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NEUE CHANCEN FÜR ANDERE THEMEN


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Taspo Garten-Design - epaper ⋅ Ausgabe 6/2021 vom 16.11.2021

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Bildquelle: Taspo Garten-Design, Ausgabe 6/2021

Der Pocket-Park als grüne Oase in der Großstadt: Der M&G Garden.

Vieles war anders in diesem Jahr, denn eine RHS Chelsea Flower Show im September hat es noch nie gegeben. In ihrer mittlerweile 108 Jahre umfassenden Geschichte fand die Schau immer im Frühling statt. Dieses Jahr lockte die Show die vielen gartenbegeisterten Briten also im Herbst in die Gärten – und das durchaus erfolgreich.

Im Mai 2020 musste die Flower Show zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg abgesagt werden und auch im Frühling 2021 fiel sie der Pandemie zum Opfer. Sie wurde um einige Monate verschoben und fand vom 21. bis 26. September statt. Die Veranstalter hatten die Besucherzahl verringert, und es gab weniger Aussteller und Gärten.

Manchen Gartengestalter und manches Unternehmen stellte der Termin im September vor große Herausforderungen. So waren einige Gärten schon vor längerer Zeit mit Pflanzen geplant worden, die sich im Frühling von der besten Seite zeigen. Der spätere Termin ...

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... bot aber auch eine Chance für neue Aussteller und für andere Themen.

WAS WAR NEU IN DIESEM JAHR?

In diesem Jahr waren im Bereich der Schaugärten die beiden Kategorien Balkon- und Containergärten dazugekommen. Mit ihnen wurde der Trend zum Gärtnern in der Stadt und auf kleinstem Raum berücksichtigt.

Auch auf die gestiegene Begeisterung für Hauspflanzen reagierten die Organisatoren: Die House Plant Studios waren eine neue und sehr sympathische Idee mit vielen überraschenden Effekten und Eindrücken. Die Studios waren modern, üppig und fantasievoll mit Zimmerpflanzen dekoriert, und sie waren von der Wirkung her weit entfernt von den klassischen Gartenhäusern. Sie befanden sich alle zusammen in einem mit alten Bäumen bestandenen Bereich.

Die fast magische Atmosphäre in diesem Ausstellungsteil wurde noch durch Lampions in den Bäumen verstärkt. Dadurch war dieser Ausstellungsbereich, der vor allem viele Jüngere ansprach, auch bei schlechten Lichtverhältnissen sehr stimmungsvoll.

POCKET-PARK STATT PRIVATGARTEN

Schon in den vergangenen Jahren wurde von der RHS mehr Gewicht auf das gemeinschaftliche Gärtnern gelegt. Die gesponserten Schaugärten wurden jedoch normalerweise als private Gärten gestaltet. Hier gab es in diesem Jahr eine interes-sante Änderung: Der von Hugo Bugg und Charlotte Harris gestaltete M&G Garden war als „Pocket-Park“ geplant, also als kleine grüne Oase in einer Großstadt. Inspiriert war dieser Garten von den Erfahrungen während des Lockdowns: In der Zeit haben, so schätzt die RHS, mehr als drei Millionen Menschen in Großbritannien ihre Liebe zum Garten und die Freude am Gärtnern entdeckt. Der Ausstellungsbeitrag sollte deshalb auch zu Diskussionen über die Bedeutung von städtischem Grün für die Bürger anregen.

Der M&G Garden war abwechslungsreich gestaltet, vom kleinen Teich, der Tieren ein Refugium bot, bis hin zu ruhigen, geschützten Sitzecken. Bei dem Entwurf wurde davon ausgegangen, dass der Pocket-Park auf einem ehemaligen Industriegelände entstanden sein könnte. Rohre, die sich in Form einer über 100 Meter langen Skulptur aus recyceltem Material durch den Garten schlängelten, zeigten, wie eine industrielle Vergangenheit in die Gestaltung integriert werden kann.

Ein Teil der ausgewählten Pflanzen spiegelte den Wechsel der Jahreszeiten wider, so dass unter anderem Samenstände und Herbstfarben zu sehen waren. Bei der Gehölzauswahl wurde auf Bäume geachtet, die mit den Extremen eines städtischen Standortes zurechtkommen, wie der Wald-Tupelobaum (Nyssa sylvatica), der Sanddorn (Hippophae rhamnoides) oder die Korallen-Ölweide (Elaeagnus umbellata). Belohnt wurde die detaillierte Planung mit einer Goldmedaille.

EIN BIOGARTEN GEGEN VORURTEILE

Der Yeo Valley Organic Garden war der erste rein „organische“ Garten auf der RHS Chelsea Flower Show, der von der britischen Soil Association anerkannt worden ist. Die verwendeten Pflanzen waren nach biologischen Standards kultiviert worden. Yeo Valley ist nach Firmenangabe die größte britische Biomarke.

Der Beitrag zeigte, wie kleine Schritte einen positiven Effekt auf die Biodiversität und die Tierwelt im Garten haben können. Der von Tom Massey gestaltete Garten wurde mit einer Goldmedaille belohnt und er erhielt noch eine weitere Auszeichnung: Mit dem „People‘s Choice Award“ wurde er ganz offiziell zum Publikumsliebling in seiner Kategorie gekürt.

Zum Yeo Valley Organic Garden gehörten eine Staudenwiese sowie ein kleines Birkenwäldchen. Auffallend waren verkohlte Holzstücke im Garten, ein Hinweis auf „Biochar“ beziehungsweise Pflanzenkohle zur Bodenverbesserung und zur Anregung des Bodenlebens.

Die Staudenwiese des Yeo Valley Gartens war abwechslungsreich mit späten Blühern wie Helenium, Dahlien und Rudbeckien sowie zierlichen Gräsern bepflanzt. Ergänzt wurde der Garten mit fruchttragenden Gehölzen wie Mispel und Hagebutten-Rosen. Ein markantes Gestaltungselement war ein aus dampfgebogenem Holz hergestellter, an einem Träger hängender Rückzugsort in Ei- Form: Dieses Riesen-Ei aus Holz konnte mit Muskelkraft in die Höhe gezogen werden, um den Garten dann aus einer anderen Perspektive zu sehen.

Tom Massey äußerte sich über den Wechsel in den Herbst in einem BBC-Interview sehr positiv, denn „der September ist ein wunderbarer Gartenmonat und das Licht in dieser Jahreszeit hat die Wirkung des Gartens noch verstärkt.“ Mit dem Garten wurde nicht nur auf Grundlagen des ökologischen Landbaus aufmerksam gemacht, sondern, so Massey: „Der Yeo Valley Organic Garden zeigt auch, dass ein auf ökologischen Prinzipien beruhender Garten nicht zwangsläufig unordentlich aussehen muss oder nur der Obst- und Gemüseproduktion dient.“

HERAUSFORDERUNG: HERBST STATT FRÜHLING

Der Wechsel vom Frühling in den Herbst stellte einige Gartendesigner wie Jonathan Snow vor eine große Herausforderung, denn er hatte seinen Trailfinders‘ 50th Anniversary Garden für das Frühjahr geplant. Der Garten war von der Pflanzenwelt und der Atmosphäre des Himalayas inspiriert. Snow musste rund 80 Prozent der für den Frühling ausgewählten Pflanzen von seiner Liste entfernen, um das Sortiment an den späteren Termin anzupassen. Sein Himalaya- Garten enthielt rund 4.000 Pflanzen, wobei er versucht hatte, möglichst viele aus unseren Gärten bekannte Arten zu verwenden, die ursprünglich aus dem Himalaya stammen.

Der Garten war von üppigem Grün dominiert. Er wäre vielleicht viel zu bunt und weniger atmosphärisch gewesen, wenn alle verwendeten Rhododendren geblüht hätten. Nun hatte er, durch den späten Termin, eine sehr angenehme, ruhige Ausstrahlung. Die sorgfältige Arbeit wurde mit einer Goldmedaille sowie dem Best Construction Award honoriert.

DIE GRÜNE STADT DER ZUKUNFT

Der Yeo Valley Organic Garden war nicht der einzige Schaugarten, der den Trend zur naturnahen Gartengestaltung widerspiegelte. Der Guangzhou Garden, gestaltet von Peter Chmiel und Chin-Jung Chen vom Design-Büro Grant Associates, begeisterte mit seiner außergewöhnlichen, beruhigenden Atmosphäre.

Der Garten war von den Ideen der chinesischen Hafenstadt Guangzhou inspiriert. Die Stadt, in der 15 Millionen Menschen leben und die den Beitrag gesponsert hatte, legt viel Wert auf eine verantwortungsvolle und nachhaltige Planung. Mit Blick auf das Wachstum von Mega - städten, den Klimawandel und die Gefahren des Artensterbens verfolgt Guangzhou bei der Städteplanung das Konzept einer „ökologischen Zivilisation“. Die Stadt ist dafür im Sinne einer ganzheitlichen Umweltplanung in drei Bereiche geteilt:

Einem gemeinsam nutzbaren grünen Raum für die Bürger im inneren Stadtbereich, in dem das Wirtschaftsleben pulsiert, gewissermaßen das Herz der Stadt.

Im Norden der Stadt gibt es geschützte grüne Bereiche, die quasi die Lunge der Stadt bilden.

In südlicher Richtung hat Guangzhou geschützte Wasserflächen, die wie die Nieren eine reinigende Funktion haben und die Wasserqualität verbessern sollen.

DIE ORGANE DER STADT: LUNGE, HERZ UND NIERE

Die Grundlage des Designs war das Prinzip der dreiteiligen Stadtplanung, umgesetzt auf einer Fläche von nur 20 x 10 Metern: Die „Lunge“ wurde durch ausdrucksstarke Bäume, die Schadstoffe aus der Luft filtern, dargestellt. Euphorbien, Seggen und Farne bildeten dort einen grünen Teppich, durchsetzt mit akzentuierenden Stauden wie Rodgersia und Angelica. Die Bepflanzung sollte dabei nicht nur reinigende und umweltverbessernde Funktionen übernehmen, sondern auch der Fauna einen sicheren Lebensraum bieten.

Das „Herz“ der Stadt – der öffentliche Raum in der Mitte Guangzhous – wurde durch fünf luftige Strukturen aus hellem Bambus dargestellt. Die größte der schlanken, spitz zulaufenden Strukturen hatte eine Höhe von 8,5 Metern und diente auch als Treffpunkt im Garten.

Die große Wasserfläche stellte die „Nieren“ Guangzhous dar. Das Element Wasser wurde auf vielfältige Weise in den Garten integriert: Es bildete eine Wasserlandschaft mit Schwimmpflanzen und Steinen, Wasserfällen und Stauwehren, ergänzt mit Trittsteinen. Bei der Auswahl der Pflanzen spielte ihre Fähigkeit, Wasser reinigen zu können, eine große Rolle.

Die drei Bereiche wurden auf elegante, anmutige Weise verbunden: mit Blattschmuckpflanzen in Kombination mit locker-luftig anmutenden, in sanften Weiß-, Blau- und Gelbtönen blühenden Stauden. So entstand ein Garten, der trotz der thematischen Dreiteilung wie „aus einem Guss“ wirkte. Auch dieser Garten gehörte zu den Goldmedaillen- Gewinnern. Er wurde zudem als bester Schaugarten ausgezeichnet. Ein großer Erfolg für Chmiel und Chen, die in diesem Jahr zum ersten Mal an der Flower Show teilnahmen.

NEU IN DIESEM JAHR: BALKONGÄRTEN

Die Balkongärten waren eine neue Kategorie in diesem Jahr und auch für Besucher ohne Balkon interessant. Die fünf Beiträge zeigten auf einer Fläche von 2x 5 Metern Inspirationen, Trends und Ideen, die sich auch auf Terrassen oder in kleinen Gärten umsetzen lassen.

Beispiele für die intensive und vielseitige Nutzung einer kleinen Fläche zeigte der Green Sky Pocket Garden von James Smith: Der Boden war wie in einem Garten mit Trittplatten ausgelegt, zwischen denen niedrige, Trockenheit vertragende Stauden wuchsen, darunter auch duftende Kräuter. Die beiden schmalen Seiten des Balkons wurden von zwei unterpflanzten Erdbeerbäumen (Arbutus unedo) begrenzt und boten so einen schützenden Rahmen. Die Balkonkästen auf dem Geländer enthielten kletternde und duftende Pflanzen. An der Hauswand befand sich eine Sitzbank mit Stauraum, daneben ein vertikaler Gemüsegarten mit leicht auszuwechselnden Töpfen.

ESKAPISMUS AUF DEM BALKON

Auch drei andere Balkongärten nutzten die Vertikale, allerdings mit einer schmalen Pergola oder einem Klettergerüst für Pflanzen, oder einer Kombination aus beidem. Exotisch anmutend: Der Balkongarten „Arcadia“ von Martha Krempel. Im Stil einer Hollywoodschaukel war die Sitzgelegenheit an einem stabilen Holzgestell befestigt, das gleichzeitig auch als Klettermöglichkeit für Wilden Wein diente. Das Holz war farblich abgestimmt auf eine alte, aus Indien stammende Tür – sehr effektvoll, um die Wirkung eines Urlaubsparadieses auf dem Balkon zu erzielen. Eine Mischung aus Zimmer- und Gartenpflanzen sorgte für mediterrane bis tropische Impressionen, verstärkt durch eine Yucca und einen Granatapfelbaum.

IDEEN FÜR KLEINE GARTENRÄUME

Die Containergärten waren kleine, überraschende Schätze sowohl für den, der wenig Platz hat als auch, um Anregungen für befestigte Gartenbereiche zu entdecken. Auch hier war die Idee, den zur Verfügung stehenden Raum optimal zu nutzen. Alle fünf Teilnehmer waren Chelsea-Neulinge, die bei ihren Entwürfen vom renommierten Gartendesigner Paul Hervey-Brookes unterstützt wurden. Ein farbenfrohes Highlight war der Pop Street Garden von John McPherson, der von Pop Art und Street Art inspiriert war.

The Hot Tin Roof Garden von Ellie Edkins weckte Erinnerungen an einen Tag am Strand. Für die kühle, erfrischende Ausstrahlung waren vor allem schattenliebende Blattschmuckpflanzen ausgewählt worden. Die bepflanzten Gefäße in unterschiedlichen Höhen und Durchmessern bestanden aus gewelltem Stahl.

Die Balkone des Bosco Verticale in Mailand und die Miyawaki-Methode zur Aufforstung lieferten die Inspiration für Sara Edwards IBC Pocket Forest. Ihr Ziel war ein vielschichtiger, kleiner Wald im urbanen Raum, der nur wenig Platz benötigt. Er sollte Tieren ein Habitat bieten und es Städtern ermöglichen, im Grünen zu sitzen. Verwendet wurden Intermediate Bulk Container (IBC). Sie waren mit Gehölzen bepflanzt und an den Seiten zusätzlich mit Farnen, Gräsern und Efeu bestückt. Solche Gittertanks sind nach dem Ende der Leasingzeit relativ preiswert erhältlich und können gut den entsprechenden Bedürfnissen angepasst werden, so die Designerin.