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Neue Gegner, alte Stärke


Top in Sport MotoGP - epaper ⋅ Ausgabe 6/2019 vom 11.10.2019

Okay – die ganz große Überraschung ist Marc Marquez achter WM-Titel nicht (wir hoffen für ihn und diesen Artikel, dass dies so sicher ist, wie es vier Rennen vor Schluss scheint). Wer ihm in diesem Jahr auf dem Weg mitunter alles dazwischenfunken konnte, war sehr wohl eine Abwechslung. Und zwar eine positive.


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Bildquelle: Top in Sport MotoGP, Ausgabe 6/2019

G ehen wir einfach mal davon aus, dass die in dieser Saisonphase hochgradig anzunehmende Vergabe des WM-Titels an den amtierenden Amtsträger schon vor dem ersten Rennen kaum zu vermeiden war. Vor diesem Hintergrund hat die Saison 2019 nämlich einen durchaus nicht erwarteten Verlauf genommen. Das ...

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G ehen wir einfach mal davon aus, dass die in dieser Saisonphase hochgradig anzunehmende Vergabe des WM-Titels an den amtierenden Amtsträger schon vor dem ersten Rennen kaum zu vermeiden war. Vor diesem Hintergrund hat die Saison 2019 nämlich einen durchaus nicht erwarteten Verlauf genommen. Das betrifft nicht den nur auf dem Papier noch nicht feststehenden Champion – und auch Andrea Dovizioso auf dem Vizethron ist ein, fast schon zum Klischee verkommener, Standard.
Umso spannender war es zu beobachten, wer sich als fähig, diesen beiden unter optimalen Bedingungen Paroli bieten zu können, herauskristallisiert hat. Denn auf diesen Motorrädern gedeiht die Hoffnung, MM93 die Krone doch irgendwann vor dessen Renteneintritt noch einmal zu entreißen, noch besser als auf dem mittlerweile in die Jahre gekommenen Boden eines – natürlich immer noch unbestritten fruchtbaren – Andrea Dovizioso (mehr dazu ab Seite 30).

Blau ist die Farbe der Hoffnung

Zum einen wäre da Alex Rins, der für Suzuki zwei Saisonsiege (Stand nach dem Aragon-GP) verbuchen konnte. Dass die Blauen aus Hamamatsu ihren Aufwärtstrend des letzten Jahres weiter würden fortsetzen können, stellte noch keine sensationelle Wendung dar. Dass es gleich für mehrere Goldmedaillen reichen würde, war aber zumindest im Rahmen dessen, was von den Experten (und denen, die sich dafür halten) in Erwägung gezogen wurde, schon ein Highlight.
Diese Bezeichung allein verdiente schon der Triumph des Spaniers beim Grand Prix in Silverstone: weniger die Tatsache, dass er dem, für gewöhnlich übermächtigen, Marc Marquez über die gesamte Renndistanz Paroli bieten konnte. Nicht nur, dass er die Entscheidung in der letzten Kurve erzwingen konnte. Die Art und Weise, wie Alex Rins all das und insbesondere Letzteres vollbrachte, war nicht weniger als ein nachhaltiger blinkender Leuchtturm inmitten der, sonst so unerbittlich über die Konkurrenz hereinbrechenden, Wogen des Marquez‘schen Ozeans der Dominanz.

Wie hier bei seinem Sieg in Misano wird Marquez wohl auch über den Titel 2019 jubeln können.


Wer den gnadenlosesten aller Vollstrecker auf den allerletzten Metern mit einem wahrlich selten gesehenen Move auf die Innenseite der Zielgeraden ausstechen kann, hat zwangsläufig das Potenzial, sich selbst mehr als nur einmal zum Sieger zu küren. Dass dieses Potenzial auch die Suzuki, auf der Rins sitzt, beinhaltet, ist dabei mehr als nur eine Randnotiz: Denn geht es bei dem Team insgesamt so weiter, könnte die MotoGP inklusive Marc Marquez mittelfristig ihr blaues Wunder erleben.
„Wenn wir so weitermachen, können wir in jedem Rennen um Podestplätze kämpfen“, kommentiert Team-Manager Davide Brivio das, wenn auch immer wieder mal von Misserfolgen unterbrochene, Suzuki-Hoch. „Wenn man kein Rennen gewonnen hat, dann will man eines gewinnen. Hat man eines gewonnen, will man ein zweites gewinnen. Jetzt haben wir zwei gewonnen und wollen so weitermachen. Auf der anderen Seite wird es natürlich immer schwieriger, sich selbst zu übertreffen, denn es ist schon schwierig, auf diesem Level zu bleiben. Wir bringen uns sozusagen selbst in Probleme, denn mit jedem Schritt setzen wir uns noch ambitioniertere Ziele.“ Was das nächste größere Ziel sein dürfte, liegt auf der Hand. Suzukis letzter Titel in der Königsklasse liegt 2020 übrigens genau 20 Jahre zurück …

Bon Voyage

Nicht ganz so erfolgreich wie Alex Rins, dafür mit seinen für sich gesehen immer noch großen Taten umso überraschender ist die Performance von Fabio Quartararo. Frisch aus der Moto2 aufgestiegen – nachdem er die Saison 2018 dort auf einem wenig begeisternden zehnten Endrang beendet hatte. Mit dieser mittelmäßigen Empfehlung im Gepäck sollte er sich mit den Besten der Besten messen. Auf einem Motorrad, das in den letzten Jahren wahrlich nicht in den Verdacht gekommen wäre, zum Rereferenzmaterial für die MotoGP zu taugen. Und dieses Motorrad wird auch noch betrieben von einem (auf dem Papier) ebenso wie seine beide Piloten neu in die Königsklasse gekommmenen Team. Alles in allem beste Voraussetzungen. Für ein Scheitern auf ganzer Linie. Doch es sollte ganz, ganz anders kommen. Quartararo wartet zwar „noch“ auf seinen ersten Sieg (immer noch Stand nach Aragon). Aber allein wie nahe er der offiziellen Ernennung zum GP-Sieger auch in der höchsten Klasse in seiner Rookie-Saison gekommen ist, kann kaum hoch genug bewertet werden. Nicht, weil wir es für sinnvoll erachten, Strohfeuer und Eintagsfliegen hochzujubeln. Sondern weil Quartararo ziemlich sicher weder das eine, noch das andere ist.
Von Anfang an erstaunlich schnell waren schon viele vor ihm. In jüngerer Vergangenheit denkt man da sofort an Quartararos Landsmann Johann Zarco, der die Fans mit seiner von Instinkt und Hemmungslosigkeit gesteuerten Fahrweise verzauberte, diesen reizvollen Ansatz aber zu oft mit dem Verlust zählbarer Ergebnisse bezahlte. Quartararo hingegen beeindruckt zwar ebenso mit Speed (nicht zuletzt durch wiederholte famose Quali-Ergebnisse bis hin zur Pole-Position), aber noch mehr mit der traumwandlerischen Sicherheit und Zuverlässigkeit, mit der er Runde an Runde auf höchstem und gleichbleibendem Niveau abliefert. Ausnahmen wie sein Abflug in Silverstone bestätigen diese Regel nur. Und gerade diese Konstanz und Präzision, mit der der junge Franzose schon in seiner Debüt-Saison abliefert, ist das, was ihn neben Rins zu einer der größten Hoffnungen für eine Zukunft macht, in der Marc Marquez ernsthaft um den Titel fürchten muss.

Alex Rins (hinten) wusste 2019 oft zu beeindrucken und wird das noch ausbauen.


Ja, Maha!

Was Johann Zarco und Fabio Quartararo neben ihrer Nationalität und ihrem Ruf als absolute Ausnahme-Rookies noch verbindet, ist die Tatsache, dass sie ihre Feuerwerke auf einer Yamaha YZR-M1 abfeuern. Und das ist kein Zufall, sondern vielmehr einer der Gründe dafür. Nicht für das enorme Talent und Können. Aber dafür, dass es Quartararo gelingt, seine famosen Spitzenleistungen mit so traumwandlerischer Sicherheit und Zuverlässigkeit darbieten zu können. Die M1 mag nicht die Schnellste sein. Sie mag nicht die beste Traktion haben. Aber sie ist das – sofern man verwegen genug ist, diese Vokabel in Bezug zu einem gut 250 PS starken und 160 Kilogramm leichten Rennmotorrad zu setzen – handzahmste aller Bikes, das es seinem Fahrer ermöglicht, sich voll und ganz auf sein Schaffen zu konzentrieren, ohne Sorge haben zu müssen, dass das Bike anderes im Sinn hat als der Pilot. Dass Yamaha trotz nach wie vor unstrittiger, Speed kostender Defizite alle vier Motorräder in den Top Ten der Gesamtwertung hält, während von den sechs brutal starken und schnellen Ducatis nur drei einstellig operieren, gibt auch diesem Konzept recht.
Und in Form eines Maverick Vinales, der sich nach und nach wieder an seine siegfähige Form heranpirscht (fünf Podestplätze, darunter ein Sieg bis nach Aragon), taucht dann auch ein weiterer Pilot auf, der gewisse Hoffnungen schürt, dass die Zukunft doch nicht Marc Marquez allein gehört. Und bis diese Drei oder jemand ganz anderes endgültig in Stellung für den großen Wurf sind, hat Andrea Dovizioso ja auch noch die eine oder andere Gelegenheit zu beweisen, dass Vize-Dovi eben doch nicht mehr als ein Klischee ist …

Marquez ist der Top-Star, aber nicht auf ewig unangefochten.


Quartararo hat das Zeug zum Helden der Zukunft.


Auch MM93 unterliegt der Schwerkraft. Zumindest manchmal.


Imago (1)

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RedBull (1), Ronny Lekl (2), Imago (1)