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Neue Technik: Geräteträger: Vision trifft Bodenständigkeit


Deutsche Baumschule - epaper ⋅ Ausgabe 1/2019 vom 15.01.2019

„Flunick“ heißt der autonom fahrende, multifunktionale Portal-Geräteträger für Pflege- und Hackarbeiten in Reihenkulturen. Entwickelt haben ihn Praktiker um den Baumschuler Andi Reichenbach (CH-Hausen am Albis). Die Motivation dafür war, den MitarbeiterInnen in der Baumschule die Arbeit zu erleichtern.


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Bildquelle: Deutsche Baumschule, Ausgabe 1/2019

Baumschuler Andi Reichenbach erfüllte sich mit dem selbstfahrenden Portal-Geräteträger einen Jungentraum. Von der Idee bis zur Realisierung vergingen einige Jahre…


Der Prototyp im Testbetrieb bei Reichenbach


Für ihre Innovation wurden Andi Reichenbach und seine Mitstreiter Matthias Linder (Linder ...

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... Agrarmaschinenbau GmbH, Heimisbach) und Anton Zimmermann (Zimtech AG, Büren) vor kurzem mit dem Spezialpreis des Schweizerischen Landmaschinenverbands (SLV) ausgezeichnet (siehe DB 12/2018).

Blickwinkel des Anwenders

Ohne die gute Zusammenarbeit mit den beiden Technikern wäre das Projekt nicht zustande gekommen, betont Andi Reichenbach, in dessen Baumschule das Gerät bereits seit 2016 im Testbetrieb lief. „Flunick“ sei eine Entwicklung von Praktikern für die Praxis, kein Hochschul- oder Firmenprojekt. „Wir sind das Ganze aus Praxissicht angegangen.“

Ausgangspunkt für die Konzeption der Maschine war, zeit- und kräftesparendes Arbeiten zu ermöglichen und damit seinen MitarbeiterInnen einen guten Arbeitsplatz zu bieten, so Reichenbach. Der Ansatz, zur Arbeitserleichterung „die Pflanzen zum Menschen zu bringen“, wie etwa in der Topfpflanzenproduktion, funktioniere natürlich in Baumschulen nicht. Es sollte daher eine selbstfahrende Maschine sein.

Weitere Anforderungen an das Gerät: vielseitig einsetzbar, leicht, wendig und hangtauglich. Vor Augen hatte Reichenbach das Pferd, das bei ihm im Sommer regelmäßig ein- bis zweimal pro Woche für Hackarbeiten eingesetzt wird.

Für viele Einsatzbereiche

„Flunick“ besteht aus zwei synchron arbeitenden Einheiten und lässt sich per Funk und GPS steuern. Die Funksteuerung (halb-autonomes Fahren) habe sich in den zwei Jahren Testbetrieb bereits bewährt. Seit November funktioniert nun auch das GPS-basierte Spurführungssystem, das eine Arbeitsgenauigkeit im Zentimeterbereich ermöglicht und künftig vollständig autonomes Arbeiten erlauben soll.

Die Spurbreite kann stufenlos von 150 bis 250 cm hydraulisch während der Fahrt eingestellt werden. Die Maschine sei in allen Baumschulkulturen mit einem Reihenabstand ab 50 cm einsetzbar – mit Ausnahme von Alleebäumen wegen der maximalen Durchfahrtshöhe von 2,30 m, erklärt Andi Reichenbach.

Flunick beim Einsatz mit der Fingerhacke.


Foto: Christian Weber

Mit Verkleidung: So sieht heute das Serienmodell von Flunick aus.


Der Prototyp von Flunick lief in seinen Kulturen bisher erfolgreich bei der Fingerhacke, der Reflexhacke, dem Reihendüngerstreuer und dem Erdbohrer. Dank Dreipunktaufhängung könnten auch verschiedene andere Arbeitswerkzeuge angebaut werden, zum Beispiel Spritzen oder Pflanzmaschinen. Der Geräteträger verfügt über fünf Anbauräume: hinten und vorne an jedem Raupenfahrwerk sowie in der Mitte, wo sich ein Hubwerk befindet.

„Es gibt für das Gerät noch keine große Zahl an fertigen Anbaulösungen. Das entspricht aber auch nicht unserer Philosophie. Es ist nachhaltiger, wenn Betriebe ihre bereits vorhandenen, auch konventionellen Geräte nutzen können, eventuell mit geringen individuellen Anpassungen.

Im Prinzip sollte jeder Landmaschinentechniker vor Ort die Maschinen anbauen und reparieren können“, findet Reichenbach. Bei technischen Fragen könnten Anwender aber gerne das Entwicklerteam kontaktieren.

Teil dieser Philosophie ist auch, dass „Flunick“ aus herkömmlichen Bauteilen „von der Stange“ besteht: So stamme etwa der Motor von Kubota, die Hydraulik-Komponenten sind von Bosch-Rexroth.

Autonome Plattform

Der zweiseitige Geräteaufbau entstand vor dem Hintergrund, dass ein Reihenabstand von 75 cm und eine Höhe von 2,30 m für die Bearbeitung der Baumschulkulturen notwendig waren. Ähnliche Geräteträger, wie sie zum Beispiel in Holland gebaut werden, seien für die teils recht hängigen Flächen der Baumschule Reichenbach ungeeignet – die steilste Flächenneigung beträgt hier etwa 20 Prozent. „Wir brauchen ein Gerät mit tiefem Schwerpunkt.“

Für energieintensive Arbeiten wie Erdbohren sei zudem eine große Hydraulikleistung wichtig; „Flunick“ leiste hier etwa so viel wie ein 100-PS-Traktor. Die angepeilte Motorleistung von 60 PS wurde auf zwei Dieselmotoren verteilt – so konnte die Maschine kleiner und schlanker konstruiert werden. Mit rund 1,7 Tonnen Gesamtgewicht ist „Flunick“ vergleichsweise leicht; der Bodendruck liege mit 246 g/cm2 relativ niedrig.

Dank der Gummiraupen arbeite die Maschine bodenschonend und mit einem kleinen Wendekreis. Selbst bei engem Drehen auf dem Vorgewende gebe es erfahrungsgemäß wenig Flurschaden, allenfalls etwas an der Grasnarbe.

Die Entwickler betrachten „Flunick“ als Arbeitsplattform, die kontinuierlich verbessert und erweitert werden soll, erklärt Reichenbach. Der Name der Maschine setzt sich übrigens aus den Vornamen von Reichenbachs Söhnen Flurin und Nick zusammen.

Geduld zahlt sich aus

Nachdem die zweijährige Erprobungsphase in der Baumschule erfolgreich abgeschlossen ist und Kinderkrankheiten ausgemerzt wurden, kann „Flunick“ nun in Serie gehen. Doch bis hierher waren ein langer Atem und die richtigen Kooperationspartner notwendig.

Schon vor vielen Jahren machte sich Andi Reichenbach Gedanken über einen hangtauglichen Geräteträger, konkreter wurde die Planung dann 2009. Doch Maschinenhersteller, denen er seine Entwürfe zeigte, winkten ab – und so lag das Projekt auf Eis.

Das änderte sich erst 2014, als Reichenbach auf der ÖGA (Schweizer Fachmesse für die grüne Branche) den Maschinentechniker Matthias Linder traf und ihn von seiner Idee überzeugte. Beide holten den Mechatroniker Anton Zimmermann dazu, Spezialist für die Steuerung von Mobilhydraulik für land- und forstwirtschaftliche Fahrzeuge. Verständnis für die Belange der Praxis haben beide Techniker, die wie Andi Reichenbach auch gelernte Landwirte sind.

Es folgten erste konkrete Pläne zum Aufbau der Maschine. 2016 war dann der Prototyp fertig, der im Frühjahr 2017 erstmalig im Freiland getestet und dann weiter verbessert wurde.

Bei der ÖGA im Juni 2018 präsentierten die Entwickler ihre Maschine zum ersten Mal in der Öffentlichkeit – und bekamen viel positive Resonanz. Das gab den Ansporn, das Ganze auf eine breitere Basis zu stellen: Reichenbach, Linder und Zimmermann gründeten im Herbst 2018 zusammen mit Tobias Rauber und Markus Fuchs die Firma Semesis AG (CH-Uster, ). Dieses Unternehmen ist nun für Produktion und Vertrieb des „Flunick“ zuständig.

Weitere Pläne

Die Weiterentwicklung des Geräteträgers und eine Erweiterung der Einsatzgebiete seien geplant, so Reichenbach. „Viele Fragen und Anregungen von Praktikern bekamen wir auch auf der Schweizer Technikmesse AGRAMA Anfang Dezember in Bern, wo wir Flunick gezeigt haben.“ Zunächst will er eine Pflanzmaschine mit zwei Sitzen einbauen und im kommenden Frühjahr ausprobieren.

Eine der Hauptaufgaben für die nächste Zeit werde sein, den nationalen und internationalen Vertrieb aufzubauen. „Im Moment haben wir noch kein Händlernetz, über das man unseren Geräteträger beziehen könnte.“ Die Baumschulbranche, zumal die in der Schweiz, werde allerdings nicht „der Riesenmarkt“ werden; ein größeres Potenzial sieht Reichenbach eher im Weinbau.

Baumschulteam beim Versand eines Großbaums.


Auch Sohn Flurin arbeitet mit dem Pferd „Vipee“, einem Freiberger.


Semesis-Team samt Nick (li.) und Flurin Reichenbach bei der Prämierung.


Foto: Martin Platter

Flunick: Technische Daten

• Art: hydrostatisch
• Lenkung: Funksteuerung mit GPS/RTK +/- 1 cm
• Geschwindigkeit: 0–10 km/h
• Motor: 2 × Kubota D1305 E3B (29,5 PS bei 3000 U/min); Gesamtleistung 59 PS
• Zylinder: 3
• Kühlung: Wasser
• Spannung: 12 VDC
• Alternator: 30 A
• Batterie: 60 Ah
• Länge inkl. Hubwerk: 2,9 m; ohne Hubwerk: 2,15 m
• Breite/Einheit über Motor: 0,5 m; im Bereich der Raupen: 0,32 m
• Raupenbreite: 0,23 m
• Achsabstand Kettenräder: 1,5 m
• Aufstandsfläche pro Raupe: 3450 cm²
• Spurbreite: 1,5–2,5 m (stufenlos einstellbar)
• Max. Durchlass unter Querbalken: 2,3 m
• Treibstofftank: 2 × 20 l
• Leergewicht: 1700 kg
• Raupenfahrwerk aus Gummi

Fragen an Andi Reichenbach

Andi Reichenbach


Foto: Martin Platter

Deutsche Baumschule: Flunick soll künftig völlig autonom arbeiten. Ist das in der Schweiz denn möglich?
Andi Reichenbach: Im Moment noch nicht, die gesetzliche Grundlage dafür ist hier noch nicht gegeben – wie in den meisten anderen Ländern auch.

Deutsche Baumschule: Flunick läuft mit Diesel. Könnten Sie sich auch einen alternativen Antrieb vorstellen?
Andi Reichenbach: Grundsätzlich stehen wir alternativen Energien beziehungsweise Antriebsarten positiv gegenüber. Zurzeit widerspricht das aber noch unserem Ziel, dass das Gerät möglichst wenig Bodendruck verursacht. Es wäre schwierig, eine Leistung von 60 PS mit Akkus zu erreichen, die sind momentan noch viel zu schwer.

Mit Diesel hingegen kann man verhältnismäßig viel Power mitführen. Wenn sich in Zukunft die Speichertechnik verbessert, wäre auch Elektroantrieb denkbar.

Deutsche Baumschule: Auch in der Schweiz wird viel über den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln diskutiert. Könnte Flunick helfen, beispielsweise Glyphosat einzusparen?
Andi Reichenbach: Eine Reduzierung des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln ist auf jeden Fall wünschenswert. Durch mechanische Unkrautbekämpfung zum Beispiel mit Flunick wäre das auch in gewissem Umfang möglich.

Doch dafür muss die Witterung stimmen. Weil es 2018 so trocken war, ging es bei uns in der letzten Saison sehr gut mit der Hacke. Aber auch die mechanische Unkrautbekämpfung stößt zuweilen an ihre Grenzen, zum Beispiel bei der Queckenbekämpfung oder beim Thema Erosion.
al

Die Baumschule Reichenbach in Hausen am Albis (Schweiz)

Andi und Andrea Reichenbach führen den idyllisch gelegenen Familienbetrieb im Kanton Zürich in dritter Generation (). 2018 feierten sie ihr 60-jähriges Bestehen. In Eigenproduktion wird ein breites Standardsortiment an „gesunden, winterharten Pflanzen mit heimischen Wurzeln“ kultiviert. Insgesamt führt Reichenbach rund 800 Pflanzenarten/-sorten: von Laub- und Nadelgehölzen über Rosen und Kletterpflanzen bis zu Stauden und Gräsern. Sein Rosensortiment von derzeit etwa 200 Sorten will er künftig etwas zurückfahren, zugunsten robuster Sorten.

„Zu unseren Stärken gehören Kundennähe, Schnelligkeit und Flexibilität“, stellt Andi Reichenbach heraus. Dabei profitieren sie von der guten Vernetzung mit anderen Schweizer Baumschulen. Reichenbachs Kunden sind zu 55 bis 60 Prozent GaLaBauer, 30 Prozent Endverbraucher und etwa 15 Prozent andere Baumschulen. Großen Wert legt er auf eine persönliche Kundenberatung und ein herzliches Miteinander. Wichtig sei ihm außerdem eine nachhaltige Produktionsweise. „Wir müssen uns fragen, was wir der nächsten Generation mitgeben wollen.“

Betriebsdaten Baumschule Reichenbach
• Baumschulfläche: 7 ha Freiland, 1 ha Container, 6 ha Grünland-/ Fruchtfolgefläche, 1600 m² Folienhäuser, 300 m² beheizbare Gewächshäuser
• Team: 10 Vollzeit-AK, davon 2 Auszubildende, 1 Pferd
• Sortiment: insgesamt rund 800 Arten/Sorten an Gehölzen und Stauden
• Schwerpunkte: Wieder- und Endverkauf, Pflanzplanung und Beratung
• Kleiner Schaugarten, „Rosenlädeli“, Lieferservice
al

Idyllische Lage: das Gelände der Baumschule Reichenbach.