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»Neue Erkenntnisse zum Herz-Kreislauf-Risiko von Frauen: Joghurt schützt Ihr Herz!


Bild der Frau - epaper ⋅ Ausgabe 30/2018 vom 20.07.2018

Frauenherzen ticken anders – das haben Forscher viel zu lange vernachlässigt. Das wird jetzt endlich anders. Was Ihr Herz stark macht


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Bildquelle: Bild der Frau, Ausgabe 30/2018

Ernährung ist ein Schlüssel für die Herzgesundheit: Bei Frauen wirken fünf Portionen Joghurt pro Woche schützend


Schlaganfall und Herzinfarkt? Für viele ist das Männersache. Falsch! „Frauen unterschätzen ihr Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen“, warntProf. Dr. Vera Regitz-Zagrosek, Kardiologin und Direktorin des Instituts für Geschlechterforschung in der Medizin an der Charité, Berlin. Der Grund: Viele Frauen denken, dass Östrogene Gefäße und somit das Herz schützen. ...

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Schlaganfall und Herzinfarkt? Für viele ist das Männersache. Falsch! „Frauen unterschätzen ihr Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen“, warntProf. Dr. Vera Regitz-Zagrosek, Kardiologin und Direktorin des Instituts für Geschlechterforschung in der Medizin an der Charité, Berlin. Der Grund: Viele Frauen denken, dass Östrogene Gefäße und somit das Herz schützen. „Den meisten ist nicht bewusst: Der Schutz hört nach den Wechseljahren auf und lässt sich nicht durch künstliche Hormone wiederherstellen“, sagt Prof. Regitz-Zagrosek. Die Sorglosigkeit hat Folgen: Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind bei Frauen vor Krebs Todesursache Nummer eins. Bei Schlaganfällen und Herzschwäche sind sie gar in größerer Gefahr als Männer, diese zu bekommen – und auch Herzinfarkt sowie koronare Herzerkrankungen treffen sie immer häufiger. Aber auch die klassische Medizin hat lange zu wenig über Frauenherzen gewusst. Die sogenannte „Gendermedizin“ füllt nun diese Lücken: Neue Erkenntnisse zeigen, was speziell dem weiblichen Organ nützt und was ihm schadet.

Milchsäurebakterien senken Hochdruck-Risiko

■ Bei Männern ist Joghurt kein Blutdruck-Beeinflusser. Bei Frauen schon: US-Studien ergaben, dass fünf Portionen (jeweils 125 g) pro Woche das Hochdruck-Risiko senken. Sind die hohen Werte schon da, verringern zwei Portionen die Schlaganfall- und Herzinfarkt-Gefahr immerhin um 20 Prozent. Hinter der Wunder-Wirkung stecken laut Molekularmedizinern aus Berlin die Joghurt-Milchsäurebakterien: Sie gleichen im Darm die blutdrucktreibenden Effekte von zu viel Salz aus dem Essen wieder aus.

Falsche Bescheidenheit ist gefährlich

■ Kommt es zum Herzinfarkt, zählt jede Minute, um das verschlossene Gefäß wieder zu öffnen. Doch: Frauen ab 65 brauchen im Schnitt viereinhalb Stunden, bis sie nach den ersten Symptomen in der Notaufnahme sind – gleichaltrige Männer eine Stunde weniger! Das deckte eine Studie des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung auf. Schuld an der Verzögerung sind laut Forschern typische Frauengedanken wie: „Das wird schon besser, da muss ich doch jetzt nicht den Notarzt belästigen.“ Sie warnen: Falsche Bescheidenheit schadet!

Kohl hält die Gefäße gesund

■ Mit dem Alter steigt die Arteriosklerose-Gefahr, als Folgen drohen Schlaganfälle und Herzinfarkte. Der gefährlichen Verdickung und Verhärtung der Blutgefäße wirkt aber speziell bei Frauen Gemüse entgegen: Unter 954 Teilnehmerinnen einer australischen Studie war bei Gemüse-Fans die Wand der Halsschlagader dünner als bei Grünzeugmuffeln. Mega-Schutz bot Kohl wie Brokkoli oder Blumenkohl: Zehn Gramm pro Tag hielten die Adern am schlankesten! Die Antioxidantien darin fangen freie Radikale ab, verhindern so entzündliche Prozesse in den Arterien.

Aspirin hilft Frauen leider nicht

■ Aspirin schützt das Herz – aber nur das von Männern. „Bei gesunden Frauen unter 65 Jahren hilft Aspirin nicht zur Prävention einer koronaren Herzkrankheit“, sagt Regitz-Zagrosek. Kardiologen vermuten, dass sich der Wirkstoff durch die geringere Muskelmasse und das Körpergewicht von Frauen anders im Organismus verteilt. Das Problem: „Die Arzneimittelentwicklung im Herz-Kreislauf-Bereich ist ganz auf Männer fokussiert. Sie wird häufig an männlichen Tieren gemacht, und bei Arzneimittelstudien sind selten mehr als ein Drittel der Teilnehmer Frauen. Daher könnten manche Herzmedikamente bei Frauen und Männern unterschiedlich wirken, andere wiederum rufen bei Frauen in der üblichen Dosierung häufiger Nebenwirkungen hervor“, sagt Prof. Vera Regitz-Zagrosek.

Präeklampsie hat Spätfolgen

■ Wer in der Schwangerschaft unter Komplikationen wie Präeklampsie oder Bluthochdruck zu leiden hatte, sollte aufpassen: „Wir wissen jetzt, dass beides im späteren Leben die Wahrscheinlichkeit für Herzerkrankungen und Bluthochdruck erhöht. Die Werte sollten regelmäßig kontrolliert werden“, sagt Prof. Regitz-Zagrosek. Auch ein hoher Cholesterinspiegel sollte gesenkt werden – ebenso der Blutzucker. „Diabetes stellt für Frauen ein höheres Risiko für eine koronare Herzkrankheit dar. Diabetikerinnen benötigen daher eine intensive Behandlung“, sagt Prof. Vera Regitz-Zagrosek.

Migräne schadet Frauen mehr

■ „Rheuma und andere Erkrankungen des Immunsystems können bei Frauen häufiger als bei Männern zu Herzerkrankungen führen“, sagt Prof. Vera Regitz-Zagrosek. Das gilt auch bei Migräne, wiesen dänische Wissenschaftler nun in einer Studie mit 50 000 meist weiblichen Migränepatienten nach. Sie erhöht das Risiko für z. B. Herzinfarkt, Vorhofflimmern, Vorhofflattern und Herzschwäche. Ebenso Gift fürs Herz: ein starker Anstieg von Autoabgasen in der Luft. Forscher der Uni Jena konnten zeigen, dass sich das Herzinfarkt-Risiko dann verdoppelt – allerdings bei beiden Geschlechtern.

Sitzen ist besser als stehen

■ Langes Sitzen im Büro ist nur für Männer ein Gesundheitskiller. Stehen sie im Job, reduziert sich ihr Herz-Kreislauf-Risiko um 39 Prozent. Bei Frauen steigt es hingegen um 80 Prozent, so eine kanadische Studie. Der Grund: Frauen haben anstrengendere Steh-Jobs, etwa als Krankenschwester. So trifft die Stress-Kardiomyopathie, ausgelöst durch zu einen zu hohen Stresshormon-Pegel im Blut nach Belastungen, meist nur Frauen. „Besonders kurz nach der Menopause sind sie gefährdet. Das Syndrom ähnelt von den Anzeichen her einem Herzinfarkt, jedoch bleiben die Herzkranzgefäße offen“, sagt Prof. Regitz-Zagrosek.

Fotos: 123RF (2), Charité Universitätsmedizin Berlin, fotolia, Getty Images (3), jump Fotoagentur