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NATURFOTOGRAFIE: Der Ruf der Wildnis


CanonFoto - epaper ⋅ Ausgabe 2/2019 vom 25.01.2019

Gehen Sie mit Ihrer EOS auf die Jagd nach beeindruckenden Fotos von Tieren in freier Wildbahn. Das sind unsere Wildlife-Tipps.


Artikelbild für den Artikel "NATURFOTOGRAFIE: Der Ruf der Wildnis" aus der Ausgabe 2/2019 von CanonFoto. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: CanonFoto, Ausgabe 2/2019

Fotos von Tieren in ihrem natürlichen Lebensraum sind eine besonders herausfordernde Disziplin. Das Aufspüren und das Annähern an ein gutes Motiv kann schon eine Kunst für sich sein. Doch darüber hinaus gilt es, eine ganze Reihe von Regeln und Techniken zu beachten, damit Ihnen auch wirklich gute Aufnahmen gelingen.

Um Tiere zu fotografieren, müssen Sie eine gehörige Portion Geduld mitbringen. Es kann oft Stunden dauern, bis sich überhaupt ein gutes Motiv vor die Kamera begibt. ...

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... Ist der Moment gekommen, müssen Sie schnell reagieren können – was perfekte Kameraeinstellungen voraussetzt.

Als Basis dient normalerweise der Av-Modus. So lassen sich schnell große Blendenöffnungen wählen, um mit kurzen Belichtungszeiten flinke Bewegungen gestochen scharf abzubilden. Außerdem bietet der Av-Modus die Möglichkeit, zügig eine Belichtungskorrektur einzustellen. Dies ist hilfreich, da viele Tierarten ein sehr dunkles oder helles Fell oder Gefieder besitzen, das den Belichtungsmesser der Kamera täuschen kann, wenn Sie mit der Mehrfeldmessung arbeiten.

Wie bei Sportaufnahmen haben Sie mit AI Servo AF in Kombination mit Reihenaufnahmen die besten Chancen auf ein perfekt fokussiertes Foto. Zusätzlich können Sie die Kamera im Menü der Individualfunktionen so konfigurieren, dass über die AF-ON-Taste auf der Rückseite des Gehäuses und nicht mit dem Auslöser fokussiert wird. Dadurch lässt sich der Fokussiervorgang jederzeit unterbrechen und trotzdem über den Auslöser ein Foto aufnehmen. 

Auf der Pirsch

Die richtige Anpirschtechnik ist genauso wichtig wie die perfekten Kameraeinstellungen. Wenn Sie Säugetiere zu Fuß aufspüren wollen, sollten Sie Kleidung tragen, die nicht raschelt, und Taschen mit Klettverschlüssen vermeiden. Nähern Sie sich außerdem langsam an Ihr Motiv an. Sollten Sie mit einem großen Objektiv fotografieren, empfiehlt sich der Einsatz eines Einbeinstativs, mit dem Sie viel beweglicher sind als mit einem Dreibeinstativ. Achten Sie immer auf die Belichtungszeit, und aktivieren Sie den Bildstabilisator bei Fotos aus der Hand. Wenn Sie Tarnzelte nutzen möchten, sollten Sie diese bereits weit im Vorfeld aufbauen, damit sich die Tiere in der Umgebung an das noch fremde Objekt gewöhnen können.

Passende Optik finden

Das sollten Sie bei der Wahl Ihres Objektivs beachten.

Tele- oder Superteleobjektive sind das Handwerkszeug der meisten Wildlifefotografen. Ihre langen Brennweiten erlauben das Fotografieren aus sicherer Entfernung, wenn Sie mit Ihrer Anwesenheit die Tiere verscheuchen würden oder einfach nicht mehr näher herangehen können. Der enge Bildwinkel macht es außerdem einfacher, einen nicht störenden Hintergrund zu wählen, der wie der Vordergrund durch die großen Offenblenden in eine unauffällige Unschärfe getaucht werden kann.

Für klassische Wildlifefotos sollten Sie von einer Mindestbrennweite von 300mm ausgehen, wobei 400–500mm optimal sind – allerdings werden Sie überrascht sein, wie nahe Sie trotzdem noch an ein Motiv herangehen müssen, um eine formatfüllende Abbildung zu erhalten. Superteleobjektive mit Brennweiten um die 600–800mm lassen sich hingegen nur umständlich handhaben. Sie werden vor allem in der Vogelfotografie eingesetzt, in der es auf jeden Millimeter Brennweite ankommt. Mit einem Telekonverter lässt sich die Brennweite außerdem zusätzlich verlängern. Canon bietet verschiedene solcher Extender mit den Verlängerungsfaktoren 1,4x und 2x an. Ihr Einsatz hat jedoch einen Preis: Licht. Ein 1,4facher Extender reduziert die Offenblende des Objektivs um eine Blendenstufe, ein zweifacher sogar um zwei. Verwenden Sie zum Beispiel einen zweifachen Extender an einem 500mm-f/4-Objektiv, erhalten Sie effektiv ein Objektiv mit einer Brennweite von 1.000mm und einer Offenblende von f/8.

Der Crop-Faktor einer Kamera mit APS-C-Sensor kann hingegen ein Vorteil bei Tieraufnahmen sein. Diese Sensoren decken im Vergleich zum Vollformat eine 1,6- mal kleinere Fläche ab. Dadurch holen Sie Motive noch näher heran. Der Nachteil der APS-C-Kameras ist aber, dass die kleineren Sensoren bei hohen ISO-Werten eine schlechtere Bildqualität liefern – das ist vor allem in der Dämmerung problematisch.

Telefestbrennweiten und Telezoomobjektive

Welche Vor- und Nachteile bieten Festbrennweiten und Zoomobjektive im Telebereich? Wir vergleichen drei Profi-Optiken.

Warum nutzen professionelle Tierund Naturfotografen oftmals Telefestbrennweiten, wenn sich mit günstigeren Zoomobjektiven die gleiche Brennweite abdecken lässt? Wo liegen die Unterschiede dieser beiden Objektivklassen?

Die auf dem Markt erhältlichen Festbrennweiten variieren stark im Preis und im Gewicht – beides sind Faktoren, die mit der Offenblende des Objektivs zusammenhängen. Eine 400mm-Optik als f/5,6- Version ist leicht und vergleichbar preiswert, während dieselbe Brennweite mit einer Offenblende von f/2,8 sehr schwer und extrem teuer sein kann. Die große Blende von f/2,8 ermöglicht aber kürzere Belichtungszeiten, weniger Schärfentiefe und eine schönere Unschärfe. Außerdem bietet die große Blende beim Einsatz eines

Telekonverters mehr Freiheiten. Telezooms sind hingegen flexibler einsetzbar, verfügen aber über kleinere Offenblenden, die sich bei zunehmender Brennweite zusätzlich verringern. Dadurch verlängert sich die Belichtungszeit, je näher Sie an ein Motiv heranzoomen. Eine Ausnahme bietet das hochpreisige Canon EF 200-400mm f/4L IS USM. Bei solch hohen Preisen ist Anmieten von Objektiven sinnvoll.

Natur und Tiere im Foto vereinen

Beziehen Sie die Umgebung in Ihre Fotos mit ein, wenn Sie nicht nah genug an Ihr Motiv herankommen.

BILDGESTALTUNG

Achten Sie bei der Komposition darauf, dass sich das Hauptmotiv nicht in der Mitte des Bildausschnitts befindet. Platzieren Sie Tiere lieber etwas seitlich, indem Sie die AF-Messfelder als Orientierungshilfe nutzen.

Damit Ihnen beeindruckende Aufnahmen gelingen, müssen Sie kein professionelles Objektiv besitzen. Die immer gleichen, formatfüllenden Nahaufnahmen können mit der Zeit sogar langweilig wirken. Interessantere Bilder lassen sich oft erzeugen, wenn Sie den Lebensraum Ihres Motivs in die Bildgestaltung miteinbeziehen, und dafür sind bereits Mittelklasse-Telezoomobjektive ausreichend.

Fotografieren Sie die Tiere mit ihrer Umgebung, wird die Belichtung durch den Vorderund Hintergrund beeinflusst. In manchen Fällen werden Sie deshalb auf die Belichtungskorrektur zurückgreifen müssen, insbesondere wenn Ihr Hauptmotiv von sehr dunklen oder hellen Umgebungen eingerahmt wird. Besteht der Bildausschnitt zum Beispiel größtenteils aus dem Himmel, werden Sie wahrscheinlich überbelichten müssen, um eine Unterbelichtung zu vermeiden.

Wildtiere sind oft gut getarnt. Um sie dennoch in ihrer Umgebung zur Geltung zu bringen, sollten Sie den Bildausschnitt so wählen, dass sich Ihr Hauptmotiv von einem klaren Hintergrund abhebt oder durch das Licht hervorgehoben wird. Vermeiden Sie dabei andere helle oder farbig auffällige Stellen, die den Betrachter ablenken. Stellen Sie scharf, indem Sie manuell ein AF-Messfeld wählen, das über Ihrem Motiv liegt. Sollte das Motiv sehr klein sein oder nicht von einem Messfeld abgedeckt werden, können Sie auch mit einem anderen AF-Messfeld fokussieren, die Scharfstellung speichern und anschließend den Bildausschnitt exakt bestimmen. Nutzen Sie nie den Zoom nach dem Fokussieren, da sich die Fokussierdistanz verschiebt, wenn Sie die Brennweite ändern.

Kleines ganz groß

So fokussieren Sie kleine Motive perfekt an.

Falls Ihr Objektiv die Möglichkeit bietet, den Fokussierbereich zu begrenzen, können Sie mit der Einstellung die zur Fokussierung erforderliche Zeit verkürzen.


Nicht nur Aufnahmen von großen Wildtieren durch ein langes Teleobjektiv können Spaß machen. Auch Nahaufnahmen von kleinen Tieren ergeben beeindruckende Fotos und können sogar technisch anspruchsvoller sein.

Ein Makro-Objektiv ist dabei keine Voraussetzung. Kurze Teleobjektive, die mit einer Nahlinse oder einem Zwischenring ausgestattet werden, liefern ebenfalls eine ausreichende Vergrößerung. Ultraweitwinkelobjektive erlauben es sogar, nahe an das Motiv heranzugehen und gleichzeitig Details der Umgebung mit abzubilden – vorausgesetzt, Ihr Motiv hält so lange still. Wollen Sie allerdings die besten Fotos schießen, führt kein Weg an einem Makro-Objektiv vorbei. Das Canon EF 100mm f/2.8L Macro IS USM ist eine sehr gute Wahl, da es nicht nur extrem scharf und lichtstark ist, sondern auch über einen leistungsstarken Hybrid-Bildstabilisator verfügt.

Durch die sehr geringe Schärfentiefe muss bei Makroaufnahmen besonders genau fokussiert werden. Bei Motiven wie Fröschen lässt sich gut manuell über die vergrößerte Ansicht in Live-View scharf stellen. Wenn Sie den Autofokus und den Sucher zum Scharfstellen nutzen, sollten Sie ein AF-Messfeld wählen, das genau über der Pupille und nicht auf dem Augenrand liegt. So gelingen spektakuläre Nahaufnahmen.

Schneller fotografieren mit automatischem ISO-Wert

Nutzen Sie Auto-ISO, um bei wechselnden Lichtbedingungen und gleichbleibenden Belichtungen gestochen scharfe Bilder zu fotografieren.

Mit Auto-ISO lassen sich selbst bei wechselhaftem Licht gestochen scharfe Fotos aus der Hand schießen.


Um gestochen scharfe Tierfotos zu erhalten, werden Sie mit sehr kurzen Belichtungszeiten arbeiten müssen. Dies gilt vor allem bei Teleobjektiven, bei denen durch die lange Brennweite jede noch so kleine Bewegung sehr leicht zu einer Verwacklung führen kann. Deshalb wird in den meisten Fällen mit der Offenblende des Objektivs fotografiert. Nur so fällt eine ausreichend große Lichtmenge auf den Kamerasensor, die kurze Belichtungszeiten ermöglicht.

Da Tiere vor allem in der Dämmerung aktiv sind, werden Sie außerdem die ISO-Empfindlichkeit erhöhen müssen. Oft kommen dabei Werte von ISO 3200 oder höher zum Einsatz. Mit Auto-ISO passt Ihre Kamera den ISO-Wert automatisch an. So werden Belichtungszeiten gewährleistet, die verwackelungsfreie Aufnahmen erzeugen. Um dabei extremes Bildrauschen zu vermeiden, lässt sich die maximale ISO-Empfindlichkeit im Kameramenü begrenzen (siehe ab Seite 82.)

Bei hochwertigen Canon EOS-Modellen können Sie sogar die minimale Belichtungszeit festlegen, die gewährleistet werden soll. Die Kamera passt nun automatisch den ISO-Wert an die Lichtverhältnisse an, um mindestens die gewählte Belichtungszeit zu erhalten, bis das Umgebungslicht zu gering wird und keine ausgeglichene Belichtung mehr erzielt werden kann.

MINIMALE BELICHTUNGSZEIT IM MANUELLEN MODUS

Die hochwertigeren EOS-Modelle wie die 7D Mark II oder die 5D Mark IV bieten die Möglichkeit, eine minimale Verschlusszeit von bis zu 1/8000s festzulegen, die gewährleistet werden soll. So lassen sich auch mit langen Teleobjektiven verwackelungsfreie Fotos schießen.

MINIMALE BELICHTUNGSZEIT IM AUTO-ISO-MODUS

Ist Auto gewählt, versucht die Kamera, den Wert 1/Brennweite als minimale Verschlusszeit zu erhalten. Diese Zeit lässt sich zusätzlich um drei Stufen verkürzen oder verlängern – je nachdem, welches Motiv Sie aus der Hand fotografieren.

Der Bereich von Auto-ISO lässt sich nur in vollen Stufen begrenzen. Die Kamera passt die Empfindlichkeit aber in 1/3-Stufen an.


Tipp: Leise Aufnahme

Dämpfen Sie das Auslösergeräusch, um Tiere nicht zu erschrecken.

EOS-Modelle ab der 80D aufwärts bieten die Möglichkeit, leise Reihenaufnahmen zu fotografieren. Dabei werden die Geräusche des Spiegels und Verschlusses unterdrückt, die bei Aufnahmen durch den Sucher entstehen. Die Betriebsart eignet sich perfekt für Situationen, in denen Sie nahe an Motive herangehen müssen und diese nicht erschrecken wollen. Allerdings hat die Einstellung zwei Nachteile: Zum einen reduziert sich dadurch die Aufnahmegeschwindigkeit, zum anderen tritt eine kurze Verzögerung zwischen dem Durchdrücken des Auslösers und der Aufnahme des ersten Fotos auf. Dafür wird das Auslösegeräusch beträchtlich abgedämpft, wodurch sich die Chancen auf perfekte Fotos von schreckhaften Tieren wie Vögeln enorm verbessern.


Texte: Marcus Hawkins, Future Publishing; Fotos: Marcus Hawkins, Future Publishing, chermit / Adobe Stock; Übersetztungen: Benjamin Langer

Texte: Marcus Hawkins, Future Publishing; Fotos: Marcus Hawkins, Future Publishing, loginovsergei, David, ysbrandcosijn / Adobe Stock; Übersetztungen: Benjamin Langer