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NAVI FÜR DIE BERGE


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Outdoor - epaper ⋅ Ausgabe 1/2023 vom 09.12.2022
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Bildquelle: Outdoor, Ausgabe 1/2023

Smartphone-Akkus sind endlich. Am besten nimmt man eine Powerbank mit.

outdoor: Im Juni mussten etwa 100 Schüler und ihre Lehrer aus Bergnot gerettet werden, weil sie einer Tourenbeschreibung aus dem Internet blind gefolgt waren. Wie sicher ist die Navigation mit Handy und Tourenportalen eigentlich?

Uli Benker: Grundsätzlich sicher, aber man darf den Routen, die man online findet, nicht einfach blindlings trauen. Wanderer sollten sich den Routenverlauf vorher anschauen und auch digitale oder physische Karten mit topografischen Geländedetails und Höhenlinien (Alpenvereinskarte) in die Planung einbeziehen. Außerdem gucke ich auch auf die Kommentare, die andere unter der Tourenbeschreibung gelassen haben. Die können sehr wertvoll für die Planung sein.

Hat dich das schon vor Fehlern bewahrt?

Einmal habe ich im Internet nach Mountainbike-Touren im Fichtelgebirge gesucht. Die Plattform hat zehn Touren vorgeschlagen. Ich hatte mir eine im Detail angeguckt, im Kommentar hieß ...

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... es: Schöne Tour, aber andersherum besser. Bei der Routenführung, wie sie hinterlegt war, hätte man die Trails hochschieben müssen und wäre die Forstwege abgefahren – langweilig. Wenn ich jetzt einfach die Tour runtergeladen hätte und danach gefahren wäre, hätte ich keinen besonders schönen Tag mit dem Rad gehabt.

Wie bekommst du dann die Touren aufs Handy, die du wirklich willst?

Standardtouren finde ich auf den geläufigen Tourenportalen wie Komoot oder Outdooractive. In Verbindung mit einer Touren-App, die ich mir auf mein Handy lade, kann ich auch die GPS-Datei hochladen und die Route anpassen. Die Tourenplanung geschieht dann meistens am Rechner, weil das übersichtlicher ist. Die Route übertrage ich auf mein Telefon und auf meine Uhr, eine Garmin Fenix 7. Zusätzlich packe ich für Touren in entlegenen Gebieten ein GPS-Gerät mit InReach-Funktion ein. Damit kann man im Notfall Hilfe rufen, falls der Handy-Akku leer ist oder kein Empfang besteht. Wichtig ist, dass man die Karte und Routendetails dann für die Offline-Verwendung herunterlädt, weil man unterwegs nicht immer mobile Daten zur Verfügung hat – natürlich auch, um wertvollen Akku zu sparen.

Apropos Akku: Welche Tipps hast du?

Um konkret Strom zu sparen, stelle ich mein Handy auf Flugmodus, schalte automatische Updates, Bluetooth und WLAN aus und versuche, so wenig wie möglich zu fotografieren. Dafür nehme ich eine kleine Kompaktkamera inklusive aufgeladener Ersatzakkus mit. Außerdem sollte man die Helligkeit des Displays so niedrig wie möglich einstellen, was bei Sonneneinstrahlung aufs Display problematisch sein kann. Spannend sind auch Outdoorhandys mit Wechselakku, zum Beispiel das Samsung Xcover Pro. Und wenn wir gerade beim Handy sind: Ich würde darauf achten, dass mein Gerät entweder von Haus aus genügend Speicherplatz mitbringt oder einen Steckplatz für eine SD-Speicherkarte hat. Wer viel unterwegs ist und entsprechend Kartenmaterial auf dem Handy ablegen will, braucht Extraspeicher auf dem Gerät.

GADGETS FÜR DIE HANDY-NAVIGATION

Stürze, Kälte, leerer Akku: Smartphones sind clever, aber empfindlich. Vier Gadgets für dein Handy.

Handy am Seil Mit dem Relooq (49,90 €) bleibt das Handy griffbereit. Gesichert an einem herausziehbaren Dyneema-Seil mit Sperrmechanismus, befestigt man das Gerät und die mitgelieferte Handytasche vorne am Rucksack.

Robuste Power

Staub- und wasserdicht, ladbar an Solarpanel oder USB, 9600 mAh Kapazität: Die Goal Zero Venture 35 Powerbank (79,95 €) begleitet dich auf deinen Abenteuern. Mit Akkustandsanzeige.

Sicher verpackt Die LifeProof FRE (79,99 €) von Otterbox bietet Rundumschutz fürs Handy. Hergestellt aus Ozeanplastik, schützt sie vor Staub, Wasser, Schnee und Sturz (bis zu 2 m), wiegt 42,50 Gramm.

Kuschelsack Der Down Pouch von Thoq (24,90 €) isoliert die bei der Nutzung abgegebene Wärme und beugt einer Notabschaltung des Handys bei Kälte vor. Das Telefon im Sack für Extrawärme auch körpernah tragen.

Was muss ich beim Kauf einer Powerbank für meine Wanderung beachten?

Das kommt ganz aufs Handy und die jeweilige Akkugröße an. Wenn du ein Handy mit 3000-Milliamperestunden-Akku (mAh) hast und es zweimal nachladen willst, reicht dir ein Akku mit 6000 mAh nicht aus. Die Kapazität sollte rund ein Viertel höher sein, da beim Laden rund 25 Prozent an Energie in Form von Wärme verloren geht. Somit brauchst du eine Powerbank mit 8000 mAh. Was man beachten muss: Je mehr Milliampere eine Powerbank hat, desto schwerer ist sie. Das gilt auch für spezielle Outdoor-Powerbanks, die stoßsicher und wasserdicht sind. Das wiegt extra. Lieber verwende ich eine normale Powerbank und stecke die in eine Plastiktüte oder einen wasserdichten Drybag. Bei den neuen Iphones (ab 13) braucht man zusätzlich Schnelllader-Netzteile und -Powerbanks. Beim Kauf muss man auf Kompatibilität achten.

Wie stehst du zu mobilen Solarpanels?

Ich habe meistens nur eine Powerbank dabei, weil ich nicht so viel mit mir herumschleppen will. Wenn man hingegen auf einer Trekkingtour autark unterwegs sein will, lohnt sich in Gebieten mit ausreichend Sonnenschein der Einsatz eines Solarpanels. Da sollte man aber keine Wunder erwarten, weil die schon ein gewisses Gewicht haben und nur bei Sonnenschein zuverlässig funktionieren. Das Panel kann man außen am Rucksack montieren. Effiziente Solarpanels rechnen sich vor allem dann, wenn man neben dem Handy noch weitere Geräte ( ab Bedarf 15 000 mAh) laden will. Auf sie sollte man aber keinesfalls verzichten, fungiert sie doch als Reserve für düstere Tage sowie als Zwischenspeicher für den solar erzeugten Strom. Die Powerbank schont den Handy-Akku, weil es so nicht den oft wechselnden Lichtverhältnissen beim Laden des Panels mit ausgesetzt ist. Außerdem kann man sein Smartphone mit der Powerbank nachts laden und es tagsüber voll einsetzen, weil die Powerbank ja tagsüber lädt.Das macht einen im Handling um einiges flexibler.

ANSTATT EINER WASSERDICHTEN POWERBANK NEHME ICH LIEBER EINE NORMALE UND SCHÜTZE SIE IN EINEM DRYBAG.

Du als Ausrüstungsprofi: Wonach wählst du deine Ausrüstung aus?

Wenn ich beispielsweise ein neues Handy oder eine Powerbank kaufen möchte, recherchiere ich zuerst nach Produkttests, wie man sie bei outdoor oder Chip finden kann. Oft hängt da eine Bestenliste an, aus der ich mein Produkt aussuche. Bewertungen auf Portalen könnten gekauft sein, deswegen gehe ich damit vorsichtig um. Dennoch schaue ich mir diese auch an, vorzugsweise natürlich negative.

GPS oder Handy: Wofür schlägt dein Herz?

Ich bin hybrid unterwegs. Einerseits navigiere ich mit dem Handy, habe aber oft eine GPS-Uhr als Backup dabei. Und

natürlich eine physische Karte oder den Ausdruck der Routenbeschreibung. Wenn die Technik komplett versagt, hat man dann zumindest noch etwas in der Hand.

4 APPS FÜR DIE NAVIGATION

Apps mit Tourenportal (alternativ Stand-alone-Apps wie Osmand, Locus Map) erleichtern die Planung deiner Tour. Wir stellen euch vier Tools vor.

Alpenvereinaktiv

Das gemeinsame Tourenportal (55 000 Touren) der Alpenvereine. Neben den Tourenbeschreibungen der Community findet man Touren, die von den Sektionen erstellt werden. Specials: mit Öffis zum Berg und aktuelle Bedingungen. Preis: Pro-Abo 2,50 €/Monat. Pro+-Abo 5 € inklusive AV- und Kompasskarten.

Outdooractive

Outdooractive stellt neben User- auch Partner-Touren (z. B. Tourismusverbände) mit einer zugeschnittenen Tourenauswahl zur Verfügung. Hilfreich: Darstellung Sommer- und Winterkarte, Pfeile zur Richtungsanzeige. Pro: 2,50 €/Monat, Pro+: 5 €/Monat inkl. Expertenkarten und Einbettungsoption der Touren.den

Komoot-App

Komoot vereint die größte Outdoor-Community (5 Mio. Downloads) hinter sich. Positiv: Planungsansicht mit Karte, Höhenprofil, Streckenbeschaffenheit und Steigung, hohe Konnektivität, Sprachausgabe. Premium: 5 €/Monat, inkl. Mehrtagestouren-Planer, sportspezifischen Offline-Karten, Versicherung.

Wikiloc

Günstiger (5 €/3 Monate, 10 €/Jahr), aber mit Nachteilen: Wikiloc lebt von den Touren, die die Community in die App einspeist. Wegbeschreibungen sind daher nicht immer vorhanden. Planung von individuellen Wanderungen geht nur über die Website. Mit der App zeichnet man Trails auf und speichert sie ab.

Ab wann ist ein GPS-Gerät notwendig?

Für Normalverbraucher empfehle ich ein GPS-Gerät zum Beispiel auf langen Trekkingtouren jenseits jeder Infrastruktur. In die meisten lassen sich zwei zwei Lithiumbatterien stecken, die eine extra lange Laufzeit garantieren (Garmin eTrex Vista, Garmin Gpsmap 66st). Ein Vorteil von GPS-Geräten ist zudem, dass man das Display in prallem Sonnenschein besser ablesen kann als auf dem Handy, weil das Gerät den Kontrast gut darstellen kann.

Das GPS-Gerät hat viele Vorteile. Warum hat das Handy trotzdem mittlerweile einen großen Vorsprung beim Einsatz?

Ganz einfach: Fast jeder besitzt mittlerweile ein Handy, und man hat das immer dabei. Kaum jemand möchte sich noch ein extra Gerät anschaffen, das Einarbeitung erfordert. Viele Handy-Apps sind auf maximale Einfachheit programmiert, und man hat nur die allernötigsten Funktionen, die man einsetzen und verstehen muss. Das spart Zeit. Außerdem kann man dank des GPS-Moduls jederzeit seinen genauen Standort im Gelände lokalisieren. Das erübrigt ein GPS-Gerät eigentlich.

Wie gehe ich bei Mehrtagestouren vor?

Für die Planung einer kurzen als auch langen Tour würde ich immer auch eine physische Karte verwenden. Sie ermöglicht einen besseren Überblick und erleichtert auch die Planung von Alternativrouten. Auf einer langen, mehrere Tage oder gar Wochen dauernden Tour ist die Mitnahme von Karten nicht sonderlich benutzerfreundlich, weil sie Platz wegnehmen und recht schwer sind (teilweise benötigt man mehrere Karten, um ein weitläufiges Gebiet abzudecken). Ich nehme trotzdem Karten mit, die kann man zur Not auch entsprechend zurechtschneiden. Das ist aber natürlich Geschmackssache. Zusätzlich empfiehlt es sich, das komplette Offline-Kartenmaterial als Backup auf dem Handy des Wanderpartners abzuspeichern. Wichtig ist in jedem Fall: Kenne deine Route so gut wie auswendig.

Wie wichtig ist noch analoge Orientierung?

Ich mache oft auch Touren, auf denen ich analog unterwegs bin, um meine Navigationsfähigkeiten nicht zu verlieren. Dann merke ich mir auch Fixpunkte unterwegs und achte insgesamt mehr auf die Routenführung. Das ist ein super Training für die Wildnis und auch auf bekannten, ausgeschilderten Wegen möglich – quasi als Praxistest für den Notfall. Dabei verfolge ich meinen Weg auch auf der Papierkarte und gleiche das Gelände mit markanten Wegpunkten ab, um stets zu wissen, wo ich bin. Nur auf die Aussagen von entgegenkommenden Wanderern verlasse ich mich hingegen nicht. Sicherheit geht immer vor, aber ein wenig Abenteuer darf schon sein. Wenn auch mit Backup.

Uli Benker ist der outdoor-Experte für Navigation

Seit 30 Jahren beschäftigt sich der zweifache Buchautor mit dem Thema Navigation, erst mit dem GPS-Gerät, mittlerweile spielt auch das Handy eine wichtige Rolle in seinem Alltag und Beruf.