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Neue DIN-Norm 18915: Den Bodenschutz verbessern


TASPO - epaper ⋅ Ausgabe 19/2018 vom 12.05.2018

Die neue Norm DIN 18915 „Vegetationstechnik im Landschaftsbau – Bodenarbeiten“ erscheint voraussichtlich als Ausgabe Juni 2018, über wesentliche Inhalte der Überarbeitung informierte Professor Dr. Stephan Roth-Kleyer, der an der Hochschule Geisenheim University Vegetationstechnik lehrt, anlässlich des Corthum-Seminares im Februar diesen Jahres.


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Bildquelle: TASPO, Ausgabe 19/2018

Bodenarbeiten dürfen nur bei geeigneter Bodenfeuchte ausgeführt werden, ansonsten ist die Baustelle einzustellen.


Fotos (2): Stephan Roth-Kleyer

Professor Dr. Stephan Roth-Kleyer: „Zu entscheiden, wann die Bearbeitung eingestellt wird, ist nicht einfach.“

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Fotos (2): Petra Reidel

Feldversuche sind nach der neuen DIN 18915 nicht mehr zugelassen. Alle Proben müssen im Labor untersucht werden.


Die neue Norm ist auch für den sogenannten „Schweren Erdbau“, wie Leitungsbau, Straßenbau oder für Windkraftanlagen und den Pipelinebau maßgebend, wenn es um Oberböden oder Unterböden für vegetationstechnische Zwecke geht. Das Ziel der DIN-Überarbeitung ist es, den Bodenschutz zu verbessern, und zwar für alle Bodenarbeiten bei denen die natürlichen Bodenfunktionen zu erhalten oder herzustellen sind. Sobald Oberboden oder Unterboden für vegetationstechnische Zwecke abgetragen, bearbeitet, gelagert, befahren, aufgetragen, verbessert oder rekultiviert wird, gilt die neue DIN 18915. Lediglich für Rasenflächen von Sportplätzen bleibt noch die DIN 18035 T.4 zuständig. Somit gilt die DIN 18915 auch bei Bau- und Instandhaltungsmaßnahmen, wenn Ober- oder Unterboden in irgendeiner Form betroffen ist.

Änderungen

Der Anwendungsbereich der neuen DIN 18915 erweitert sich. Im Abschnitt 4 werden Anforderungen des Bodenschutzes aufgenommen, im Abschnitt 5 erfolgt eine Klarstellung zum Umfang der nötigen Voruntersuchungen. Die Bodengruppen wurden in Anlehnung an DIN 18196 angepasst. Sie sind nun in einem hierarchischen System in sechs beziehungsweise 13 Bodengruppen eingeteilt. Auch der Abschnitt zum Bearbeiten von Böden wurde grundlegend überarbeitet, ebenso die Bereiche Bodentransport und Bodenlagerung. Die neue Tabelle 2 regelt die Grenzen der Befahrbarkeit und Bearbeitbarkeit für gemischt- und feinkörnige Böden. Der neue Abschnitt 8 widmet sich dem Herstellen des funktionsfähigen Bodengefüges, der ebenfalls neue Abschnitt 9 hat die Maßnahmen zur Rekultivierung zum Inhalt.

Anforderungen

Im Abschnitt 4 werden die Anforderungen an den Bodenschutz konkretisiert, indem zum Beispiel ein Bauzeitenplan unter Berücksichtigung der jahreszeitlichen Witterung mit ausreichend Pufferzeiten gefordert wird. Bodenarbeiten dürfen nur bei geeigneter Bodenfeuchte ausgeführt werden, ansonsten ist die Baustelle einzustellen.

Die Eingriffsflächen sind so gering wie möglich zu halten, das betrifft auch das Einrichten von Baustraßen, Lager- und Stellflächen. Unterschiedliches Bodenmaterial darf nicht vermischt werden und ein unmittelbarer Einbau ist der Zwischenlagerung vorzuziehen. Auf eine geringe Befahrung und Belastung der Böden ist zu achten.

Untersuchungen

Felduntersuchungen der Bodenkennwerte sind nicht mehr zulässig. Die Kennwerte sind im Labor zu ermitteln. Die Voruntersuchungen (Korngrößenverteilung, Plastizität und Konsistenz, Wasserdurchlässigkeit, Gehalt an organischer Substanz, Bodenreaktionen, Nährstoffvorrat und -verfügbarkeit) dienen dem Vermeiden von Schäden und der Klärung vorab, ob die Bodeneigenschaften der vorgesehenen Vegetation entsprechen oder angepasst werden müssen. Verwendete Düngemittel müssen der Düngemittelverordnung entsprechen, Pestizide dem Pflanzenschutzgesetz.

Bauausführung

Die Grenzen der Bearbeitbarkeit und Befahrbarkeit von Böden sind in der neuen Tabelle 2 in Konsistenzbereiche (ko1 bis ko6) untergliedert. Gemischtkörnige und feinkörnige Böden müssen nun während der Bauausführung entsprechend überwacht werden.

„Zu entscheiden, wann die Bearbeitung eingestellt wird, ist nicht einfach. Am besten hilft hier die Bestimmung des Wassergehaltes durch Ofentrocknung oder in der Mikrowelle und die Messung der Gewichtsdifferenz weiter“, empfiehlt Roth-Kleyer. Damit einher gehen Maßnahmen gegen das Vernässen und Austrocknen der Böden, beispielsweise das Ableiten von Oberflächenwasser, das Begrünen oder Abdecken von Bodenmieten auf durchlässigem Untergrund, aber auch das Einplanen witterungsbedingter Stillstandzeiten.

Selbst die Herstellung einer Miete ist nun zum ersten Mal im Detail geregelt: Die Höhe darf in der Regel für Oberböden zwei Meter nicht überschreiten, die Flanken sind steil anzulegen, die Oberflächen geglättet aber nicht verschmiert, die Herstellung sollte mit nicht schiebenden Geräten (am besten Raupenbaggern) erfolgen, ein Befahren ist verboten und das ist noch nicht das Ende der langen Liste.

Dr. Roth-Kleyer empfiehlt den Ausschreibenden dringend, sich im Detail mit den Änderungen dieser Norm zu beschäftigen. „Hier liegt ein Regelwerk vor, das wirklich den Bodenschutz verbessert. Dennoch ist diese Norm in Teilen mit sehr viel mathematischem und physikalischem Wissen gekoppelt und somit wohl eher für den bodenkundlichen Baubegleiter geschrieben“, so Roth-Kleyer.