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Need for Speed: Heat


PC Games Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 11/2019 vom 30.10.2019

Wir haben den EA-Racer auf einem Anspielevent ausprobiert und verraten euch, ob er der nächste heiße Scheiß oder doch eher lauwarme Standardkost wird.


Artikelbild für den Artikel "Need for Speed: Heat" aus der Ausgabe 11/2019 von PC Games Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: PC Games Magazin, Ausgabe 11/2019

Spannende Rennen und heiße Verfolgungsjagden mit der Polizei, das bietet Need for Speed: Heat.


Genre: Rennspiel
Entwickler: Ghost Games
Hersteller: Electronic Arts
Termin: 8. November 2019

Die Unterbodenbeleuchtung meines 3er BMWs spiegelt sich giftgrün in den Pfützen der regennassen Straße. Mit einem Tritt aufs Gaspedal lasse ich den frisierten V8-Motor aufheulen, schalte noch einmal einen Gang herunter und ziehe rechts am vor mir fahrenden Wagen ...

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... vorbei. Während die Tachonadel immer weiter auf die 200 km/h zuläuft, beobachte ich schmunzelnd, wie der Verkehr im Rückspiegel verschwindet und sich vor mir die Freiheit der Straße auftut.

Diese Szenerie klingt für manch einen vielleicht nach einem typischen Montagmorgen in der Frankfurter Innenstadt, ist aber tatsächlich der Einstieg in Need for Speed: Heat, dem mittlerweile dritten Serienableger aus dem Hause Ghost Games, mit dem die Schweden (welch Ironie) Wiedergutmachung für das verkorkste Payback leisten wollen. Das ging nämlich ordentlich in die Hose, gilt auf Metacritic als der mieseste Teil des Franchise und kam auch bei uns im Test eher schlecht weg. Was vielleicht auch daran liegt, dass der Titel mehr in die Richtung „Fast and Furios meets Burnout“ abdriftete, eine Formel, mit der alteingesessene Fans nicht wirklich etwas anfangen konnten, sowie an relativ aufdringlichen Echtgeld-Bezahlinhalten. Daher haben die Entwickler 2018 eine Auszeit eingelegt, sind noch einmal in sich gegangen und haben nun einen neuen Versuch gewagt. Ein lohnenswerter Schritt? Wir haben Heat während eines Hands-on-Events in England mehrere Stunden lang selbst ausprobiert und geben euch die Antwort!

Not on my watch! Lieutenant Frank Mercer macht Streetracern in Palm City mächtig die Hölle heiß.


Zu Spielbeginn stehen euch drei Autos zur Auswahl, unter anderem auch ein klassischer BMW M3.


Im Verlauf der Story schaltet ihr neue Eventtypen wie beispielsweise Driftrennen frei.


Böser Cop, böser Cop

Zunächst warfen uns die Entwickler in die Anfangsphase des Spiels, damit wir ein wenig mit Spielwelt und Story von Heat warm werden konnten. Das neue Need for Speed entführt euch dieses Mal ins fiktive, an Miami angelehnte Palm City – eine Art Mekka für Geschwindigkeitsfreaks mit Benzin im Blut. Tagsüber kämpfen Fahrer hier in organisierten Racingevents um dicke Preisgelder. Nachts hingegen geht es raus auf die Straße, wo die unterschiedlichen Crews der Stadt in illegalen Rennen um Ruhm und Ansehen buhlen. Die lustige CO2-Parade ist allerdings nur von kurzer Dauer.

Die örtliche Polizei ist nämlich gar nicht glücklich darüber, dass die zahlreichen PS-Protzer ihr Revier unsicher machen. Entsprechend wird eine Taskforce ins Leben gerufen, um den Rasern ruck, zuck den NOS-Hahn zuzudrehen. Angeführt vom skrupellosen Lieutenant Frank Mercer greift die Sondereinheit hart durch und schreckt auch nicht vor zwielichtigen Methoden zurück. Das wird bereits zu Beginn eindrucksvoll unter Beweis gestellt, als die Uniformierten einem Straßenrowdy mit vorgehaltener Waffe nahelegen, doch besser die Stadt zu verlassen. Klingt unschön, entpuppt sich aber schnell als Glücksfall für euch. Denn so wird in einer der Straßencrews ein Platz frei, den ihr prompt übernehmen dürft. Nun ruht das Auge des Gesetzes künftig zwar auch auf euch, im Gegenzug könnt ihr aber auch die fiesen Machenschaften der Polizei aufdecken und nebenbei noch zum König bzw. zur Königin der Straßen von Palm City aufsteigen.

Ein Unterschied wie Tag und Nacht

An der Story-Front erwartet euch also nichts Außergewöhnliches, sondern eher rennspieltypische Standardkost. Die Erzählabschnitte fallen allerdings auch nicht groß negativ auf, trotz flacher Figuren, die in überzogen cooler Jugendsprache umherfaseln und beinahe sexuelle Beziehungen zu ihren Schlitten hegen. So nimmt man die Handlung eben als nötiges Übel mit, das den Rahmen für den eigentlichen Star des Spiels bietet: das Gameplay. Im Zentrum von Need for Speed: Heat stehen natürlich die rasante Racing-Action und der eingangs erwähnte Kontrast zwischen Tag und Nacht. In Palm City gibt es keinen dynamischen 24-Stunden-Zyklus wie noch in Payback. Stattdessen wechseln Spieler eigenhändig zwischen den beiden Tageszeiten, die jeweils mit anderen Aufgaben auf sie warten.

Tagsüber messt ihr euch hauptsächlich auf abgesperrten Strecken, wo ihr euch nicht mit dem Stadtverkehr herumschlagen müsst. Diese Events lassen sich über eine Karte auswählen oder auch spontan über Markierungen innerhalb der offenen Spielwelt starten. Zur Auswahl stehen dabei zumeist Rundenrennen gegen bis zu sieben andere Fahrer. Es erwarten euch aber auch andere Disziplinen wie etwa Driftchallenges und Missionen, mit denen ihr die Story voranbringt. Nachts geht es dann etwas härter und chaotischer zur Sache. Das liegt nicht nur daran, dass ihr meist in Sprintrennen antretet, in denen ihr euch euren Weg zwischen den einzelnen Wegpunkten selbst suchen müsst. Neben euch sind natürlich auch noch Dutzende andere Autos auf den Straßen unterwegs, die für zusätzliche Unübersichtlichkeit sorgen.

Die Karte von Palm City und Umgebung bietet einiges an Abwechslung und Beschäftigung.


In Heat könnt ihr entweder einen großen oder mehrere kleine Nitrobooster in euer Auto einbauen.


Driftend kommt ihr am schnellsten um die Kurve und seht dabei auch noch richtig schick aus.


Die Bodenhaftung verloren

Hier noch die Kontrolle über sein Fahrzeug zu behalten, kann schon mal herausfordernd sein. In den meisten Fällen machen es euch die Entwickler von Ghost Games aber nicht übermäßig schwierig. Das Studio verortet sein neuestes Werk erneut in der Arcade-Racing-Ecke, auf Realismus wird also nicht viel Wert gelegt. Vielmehr steht die Action im Vordergrund, die auch für Fahranfänger weitestgehend zugänglich sein soll. Entsprechend steuern sich eure Boliden einfach und direkt, brechen nur selten aus und pappen selbst in den schärfsten Kurven so fest auf dem Asphalt, als seien eure Reifen in ein Fass Sekundenkleber gefallen. Sogar das neue dynamische Wetter hat kaum Auswirkungen auf das Fahrverhalten. Selbst bei regennasser Straße droht ihr nie von der Strecke zu fliegen – dank nicht abschaltbarer Hilfssysteme wie ABS oder Traktionskontrolle.

Nur in einer Situation erlaubt Heat es euch, die Bodenhaftung zu verlieren: wenn es ans Driften geht. Das spielt im neuen Need for Speed erneut eine wichtige Rolle, ist es doch zumeist die schnellste Möglichkeit, um eine Kurve zu kommen. Viel Können verlangt euch das kontrollierte Übersteuern eures Wagens aber nicht ab. Um einen Drift zu starten, tippt ihr lediglich ein zweites Mal das Gaspedal an, lenkt in die gewünschte Richtung ein und schon schlittert ihr in Ken-Block-Manier über den Asphalt. Das geht manchmal so einfach, dass wir uns fast wie in Mario Kart gefühlt haben: Immer schön die Schultertaste drücken, um der Konkurrenz möglichst weit davonzufahren.

Die Gegner-KI macht es euch dafür nicht zu einfach und bietet euch – je nachdem, welchen der drei Schwierigkeitsgrade ihr eingestellt habt – ordentlich die Stirn. Besonders clever stellen sich eure Kontrahenten aber auch nicht immer an. Gegnerische Fahrer bleiben meist stur auf der Ideallinie, erschweren euch nicht durch geschickte Manöver das Überholen und ballern auch schon mal gerne in eure Karosse, solltet ihr auf ihrer gewünschten Route im Weg sein. Zu allem Überfluss kommt ein spürbarer Gummibandeffekt hinzu. Zwar wurde uns auf explizite Nachfrage hoch und heilig versprochen, dass es im Spiel keinen ebensolchen gäbe. Und in einigen Momenten könnt ihr auch durchaus einen ansehnlichen Vorsprung herausfahren. Nach Crashes schafft man es aber überraschend gut, wieder ins Fahrerfeld zurück und gerade in storyrelevanten Rennen halten andere Fahrer hartnäckig mit – selbst dann, wenn ihre Autos dem eigenen deutlich unterlegen sind.

Pimp my Ride

Apropos Autos: Derer gibt es in Need for Speed: Heat dieses Mal 127 Stück von insgesamt 33 verschiedenen Marken. Fans von Edelkarossen dürfen sich dabei besonders auf die Rückkehr von Ferrari freuen. Aber auch, wer einfach mit seinem VW Golf mal richtig Tempo machen möchte, bekommt die Chance dazu – Tuning sei Dank.

Das funktioniert glücklicherweise nicht mehr mittels der nervigen Speedcards des Vorgängers. Stattdessen schaltet ihr mit den durch Rennsiege erhaltenen Rufpunkten neue Teile frei, die ihr dann für Cash in eure Karren einbauen könnt. Und davon gibt es einige! Die drei Hauptkategorien Motor, Chassis und Antrieb stecken noch mal voller diverser Unterpunkte, die ihr mit verschieden hochwertigen Upgrades verbessern könnt. Oder ihr tauscht einfach direkt den gesamten Motor aus, um nicht nur die Leistung, sondern auch den Sound eures Schlittens anzupassen. Hinzu kommen noch neue „taktische“ Lachgaskanister, die euch entweder einen langen oder mehrere kurze Geschwindigkeitsboosts verschaffen, sowie diverse Reifen und Aufhängungen, die euer Handling mehr in Richtung Straße, Rennstrecke oder Offroad verschieben. Ach ja, und natürlich erwarten euch neben leistungsbezogenen auch wieder jede Menge optische Anpassungen wie Neonlichter, verspiegelte Scheiben, Kotflügelverbreiterungen oder Lackierungen mit Perleffekten.

In die solltet ihr euch allerdings nicht allzu sehr verlieben. Den einen oder anderen Kratzer werden eure Wägen nämlich sicherlich abbekommen – spätestens in den Verfolgungsjagden, die neben den Rennen das zweite zentrale Standbein von Heat darstellen. Seid ihr nachts etwas zu rüpelhaft in der Stadt unterwegs, zieht ihr die Aufmerksamkeit der Cops auf euch. Die heften sich dann an eure Fersen und versuchen, euch mit Nagelbändern, gepanzerten Autos und Hubschraubern dingfest zu machen. Euer Wagen verfügt nun nämlich über eine Lebensleiste, die bei jedem Zusammenstoß sinkt. Seid ihr bei null angelangt, kommt das einem Totalschaden gleich. Ihr seid geschnappt und alle nachts verdienten Rangpunkte sind futsch. Schade bloß, dass unser schamvoller Niedergang aufgrund des fehlenden Schadensmodells nicht allzu spektakulär rüberkommt! Schafft ihr es hingegen, die Verfolger abzuhängen und in einer Garage unterzutauchen, werden alle Fortschritte gesichert.

Neben diversen Rennwagen findet ihr im über 100 Autos umfassenden Fuhrpark auch einen VW Käfer.


Tuningfanatiker können sich in Need for Speed: Heat nach Lust und Laune austoben.


In den Verfolgungsjagden geht es ordentlich zur Sache. Leider gibt es aber kein Schadensmodell.


Willkommen im Sunshine State

Auch ohne Schadensmodell: Zerstörung gibt es in Need for Speed: Heat trotzdem. Innerhalb der Spielwelt lassen sich diverse Zäune, Pflanzen und andere Umgebungsgegenstände in ihre Einzelteile zerlegen. Das sieht hübsch aus und fügt sich passend ins auch sonst überzeugende Gesamtbild von Palm City ein. Ghost Games lassen hier den Vibe von Most Wanted oder Underground wiederaufleben. Die Stadt glänzt mit einem stimmigen Mix aus Neonlichtern, Graffiti und anderen urbanen Designelementen. Aber auch außerhalb der fiktiven Florida-Metropole zeigt sich die Map abwechslungsreich: Euch erwarten sumpfartige Gebiete und verschnörkelte Canyon-Passagen, die voller Sammelobjekte und Nebenaufgaben wie etwa Radarfallen stecken.

Grafisch sieht Heat dabei immer top aus. Besonders die Licht- und Spiegeleffekte unserer PS4-Pro-Demo haben uns richtig gut gefallen. Nervig waren nur der ständige Motion-Blur-Effekt und das Fehlen einer Cockpit-Perspektive. Zudem störten wir uns ein wenig an vereinzelt auftretenden Pop-ins oder nachladenden Texturen und den 30 FPS unserer Konsolenversion.

Diese Stadt ist groß genug für zwei

Zum Abschluss unserer Anspielsession wurde uns dann noch das Crew-System vorgeführt. Mit dessen Hilfe könnt ihr euch mit 31 anderen Spielern zusammenschließen und die Straßen von Palm City im Team unsicher machen, Crew-Herausforderungen meistern, gegenseitige Bestzeiten toppen oder eure Karossen in der geteilten Garage vergleichen. So erhält Heat einen zusätzlichen kooperativen und kompetitiven Charakter, der das Spiel auch über längere Zeit motivierend halten soll – zumal ihr mit eurer Crew auch noch stetig im Rang aufsteigen und Boni freischalten könnt. Das alles ist allerdings kein Muss. Alternativ ist der Racer auch komplett offline spielbar. Dann müsst ihr zwar auf alle sozialen Features verzichten, dürft das Spiel im Gegenzug aber auch pausieren. Die Entscheidung, wie ihr das neue Need for Speed erleben wollt, liegt also ganz bei euch.

Ähnlich sieht es bei der Frage aus, ob ihr nach dem Release am 8. November noch einmal Geld in den Titel investieren möchtet oder nicht. Wie die Entwickler bereits bekanntgaben, wird es nämlich kostenpflichtige Post-Launch-Inhalte geben. Im Vergleich zu Need for Speed: Payback sind das allerdings keine Lootboxen, sondern DLCs in Form von Car-Packs und Time-Save-Packs, die beispielsweise die Fundorte aller Collectibles anzeigen. Spielerische Vorteile lassen sich für bares Geld also nicht mehr kaufen. Das ist ja schon mal ein Schritt in die richtige Richtung.

Als Crew sammelt ihr Rangpunkte, um im Level aufzusteigen. Dafür winken euch wiederum Boni.


DAVID MEINT

„Ein ordentlicher Arcade-Racer – nicht mehr und nicht weniger“

Denke ich an Need for Speed, dann denke ich an fett getunte Karren, rasante Straßenrennen und hitzige Verfolgungsjagden. Das alles bietet der neue Ableger Heat zweifelsohne, aber trotzdem will der dritte Teil aus dem Hause Ghost Games nicht so richtig bei mir zünden. Das mag daran liegen, dass ich zu rosige Erinnerungen an frühere Teile wie Underground 2 oder Most Wanted und damit einhergehend zu hohe Erwartungen habe. Oder eben einfach daran, dass Heat nur ein ordentliches, aber kein herausragendes Rennspiel zu werden scheint. Die einzelnen Elemente machen Spaß und gerade beim Tuning bietet der Titel eine beeindruckende Bandbreite. In Sachen Gameplay und Spielwelt kann das neue Need for Speed meinen bisherigen Eindrücken nach aber nicht mit Genregrößen wie Forza Horizon mithalten.