch die Berührung im Ohr – bis zum Anreiten von Jungpferden. Die Übungen müssen dabei schrittweise aufgebaut und der Schwierigkeitsgrad gesteigert werden, so Livia Glaser: „Wenn ein Pferd das Entspannen erst mal gelernt hat, kann man innerhalb kürzester Zeit neue Gegenstände ins Training integrieren. Generell gilt: Je mehr Gegenstände und Situationen das Pferd durch das Friendly Game kennen gelernt hat, desto unproblematischer sind neue, unbekannte Dinge.“ Die Häufigkeit der Wiederholungen hängt dabei entscheidend von der Persönlichkeit des Pferdes ab: Bei sehr verspielten Pferden muss man darauf achten, viel Abwechslung in das Training zu bringen, ansonsten langweilen sich diese Kandidaten sehr schnell. Bei einem ängstlichen Pferd muss man gegebenenfalls mehr Wiederholungen machen, um die gewünschte Sicherheit zu erreichen. Allerdings zeigt das Friendly Game insbesondere bei ängstlichen Pferden einen großen Effekt, da diese dadurch Selbstsicherheit und Mut gewinnen. „Auch bei der Ausbildung von jungen Pferden ist das Friendly Game hilfreich: So werden dem Pferd in diesem spielerischen Rahmen das Equipment und der Mensch im Sattel nahegebracht“, so Elena Bader.

Porcupine Game (Stachelschweinspiel)

Druck weichen – Bei diesem Spiel geht es darum, dass das Pferd lernt, physischem Druck zu weichen. Dafür spielen die eingangs erwähnten vier Phasen eine wichtige Rolle. „Bei den ersten Einheiten dieses Spiels ist es wichtig, dass das Pferd bereits in dem Moment gelobt und der Druck weggenommen wird, in dem das Pferd in die richtige Richtung denkt. Wenn das Pferd zu Beginn beispielsweise bei dem Rückwärtsgehen lediglich das Körpergewicht nach hinten verlagert – ohne ein Bein zu heben – wird es bereits belohnt“, erklärt Livia Glaser. Nach und nach werden die Anforderungen dabei gesteigert: Zunächst muss das Pferd in die richtige Richtung denken, dann einen Schritt machen, anschließend mehrere. Das Porcupine Game kann in vielen verschiedenen Varianten und Richtungen gespielt werden: Die Berührung kann entweder am Pferdekörper, am Knotenhalfter oder am Langhaar stattfinden, und das Pferd kann vor-, seit- oder rückwärts bewegt oder lediglich die Vor- oder Hinterhand verschoben werden. „Das Ziel des Porcupine Games ist es, das Pferd mit möglichst wenig Druck kontrolliert zu bewegen. Wir wollen kein Pferd, das bei jeder kleinen Berührung hektisch mehrere Schritte vor der Berührung flieht. In solchen Fällen sollte nochmals vermehrt das Friendly Game gespielt werden, damit das Pferd keine Angst vor Berührungen – sei es mit der Hand oder dem Stick – hat“, empfiehlt Elena Bader. „Dominante Pferde hinterfragen bei dem Porcupine Game zu Beginn ganz gerne mal den Sinn – insbesondere wenn das Pferd den Menschen als Herdenführer noch nicht akzeptiert und daher dessen Anweisungen nicht folgen möchte, wohingegen ängstliche Pferde die Führung eher suchen.“ In der Praxis ist jedes Führen oder Herumtretenlassen des Pferdes beispielsweise am Putzplatz bereits ein Porcupine Game. In den Sattel übertragen übernimmt der Reitersitz das Porcupine Games: Das Pferd muss dem Druck der Zügel-, Schenkel- und Gewichtshilfen folgen. Dabei ist generell das Ziel, dass das Pferd auf minimalen Druck weicht: Beginnen Sie mit sehr wenig Druck, erhöhen Sie den Druck so lange, bis das Pferd weicht. Die Devise lautet: so wenig wie möglich, so viel wie nötig.

Driving Game (Treibspiel)

Auf Entfernung bewegen – Das Ziel dieses Spiels ist es, das Pferd nur durch mentalen Druck auf Entfernung zu bewegen. „Pferde bewegen sich gegenseitig ständig, mit einem Blick, dem Bewegen der Ohren oder dem Anheben eines Hinterbeins“, so Elena Bader. Das Driving Game imitiert das natürliche Pferdeverhalten innerhalb der Herdenmitglieder. Beim Porcupine Game wird physischer Druck verwendet, nun soll sich das Pferd ohne Berührung in jede Richtung vom Menschen bewegen lassen. Die vier Phasen sind bei diesem Spiel: zunächst lediglich eine Erhöhung der Körperspannung, dann den Stick oder das Seil anheben, eventuell eins von beiden bewegen, und in der letzten Phase das Pferd mit dem Stick berühren. „Das Ziel ist, die Phasen immer kleiner werden zu lassen. Bei richtigem Timing des Menschen und richtiger Dosierung der Hilfen zeigt das Pferd innerhalb kürzester Zeit eine Verbesserung“, so Livia Glaser.

Yo-Yo Game (Jo-Jo-Spiel)

Vor und zurück – Bei diesem Spiel soll das Pferd auf gerader Linie rückwärts und vorwärts gehen – der Name stammt daher von der ähnlichen Bewegung eines Jo-Jos. Das Ziel ist, dass das Pferd rückwärts und vorwärts geht, ohne dass der Mensch dabei seinen Ausgangspunkt verlässt. „Dafür setzt der Mensch bewusst seine Körpersprache und -haltung ein: Beim Rückwärtsschicken neigt man den Körper etwas zum Pferd hin und baut sozusagen Druck auf, wohingegen man beim Vorwärtsgehen den Körper leicht nach hinten nimmt und dem Pferd somit Raum gibt,“ erklärt Elena Bader. „Dabei muss man insbesondere beim Vorwärtsgehen darauf achten, dass das Pferd nicht in den persönlichen Raum des Menschen kommt und gegebenenfalls diesen bewegt. Der persönliche Raum ist der Platz um den Menschen herum, den er benötigt, wenn er sich mit in die Hüfte gestemmten Händen im Kreis dreht.“ „Generell kann man beobachten, dass sich Pferde, die ungern rückwärts gehen, meist auch bei Übergängen in die niedrigere Gangart schwer tun. Selbstverständlich müssen zunächst gesundheitliche Probleme ausgeschlossen sein“, so die 1*-Instruktorin. Durch eine häufige Wiederholung des Wechsels aus rückwärts und vorwärts verbessern sich die Übergänge in jeder Gangart nahezu wie von selbst. Als Steigerung kann man nach dem Rückwärts auch vorwärts traben.

Circling Game (Zirkelspiel)

Rundherum im Kreis – Das Circling Game erinnert zunächst an herkömmliches Longieren, allerdings mit dem großen Unterschied, dass das Pferd eigenverantwortlich die Gangart, Richtung und Linie beibehalten muss, ohne dass der Mensch ständig korrigierend oder treibend eingreift. Aus diesem Grund bleibt der Mensch auf dem Zirkelmittelpunkt stehen und dreht sich nicht mit dem Pferd mit – auch das Mitdrehen des Kopfes, um das Pferd im Auge zu behalten, sollte unterlassen werden. Insbesondere wenn sich das Pferd im toten Winkel des Menschen befindet, werden dabei die Eigeninitiative und das Verantwortungsbewusstsein des Pferdes auf die Probe gestellt. „Da das Pferd bei diesem Spiel sehr viel Eigenverantwortung übertragen bekommt, wird das Mitdenken gefördert. Außerdem steht diese Übung im Kontrast zum Mikromangement – also dem Überwachen jedes einzelnen winzigen Schrittes –, zu dem man häufig im Umgang mit dem Pferd neigt“, erklärt Elena Bader. Immer wenn das Pferd das erwünschte Verhalten zeigt, wird es in Ruhe gelassen. Der Mensch greift erst ein, wenn das Pferd seiner Verantwortung in Bezug auf Beibehalten der Gangart und/oder Richtung nicht nachkommt. Meist liegt dieses Spiel extrovertierten Pferden mit großem Bewegungsdrang mehr als eher introvertierten, bewegungsfaulen Tieren. Es gilt daher, diese – wie überhaupt jede – Übung an den Charakter des Pferdes anzupassen und schrittweise zu steigern: Ein bewegungsfreudiges Pferd darf mehrere Runden traben – für es ist es eine Belohnung. Ein bewegungsunlustiges Tier darf hingegen nach einer Runde Trab bereits wieder Schritt gehen. Überträgt man diese Übung in den Sattel, so sieht man auf dem Bild, dass die Reiterin Livia Glaser weder Zügel- noch Schenkelhilfen einsetzt. Auch hier liegt es in der Verantwortung des Pferdes, die Gangart und Richtung beizubehalten.

Sideways Game (Seitwärtsspiel)

Seitwärts – Das Sideways Game kann entweder in Form des Driving Games mit mentalem Druck oder in Form des Porcupine Games mit physischem Druck gespielt werden. Dabei steigert man die Seitwärtsbewegung von einem reinen Seitwärts zu einem korrekten Seitengang, beispielsweise Schenkelweichen. Dieses Spiel zeigt erneut den großen Mehrwert der sieben Spiele nach Parelli: Schließlich sind die Seitengänge in vielen Reitweisen ein großer Bestandteil der gymnastizierenden Arbeit. Insgesamt gilt: Je besser das Pferd seitwärts – und rückwärts – geht, desto besser wird es auch in den meisten anderen geforderten Lektionen performen. Zu Beginn empfiehlt sich eine Begrenzung beim Seitwärtsgehen, b eispielsweise ein Zaun oder eine Reithallenbande. Außerdem sollte das Pferd immer in beide Richtungen seitwärts gehen – den meisten Pferden fällt aufgrund ihrer natürlichen Schiefe eine Seite nämlich leichter. Vom Boden aus kann man das Sideways Game aus verschiedenen Positionen angehen.

Squeeze Game (Engpass-Spiel)

Keine Angst vor Engstellen – Beim Squeeze Game soll das Pferd selbstständig, ruhig und vertrauensvoll durch oder über einen Engpass gehen. Mögliche Hindernisse sind dabei Planen, Tonnen, Podest, eine enge Gasse und vieles mehr. „Generell haben die meisten Pferde sehr viel Spaß an diesem Spiel. Außerdem wird die Selbstsicherheit des Pferdes gesteigert und die Beziehung zwischen Zwei- und Vierbeiner durch die gemeinsamen Erlebnisse gestärkt“, erklärt Ausbilderin Elena Bader. Zudem ist dieses Spiel auch eine tolle Vorbereitung auf das Verladen. Generell ist einer der Leitgedanken Parellis, dass das Pferd eigene Ideen zeigen darf – dies wird beim Squeeze Game besonders deutlich. „Der Mensch bittet beispielsweise das Pferd, sich mit dem Podest auseinanderzusetzen. Im Anschluss darf das Pferd ausprobieren – mal mit einem Huf draufstellen, mal drüberlaufen, mal mit den Vorderbeinen darauf verharren. Beschäftigt sich das Pferd mehr mit der Umgebung, so sollte der Mensch die Aufmerksamkeit des Pferdes erneut auf das Ziel – in dem Fall das Podest – lenken“, erklärt Livia Glaser. Indem man das Pferd erneut eigenverantwortlich handeln lässt, wird dieses nicht nur selbstsicherer, sondern auch im Gelände trittsicherer. „Wir geben dem Pferd den Raum zu lernen, aber geben ihm nicht jede Fußfolge vor“, erläutert Elena Bader. Jedes Squeeze Game wird mit der Abfolge „Turn, Face, Wait“ – also Drehen, Anschauen, Warten – beendet. „Dies hat den Hintergrund, dass das Pferd nicht schnell und ängstlich ein Hindernis über- oder durchqueren soll. Es soll sich vielmehr ruhig damit auseinandersetzen“, so die Expertin.

UNSERE EXPERTINNEN

ELENA BADER hat ihr Leben ganz den Pferden verschrieben und betreibt als 3*-Parelli- Instruktorin ein Horsemanship- Zentrum im Westerwald. Als die 31-Jährige vor 13 Jahren mit dem Reiten begann, war schnell klar, dass der herkömmliche Umgang des Menschen mit den Pferden nicht ihren Vorstellungen entspricht – so kam sie zu Parelli.
www.elenabader.de

LIVIA GLASER ist 1*-Parelli- Instruktorin und betreibt in der Nähe von Salzburg (Österreich) eine eigene Anlage. Nach ihrem Abitur arbeitete sie ein Jahr bei Elena Bader, um sich im Horsemanship weiterzubilden. Später folgte ein Aufenthalt bei Pat Parelli in der USA, wonach sie mit 20 Jahren zu einer der jüngsten lizenzierten Instruktorinnen wurde.
www.livia-glaser.at


Fotos: Daniel Elke