Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 6 Min.

Naturköder-Kunde


Petri-Heil - epaper ⋅ Ausgabe 2/2020 vom 31.01.2020

Naturköder sind und bleiben erfolgreich auf verschiedene Fischarten und in unterschiedlichen Gewässern. Unser langjähriger Angeltechnik- Redaktor Jules Rindlisbacher (gest. 1990) präsentierte das praxisnahe Naturköder-Lexikon in den 1970er Jahren in seinem Buch «Erfolg an Fluss und See». Und im Gegensatz zu den Kunstködern der Fischereiartikelproduzenten erfindet die Natur kaum Neuheiten!


Artikelbild für den Artikel "Naturköder-Kunde" aus der Ausgabe 2/2020 von Petri-Heil. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Petri-Heil, Ausgabe 2/2020

Fischerlegende Jules Rindlisbacher (gest. 1990)


Ich hatte das Glück und das Vergnügen mit vier der renommiertesten Fliegenfischer am Wasser zu sein: Charles Ritz, Lee Wulff, Hans Gebethsroither und Jules Rindlisbacher. ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 8,99€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Petri-Heil. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 2/2020 von Walensee. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Walensee
Titelbild der Ausgabe 2/2020 von Tessin:Dauerregen. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Tessin:Dauerregen
Titelbild der Ausgabe 2/2020 von Februar:Was läuft im #PetriFebruar. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Februar:Was läuft im #PetriFebruar
Titelbild der Ausgabe 2/2020 von Chebu & Fliege: Fussel für Unfangbare. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Chebu & Fliege: Fussel für Unfangbare
Titelbild der Ausgabe 2/2020 von Heiss auf Eis. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Heiss auf Eis
Titelbild der Ausgabe 2/2020 von Mit Steinen zum Fisch. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Mit Steinen zum Fisch
Vorheriger Artikel
Heiss auf Eis
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel Mit Steinen zum Fisch
aus dieser Ausgabe

... Neben dem fischereilichen Können beeindruckte mich auch ihre absolut faire Fischerethik. Sie zeichneten sich durch ihren Respekt gegenüber Fisch, Natur und Gesetz aus. Da gab es nie einen nicht ganz zugedrückten Widerhaken, kein verstecktes Anfüttern oder gar ein Nichteinhalten des Fanglimits, geschweige denn ein «Versilbern» der Beute. Wer zu solchen Mitteln greift, wird nie ein guter Sportfischer.Rindlisbacher war dank seiner aussergewöhnlichen Beobachtungsgabe ein echter Allrounder. Er handhabte neben der Fliegenrute ebenso die Spinn- und Zapfenrute mit Leichtigkeit, war mit dem Grund- oder Tippgeschirr erfolgreich und liebte auch den See beim Hegenen- oder Schleppfischen. Und er setzte Naturköder mit viel Kenntnis und Gespür ein. Daneben war er ein begabter Autor und Zeichner mit viel Detailtreue.

Zum Start des Fischerjahres 2020 also aus seinem Fundus ein Naturköder-ABC:

Insekten

Beginnen wir mit den Insekten, der artenreichsten Tierklasse, die unsere Erde bevölkert. Sie und ihre Larven bieten uns eine unerschöpfliche Köderauswahl. Zunächst wollen wir uns die wichtigsten unter den ausgewachsenen Formen betrachten:

Die Steinfliege finden wir vom späten Frühjahr an auf den Pflanzen am und im Wasser. Forellen und Äschen lieben sie. Wenn diese sogenannten Perfiden in Massen schlüpfen, sind sie vor allem am Abend hervorragende Forellenköder.

Die Köcherfliegen schweben und schwärmen vom Frühling bis in die letzten warmen Tage über dem Wasser. An hochsommerlichen Tagen machen sie es sich bequem, wenn sie matt auf den Uferpflanzen sitzen. Sie können durchaus als Universalköder auf steigende Fische bezeichnet werden.

Aber auch die ganz gewöhnlichen Stuben- und Schmeissfliegen können wir mit ans Wasser nehmen, wenn wir zum Beispiel auf Aletfang gehen - insbesondere in der wärmeren Jahreszeit.

Mai- und Junikäfer sind Leckerbissen für Forellen und Alet. Maikäfer eher nur für grosse Forellen.

Auch Libellen bewähren sich während ihrer Flugzeit. Heuschrecken sind Delikatessen für viele Fische, wie Alet, Rotfeder, Forelle und Äsche.

Zu erwähnen gilt es auch die Ameisen. Besonders die geflügelten Exemplare sind gute Köder, die sogar bei den Äschen Liebhaber finden. Die sogenannten Ameiseneier, bei denen es sich eigentlich um Puppen handelt, eignen sich für das Angeln auf Kleinfische, die wir den Raubfischen als Köder anzubieten gedenken.

Die Eintagsfliegen sind für uns bereits als Nymphe wichtig sowie in der Zwischenform die Subimago, wenn sie dem fertigen Insekt (Imago) schon stark ähneln. Gerade in den heissen Monaten, wenn die Fische gerne nach Insektennahrung haschen, ist die Nymphe ein gängiger Köder. So unscheinbar sie für uns aussieht, versetzt uns ihre Fängigkeit in Erstaunen. Wenn wir erst einmal gelernt haben, sie richtig zu führen und anzubieten! Sie muss meist tief präsentiert werden, und es sind nicht nur Äschen und Forellen, die darauf schon lauern. Manch schöne Barbe konnte diesem Köder nicht widerstehen.

Selbstverständlich ist diese Aufzählung unvollständig. Alles, was am Wasser lebt und gross genug ist, um auf einen Haken geködert zu werden, verdient unsere Aufmerksamkeit. Ein Bachflohkrebs, der sich sogar im Winter im feuchten Sand finden lässt, ist Lieblingsnahrung vieler Fische, unter anderem der Forelle.

Larven & Maden

Die Steinfliegenlarven lassen sich unter Steinen im Wasser finden und gehören zu den besten Ködern für Alet, Barbe, Forelle und Äsche.

Bei den Köcherfliegenlarven unterscheiden wir hauptsächlich zwei Sorten: Die Röhrlimade, auch Steinbeisser genannt, ist ein wahrer Universalköder für Friedfische und Forelle. Und es sind durchaus nicht immer die grossen Larven, die Erfolg bringen. Zum andern die Hydropsyche, das «Güegi». Es gilt als Königin unter den Äschenködern, ist aber im Frühjahr und Spätsommer auch ein hervorragender Forellenköder.

«An grossen, sauberen Fliessgewässern wimmelte es ja einst von Larven aller Art. Heute ist das leider zumeist anders geworden.» Das schrieb Rindlisbacher zu Beginn der 1970er-Jahre! Kein Wunder, erfreuten sich damals schon die Wachsmottenlarven (Bienenmaden) im Fachhandel wachsender Beliebtheit.

Als weitere Universalköder sind noch die Fleischmade (Larve der Schmeissfliege), die Güllenmade wie auch die Wespenlarve zu erwähnen.

Obwohl sie als Wurm bezeichnet werden, gehören auch Holz- und Mehlwürmer zu den Larven. Die Holzwürmer - ein fängiger Universalköder - sind Käferlarven. Als bewährte Köder auf Alet, Rotauge und Forelle gelten Mehlwürmer, die Larven des Mehlkäfers.

Würmer

Sind im Grunde alle als Universalköder einzustufen, insbesondere auf Friedfische. Aber auch mancher Raubfisch kann dem richtigen Wurm zur richtigen Zeit nicht widerstehen.

Der Regen- oder Tauwurm steht also auf der Speisekarte unter anderem von Karpfen, Schleien, Alet, Egli, Barben und Forellen.

Der Gelb- oder Goldschwanz oder Mistwurm bewährt sich auch für manche Fischarten bis hin zur Äsche. Der Rotwurm, im Laubkompost zuhause, ist besonders bei Rotaugen, Schleien und Karpfen sowie bei Brachsmen, Egli und Forellen fängig.

Nahrungsmittel & Früchte

Ausser den Naturködern aus der Welt der Kleinlebewesen sind die verschiedensten Teig- und Käseköder vor allem bei Friedfischen beliebt. Aber auch Salmoniden können zu Allesfressern werden, besonders dort, wo regelmässig angefüttert wird.

Brot ist nicht nur bei Nasen beliebt, ebenso Speck. Mit gekochten Kartoffeln wurden schon manche Karpfen und auch mal Schleien überlistet.

Alet sind grosse Früchteliebhaber. Bei Kirschen und Mirabellen vergessen sie ihre sonstige Vorsicht.

Beobachten & Überlegen

Da haben wir denn also eine ganze Köderliste beisammen, wenn sie auch nicht vollständig ist. Aber eines bleibt noch zu sagen: Jeder Köder zu seiner Zeit an seinem Ort. Einer auf dem Grund lebenden Barbe eine Köcherfliege anzubieten, wird wenig Erfolg haben. Das ist zwar ein extremes Beispiel, aber es soll zeigen, worauf es ankommt, nämlich aufs Beobachten und Überlegen. Dass etwa bei klarem Wasser schon kleinere Köder wirksam sind, während wir bei trüber Flut grössere Köder anbieten müssen, wird dann ohne weiteres klar. Ebenso denken wir daran, dass Weissfische ein weicheres Maul haben und viel misstrauischer sind als die Raubfische. Also muss der Köder für sie weicher sein und ihnen so natürlich wie möglich mit der Strömung vor das Maul treiben. Im stillen Wasser ist das verlockende Anbieten noch schwieriger - die Fische haben mehr Zeit, den Köder zu prüfen. All unsere «Köderwissenschaft» nutzt nichts, wenn wir uns nicht mit den Fressgewohnheiten der Fische vertraut machen.

Sachgemässe Aufbewahrung

Die sachgemässe Aufbewahrung der Köder gehört auch zu dieser Wissenschaft. Lebende Köder, die rasch verderben, wie Würmer und Larven, sind vor Sonne zu schützen. Speziell die Larven der Wasserinsekten sind wärmeempfindlich. Am zweckmässigsten bewahren wir sie in feuchtem Moos auf, das wir von Zeit zu Zeit erneuern. Falsch ist es, diese Larven in Wasser zu hältern. Innert kürzester Zeit ist das Wasser faulig, die Larven gehen an Sauerstoffmangel zugrunde. Gegen Kälte sind sie weit weniger empfindlich.
Würmer halten sich in feuchtem Moos sehr gut und werden dabei noch widerstandsfähiger. In die Büchse mit Köcherfliegenlarven gibt man etwas feuchtes Zeitungspapier. Dass Fleischmaden in trockenem Sägemehl am haltbarsten sind, ist allgemein bekannt. Die Wärme schadet ihnen nicht. Im Gegenteil: Will man frühzeitiges Einpuppen verhindern, hält man sie kühl.
Mehlwürmer in Kleie (Chrüsch) aufbewahren und vor Kälte und Feuchtigkeit schützen! Für Holzwürmer gibt es spezielle Holzetuis, in welche Löcher gebohrt sind, sozusagen Einzelzimmer. Sie bekämpfen sich nämlich, wenn man sie zusammen aufbewahrt. Für ausgewachsene Insekten wie Heuschrecken, Köcherfliegen und so weiter gibt es im Fischereiartikelhandel Köderbüchsen. Gewöhnliche Dosen eignen sich für die jederzeit fluchtbereiten Tierchen nicht.

Sachgerechte Montage

Nun müssen wir die richtigen und richtig aufbewahrten Köder nur noch richtig montieren. Allererste Vorbedingung: Ruhe bewahren bei der kniffligen Arbeit, auch wenn die Fische gerade noch so gut beissen. Der natürliche Köder muss auch natürlich wirken, sonst bleibt alle Mühe umsonst.
Die schlüpfrigen Würmer lassen sich besser auf den Haken ziehen, wenn wir etwas Sand oder Erde an den Fingern haben. Der Haken für Würmer darf nicht zu klein sein, sonst besteht die Gefahr, dass der Fisch einfach nur den vorstehenden Teil abknabbert, ohne gehakt zu werden. Ein Wurm, der im stehenden Wasser angeboten werden soll, muss Leben zeigen. Im stärker fliessenden Wasser besorgt das die Strömung. Für Montagen, bei denen der Haken nur durchgestochen wird, genügen Schaufel- oder Ringhaken. Für das Aufziehen eines Wurms eignet sich der feine, mit Faden gebundene Haken am besten.
Heikler wird das Anködern bei Larven, wie etwa der Köcherfliegenlarve, die leicht auslaufen. Nur feindrahtige, spitze Haken, die den Köder so wenig wie möglich verletzen, sind zu verwenden. Der Einstich erfolgt richtigerweise an der harten Partie zwischen Kopf und Beinen.

Die Barbe ist ein wehrhafter Fisch und bietet spannende Fischerei.


Wer kann ihn heute noch binden? Der Plätli-Haken-Knopf in einer Zeichnung aus dem Jahr 1975.


Das Anködern von Insekten- und Wurmködern


Nur feindrahtige Haken für leicht auslaufende Köder, wie die Köcherfliegenlarve, verwenden.


Ausgewachsene Insekten befestigt man durch den Brustabschnitt.


So zappelt die Fleischmade richtig am Haken.


Der Haken ist zu klein. Der Fisch frisst den überhängenden Teil ab und ist verloren.


Richtige Hakengrösse. Der abstehende Hakenschenkel verhindert das Abrutschen des Köders.


Haken mit weitem Bogen sind in rasch fliessendem Gewässer fängiger.