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Naturpark Dobratsch in Kärnten: Portrait: Naturpark statt Liftzirkus


Bergsteiger - Das Tourenmagazin - epaper ⋅ Ausgabe 2/2020 vom 11.01.2020

Am Villacher Hausberg Dobratsch zeigt sich die Zukunft des Wintertourismus: Seit dem Abbau der Skilifte tummeln sich in Kärntens erstem Naturpark Winterwanderer und Skitourengeher – und relaxen anschließend im warmen Thermalwasser.


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Bildquelle: Bergsteiger - Das Tourenmagazin, Ausgabe 2/2020

Skitourengeher am Dobratsch, dem Naherholungsberg der Villacher


Naturpark war ein Reizwort«, erinnert sich Andrea Riedel an die Jahre um die Jahrtausendwende. Eigentlich sollten für die Wirtin des Rosstrattenstüberl rosige Zeiten anbrechen. Direkt bei der Bergstation der von Heiligengeist heraufführenden Lifte baute die Familie Riedel 1992 ihre Hütte. Eine perfekte Lage, »die ...

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... Leute sind ja quasi aus dem Lift in die Hütte gefallen «. Und das Gebiet war gut besucht. »Es war viel los«, schwelgt Andrea Riedel in Erinnerungen an die gute, alte Zeit, »das war ein richtig schönes, feines Familienskigebiet. « Entsprechend positiv verliefen die ersten Jahre, doch dann kamen ein paar schneearme Winter, in denen die Lifte oft nur wenige Wochen in Betrieb waren. Und so gab es Überlegungen, das Villacher Hausskigebiet komplett zu modernisieren, mit neuen Liften und natürlich einer Beschneiungsanlage. Da der Dobratsch jedoch Trinkwasserspeicher von Villach ist, wurden die Pläne nicht genehmigt. Die Konsequenz: Das Skigebiet sperrte zu, nachdem die Lifte im Winter 2002 aufgrund von Schneemangel keinen einzigen Tag gelaufen waren.

Der besondere Berg

An die Alternative eines Naturparks glaubte Riedel zunächst nicht. »Das ist von Anfang an eine Totgeburt«, war ihre erste Reaktion auf die neuen Pläne, »ich habe mir einfach nicht vorstellen können, dass das irgendwann einmal läuft.« Was auch daran liegt, dass mit dem Begriff Naturpark keiner etwas anfangen konnte – einen Naturpark gab es damals in Kärnten noch nicht. Zwar war die Rosstratte knapp oberhalb der Waldgrenze schon früher dank der im Winter mautfreien Villacher Alpenstraße bequem zu erreichen, doch die Gäste waren in erster Linie Pistenskifahrer. Am Dobratsch lernten die Villacher Skifahren und auch sonst ist der Berg für die Einheimischen etwas ganz Besonderes. Wie ein kleines Gebirge baut sich der langgezogene Kamm westlich von Villach auf – unübersehbar und landschaftsformend. Zum Genießen ist dagegen das Ther- malwasser, das am Fuß des Dobratsch beim Warmbad Villach entspringt – mit angenehmen 29 Grad geradezu ideal zum Baden.

Das Rosstrattenstüberl mit Blick auf die Julischen Alpen


»Totgeburt« wird Zukunftskonzept

Nach dem Abbau der Lifte blieben im Winter die Gäste weg. »Wir wollten sogar die Hütte verkaufen, weil keiner mehr kam«, fasst Andrea Riedel die damalige Stimmung zusammen. Fünf lange Jahre kämpfte sie ums wirtschaftliche Überleben, bis bei den Leuten ein Umdenkungsprozess in Gang kam und sich der Dobratsch vom Ski- zum Naherholungsberg verwandelte. Und das 4-Säulen-Konzept des am 24. September 2002 gegründeten Naturparks mit dem Ziel eines Miteinander von Bildung, Erholung, Regionalentwicklung und Schutz aufging. »Am Anfang hat es eine gewisse Skepsis gegeben«, bestätigt auch Robert Heuberger. Umso mehr freut sich der Naturpark-Manager, der ebenfalls am Dobratsch das Skifahren gelernt hat, dass die Skepsis mittlerweile in Begeisterung umgeschlagen ist.


Längst kommen die Besucher wieder auf den Berg, und das auch ohne Skigebiet.


Wer heute vom oft grünen Talkessel auf 500 Meter Höhe hinauffährt auf über 1700 Meter Seehöhe und damit in den Winter, der sieht an den gut gefüllten Parkplätzen, dass der Dobratsch mittlerweile ein Multifunktionsberg ist – und sanfter Tourismus durchaus eine Chance hat. Es gibt hier oben Langlaufloipen, Schneeschuhtouren, harmlose Rodelhügel und statt Alpinskifahrern nutzen Tourengeher die ehemaligen Pistenschneisen – bei ausreichend Schnee geht die Abfahrt bis zur ehemaligen Talstation bei Heiligengeist. Von der Rosstratte au führt ein präparierter und markierter Weg in rund eineinhalb Stunden auf den 2166 Meter hohen Dobratsch mit seinem großen Sendemast und zwei Wallfahrtskapellen. Dank seiner isolierten Lage bietet der Gipfel eine umfassende Rundsicht bis zu den Hohen Tauern im Alpenhauptkamm, den mächtigen Kalkgipfeln der Julischen Alpen im Süden sowie über Ossiacher und Wörther See im Osten.

Die Lifte gingen nach Georgien

Nur wenige Meter unterhalb steht an Stelle des aus dem Jahr 1810 stammenden ehemaligen Ludwig-Walter-Hauses das vor einigen Jahren neu gebaute Dobratsch-Gipfelhaus – ein Niedrigenergiegebäude mit moderner Architektur, in dem die Gäste hervorragend Energie tanken können. Konkurrenz? Für Andrea Riedel keineswegs, denn »wenn der Berg gut geführt wird, dann profitieren auch wir davon«. Längst kommen die Besucher wieder, und das ohne Skigebiet. Wobei es immer wieder passiert, dass Urlauber, die früher am Dobratsch Skifahren waren, fragen, wo denn die Lifte sind. »In Georgien «, antwortet Andrea dann, »die wurden dorthin verkauft.«

Sonne am Dobratsch, unter der Wolkendecke versteckt sich Villach.


Schritt zurück ist Schritt nach vorne

»Zum Glück«, denken mittlerweile viele, denn die Winter von früher mit meterhohem Schnee gibt es schon lange nicht mehr. »Man hat damals einen Schritt zurück gemacht, was heute betrachtet ein Schritt nach vorne war«, meint Andrea Riedel, die sich im letzten Jahr zufrieden in den Ruhestand verabschiedet hat. »Ich bin eines Besseren belehrt worden«, gibt sie zu, »der Naturpark ist sicher auch ein Konzept für andere Regionen.« Und ergänzt stolz: »Aber wir waren die ersten in Kärnten, wir sind Vorreiter.«

Der Dobratsch ist für Stefan Herbke ein schönes Beispiel für ein gutes Miteinander von Umweltschutz und Tourismus – und ein Beweis, dass es auch ohne Lifte wirtschaftlich geht.

WINTERGENUSS AM DOBRATSCH

WOHIN?
Villach liegt an der Drau im österreichischen Bundesland Kärnten, unweit der Grenzen zu Italien und Slowenien. Die Stadt gilt als Tor zu den Villacher Alpen. Öffentlich kann Villach ganz bequem mit der Bahn oder dem Fernbus erreicht werden. Alternativ mit dem Auto über Salzburg und die Tauernautobahn. Von Villach erreicht man den Naturpark Dobratsch mit dem Naturpark-Shuttlebus: zum Rosstrattenstüberl (immer mittwochs und an Wochenenden), nach Heiligengeist mit dem Linienbus (Linie 8570)

WO ANKLOPFEN?
Region Villach Tourismus, Peraustr. 32, A-9500 Villach, Tel. 00 43/42 42/4 20 00, www.region-villach.at
Naturpark Dobratsch, Klagenfurter Str. 66, A-9500 Villach, Tel. 00 43/42 42/2 05 60 18, www.naturparkdobratsch.at

SICH ORIENTIEREN
Freytag&berndt 1:50 000, WK224 »Faaker See – Ossiacher See – Villach – Dreiländereck – Unteres Gailtal«

NICHT VERSÄUMEN
Thermalquelle: Am Fuß des Dobratsch entspringen zahlreiche Thermalquellen, die zu Kur- und Heilzwecken gefasst wurden. Eine kurze Wanderung führt etwa zum Maibachl, einem im Wald versteckten Überlauf der Warmbader Thermalquellen. In zwei natürlichen Becken kann hier jeder im 28 Grad warmen Wasser entspannen. Eine Besonderheit ist das auf einigen Quellen gebaute Thermal-Urquellbecken. Dank eines Kiesbodens strömt das zwischen 25 und 29 Grad warme Wasser direkt ins Becken. In modernem Ambiente badet man dagegen gegenüber in der Kärnten Therme. www.warmbaderhof.com und www.kaerntentherme.com