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NATURAufgeweckte Kerlchen


HÖRZU - epaper ⋅ Ausgabe 23/2019 vom 31.05.2019

Die Zeit des Winterschlafs ist vorbei: Der Siebenschläferwird jetzt munter und ist in der warmen Jahreszeit bei der Futtersuche kaum zu bremsen


Artikelbild für den Artikel "NATURAufgeweckte Kerlchen" aus der Ausgabe 23/2019 von HÖRZU. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: HÖRZU, Ausgabe 23/2019

NEUGIERIG
Der Siebenschläfer sieht aus wie eine Mischung aus Eichhörnchen und Maus. Er lebt in Bäumen


Sieben Monate Winterschlaf

Die Ruhezeit ist vorbei: Im Mai meldet sich der Siebenschläfer zurück und sorgt für viel Wirbel

VIELSCHLÄFER
Tagsüber ruht der Siebenschläfer, der zur Familie der Bilche gehört, also zu den Schlafmäusen


RUNDUM GEBORGEN
Nackt, taub und blind: Ab Ende Juli wird der Nachwuchs geboren


GUT GEHALTEN
Siebenschläfer sind ausgezeichnete ...

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SÜSS GEKNABBERT
Obst gehört zu den liebsten Speisen des Siebenschläfers. Er frisst aber ohnehin fast alles, was die Natur ihm bietet


Vorsichtig nähern sich die Polizisten dem Haus der alten Dame. Sind die Einbrecher noch im Gebäude? Weil sie mitten in der Nacht lautes Gepolter in der Küche hörte, hat die Frau den Notruf gewählt. Als die Beamten die Küche betreten, ertappen sie den Dieb auf frischer Tat: einen Siebenschläfer, der sich über die Vorräte hermacht und dabei ein Riesenspektakel veranstaltet. Die Hausbewohnerin hatte die Terrassentür einen Spalt weit offen gelassen, der kleine Kerl nutzte die günstige Gelegenheit sofort zum Futtern.

Jetzt ist die Zeit des Erwachens für den Siebenschläfer. Nach dem langen Winterschlaf sind die Fettreserven im Mai aufgebraucht. Die Tiere haben nun rund die Hälfte ihres Körpergewichts verloren.

Bevorzugte Lebensräume sind zwar Obstgärten und Laubmischwälder wie der Spessart, wo auch die Doku „Im Wald der Kobolde“ gedreht wurde (siehe TV-Tipp). Doch es gibt immer wieder „Einbrüche“ in Häuser. Im vergangenen Jahr kam es im schwäbischen Reutlingen sogar zu einem Großeinsatz der Polizei. Siebenschläfer mögen Scheunen, Hütten, Dachböden. Die Nähe zum Menschen fürchten sie nicht.

Im Sommer machen Siebenschläfer die Nacht zum Tag und sind bei der Suche nach Futter quicklebendig. Und gefräßig: Obst, Samen, Rinde, Knospen und Blüten schmecken ihnen, im Spätsommer auch Eicheln, Nüsse, Bucheckern, Kastanien, Pilze, aber auch Insekten, Vogeleier und sogar Jungvögel verschmähen sie nicht. Je nach Jahreszeit passen sie sich dem natürlichen Nahrungsangebot gut an. Der nächste Winter kommt bestimmt, und dann benötigen sie wieder Fettreserven.

Was ist dran an der Bauernregel? Siebenschläfer

WEISHEITEN dazu gibt es viele: „Wird der Siebenschläfer nass, regnet’s ohne Unterlass.“ Und: „Scheint am Siebenschläfer Sonne, gibt es sieben Wochen Wonne.“ Laut Regel bleibt das Wetter sieben Wochen lang so wie am 27. Juni: „Das Wetter am Siebenschläfertag noch sieben Wochen bleiben mag.“ Erstaunlicherweise ist diese alte Regel recht zuverlässig: In bis zu 70 Prozent der vergangenen Jahre traf sie im Norden zu, im Süden noch häufiger. Meteorologen erklären das damit, dass sich die Wetterlage Ende Juni stabilisiert. Das Nagetier hat damit allerdings nichts zu tun. Die Regel geht auf einen christlichen Mythos zurück. In Ephesus wurden sieben junge Christen eingemauert. Nach 195 Jahren wurden diese „sieben Schläfer“ am 27. Juni des Jahres 446 n. Chr. gefunden – und sie erwachten wieder zum Leben.

Siebenschläfer brauchen toteBäume

Den Tag verschlafen sie in Baumhöhlen, Erdlöchern oder Nistkästen, wo sie sich eng aneinanderkuscheln. „Die Tiere bilden ganz gezielt Schlafgemeinschaften“, sagt Bettina Koppmann-Rumpf, Biologin bei der Ökologischen Forschungsstation Schlüchtern in Hessen, wo die Tiere beobachtet werden. Die Wissenschaftler entdeckten etwa, dass Siebenschläfer keineswegs Einzelgänger sind, wie lange vermutet wurde, sondern gesellige Tiere.

Wohl fühlen sie sich in großflächigen Laub- und Mischwäldern mit altem Baumbestand. „Siebenschläfer brauchen dringend tote Bäume“, sagt Koppmann-Rumpf. Darin finden sie verlassene Naturhöhlen als Schlafstätten und zur Aufzucht der Jungtiere, die Ende Juli zur Welt kommen: nackt, blind und taub. Dennoch sind sie nach acht Wochen schon selbstständig.

Bis zu 200 Gramm Körpergewicht
futtern sich die Siebenschläfer für den Winter an. Sie wiegen dann etwa doppelt so viel wie im Sommer


SCHLAU GEKLAUT
Gut gefüllte Vorratsräume sind begehrte Ziele der frechen Nager

Ausgewachsene Tiere erreichen samt Schwanz eine Körperlänge von 30 Zentimetern, wiegen je nach Monat zwischen 70 und 200 Gramm und sehen mit ihrem buschigen Schwanz aus wie eine Mischung aus Eichhörnchen und Maus. Sie gehören wie die Haselmaus zur Familie der Bilche, auch Schlafmäuse genannt, und verfügen über ein ausgezeichnetes Gehör, einen guten Geruchs- und einen ausgeprägten Tastsinn. Sie leben hauptsächlich in Bäumen und sind exzellente Kletterer. Über Blasen an den Fußsohlen sondern sie klebrige Sekrete ab, die ihnen Halt geben.

Gefährlich werden ihnen Marder, Katzen und Greifvögel. Auch Kälte mögen sie gar nicht. Deswegen variiert die Dauer des Winterschlafs, den sie bei milden Temperaturen unterbrechen oder verkürzen. Im Herbst buddeln die Siebenschläfer einen Meter tiefe Erdlöcher, um sich vor Frost zu schützen. Aber bis dahin haben die kleinen Bilche noch viel zu tun.


FOTOS: S. 14-15: IMAGO (GR.), WATSON/FAUNA PRESS; S. 16-17: ALAMY, WATSON/FAUNA PRESS, IMAGO (2)