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Neu interpretiert


Atrium Spezial - epaper ⋅ Ausgabe 82/2019 vom 19.09.2019

Der ArchitektJan Kubasiewicz hat für ein englisches Paar eine Dachwohnung in der Schweiz umgebaut und sich dabei vom Vorgefundenen inspirieren lassen.


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Bildquelle: Atrium Spezial, Ausgabe 82/2019

Der Dachstock wurde freigeräumt und neu organisiert. Die Thematik der Täfelung wurde übernommen und neu interpretiert.


Das Haus zum Roten Ochsen datiert von 1882 und liegt an der Hauptstrasse. Die Dachwohnung wird sowohl im Sommer wie im Winter rege gen


Die Arbeitsplatte ist aus Silestone Classic White gefertigt. (Kochfeld mit Dunstabzug: Bora)


Die Lage ist einmalig. Mitten im schweizerischen Ski- und Kurort Flims, direkt an der Hauptstrasse, die dank der ...

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... vor drei Jahren eröffneten Umfahrung des Dorfes nicht stark frequentiert ist. Ganz oben im Haus zum Roten Ochsen hat ein englisches Paar, das in Zürich arbeitet und lebt, seine Ferien- und Wochenendresidenz eingerichtet. Am Anfang des Auftrags stand ein genaues Briefing der Bauherren an den Architekten bezüglich Materialien, Gestaltung, Bedürfnisse und Nutzung:

«Das Haus stammt aus dem Jahr 1882, und wir möchten die Geschichte des Hauses auch in unserer Wohnung erlebbar machen. Wir streben die Atmosphäre eines coolen, interessanten Boutiquehotels an mit vielen verschiedenen Nischen und spannenden Blickwinkeln. Der Innenausbau soll massgeschneidert sein und alles integrieren wie etwa die Küche, Stauraum und Regale. Die Wohnung soll zu unserem warmen, gemütlichen Rückzugsort in den Bergen werden, der sowohl im Sommer wie im Winter funktioniert. Wir lieben klare Linien, aber auch moderne Interpretationen alter handwerklicher Themen wie etwa Täfelungen und interessante Bodenoberflächen. Wir wollen etwas Zeitloses und klassisch Modernes, was die Verarbeitung und die Oberflächenbeschaffenheit betrifft. Wir lieben eigentlich den Chalet- und Alpenlodge-Style, aber wir denken, dass dieser nicht das Richtige für diese Immobilie darstellt.»

Rückbau und Neuaufbau

Anhand dieses Briefings entwickelte der Architekt Jan Kubasiewicz ein entsprechendes Designkonzept, das auf drei Pfeilern steht. Erstens: Das Projekt soll massgeschneidert sein. «Uns interessieren die Bewohner und ihre Bedürfnisse. Wir sehen sie als Sparringpartner, die unsere Kreativität beflügeln», meint der Architekt. Zweitens: Ein bisschen Luxus darf sein. «Wir lieben es, ein Minimum an Luxus und Eleganz in unseren Design-Projekten zu integrieren», sagt der Architekt und fügt lächelnd hinzu: «Dabei muss Luxus nicht teuer sein. Bei diesem konkreten Objekt ging es in erster Linie darum, räumliche Grosszügigkeit zu erreichen.» Und damit wären wir auch schon beim dritten und letzten Punkt: Integrierte Systeme. «Geschickt konzipierte Einbaumöbel und eine clevere Lichtführung gehören zu den Wesensmerkmalen unserer Architektur. Viele Dinge wollen versteckt, andere herausgehoben werden. Mit Licht und klug integriertem Stauraum kann man viel Atmosphäre schaffen», resumiert der Architekt.

Die Arbeitsplatte der Küche wird mit Holz eingefasst. So gehört die Küche zur Möbelstruktur. (Küchenbau: Flimser Schreinerei; Backofen: Siemens; Spülbecken und Armatur: Suter)


«Die Küche wird zum Möbelelement und integriert sich unauffällig in den allgemeinen Innenausbau.»
JAN KUBASIEWICZ, ARCHITEKT


Sorgfältig ausgewählte Möbel und perfekt genutzte Nischen verleihen der Wohnung Grösse und Gediegenheit. (Tisch: Norr 11; Stühle: Carl Hansen, Wishbone Chairs; Leuchten: Workstead)


Mit der Neuinterpretation der Täfelungen und deren Farbgebung wird dem Alten Tribut gezollt, ohne nostalgisch zu werden.

Ursprünglich wollte man die Balken auch weiss streichen, als diese aber abgelaugt und geölt waren, entschied man sich, die Balkenkonstruktion zu zeigen. (Sofa & Sessel: Love your home)


Konkret wurden in der Dachwohnung in Flims alle nicht tragenden Wände rausgenommen. Die Struktur der Dachkonstruktion ergab dann quasi den Grundrissraster. Beim Rückbau der Wände wurde jedoch schnell sichtbar, dass einige wichtige tragende Teile im Verlauf der Zeit entfernt worden waren, und so war man gezwungen, zwei robuste Unterzüge in Stahl einzuziehen, damit der Dachstuhl nicht in sich zusammenfallen würde. «Das war schon eine grosse Herausforderung im Bauablauf, denn die Stahlträger mussten von aussen eingefügt und auf den Aussenmauern aufgestützt werden», berichtet der Architekt von den Schwierigkeiten im Bauprozess. Im Grundriss gab es so jedoch einen Befreiungsschlag. In der Baueingabe war die Küche nämlich noch parallel zur Erschliessungszone eingezeichnet, weil man in der Region des heutigen Backofens eine Stütze erwartete. Dank der Unterzüge konnte die eine Schlafzimmerwand jedoch zur Fassade hin versetzt und die Küche quer zu Erschliessungsrichtung eingeplant werden, was dem L-förmigen Wohnraum eine bessere Zonierung einbrachte.

Vorhandenes weiterspinnen

Ein wesentliches Merkmal des ehemaligen Ausbaus war die Täfelung, die man sowohl in den Schlafräumen als auch in den Wohnräumen vorfand. «Wir haben viele dieser Täfelungen, vor allem in den Schlafzimmern, erhalten. Im Wohnbereich haben wir das Thema neu interpretiert und weitergesponnen », erzählt der Architekt. Die Nut-Kamm-Verbindung wurde in der neuen Täfelung übernommen. Die Rhythmisierung wurde auf die einzubindenden Elemente wie Küche, Türen und so weiter angepasst. Die Täfelschicht kann dann auch alles aufnehmen wie etwa Garderobe, Fernsehmöbel, Stauraum und Regale. Sogar das versteckte Homeoffice hat dank bodenschienenlosen Faltschiebetüren in dieser Schicht Platz. Auch die Küche wird Teil des Täfelungsthemas. «Ich habe bereits bei einigen Projekten die Abdeckplatte der Küche, die ja meist ein anderes Material aufweist als die Fronten, in den Möbelkubus eingelassen. So wird die Küche mehr zum Möbelelement und integriert sich unauffälliger in den allgemeinen Innenausbau.»

Direkte und indirekte Beleuchtung machen den Charme der Wohnung aus. Die Küche scheint dank Licht zu schweben.


Die Bauherren lieben feine, gut eingerichtete Boutiquehotels, und ihre Wohnung sollte eine ähnliche Atmosphäre ausstrahlen.

Im Bad ist der britische Stil am meisten spürbar. (Fliesen: Fired Earth; Armaturen: by Cocoon, Piet Boon collection)


Der Materialmix ist ruhig und freundlich. Und dennoch versprüht er eine enorme Eleganz.


In den Schlafzimmern wurden die alten Täfelungen belassen und wo nötig ersetzt. Die alten Balken kontrastieren die sonst weiss gehaltenen Decken und Wände.


Erlesene Designstücke

Das Thema der Integration wird auch beim Lichtsystem weitergesponnen. Das ganze Täfelband ist gegen oben hin sauber abgeschlossen, und im Abschluss wurden überall LEDLichtschienen eingebaut, die eine tolle Grundausleuchtung garantieren und den Innenausbau auf eine wohltuende Weise inszenieren. Als Ergänzung zu dieser integrierten Beleuchtung wurden an einzelnen Orten gezielt Designleuchten der New Yorker Firma Workstead montiert, die nicht nur bezüglich Licht, sondern auch bezüglich Produktdesign vollumfänglich überzeugen. Überhaupt tritt der ganze Innenausbau als eine Art Kulisse in Erscheinung, der dank der dunkelgrünen Farbgebung das perfekte Rückgrat für die erlesenen Designstücke der Einrichtung und der Dekoration wirkt. Die Möblierung wurde sorgfältig ausgesucht und aufeinander abgestimmt. Dadurch entstand diese Art Boutiquehotel-Atmosphäre, die bereits im Briefing angestrebt wurde.

An ein Boutiquehotel erinnert auch die Einrichtung der Bäder. Im Fischgrat verlegte Wandfliesen des britischen Labels «Fired Earth» treffen auf im Netzmuster verlegte Bodenfliesen desselben Brands. Eine Besonderheit ist auch hier das im gleichen Marmor geschnittene Abschlussfries. Diese Liebe zum Detail kombiniert mit dem wunderbar zeitlos und neu interpretierten Thema der Täfelung verleihen dieser Wohnung einen einmaligen Charme. Und manchmal tritt an der einen oder anderen Ecke auch noch ein schräger Schornstein, eine alte Tür, oder ein besonders schön geschnitzter Balken in Erscheinung. Diese Ecken werden dann mit Licht inszeniert und erzählen so ganz leise von der Geschichte des Hauses. Ich würde sagen: Briefing vollumfänglich erfüllt!


«Uns interessieren die Bewohner und ihre Bedürfnisse. Wir sehen sie als Sparringpartner, die unsere Kreativität beflügeln.»
JAN KUBASIEWICZ, ARCHITEKT


JAN KUBASIEWICZ Architektur & Interior Zürich

Jan Kuba Architecture & Interior wurde 2016 von Jan Kubasiewicz in Zürich gegründet. Der Brand steht für nachhaltige, innovative und individuelle Designlösungen mit Hang zum Gesamtkunstwerk. Jan Kubasiewicz wurde in Belgien geboren, wo er am St-Lucas Institute of Architecture and Applied Arts in Brüssel studierte. Während seines Studiums an der Polytechnischen Universität in Mailand, spezialisierte er sich auf Interior Design, Restauration und Städtebau.

Nach Lehr- und Wanderjahren in verschiedenen Architekturbüros in der Schweiz, Belgien, Italien, Frankreich und dem Mittleren Osten machte er sich vor zwei Jahren selbstständig und realisiert seitdem kleinere und grössere Aufträge im In- und Ausland.

ARCHITEKTUR: Jan Kuba GmbH,

Architecture & Interior, Kreuzstrasse 2

CH-8008 Zürich, T 0041 78 925 94 42

www.jankuba.ch

BAUBEGINN: 2016

FERTIGSTELLUNG: 2017

WOHNFLÄCHE: 140 m2

AM BAU BETEILIGTE:

Baumeisterarbeiten: Züger und Flury AG, www.zueger-flury.ch; Holzbau: Holzbau Candrian, www.holzbau-candrian.ch; Fenstereinbauten im Dach: Köhle Bedachungen AG, www.koehle.ch; Elektroanlagen: Ledstar AG, www.ledstar.ch und Elektro Capaul AG, Flims; Sanitäranlagen: Kurt Stampa, Flims; Schreinerarbeiten: Flimser Schreinerei, www.flimserschreinerei.ch; Metallbau: Ragettli Metallbau, www.ragettli.ch; Bauingenieur: Liesch Ingenieure AG, www.liesch.ch; Bauphysik: Bernhard Bauexperte, www.bernhard-bauexperte.ch