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NEUARTIGE FUNKTIONSWEISE: Mit Starkstrom gegen Unkraut


Friedhofskultur - epaper ⋅ Ausgabe 10/2019 vom 01.10.2019

Die Unternehmen Neudorff und Zasso entwickeln gemeinsam ein handgeführtes Gerät, dass Unkraut auf Wegen und Flächen mit Starkstrom bekämpft. Frühestens im kommenden Jahr ist das Gerät marktreif.


Artikelbild für den Artikel "NEUARTIGE FUNKTIONSWEISE: Mit Starkstrom gegen Unkraut" aus der Ausgabe 10/2019 von Friedhofskultur. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Friedhofskultur, Ausgabe 10/2019

Im Agrarbereich sind größere Anbaugeräte bereits auf dem Markt.


Auf dem Zasso-Feldtag am 4. Juni in Aachen informierten sich rund 400 Besucher aus mehreren Ländern über die neue Methode der herbizidfreien Unkrautbekämpfung. Neben Vorführungen der Geräte und Prototypen standen Fachvorträge auf dem Programm. Der Schwerpunkt lag auf landwirtschaftlichen Anwendungen.

Die patentierte Hochspannungstechnologie stammt von ...

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... Zasso aus Brasilien. Zur Erschließung neuer Märkte und Anwendungsbereiche hatte das südamerikanische Unternehmen Partner gesucht – so kam unter anderem ein Kontakt zu Neudorff mit passendem Portfolio und Vertriebsnetz zustande. Für die Entwicklung des handgeführten Geräts haben Neudorff und die deutsche Zasso-Tochter 2018 ein Joint Venture namens Zoff gegründet, bei dem sich Zasso mit der Technik befasst, während Neudorff die Entwicklung aus Anwendersicht begleitet und später den europaweiten Vertrieb übernimmt.

Prototyp und Folgemodell

In Aachen konnten die Partner neben dem ersten Prototyp P1 aus dem Jahr 2017 auch das Folgemodell P2 präsentieren. Die Markteinführung des P2 ist für 2020 oder 2021 geplant, wenn alle Sicherheitsprüfungen absolviert und die notwendigen Zulassungen erteilt sind. Geräte für Endverbraucher, eventuell zur Einzelpflanzenbehandlung, sind ein Fernziel.

Sabine Klingelhöfer, bei Neudorff für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig, nannte Pflaster-und Schotterflächen mit lockerem Bewuchs als ideale Einsatzorte. Gerade auf Kopfsteinpflaster sei das Gerät eine gute Alternative zu Bürsten. Leichte Unebenheiten bis zu fünf Zentimetern seien kein Problem. Potenzielle Anwender seien vor allem Garten-und Landschaftsbau-Betriebe und Kommunen.

Dr. Andreas Prokop aus der Neudorff-Entwicklungsabteilung erwähnte die sehr gute Anfangs-und Dauerwirkung der Strom-Behandlung. Parkplätze, Gehwege und Friedhöfe gehören für ihn zu den möglichen Einsatzgebieten. Andreas Maus, Projektmanager bei Zasso, erläuterte technische Details des P2. Das Gerät arbeitet wie P1 mit einer Spannung von 7.000 Volt und einer Leistung von 2.000 Watt. Der benötigte Strom stammt aus einem Wechselakku, da Neudorff festgestellt hatte, dass potenzielle Anwender die Stromversorgung über ein Netzkabel sehr kritisch sahen. Ziel sei es, so Maus, das Gerät mit verschiedenen marktüblichen Akkus betreiben zu können.

Schotter mit Gras sechs Tage (li.) und 15 Tage nach Starkstrom-Behandlung.


Das handgeführte Gerät als Prototyp.


Mit einer Akku-Ladung lasse sich bewachsener Boden etwa eine Stunde lang behandeln. Der Stromverbrauch hängt vor allem von der Leitfähigkeit des Untergrunds ab. Nach Einschätzung von Neudorff könnte die Leistung eventuell auf 1.500 Watt reduziert werden, sodass man an einem Arbeitstag mit vier Akkus auskäme. Auf Flächen ohne Vollbedeckung soll die benötigte Leistung nur bei 700 bis 1.000 Watt liegen. Wichtig sei dabei die richtige Schiebegeschwindigkeit.

Das Gerät mit 60 Zentimeter Arbeitsbreite wiegt etwa 70 Kilogramm. Mit drei Luftreifen ist das fast geräuschlos arbeitende, absenkbare Gerät leichtgängig. Vorn ist ein Reifen mittig montiert, damit der Abstand zu Kanten und Bordsteinen möglichst klein ist.

Auf Anwenderschutz achten

Wichtig bei der Arbeit mit Strom ist der Anwenderschutz, sagte Maus. Das Gerät verfügt über Abschalteinrichtungen. Der Geräteführer sollte isolierende Stiefel tragen, andere Personen müssen drei Meter Abstand halten. Problematisch seien Nässe und Pfützen oder Metallteile am Boden. Das Bodenleben werde kaum beeinträchtigt, bei chemischen und mechanischen Verfahren sei die Schädigung größer.

Zu den Referenten beim Feldtag gehörte Maximilian Birle, Innovationsmanager bei CNH Industrial (CNHi). Der weltweit tätige Hersteller von Investitionsgütern ist Partner von Zasso für landwirtschaftliche Anbaugeräte. Diese werden unter der Marke „X-Power“ angeboten. Das Gerät zur Behandlung von Ackerflächen hat eine Arbeitsbreite von drei Metern, es enthält 24 Applikatoren mit jeweils 3.000 Watt. Der Pluspol ist vorn am Anbaugerät, Generator und Transformator sind am Heck.

Zu den X-Power-Anbaugeräten gehört ein kleineres Modell für die Streifenbehandlung im Weinbau, das sich auch für Baumschulen eignen könnte.

Zasso-Manager Matthias Eberius sagte, dass die Effizienz der Behandlung vom elektrischen Widerstand der Pflanzen und des Bodens abhängt. Bei dichtem Bewuchs und hoher Blattnässe wie kurz nach einem Regen sei die Wirksamkeit stark reduziert, da der Strom durch den Wasserfilm fließt statt durch die Pflanze und den Boden. Ganz trocken müsse die Vegetation aber nicht sein. Hohe Pflanzen könnten vor einer Anwendung gemulcht werden. Gut zu bekämpfen sind Unkräuter mit sechs bis zehn Blättern. Bei Gräsern hängt die Wirkung vom Rhizom und der Bewuchsdichte ab. Auch invasive Pflanzen lassen sich mit Strom bekämpfen.

So funktioniert das Gerät

Dr. Andreas Prokop aus der Neudorff-Entwicklungsabteilung erklärte das Wirkprinzip des neuen Geräts, das mit Hochspannung arbeitet. Die Pflanzen werden von stromführenden Metallstreifen bestrichen. Der Strom fließt vom Applikator (Pluspol) erst durch den Spross und die Wurzel und dann durch den Boden zum Erdungsapplikator (Minuspol). Die Wirkung des Verfahrens ist systemisch. Das Chlorophyll wird sofort geschädigt. Die Zellen werden teilweise zerstört und laufen aus. Später sterben weitere Zellen ab, die Leitbündel werden unterbrochen und die Pflanzen trocknen aus. Im Boden liegende Samen werden nicht erfasst. Die Tiefenwirkung von zehn bis zu 15 Zentimeter soll mit der von Glyphosat vergleichbar sein, sie ist besser als bei Wärmeeinsatz oder mechanischen Behandlungen. Mit 3.000 Watt werden die Wurzeln in größerer Tiefe geschädigt als mit 1.000 Watt. Die systemische Wirkung soll mindestens sechs Wochen anhalten, nach dem Abflammen tritt schon nach zwei Wochen neuer Bewuchs auf. Befragte potenzielle Anwender zeigten laut Prokop ein hohes Interesse an der Technik, vor allem wegen der geringeren Anzahl von Anwendungen durch die bessere Tiefenwirkung (zwei-bis dreimal pro Jahr) im Vergleich zu Verfahren wie Heißwasser, Heißdampf oder Abbrennen (vier-bis fünfmal pro Jahr). dre


Fotos: Dr. Hein rich Dressler