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Neue Akzente


ColorFoto - epaper ⋅ Ausgabe 5/2018 vom 11.04.2018

Fujifilm X-H1. Die erste Kamera der X-Serie mit Bildstabilisator im Gehäuse setzt auch beim Design neue Akzente: größer, griffiger, grundsolide. Und als Eyecatcher gibt’s ein Status-Display an der rechten Gehäuseschulter. Für die Bildaufzeichnung bleibt der X-Trans CMOS III mit 24 Megapixeln zuständig.


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Bildquelle: ColorFoto, Ausgabe 5/2018

Status-Display
Ein Novum in der X-Serie ist das beleuchtbare Status-Display rechts neben dem Verschlusszeitenrad, dafür musste das Belichtungskorrekturrad weichen. Zeiten- und ISO-Rad sind verriegelbar.


Eine neue Fujifilm mit Vollformatsensor? Mitnichten, auch wenn man angesichts der Gehäusegröße auf ...

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... diese Idee kommen könnte. Zudem verweist das neue Schulterdisplay auf Fujifilms Mittelformater GFX 50S. Doch die X-H1 bleibt ihrer Familie treu. Damit ist natürlich die X-Systemkamera-Serie gemeint, die mit X-Trans-Sensoren im APS-CFormat arbeitet und jetzt um ein Modell mit eingebautem Bildstabilisator ergänzt wird. Mit dieser kleinen Revolution in der Fujifilm-Welt werden alle XF- und XC-Objektive ohne optischen Stabilisator entscheidend aufgewertet. Dazu gehören Festbrennweiten von 14 bis 90 mm, aber auch das lichtstarke Standardzoom XF 2,8/16-55 R LM WR, im Set mit der X-H1 für 2900 Euro erhältlich. Das Gehäuse alleine kostet 1900 Euro.

Gehäuse und Ausstattung

Der X-H1-Body soll aus einem um 25 % stärkeren Magnesiummaterial bestehen als der der X-T2 und damit noch robuster sein. Die Folge ist ein höheres Gewicht: 673 g wiegt die X-H1, 507 g die X-T2. Noch mehr fällt der Größenunterschied auf: Die Neue ist 7 mm breiter, 5 mm höher und 37 mm tiefer. Sogar die Sony A7 III mit Vollformatsensor ist etwas schmaler und niedriger. Man vergisst das schnell, wenn man die X-H1 in die Hand nimmt und auf dem vergrößerten Griff alle Finger Platz finden. Sie liegt hervorragend in der Hand, vielleicht besser als jede andere aktuelle spiegellose Systemkamera. Das entschädigt dafür, dass die neue Formgebung ein Stück Abschied vom Retro-Design der X-T1 und X-T2 mit sich bringt.
Der Auslöser sitzt jetzt ergonomisch günstig am abgeschrägten Oberteil des Handgriffs, völlig verändert aber hat sich das Auslösegefühl. Bei anderen Kameras der X-Serie spürt man beim halben Durchdrücken des Auslösers, nachdem die Kamera fokussiert hat, einen deutlichen Druckpunkt vor der Verschlussauslösung. Weil dieser bei der X-H1 fehlt, löst man mitunter ungewollt aus. Tipp: Zum Eingewöhnen den AF-Piepser aktivieren und öfter mal die griffgünstig für den Daumen platzierte AF-on-Taste zum Vorfokussieren verwenden.
Der integrierte Bildstabi lisator (IBIS) arbeitet nach dem „5- Achsen“-Prinzip. Im ersten Test überzeugte er vollauf; die Trefferquote bei längeren Belichtungszeiten erhöhte sich deutlich.
Den Strom liefert wie bisher der Lithium-Ionen-Akku NP-W126S, der für mehr als 300 Aufnahmen im Sucherbetrieb gut sein soll – meistens werden es eher weniger sein. Strom satt liefert der optional erhältliche Batteriehandgriff VPBXH1 mit zwei zusätzlichen Akkus und Bedienelementen für Hochformataufnahmen. Wird der Handgriff nicht an der Kamera gebraucht, dient er als Ladegerät für zwei Akkus. Eine Ladeschale für den Kameraakku ist bei der X-H1 erfreulicherweise im Lieferumfang, eben so ein kleiner Aufsteckblitz (EFX8). Einen Ausklappblitz gibt es nicht.

Drahtlosfunktionen

Die App „Fujifilm Camera Remote“ erlaubt die Fernbedienung der Kamera mit Live-Bild am Smartphone und Touch-AF, was in der Regel auch reibungslos funktioniert. Ebenfalls möglich: der Bildaustausch zwischen Kamera und Smartphone über WLAN oder Bluetooth 4.0 und das Zuordnen von Ortsdaten zu Bildern (Geotagging). Ist die permanente Bluetooth-Verbindung in der Kamera aktiviert (Menü: Einrichtung – Bluetooth-Einstellungen), weist diese beim Ausschalten darauf hin, dass Bilder zur Übertragung anstehen und der Bildempfang am Smartphone gestartet werden soll. Allerdings hakte es beim Bildtransfer auf diesem Weg gelegentlich.

Fernbedienung der X-H1 mit der App „Fujifilm Camera Remote“: Im Livebild am Smartphone kann man auch mittels Touch-AF fokussieren.


Detailpflege
Die Tasten links und rechts vom Suchereinblick wurden vergrößert, die Q-Taste zum Aufrufen des Quick-Monitors griffgünstig in der Daumenstütze platziert. Der Monitor ist jetzt berührungsempfindlich. Neu unter den Bildstilen: die Filmsimulation „Eterna“.


Die effektive Vergrößerung des OLED-Suchers beträgt 0,75-fach, etwas weniger als bei der X-T2 (0,77). Dafür bekommt man eine höhere Auflösung geboten: 1 230 000 statt 786 667 Pixel. Zudem ist der X-H1-Sucher laut Hersteller etwa um den Faktor 1,6 heller. Mit einer ex trem kurzen Reaktionszeit von 5 ms und einer Bildwiederholrate von 100 B/s lassen sich auch Bewegungen im Sucherbild flüssig darstellen. Wie bei der X-T2 kann man bei Bedarf ein etwas kleineres Sucherbild einstellen, das sich dann leichter mit aufgesetzter Brille bis zu den Ecken überblicken lässt. Die Bilddiagonale des TFT-Monitors beträgt unverändert drei Zoll, die Auflösung 346 666 RGB-Bildpunkte. Ein Klappmechanismus erlaubt das Verschwenken auf zwei Achsen – nach oben und unten sowie (nach Lösen einer Entriegelung) seitlich. Neu bei der X-H1: Der Monitor ist jetzt touchfähig. Ein weiteres Novum ist das monochrome Status-Display an der rechten Gehäuseschulter. Es informiert in großen Lettern über die wichtigsten Aufnahmeeinstellungen, ist beleuchtbar und lässt sich sogar konfigurieren.

Klappmonitor
Der 3 Zoll große Monitor lässt sich auf zwei Achsen aus dem Gehäuse schwenken, sodass auch Hochformataufnahmen in Bodennähe oder Über-Kopf unterstützt werden.


Autofokus und Aufnahme

Das AF-System der X-H1 entspricht in seinen Eckdaten dem der X-T2: 325 Kontrast-AF-Felder stehen auf dem Bildsensor bereit, von denen 169 Phasen-AF-tauglich sind. Neben Messfeldautomatik und Einzelpunkt-AF bietet die Kamera die Möglichkeit der Messfeldgruppierung (Zone) mit 9, 25 oder 49 Messfeldern. Laut Hersteller wurde die Ansprechempfindlichkeit des AFSystems von + 0,5 auf – 1 LW verbessert. Für die Auslöseverzögerung inklusive AF-Zeit ermittelte das Labor 0,36/0,40 s bei 300/30 Lux. Je nach Objektiv lassen sich vermutlich aber auch kürzere Zeiten erreichen. Für den kontinuierlichen Autofokus (AF-C) stehen fünf Presets zur Wahl, ein sechstes kann der Anwender frei programmieren. Drei Parameter sind einstellbar: Verfolgungsempfindlichkeit, Beschleunigungserfassung und Zonen-Priorität (Mitte, Auto, Nah).
Der mechanische Verschluss (30 bis 18 000 s) arbeitet ungewöhnlich leise und zudem auch äußerst vibra tionsarm. Als Grund nennt der Hersteller eine gefederte Aufhängung der Verschlussmechanik als Bestandteil des Bildstabilisierungssystems (IBIS). Wer praktisch ohne Vibrationen auslösen will, wählt den elektronischen ersten Verschlussvorhang oder die komplett elektronische Variante, die lautloses Auslösen bis zu 1/32 000 s und eine Serienbildrate von knapp 14 B/s erlaubt.

Die Funktionsfelder am Schnelleinstellmonitor lassen sich jetzt auch durch Berühren anwählen, wobei sich ein Untermenü öffnet.


Zuweisbare Funktionen gibt es jetzt nicht nur für herkömmliche Funktionstasten, sondern auch für Wischbewegungen am Monitor.


Das Statusdisplay an der Gehäuseschulter ist konfigurierbar. Statt der Blende könnte man z. B. die Belichtungskorrektur vergrößert darstellen.


Das IBIS-System (In-Body Image Stabilization) der X-H1 unterstützt gleichermaßen Objektive mit oder ohne optischen Bildstabilisator.


Der elektronische Verschluss ermöglicht Bildserien bis 14 B/s, mit mechanischem Verschluss sind es 8 B/s (11 B/s mit dem Batteriegriff VPB-XH1).


Für den Verfolgungsautofokus (Tracking-AF) beim Filmen im AF-C-Modus lässt sich die Empfindlichkeit passend zum Motiv justieren.


Die X-H1 filmt mit 4K-Auflösung und bis zu 30 Vollbildern/s. Dass Fujifilm die Filmer für sich gewinnen will, zeigt die Vielzahl möglicher Einstellungen – nicht weniger als vier Seiten im Menü sind dem Thema Video gewidmet. Über den HDMI-Ausgang lässt sich das unkomprimierte Videosignal abgreifen, auch Timecode-Aufzeichnung ist möglich. Ganz neu ist der an Kinofilmen orientierte Bildstil „Eterna“ mit gedämpften Farben und verbesserter Schattenzeichnung. Zum Speichern der Fotos und Videos stehen zwei UHS-IIkompatible SD-Karten-Slots bereit.

Bedienkonzept

Das Bedienkonzept der X-H1 wurde im Vergleich zur X-T2 erweitert, durch das Schulterdisplay als zusätzliche Informationsquelle und die Touch-Funktionalität. Sie können mit dem Finger AF-Punkte setzen und die Kamera auslösen, aber auch mittels Wischbewegungen am Monitor die Anzeige verändern – etwa durch Einblenden eines RGB-Histogramms oder eines künstlichen Horizonts. Im Wiedergabemodus erleichtert der Touchscreen das Blättern im Bildbestand oder das Hineinzoomen in ein Bild durch Ziehen mit zwei Fingern.
Was man von der X-T2 kennt, sind die verriegelbaren Einstellräder für ISO und Verschlusszeiten, während man das rastende Belichtungskorrekturrad vergebens sucht. Jetzt drückt man dazu die Plus-Minus-Taste neben dem Auslöser, um dann mittels Endlosrad die Belichtung zu korrigieren (±5 Blenden). Die meisten Bedientasten sind jetzt größer und damit besser zu ertasten – auch mit Handschuhen. Den praktischen Joystick zum Positionieren von AF-Feldern im Sucherfeld kennt man bereits von anderen X-Modellen. Ein Druck auf den Joystick blendet das AF-Feld-Raster ein. Der AF-Punkt oder die AF-Zone wird grün hervorgehoben, was die Positionierung erleichtert. Durch Drehen eines Einstellrads verändert man die Größe des AF-Felds in sechs, die der Zone in drei Stufen.
Das Hauptmenü der X-H1 ist durch sechs vertikale Karteireiter strukturiert und umfasst 24 Unterseiten mit 2 bis 8 Einträgen. Vor allem das verschachtelte „Einrichtung“-Menü ist nicht ganz einfach zu überblicken. Unter „Mein Menü“ (MY) kann man Einträge nach Belieben zusammenstellen. Eine weitere, bereits bekannte Einstellebene bildet das Schnelleinstellmenü mit Funktionsfeldern. Die dazugehörige Q-Taste ist bei der X-H1 besonders griffgünstig in die Daumenstütze integriert.

Karl Stechl, Autor


FAZIT Mit ihrem äußerst robusten Magnesiumgehäuse im neuen Design signalisiert die X-H1 ihre Eignung auch für professionelle Einsätze. Die Kamera lässt sich mit lichtstarken und damit etwas schwereren Objektiven – dazu gehört auch das Set-Objektiv XF 2,8/16-55 R LM WR – hervorragend handhaben. Der optionale Handgriff VPB-XH1 mit zwei Zusatzakkus schafft jene Energiereserven, die man mit nur einem Akku NP-W126S in der Kamera vermisst, vergrößert die X-H1 aber fast auf die Dimensionen einer Profi-SLR. Einen dicken Pluspunkt verbucht die X-H1 mit dem im Gehäuse integrierten, sehr effektiven Bildstabilisator. Zudem hat der Hersteller das Bedienkonzept weiter verfeinert – etwa durch das Schulterdisplay und die Touch-Funktionalität des Monitors. Eine noch bessere Bildqualität als bei der X-T2 darf man aufgrund der unveränderten Sensortechnik nicht erwarten, eine höhere Trefferquote dank Bildstabilisator aber schon – es sei denn, Sie verwenden ausschließlich Fujinon-Objektive mit optischem Bildstabilisator.

Bildqualität

JPEG ISO 200


RAW ISO 200


JPEG ISO 800


JPEG ISO 1600


RAW ISO 1600


JPEG ISO 3200


JPEG und RAW im Vergleich
Erste leichte Texturverluste treten bei ISO 800 auf, wie die Holzmaserung zeigt. Ab ISO 3200 werden sie deutlich. Im RAW-Modus lässt sich mit optimal angepassten Einstellungen für Schärfung und Rauschreduzierung einiges mehr an Textur erhalten.

Bildqualität

Mit dem X-Trans CMOS III (24 MP) ohne Tief passfilter und mit X-Prozessor Pro schafft die X-H1 eine hohe Auflösung um 2100 LP/BH bei ISO 200/400; bis ISO 12 800 erreicht sie konstant über 1900 LP/BH. Hohe Dead-Leaves-Werte – bis zu 1218 LP/BH für hohe Kontraste und 1079 LP/BH für niedrige Kontraste – stehen für eine gute Wiedergabe von Texturen und Feinzeichnung. Bis ISO 1600 bleiben die Dead Leaves im Bereich um 1000 LP/BH, erst bei ISO 3200 kommt es zu einem stärkeren Rückgang (737/693 LP/BH). Das Rauschen ist bis ISO 3200 mit VN 1,8 moderat, sofern man Schattenpartien nicht stark aufhellt. Die Kamera schärft die Bilder ziemlich heftig nach, weshalb der Wechsel zum RAW-Modus empfohlen wird. Für das Schärfen in Lightroom gilt tendenziell: „Betrag“ nur moderat erhöhen (Standard: 25), dafür höhere „Details“-Werte (75 und mehr) wählen.

Batteriegriff und Anschlüsse
Der Batteriehandgriff VPB-XH1 mit zwei Extra-Akkus bietet Bedienelemente für Hochformataufnahmen und einen Kopfhöreranschluss, der dem Kameragehäuse fehlt.



Fotos: Hersteller, Image Engineering, Karl Stechl

Bei Auflösung, DeadLeaves (DL) und Dynamik stehen hohe Zahlen für gute Messwerte. Das Rauschen (VN) sollte möglichst klein sein.