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Neue Serie: Agroforst – Chancen nutzen


Deutsche Baumschule - epaper ⋅ Ausgabe 3/2020 vom 13.03.2020

Agroforst wird gehandelt als Teil der Lösung großer Themen wie Klimawandel und Artenschw- und und ist DAS neue Schlagwort. Dabei ist es die wohl älteste Form der Landwirtschaft. Seit dem Mittelalter wurden Schweine in den Wald getrieben, um sie mit Eicheln und Bucheckern zu mästen. Schon immer bauten Bauern Getreide an und ernteten von Büschen und Bäumen neben Kulturflächen Beeren und Früchte. Das ging Tausende Jahre gut. Bis vor 50 Jahren.


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Bildquelle: Deutsche Baumschule, Ausgabe 3/2020

Nur in vielfältiger Landschaft kann Artenvielfalt entstehen von Insekten über Säugetiere bis zu Vögeln. Sie garantiert, dass nicht einige Arten, wie Mäuse, überhand ...

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... nehmen, siehe Storch oben rechts.


Das saß: „Ein Kahlschlag geht durchs Land: Begradigung, Bereinigung, Erschließung, Beschleunigung, Kanalisierung, Neuordnung, Verordnung, Verödung. Das Land wird hergerichtet, abgerichtet, hingerichtet. Am Ende bleibt nur das Korsett des öden Rasters, der Triumph des rechten Winkels: Serienlandschaft.

‚Neuordnung im ländlichen Raum‘, war das die Ordnung, die wir wollten? Eine ausgeräumte, nackte Maschinensteppe, am Reißbrett konstruiert, mit schnurgeraden asphaltierten Wegen, eine Landschaft ohne Spuren, ohne Geschichte, ohne Namen, ohne Tiere, ohne Baum und ohne jeden Strauch – international. Östliche Kolchosen sehen nicht viel anders aus.“ – Dieter Wieland: Grün kaputt, 1983.

Dieter Wieland hatte einen Film gemacht, der damals für Furore sorgte. Das Zitat bezieht sich auf Produktion die Flurbereinigung, die seit Ende der 1950er Jahre das erst einmal nachvollziehbare Ziel verfolgte, Flächen von Landwirten, die viele Splitterflächen hatten, oft auch noch weiter entfernt, zu vereinen. Er prangerte zudem Schottergärten an, schnippel- und sprühwütige Privatgärtner und die Bodenversiegelung. Ein Visionär – leider – der 2017 sagte, er hätte sich nie vorstellen können, dass es so schlimm kommen würde.

Kollektives „Hallo-Wach“

Im Sommer letzten Jahres erschien eine Schweizer Studie, die nahe legte, wir sollten 900 Millionen Hektar aufforsten, der Raum wäre weltweit da, dann könnten wir die globale Erwärmung auf die ominösen 1,5 Grad beschränken. Dem widersprachen andere Wissenschaftler, die diese Zahlen für weit übertrieben hielten, zwar die Wichtigkeit von Aufforstungen unterstreichend, aber den Platz weit geringer schätzten. Währenddessen brennt es in Australien, Afrika und Amerika, und nicht nur in Russland und Brasilien wird mehr abgeholzt als je zuvor. Wer glaubt, wir hätten mit der Zerstörung des Regenwaldes nichts zu tun, der irrt. Längst weicht die grüne Lunge des Planeten nicht mehr für Rinderherden, sondern für den Anbau von Soja.

Dies wird in die großen Fleischnationen exportiert – USA, China, aber auch in das kleine Deutschland. Immerhin sind wir Schweinefleischexporteur Nummer 3, Tendenz steigend. Soja für Tofu hingegen wird übrigens in Europa angebaut.

Gegen statt mit der Natur

Wie es sich auswirken kann, die Gesetze der Natur zu missachten, haben wir letzten Sommer erlebt. Es ist nur ein kleines Beispiel: dieMäuseplage. In ausgeräumten Landschaften haben ihre natürlichen Feinde keine Bäume zum Ansitzen (Greifvögel) oder Hecken und strukturierte Landschaft als Lebensraum (Marder, Wiesel, Fuchs und Co.). Kommt noch ein milder Winter hinzu, dann sind die Kornkammern der Nation schnell auch Schlaraffenland für die Nager.

Dies gilt im Grunde auch für Kulturschädlinge aus dem Reich der Insekten, doch da gibt es Insektizide. Bereits zu Beginn der Flurbereinigungsmaßnahmen warnten Fachleute vor Nachteilen wie einer Verarmung der Landschaft. Heute wissen wir: Es ist so gekommen.

Regelungen zum Schutz der Natur trugen eher zum Schlechten bei. Jeder Strauch, jeder aufwachsende Baum musste kartiert werden und durfte ab einer gewissen Höhe nicht mehr entfernt werden. So wurden die mit jeder Furche schmaler werdenden Ackerränder regelmäßig „gereinigt“.

Auch Gewässer waren betroffen. Bäche wurden in ein starres Bett gezwungen, was das Ackern in gerader Furche daneben erlaubte und verhindern sollte, dass Auwiesen weiter Auwiesen waren. Sie sollten ganzjährig nutzbar sein, Anrainer vor Hochwasser geschützt werden.

Man war dann sehr überrascht, dass Hunderte Kilometer weiter auf einmal Großstädte wie Köln „absoffen“. Auch davor hatten Fachleute gewarnt, denn es war berechenbar – Menge an Wasser, Fließgeschwindigkeit, Volumen von Bachbetten – keine Quantenphysik, einfache Strömungslehre.

Seit den frühen 1990er Jahren bauten Landschaftsgärtner wieder Kurven in Bäche und schoben mit dem Radlader Findlinge hinein, um die Strömungsgeschwindigkeit zu bremsen und Tieren wieder die Chance zu geben, sich anzusiedeln. Teilweise war die Zufahrt zum Einsatzort holprig – mancherorts hatten erboste Landwirte sie über Nacht umgepflügt.

Sichtbare Auswirkungen

Als Wielands Film entstand, war die Wiedervereinigung noch Jahre entfernt. Anders im Jahr 2003, im ersten „Jahrhundertsommer“. Die östlichen Kolchosen bestanden zwar so nicht mehr, aber ihre Strukturen, und nicht mehr nur im Osten: riesige Felder und kaum ein Baum, kein Strauch. Vielerorts Knicks oder Hecken Fehlanzeige. Nichts sollte die Flächen beschatten, den Ertrag schmälern oder der Arbeitsökonomie im Wege stehen.

Wer wissen wollte, wie der Klimawandel aussieht, der musste nach Sachsen oder Brandenburg. Dort tanzten in unseren Breiten noch nie gesehene Sandteufel über den ungeschützten und ausgedorrten Äckern, Boden wehte in gigantischen Wolken davon und sorgte sogar für Unfälle auf der Autobahn.

Zweiter „Jahrhundertsommer“ 15 Jahre später, 2018. Massive Ernteeinbußen, wieder Sandteufel über ausgeräumten Landschaften. Holsteiner Landwirte schickten Kühe im Herbst frühzeitig zum Schlachter, weil sie nicht genug Heu oder Silage machen konnten, um alle Tiere über den Winter zu füttern. Zu wenige Niederschläge, vor allem aber zehn Stunden pralle Sonne am Tag, ließen Grünland ohne Schatten alles andere als grün aussehen.

Und 2019 – folgte der dritte Jahrhundertsommer in einem Jahrhundert, zum Glück nicht ganz so trocken, doch viele Gehölze waren so vorgeschädigt, dass sie abstarben. Dabei zeigten sich einige weniger widerstandsfähig als andere.

Darum geht‘s

Agroforst will ökonomisch und ökologisch sinnvolle Lösungen anbieten. Es geht es um zwei Seiten einer Medaille – zum einen die Bindung von CO2, wofür vitale und hitzebeständige Gehölze gebraucht werden. Zum anderen dem Artensterben etwas entgegenzusetzen, aber auch Erosion und Hitzeschäden.

In den kommenden Ausgaben werden wir die vielfältigen Möglichkeiten und Begriffe erläutern, vorstellen, wer sich bereits intensiv damit beschäftigt und welche Gehölze sich wie eignen: Für Biodiversität und Klimaschutz sind auch und vor allem Baumschulen wichtige Ansprechpartner.

Ausstellung

Ausstellung „Grün kaputt“ u. a. in Augsburg vom 19.3. bis 29.3., Info unter:
baumallianz-augsburg.de

Meinung: Bauernfängerei mit umgekehrten Vorzeichen?

So nutzen Teile der Landwirtschaft Themen wie Biodiversität und Klimawandel für sich: Kürzlich flog diese Pressemitteilung in die Mailbox, es ging um die „Erfolgreiche Mitmachaktion: Landwirtschaft und Gesellschaft machen Klimaschutz zum Gemeinschaftsprojekt“.

Darin hieß es: „Landwirt Michael Reber wandelt einen Hektar Grünlandfläche in einen Agroforst um, der CO2 speichern und das Landschaftsbild verbessern soll. Agroforstsysteme verbinden die Elemente einer Ackerbau- oder Grünlandnutzung mit denen der Forstwirtschaft. Dafür pflanzt Reber 20 neue Obstbäume, mit denen er seine intensiv genutzte Grünlandfläche ökologisch aufwertet. Ein gemeinsamer Aufruf mit dem Forum Moderne Landwirtschaft in den sozialen Medien hat ein breites Echo gefunden. Bei der Finanzierung des Projektes helfen über 130 Baumpatinnen und Baumpaten, die sich gemeinsam mit Michael Reber für den Klimaschutz einsetzen wollen. Insgesamt sind dafür 6.280 Euro zusammengekommen.“

Eine Crowdfunding-Aktion für 20 Obstbäume auf einem Hektar intensiv genutztem Grünland – das ergibt einen Baum pro 500 m² und 314 Euro pro Baum (inklusive Pflege). Der Betrieb Michael Reber in Schwäbisch Hall hat 205 Hektar Ackerfläche, 33 ha Grünland und eine Biogasanlage. Das Forum Moderne Landwirtschaft ist bislang nicht oft an die Öffentlichkeit getreten. In diesem Fall tut sie es für den Schulterschluss zwischen Landwirtschaft und Gesellschaft. Man hängt sich rein fürs Klima und die Rettung der Artenvielfalt. Das Forum ist der Treffpunkt des „Who is Who“ der Agrarindustrie und allem davor und danach.

Vorstände, Beiräte und Mitglieder sind Vertreter des Deutschen Bauernverbands, Raiffeisenverbands, BASF, Bayer Crop Science, der AG Fleisch und Wurst, aber auch der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie, in der Konzerne wie Coca Cola, Danone, Nestlé, Tönnies oder Mars vertreten sind. Bauernfänger lauerten einst in Großstädten auf Reisende vom Land, „fingen“ sie mit vorgetäuschter Freundlichkeit als Opfer und erleichterten sie um ihr Reisegeld.

Könnte es heutzutage umgekehrt sein? Baumpatinnen und -paten, wohl vorzugsweise aus der Stadt, wird das Geld aus der Tasche gezogen mit falschen Versprechungen?

Leider ist es auch nicht so, dass das Forum Moderne Landwirtschaft, immerhin mit Milliardenkonzernen im Hintergrund, aus jedem gespendeten Euro des Verbrauchers ein Vielfaches gemacht hätte, um weitere – weitaus sinnvollere Projekte – zu initiieren. Es steht zu befürchten, dass solche Aktionen mehr schaden als nutzen. Die Paten engagieren sich nicht mehr bei wirklich sinnigen Konzepten. Und kommen sie irgendwann dahinter, mit wem sie da was mitfinanziert haben, wird der Schuss nach hinten losgehen. Vielleicht auch, wenn sie unter www.agrarfischerei-zahlungen.de nachsehen, was der Betrieb Reber an EU-Subventionen allein im Jahr 2018 erhielt. An anderer Stelle in dieser Ausgabe steht „Jeder Baum zählt!“. Das ist auch so, und hier sind es immerhin 20 – aber bitte nicht so. Annette Hackbarth

Reber vor den noch virtuellen Bäumen.


Foto: Forum Moderne Landwirtschaft