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Neue Therapien gegen Krebs


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HÖRZU - epaper ⋅ Ausgabe 24/2022 vom 10.06.2022

GESUNDHEIT

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Bildquelle: HÖRZU, Ausgabe 24/2022

LICHTBLICKE Innovative Technologien helfen, körpereigene Immunzellen (gelb) für den Kampf gegen den Krebs (lila) zu aktivieren

K aumeine Krankheit wird so gefürchtet wie Krebs. Kein Wunder, denn viele bösartige Tumoren sind noch immer lebensbedrohlich. Jeder vierte Todesfall in Deutschland geht laut Daten des Statistischen Bundesamts darauf zurück. Rund 630 Bundesbürger sterben pro Tag daran. Das sind jährlich etwa 230.000 Menschen. Trotzdem ist eine Krebsdiagnose keineswegs mit einem Todesurteil gleichzusetzen. Auch wenn die Prognose nicht bei jeder Tumorform ähnlich günstig ist: Mehr als die Hälfte der Betroffenen überlebt langfristig. Zu verdanken ist dieser positive Trend den rasanten Fortschritten bei der Erforschung moderner Behandlungsmethoden.

lmmer mehr potenzielle Krebstherapien werden entwickelt. Dabei haben konventionelle Behandlungen wie Operation, Strahlen- und Chemotherapie noch lange nicht ausgedient und kommen bei fast jedem Tumorpatienten zum Einsatz. Denn bei einer komplexen Erkrankung wie ...

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... Krebs gibt es nicht die eine richtige Therapie, selbst bei gleichen Krebsarten. Das Zusammenspiel vieler verschiedener Behandlungsansätze ist der Weg zum Erfolg. Welche Therapie zu welchem Zeitpunkt zum Zug kommt und mit welcher man beginnt, ist insbesondere von der Tumorvariante abhängig und davon, wie weit die Erkrankung bereits fortgeschritten ist.

Altbewährt oder frisch erprobt: Es gibt immer mehr Verfahren zur Behandlung von Krebserkrankungen

Konventionelle Therapien wie Operation, Chemo- und Strahlentherapie haben sich je nach Krebserkrankung als Standardmethoden bewährt. Sie gelten noch immer als die erste Wahl bei der Behandlung von Krebs.

Zielgerichtete Therapien wirken auf Krebszellen mit charakteristischen Veränderungen. Bei Zellen ohne solche Biomarker wirkt die Behandlung nicht.

Immuntherapien nutzen das körpereigene Abwehrsystem. Durch Stimulierung soll es Tumorzellen erkennen und vernichten.

Virotherapien verwenden sogenannte onkolytische Viren, die sich in Krebszellen vermehren und diese zerstören sollen.

EXPERTE

Tumorzellen werden markiert

Noch immer ist die operative Entfernung der bösartigen Wucherung die häufigste und erfolgreichste Behandlungsart. Dabei können heutzutage viele der Eingriffe wesentlich schonender durchgeführt werden als noch vor wenigen Jahrzehnten. Dank minimalinvasiver Techniken, zum Teil mithilfe von Robotersystemen, wird weniger vom umgebenden gesunden Gewebe zerstört. Ist eine komplette Entnahme des Tumors nicht möglich, werden die Krebszellen meist mit energiereicher ionisierender Strahlung zerstört. Moderne, zielgenaue Methoden erlauben dabei eine große Präzision, um gesunde Zellen weitgehend zu erhalten. Auch die bei einer Chemotherapie verabreichten Zellgifte, die Zytostatika, greifen nicht nur den Tumor an und hemmen sein Wachstum: Sie wirken oft auch auf intakte Zellen, etwa auf jene, die sich rasch vermehren, wie die Haarwurzelzellen. Übelkeit, Müdigkeit, Erbrechen, Schleimhautentzündungen und Haarausfall sind häufige Nebenwirkungen. Doch inzwischen gelingt es immer besser, diese zu reduzieren.

Zahlreiche Nebenwirkungen der konventionellen Therapien sind darauf zurückzuführen, dass sie eben nicht nur exakt auf die kranken Zellen wirken. Das Ziel ist daher, die Behandlung noch genauer und effektiver auf den Tumor auszurichten. Das ist heute zunehmend machbar. Denn inzwischen wissen Onkologen deutlich mehr über die Entstehung und die Mechanismen von Krebs – vor allem auf molekularbiologischer Ebene. „Nun ist es möglich, jene biologischen Veränderungen – zumeist im Erbgut – der Tumorzelle zu identifizieren, die sie von einer gesunden Zelle unterscheiden“, erklärt Prof. Dirk Arnold vom Asklepios Tumorzentrum in Hamburg. Ein verändertes Eiweiß oder Gen zum Beispiel, das in den gesunden Zellen nicht oder kaum vorhanden ist. An diesen Merkmalen setzen die sogenannten zielgerichteten Therapien an.

Winzige Substanzen, auch „Small Molecules“ genannt, dringen in Krebszellen ein und stören deren Kommunikation

Dazu gehören etwa die monoklonalen Antikörper: große Eiweißmoleküle, die im Labor maßgeschneidert auf die Krebszellen hergestellt werden und ähnlich wie die körpereigenen Antikörper des Immunsystems agieren. Sie greifen gezielt die Zellen des Tumors an, indem sie an speziellen Strukturen auf seiner Oberf läche, den Rezeptoren, andocken. Die Krebszelle ist nun markiert: Das macht es den Abwehrzellen des Immunsystems leichter, sie zu identifizieren und zu zerstören. Der Antikörper kann aber auch als Blockade dienen und eine Signalübertragung unterbrechen, etwa die für eine schnelle Zellteilung. Das verhindert ein Weiterwachsen der bösartigen Wucherung, sie schrumpft sogar. Monoklonale Antikörper werden in der Krebstherapie breit eingesetzt, etwa bei Hautkrebs, Brustkrebs, Lungenkrebs und Darmkrebs. Eine ähnliche Wirkweise haben die sogenannten „Small Molecules“, eine Medikamentengruppe, deren Substanzen so klein sind, dass sie in die Tumorzelle eindringen und so Signalwege stören können.

Durch die sogenannte „Tumorimpfung“ wird das Immunsystem auf Eigenarten des Tumors aufmerksam

Neue Waffen für das Immunsystem

Seit einigen Jahren steht auch die Immuntherapie zur Verfügung. „Eigentlich ist unsere körpereigene Abwehr in der Lage, das Entstehen und Wachsen von Tumoren zu kontrollieren oder zu verhindern“, sagt Dirk Arnold. Das gelingt aber nicht immer: „Denn Krebszellen können Mechanismen entwickeln, um der Kontrolle durch das Immunsystem zu entgehen“, so der Onkologe. Es ist ihnen zum Beispiel möglich, sich zu tarnen: Dann werden sie von den Abwehrzellen nicht mehr als bösartig erkannt.

Der Trick besteht darin, das Immunsystem wieder in die Lage zu versetzen, gegen entartete Körperzellen vorzugehen. Dafür stehen verschiedene Wege zur Verfügung: etwa sogenannte Checkpoint-Hemmer. Diese speziellen Antikörper machen die Tumorzellen für das Immunsystem wieder sichtbar, stimulieren die Abwehr und leiten so die Vernichtung der Krebszellen ein.

Durch die Coronapandemie hat eine weitere immuntherapeutische Methode einen hohen Bekanntheitsgrad erreicht: die mRNA-Impfung. Zur Behandlung von Tumoren wird diese Technologie schon seit mehreren Jahren getestet. Mit ihr ließ sich nun auch erfolgreich ein Impfstoff gegen Covid-19 produzieren. Denn: Ob Virus oder Krebs – die Funktionsweise ist prinzipiell die gleiche. „Mit so einer Tumorimpfung möchte man das Immunsystem gezielt auf bestimmte Tumoreigenschaften aufmerksam machen“, sagt Prof. Dirk Arnold. Der Name „Krebsimpfung“ ist dabei etwas irreführend. Denn die Spritze dient ja nicht der Krebsprävention, wie man es von klassischen Impfstoffen, beispielsweise gegen Tetanus, kennt.

Killerviren zerstören Tumorzellen von innen

Die Virotherapie stellt ebenfalls eine neue Form der Immuntherapie dar. Hier werden speziell programmierte Viren eingesetzt, die in die Tumorzellen eindringen und diese zerstören. Das Immun-Onkologische Zentrum Köln (IOZK) etwa stellt mithilfe solcher Viren in Kombination mit patienteneigenen Immunzellen einen individuellen Tumorimpfstoff her. Eine innovative Methode, die wie all die anderen modernen Verfahren dafür sorgt, dass Patienten heute besser und schonender behandelt werden können als noch vor wenigen Jahren.

Auch wenn eine Heilung nicht immer möglich ist: Die Erkrankung lässt sich heute oft stark bremsen. So können alle Betroffenen auf viele weitere Lebensjahre ohne Beschwerden hoffen.

ALEXANDER WEIS

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