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NATURWUNDER: EINZIGARTIG


daheim - epaper ⋅ Ausgabe 3/2019 vom 12.04.2019

Die Mündung der Tiroler Achen in den Chiemsee bildet das größte natürliche Binnendelta Europas


Artikelbild für den Artikel "NATURWUNDER: EINZIGARTIG" aus der Ausgabe 3/2019 von daheim. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: daheim, Ausgabe 3/2019

Achendelta im Abendlicht. In den Baumkronen sitzen Kormorane


Amazonas, Mississippi, Mekong, Nil – fast jeder kennt diese großen Ströme unserer Erde, die eins miteinander verbindet: Bei ihrer Mündung ins Meer bilden sie riesige Deltas. Die entstehen, wenn die Fließgeschwindigkeit auf flachem Terrain so weit abgebremst wird, dass der Fluss das meiste des mitgeführten Materials als Sediment ablagert. Er steht sich dann quasi selbst im Weg. Dadurch fächert sich der Hauptstrom im Mündungsgebiet in viele Wasserläufe ...

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... auf. Die Ablagerungsmuster der Flusssedimente verändern sich dabei ständig und formen das fruchtbare Schwemmland immer wieder neu. Oft ensteht auf diese Weise die charakteristische Dreiecksform – wie der griechische Buchstabe Δ für Delta.

Flussdeltas gibt es nicht nur an Ozeanen. An Seen können Binnendeltas enstehen. Auch Deutschland besitzt so ein faszinierendes Flusssystem, wenngleich in wesentlich kleineren Dimensionen: das Achendelta – eine einzigartige, wilde Naturlandschaft direkt vor unserer Haustür.

100 Lkw-Ladungen Kies landen täglich im Chiemsee

Der Fluss, der in den Kitzbühler Alpen entspringt, ändert auf seinem Weg mehrfach den Namen. Auf deutschem Gebiet heißt er Tiroler Achen. Hinter der österreichischen Grenze wühlt er sich durch eine enge Schlucht und mündet schließlich bei Grabenstätt in den bayerischen Chiemsee.

In keinem anderen See Mitteleuropas kann sich ein Flussdelta noch so frei und natürlich entwickeln. 1954 wurde es unter Naturschutz gestellt, seit 1986 darf seine Kernzone (auch vom Wasser aus) nicht mehr betreten werden. Die gehört nun den Vögeln. 340 Arten finden im Schilf Nahrung, Rast- und Brutplätze, darunter Wespenbussard, Singschwan, Schwarzhalstaucher, Schwarzmilan, Rohrweihe, Baumfalke, Tüpfelralle und Bekassine.

Die Tiroler Achen führt riesige Mengen an Kies, Sand und Schwebstoffen mit sich. 100 Lkw-Ladungen lädt sie täglich im Chiemsee ab und schiebt das fünf Quadratkilometer große Mündungsgebiet etwa zehn Meter pro Jahr in der See hinein. Dadurch dehnt es sich jedes Jahr um etwa 10 000 Quadratmeter aus, was der Größe von 1,5 internationalen Fußballfeldern entspricht. Neues Land entsteht, Pflanzen siedeln sich an. Röhricht und Sil ber weiden wälder, aber auch der seltene Straußfarn, die Sibirische Schwertlilie und viele Orchideen arten. Wenn das so weitergeht, hat man ausgerechnet, gibt es den Chiemsee – dieses vergängliche Geschenk der Eiszeit – in 8000 Jahren nicht mehr.

Im weltweiten Vergleich sind die Dimensionen des Achendeltas ein Klacks. Das Mekong-Delta (Asien) kommt auf 70 000 Quadratkilometer, der Okavan go (Afrika), das größte Binnendelta der Welt, auf immerhin knapp 20 000. Doch während einige dieser großen Mündungsgebiete Wirtschaftsregionen sind, wird das Achendelta als einzigartiges Ökosystem vor menschlichen Störungen weitgehend geschützt. Ein angrenzender Auwald und das Graben -stätter Moos sind zudem als Natur -schutzgebiete ausgewiesen.


Land entsteht und vergeht wie im Zeitraffer


Entdeckung des Deltas mit Boot und Fernglas

Wer das Achendelta entdecken will, braucht also ein Boot – und ein Fern glas. Damit kann man auf Naturerlebnistouren die verzweigten Kies- und Schlammbänke mit ihrer Flora und Fauna ganz nah heranholen. Sogar Flamingos sind ab und an zu sehen. Man vermutet, dass sie aus dem Salzburger Zoo ausgebüxt sind. Zudem stehen Besuchern zwei Beobachtungstürme mit kostenlosen Fernrohren zur Verfügung, in Lachsgang/ Übersee für die Westseite und in der Hirschauer Bucht für die Ostseite.

Wer öfter hierher kommt, wird nie das gleiche Delta erleben. Hochwasser und Schneeschmelze verändern es von Jahr zu Jahr. Landschaft entsteht und vergeht wie im Zeitraffer. Genau diese Dynamik macht es so wertvoll.

AUSFLUGSTIPPS CHIEMSEE

ACHENDELTA PER BOOT

Ab 17. Mai (bis Anfang Oktober) finden freitags und samstags Bootsfahrten zum Tiroler Achendelta statt, die von Naturführern begleitet werden. Ein Fernglas ist das wichtigste Utensil, denn hineinfahren darf man in die geschützte Zone nicht. Zu entdecken gibt es die Delta landschaft mit ihrer Vogelwelt vor dem Chiemgauer Alpenpanorama sowie das Leben unter Wasser.

Treffpunkt: Dampfersteg Übersee-Feldwies, Dauer 3 Stunden, Preis 24 €. Anmeldung: Tourismusbüro Prien; Tel. 0 80 51/6 90 50www.tourismus.prien.de

WANDERN UND JODELN

Zu einer richtig schönen Wanderung gehören Plätze, von denen der Blick ins Tal oder in die Weite schweifen kann. Stimmt man dort einen Jodler an, wird die Bergtour zu einem tief emotionalen Erlebnis. Der Chiemsee-Alpenland-Tourismus bietet an vier Terminen vier verschiedene und besonders aussichtsreiche Jodelwanderungen an. Jodelkenntnisse sind nicht erforderlich, wohl aber Kondition für 500 bis 800 Höhenmeter und vier Stunden Gehzeit. Los geht’s am 2. Juni von Sachrang über das Staudingerköpfl auf die Karspitze. Gebühr: 35 €.

Tel. 0 80 51/96 55 50www.chiemsee-alpenland.de

NACHTS AUF DER HERRENINSEL

Ein Besuch der Herreninsel gehört zum Pflichtprogamm am Chiemsee. Mal ganz anders erlebt man sie während einer Nachtwanderung – völlig menschenleer. Dabei erfahren die Teilnehmer unter anderem, warum Märchenkönig Ludwig II. zum Mondkönig wurde. Es gibt drei Termine in den Vollmondnächten im Mai, August und September. Abfahrt um 22 Uhr im Hafen von Prien/Stock zur Herreninsel, Rückkehr um 24 Uhr. Kosten: 25,50 €

Chiemsee-Alpenland-Tourismus Bernau, Tel. 0 80 51/96 55 50www.chiemsee-alpenland.de

GOLFEN MIT HOLZSCHUH

Zwischen Chiemgauer Seen und Gipfelglück kann man am Samerberg eine spaßige Freizeitbeschäftigung ausprobieren: Bauerngolf. Das ist genauso rustikal, wie es sich anhört: Der Schläger besteht aus einem Stiel mit einem Holzschuh. Damit muss ein Lederball über einen Wiesenparcours geschlagen und eingelocht werden. Im Weg stehen Obstbäume, Tiere und andere Hindernisse wie zum Beispiel Röhren in einem Holzstapel.DF

Von April bis Oktober, 11 bis 20 Uhr Dienstag Ruhetag. Kirchplatz 5 83122 Samerberg Tel. 0 80 32/83 20www.bauerngolf-samerberg.de

Schaufelrad-Dampfer auf dem Chiemsee