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Neue Chefärzte braucht das Land


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f & w - führen und wirtschaften im Krankenhaus - epaper ⋅ Ausgabe 11/2022 vom 01.11.2022

Zum Thema

Chefärzte haben einen langen steinigen Weg hinter sich: erst sechs Jahre Medizinstudium, dann – je nach Fachrichtung – eine fünf bis sechs Jahre währende Weiterbildung. Sofern die jungen Fachärzte sich nicht in die Niederlassung oder in die Wirtschaft verabschieden, können sie sich ein paar Jahre lang ihre Sporen im Krankenhaus verdienen, Stationsarzt und später Oberarzt werden. Die Krönung der Laufbahn ist dann die Chefarztposition.

Oder auch nicht. Die Personalberatung Rochus Mummert hat im vergangenen Jahr in Zusammenarbeit mit dem Winterthurer Institut für Gesundheitsökonomie die Karriereziele von Oberärzten an deutschen Universitätskliniken untersucht. Ergebnis: Nur noch 14 Prozent der befragten Oberärzte peilen die klassische Chefarztkarriere an. 22 Prozent wollen Oberarzt bleiben. 23 Prozent ziehen die universitäre Sektionsleitung vor, 22 Prozent streben nach einer ...

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... Universitätsprofessur. 8 Prozent denken darüber nach, sich selbstständig zu machen. 3 Prozent erwägen, in die Industrie oder die Beratung abzuwandern.

Laut Kienbaum Gehaltsreport von 2019 liegt der durchschnittliche Chefarztverdienst bei 300.000 Euro im Jahr. Am unteren Ende der Skala bewegen sich die Geriater mit 177.000 Euro, Spitzenverdiener sind die Internisten mit 372.000 Euro. Aber auch Oberärzte verdienen gut: Am besten werden die Chirurgen mit 148.000 Euro im Jahr bezahlt, gefolgt von den Internisten (142.000 Euro), Gynäkologen (135.000 Euro), Orthopäden (135.000 Euro) und Radiologen (134.000 Euro). Der Tarif für leitende Oberärzte liegt abhängig vom Arbeitgeber und von den Berufsjahren noch höher. „Inklusive Bonuszahlungen und Nebentätigkeiten können 180.000 bis 200.000 Euro im Jahr zusammenkommen“, erklärt Personalberaterin Andrea Köhn. Chefarzt zu werden, ist da keine wirtschaftliche Notwendigkeit mehr. „Viele Oberärzte sagen: Wofür soll ich mir den Stress antun?“

Demokratische Dienstplanung

Darüber hinaus muss der Chefarzt die Arbeit geregelt organisieren. „Eine meiner wichtigsten Aufgaben ist es, dafür zu sorgen, dass meine Mitarbeiter um 16 Uhr Feierabend machen können“, sagt Lutz Mahlke. Die Dienstplanung überlässt er seinem Team. „Wenn jemand krank ist, regeln sie unter sich, wer dafür einspringt. Das funktioniert sehr gut.“ Allerdings lasse sich die kürzere Arbeitszeit nur schwer mit den Erfordernissen der Weiterbildungsordnung in Einklang bringen. Mahlke hat seinerzeit als Weiterbildungsassistent bis zu 100 Stunden in der Woche gearbeitet. Das Arbeitszeitgesetz hat einer derart ausufernden Arbeitsbelastung 1994 einen Riegel vorgeschoben. Seitdem sind 48 Wochenstunden das Maximum. Fachärzte dürfen dieses Pensum in ihrer Weiterbildung auf 56 Stunden ausdehnen. Der OP- Katalog sei so kaum zu schaffen, meint Mahlke. „Die Anforderungen sollten deshalb reduziert werden. Anstatt jeden Eingriff zehnmal zu operieren, sollten sich die jungen Ärzte lieber früh spezialisieren, sich auf die dafür relevanten Eingriffe konzentrieren und diese dann 40-mal machen können.“

An der Median Klinik Mühlengrund teilen sich zwei Frauen den Chefarztposten.

Auch Babyboomer brauchen Pausen

Der Wunsch nach mehrAusgeglichenheit und flexiblenArbeitszeitmodellen ist im Übrigen nichts, was der jungen Generation vorbehalten ist. Dief&w-Umfagezeigt, dass sich auch gestandene Chefärztinnen und Chefärzte heute vorstellen können, in einer Vier-Tage-Woche in Präsenz zu arbeiten (41 Prozent), in Elternzeit zu gehen (23 Prozent), ein Sabbatical zu nehmen (22 Prozent) oder Teilzeit zu arbeiten (18,6 Prozent). An der Median Klinik Mühlengrund im hessischen Bad Wildungen teilen sich im Rahmen eines Modellprojekts zwei Chefärztinnen der Psychosomatik seit Anfang dieses Jahres eine Vollzeitstelle: Dr. Gyri Wieditz und Dr. Manuela Schade wechseln sich monatlich ab. Das funktioniert, weil sie vorher in Absprache mit dem Kaufmännischen Leiter Felix Muke geklärt haben, wer welche Aufgaben übernimmt und wie das Ganze arbeitsrechtlich sauber in einem Vertrag festgeschrieben werden kann. Sie halten alles schriftlich fest und stehen sich gegenseitig telefonisch für Rückfragen zur Verfügung. Die Mitarbeiter seien anfangs skeptisch gewesen, erzählt Felix Muke, haben seit dem Start des Pilotprojekts durch die sich abwechselnden Chefärztinnen jedoch viele positive Effekte verbuchen können.

"Älteren Chefs ein längeres Bleiben zu ermöglichen, ist eine gute Alternative.

Felix Muke, Kaufmännischer Leiter

Jobsharing für Führungskräfte

Die Initiative für diese Form des Jobsharings ist von Gyri Wieditz ausgegangen. „Mein Mann ist seit drei Jahren Pensionär“, erzählt die 62-Jährige. „Ich möchte einfach noch mehr gemeinsame Lebenszeit mit ihm verbringen.“ Nach einer überstandenen Krebserkrankung wolle sie sich nicht länger aufreiben – denn die Arbeitsbelastung in den vergangenen Jahrzehnten war immer hoch. „Wenn ich nach einem Monat Auszeit in die Klinik zurückkehre, bin ich fit und belastbarer als mit Ende 50. Die Arbeit macht wieder Spaß, und ich halte Stress besser aus.“ Ihre Co-Chefärztin Manuela Schade lebt in ihrer freien Zeit in Berlin, wo sie als Selbstständige Gutachten schreibt. Die Arbeit in der Klinik empfindet sie als Bereicherung und Ergänzung zu dieser manchmal recht einsamen Tätigkeit. Trotzdem wird sie Ende des Jahres Median verlassen. Das Teilzeitmodell läuft dann erst einmal aus.

Mukes Anliegen war, Gyri Wieditz so lange wie möglich zu halten: „Ihr Erfahrungsschatz ist unbezahlbar.“ Zudem sei die Suche nach qualifizierten Chefärzten aufwendig. Älteren Mitarbeitern ein längeres Bleiben zu ermöglichen, erscheint da als gute Alternative. Lautf&w-Umfragekönnen sich 23 Prozent der Chefärzte vorstellen, nach der Berentung in Teilzeit weiterzumachen. Nach den guten Erfahrungen mit der Doppelspitze kann sich Felix Muke auch andere flexible Arbeitszeitmodelle vorstellen – für alle Altersgruppen. Nicht nur Nachwuchsmediziner sind Mangelware, auch die mit langjähriger Erfahrung. Darum heißt es: sich um alle bemühen.

Jana Ehrhardt-Joswig Freie Journalistin