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Neue Autogasanlage für Direkteinspritzer: Vielbeachtete Erstpräsentation des Konzepts bei der Autoregion Saar e. V.


Flüssiggas - epaper ⋅ Ausgabe 1/2019 vom 15.02.2019

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Vertreter der Direct GasTec GmbH und Prof. Dr.-Ing. Heinze von der HTW Saar präsentieren Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier die neue, innovative Autogastechnik für direkteinspritzende Benzinmotoren. V.l.n.r.: Frank Jungblut, geschäftsführender Gesellschafter und Prokurist der Direct GasTec GmbH; Prof. Dr.-Ing. Thomas Heinze, HTW Saar; Andreas Gühring, Geschäftsführer der MHA Zentgraf GmbH & Co. KG; Holger Becker, ebenfalls geschäftsführender Gesellschafter und Prokurist der Direct GasTec GmbH; Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier.


Alle Fotos: W. Kröger

Genau diese Plattform nutzte auch die Direct GasTec GmbH aus Mer zig / Saar, eine der größten Innov a t i o nen der Autogasbranche in den letzten Jahrzehnten vorzustellen: Eine Auto gasanlage für direkteinspritzende Benzin motoren, die aufgrund eines völlig neuen, innovativen Funktionsprinzips die hinlänglich bekannten Probleme bisher am Markt bestehender Gasanlagen löst. Grund genug für Bundeswirtschaftsminister Peter A ltmaier, zwischen Kohlegipfel und seiner Rede vor dem Gremium die Präsenta tion der Direct GasTec GmbH einmal näher unter die Lupe zu nehmen. Und auch VDA-Präsident Mattes wagte einen Blick auf die Neuentwicklung.

Überwindung technischer Schwierigkeiten
Wie bereits mehrfach berichtet, wurde in Herne vom ehemaligen Vialle- Importeur Becker ein völlig neues Konzept einer Autogasanlage entwickelt, mit der die neuen, direkteinspritzenden Motoren zuverlässig mit Gas versorgt werden können. Bisher funktionierte das überwiegend mit sogenannten Verdampfer-Lösungen, bei denen das flüssige Autogas mittels eines an den Kühlkreislauf des Fahrzeugs angeschlossenen Verdampfers erwärmt wurde, um es in den gasförmigen Aggregatzustand zurückzuversetzen. So konnte es mittels Injektoren in den Ansaugtrakt eingespritzt werden. Genau betrachtet entspricht das technische Niveau dieses Vorgangs dem von Saugmotoren mit antiquierter Vergaser-Technik. Die Hersteller von Autogasanlagen mussten sich bisher fragen lassen, warum die Automobilindustrie mit hohem Aufwand effiziente, direkteinspritzende Motoren entwickelt, wenn bei der Autogas-Umrüstung wieder auf das zugegebenermaßen funktionierende, aber technisch längst überholte Prinzip der Saugrohreinspritzung zurückgegriffen wird. Während die Motorenentwickler der Automobilindustrie bereits dabei waren, die innere Gemischbildung zu perfektionieren, steckte die überwiegende Zahl der Gasanlagenhersteller noch in der Sackgasse der äußeren Gemischbildung fest. Der böse Begriff „Vergewaltigung des Motorenprinzips“ beim

Der VW Tiguan als Versuchsträger hat bereits erste Emissionsmessungen der HTW Saar, Institut Automotive Powertrain, erfolgreich über sich ergehen lassen müssen.


Im ersten Schritt möchte die Direct Gastec GmbH Fahrzeuge der VW-Gruppe auf die neue Autogasanlage umrüsten.


Einbau von Autogasanlagen machte in Fachkreisen die Runde. Einige Hersteller versuchten mit hohem Aufwand und vergleichsweise mäßigem Erfolg, diesen gordischen Knoten zu durchschlagen. Doch die Beaufschlagung vieler, eigentlich für den Benzinbetrieb konstruierten Komponenten (z. B. der Benzin-Hochdruckpumpe) mit Autogas erwies sich als wenig zielführend, bzw. verursachte einen zu hohen Entwicklungsaufwand, um damit letztlich kostendeckend in die Serienfertigung zu gehen.

Moderne Kraftstoffstrategie
Bei dem neu entwickelten System der Firma Becker kommen all diese Nachteile nicht mehr zum Tragen, die Fahrzeugkomponenten können wieder das tun, wofür sie eigentlich konstruiert worden sind. Insbesondere die empfindlichen, reparaturanfälligen Hochdruckpumpen arbeiten wieder mit Benzin und nicht mit Gas. Eine Tatsache, die einige Techniker von Bosch, Conti, Hitachi & Co. wohl in Zukunft deutlich ruhiger schlafen lässt. Wichtiger aber noch: Individuelle Kraftstoffstrategien einzelner Hersteller können mit dem neuen Autogaskonzept quasi 1:1 abgebildet werden.

Das zum Patent angemeldete innovative Funktionsprinzip der Direct GasTech- Lösung, das im Kern überwiegend auf der hydraulischen Übertragung des Benzindrucks auf das Gas in der Flüssig phase basiert, gefiel dem niederländischen Gasanlagenhersteller Vialle so gut, dass er prompt wesentliche Teile der Entwicklung übernahm und überhastet versuchte, sie als sein geistiges Eigentum zu präsentieren. So überhastet, dass bei der groß angekündigten Vorstellung ein damit ausgestattetes Fahrzeug partout nicht dazu zu bewegen war, anzuspringen und seinen Dienst aufzunehmen, wie mehrere Anwesende unabhängig voneinander berichteten.

Hierbei dürfte es sich allerdings eher um eine Episode am Rande handeln, die wohl solche Neuentwicklungen immer mal wieder begleiten. Das Original, die Erfindung der Beckers aus Herne, soll jedoch ungeachtet solcher Störfaktoren weiterentwickelt und zur Serienreife gebracht werden.

Neugründung der Direct GasTec GmbH
Dafür hat man jetzt die in Merzig / Saar ansässige Direct GasTec GmbH gegründet, an der mit dem Hydraulik-Spezialisten MHA Zentgraf sowie einem Unternehmen aus der Gasbranche und natürlich den Entwicklern selbst weitere saarländische Spezialisten beteiligt sind, die den „alten“ Energieträger Autogas neu beleben wollen. Das Know-how aus dem Segment Autogas steuert das Institut Auto - motive Powertrain, Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes, bei.

Erste Gespräche mit Vertretern aus Industrie, Politik und Sachverständigen- Organisationen im Rahmen der Präsentation auf dem Neujahrsempfang der Autoregion verliefen mehr als positiv. Dennoch steht dem Unternehmen noch ein langer Weg bevor, bis die Erfindung serienreif auf die Straße gebracht werden kann. Einen Fehler will man allerdings auf keinen Fall machen, wie aus Unternehmenskreisen zu hören war: Überhastete Schnellschüsse darf man demnach nicht erwarten.

Neues Autogas-Kapitel
Das ist auch richtig so, denn die DGT, wie sich die Direct GasTec GmbH abkürzt, ist angetreten, um ein neues Kapitel der Autogasantriebe aufzuschlagen.

Nur, wenn aus einer gesicherten Position heraus solide, nachhaltige Lösungen auf den Markt gebracht werden, kann verlorenes Vertrauen zahlreicher Stakeholder aus dem Marktsegment Autogas zurückgewonnen werden. Dann könnte mit der Energiewende auch die „Autogaswende“ geschafft werden.