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Neue Waffen gegen KREBS


Hörzu Gesundheit - epaper ⋅ Ausgabe 3/2021 vom 27.08.2021

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Bildquelle: Hörzu Gesundheit, Ausgabe 3/2021

Eine Frage der Technik Bildgebende Verfahren helfen, Tumore früh aufzuspüren

70 % der Krebsfälle können heute schon geheilt werden

Die gute Nachricht zuerst: Zwei Drittel aller Krebspatienten können heute geheilt werden. Die schlechte: Jedes Jahr erkranken in Deutschland eine halbe Million Menschen neu an einem bösartigen Tumor – und ein Viertel aller Todesfälle geht auf sein Konto. Je älter die Gesellschaft wird, umso öfter trifft den Einzelnen die Diagnose Krebs im letzten Drittel seines Lebens. Parallel dazu hat aber auch die Forschung in den letzten Jahren Fortschritte gemacht. Und zwar erhebliche: „Immer mehr Patienten mit Krebs auch in einem fortgeschrittenen Stadium können heute mit der Erkrankung länger und vor allem besser leben“, sagt Prof. Carsten Bokemeyer und hat gleich eine weitere hoffnungsvolle Botschaft: „Ein immer größerer Anteil an Erkrankten kann ganz geheilt werden!“ Konkret heißt das: Über alle Krebsarten und -stadien hinweg liegt die Chance, die ...

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... Krankheit zu überleben, bei knapp 70 Prozent.

Fast die Hälfte des Risikos bestimmen wir selbst

Möglich gemacht haben das unter anderem neue Diagnoseverfahren und Therapien. Und auch das Wissen, wie man Krebs vorbeugen kann, setzt sich immer mehr durch. „Aus Untersuchungen der letzten Jahre wissen wir heute, dass rund 40 Prozent aller Krebserkrankungen mit den Lebensgewohnheiten zusammenhängen“, so der Direktor des Universitären Cancer Centers in Hamburg. Krebs ist also in weiten Teilen vermeidbar – wenn man auf Rauchen, Übergewicht, Bewegungsmangel, ungesunde, sehr fett- und f leischreiche Ernährung sowie zu viel Alkohol verzichtet. Dazu kommen Umweltgifte wie Abgase oder Radon, ein radioaktives chemisches Element im Wohnbereich, das aus der Erde freigesetzt wird. Dagegen können wir uns nicht immer schützen. „Ein weiterer Faktor sind Infektionen mit Herpes- oder Hepatitis- sowie humanen Papillomviren, die für einen Teil der Menschen krebserregend sein können“, so der Onkologe: „Dagegen kann man sich aber mittlerweile impfen lassen, was allerdings nur schützt, wenn es vor der Infektion – also im Kindes- und Jugendalter – erfolgt.“

Zum Glück gibt es heute schon eine ganze Reihe von Vorsorgeuntersuchungen, die bösartige Zellen im Frühstadium aufspüren. Dazu gehören die Mammografie oder Ultraschall der Brust, die Darmspiegelung oder ein Gebärmutterhals-Abstrich. Aber: Für viele Menschen sind diese Vorsorgemaßnahmen zu umständlich oder sie haben schlichtweg Angst davor. Viele fragen sich: Warum lässt sich eine beginnende Krebserkrankung nicht einfach im Blut ablesen?

Das scheint tatsächlich nicht mehr utopisch: Zusammen mit den Wissenschaftlern des Universitätsklinikums Schleswig- Holstein, Campus Kiel und der Christian- Albrechts-Universität zu Kiel will ein internationales Forschungskonsortium innerhalb der nächsten drei bis fünf Jahre ein neues Verfahren entwickeln, um Krebs im Blut frühzeitig sichtbar zu machen. Die Aussichten stehen gut, bald die meist aggressive Erkrankung durch einen Bluttest schon erkennen zu können, bevor sich Symptome zeigen. Darüber hinaus soll er Tumorzellen aufspüren können, die nach einer Krebstherapie möglicherweise weiterhin im Körper umherschwirren. Das Verfahren setzt eine Technologie ein, die diese frei zirkulierenden Tumorzellen im Blut aufspürt, markiert und ihre molekularen Merkmale entschlüsselt. Helfen soll dabei künstliche Intelligenz.

Ein Bluttest verrät den Tumor

Rauchen ist für 50 Prozent der vermeidbaren Tumorerkrankungen verantwortlich

Auch abseits dieser Forschung hat sich in der Erkennung von Krebs in den letzten Jahren viel getan. Vor allem geht man heute nicht mehr davon aus, dass es nur 40 verschiedene Krebsformen gibt, sondern ganz viele Unterarten. Das hat Auswirkungen darauf, wie man nach ihnen sucht und natürlich auch, wie man sie behandelt. Seit einiger Zeit werden molekulare Analysen eingesetzt, um erfolgreich spezifische Krebsunterarten aufzudecken. „Heute haben wir komplexe, sogenannte Multi-Panel-Tests, mit denen wir gleich 70 bis 500 solcher Genveränderungen auf einmal aufspüren und dann ganz spezifisch mit einem darauf abgestimmten Medikament behandeln können“, so Prof. Carsten Bokemeyer. „Dafür brauchen wir eine Gewebeprobe des Tumors oder den ganzen Tumor, wenn er herauszuoperieren ist.“ Um die Auswertung zu erleichtern, helfen Computerprogramme und Maschinen, die genetische Analysen erstellen. Das Verfahren heißt Next Generation Sequencing (NGS), das heute standardmäßig zum Beispiel bei Lungenkarzinomen angewendet wird. „Dieser Schlüssel zur personalisierten Krebstherapie hat in den letzten fünf Jahren so richtig Fahrt aufgenommen“, sagt der Onkologe.

Bei der f lüssigen Biopsie muss kein Gewebe entnommen werden. Hier gibt das Blut schon Aufschluss darüber, wie sich spezifische Krebszellen im Körper verändert haben, also zum Beispiel resistent gegen Medikamente geworden sind. Prof. Carsten Bokemeyer: „Man sieht, dass im Blut von Krebspatienten eine Reihe von Veränderungen aus dem Tumor nachweisbar sind.“ Das können verschiedene Auffälligkeiten sein: Tumorzellen, die im Blut umherschwimmen, oder auch Teile von Tumorzellen, zum Beispiel Erbsubstanz wie DNA oder RNA. An ihnen lassen sich Mutationen feststellen, auf die man durch bestimmte Medikamente gezielt reagieren kann. Eine zunehmende Bedeutung in der Diagnose von Krebserkrankungen bekommen heute auch die bildgebenden Verfahren wie die Computertomografie (CT). Dazu wird die Kernspintomografie (MRT) immer besser und genauer. Und bei der Positronen-Emissions-Tomografie (PET) können mithilfe winziger radioaktiv markierter Teilchen und einer speziellen Kamera sogar Stoffwechselprozesse des Tumors sichtbar gemacht werden.

Therapien mit Persönlichkeit

Vieles zielt derzeit in Richtung personalisierte Krebstherapie, die in der Zukunft eine immer größere Rolle spielen wird. „Zurzeit kommt sie allerdings für nur fünf bis zehn Prozent der Patienten vollumfänglich zum Tragen“, weiß der Hamburger Mediziner. Eine weitere, geradezu revolutionäre, neue Entwicklung in der Behandlung von Krebserkrankten ist die Immuntherapie, mit der die Mediziner endlich ein scharfes Schwert in die Hand bekommen haben. Sie hilft besonders effektiv auch bei Fällen, die früher als aussichtslos galten. Heute können beispielsweise bis zur Hälfte der Patienten mit einem sogenannten „malignen Melanom“ im fortgeschrittensten Stadium – also wenn der schwarze Hautkrebs schon gestreut hat – „langzeit-tumorkontrolliert“ werden. Das heißt, sie überleben die Diagnose fünf Jahre und länger. Noch bis 2011 war das mit keiner Therapie möglich.

Mit der Immuntherapie beschreitet die Medizin einen ganz neuen Weg, in dem sie das Immunsystem des Patienten ankurbelt und gezielt gegen den Krebs antreten lässt. Denn statt den Tumor herauszuoperieren oder ihn mit Chemo- oder Strahlentherapie zu bekämpfen, greifen die Ärzte auf die Kraft der körpereigenen Abwehrsysteme zurück. Der Tumor wird also nicht selbst attackiert, sondern es werden bestimmte Immunzellen des Patienten aktiviert und in die Lage versetzt, die Krebszellen zu erkennen und zu zerstören. „Die Herausforderung hierbei ist, dass die Krebszellen aus unseren körpereigenen Zellen hervorgegangen sind und damit sich nur in wenigen Dingen von ihnen unterscheiden“, so Prof. Bokemeyer. Sie machen es dem Immunsystem also besonders schwer, sie als „gefährlich“ zu identifizieren. Vor allem weil sie auch noch Mechanismen beherrschen, um sich vor den Immunzellen zu verstecken – mit Tarnkappen oder falschen Signalen, die sie aussenden, um das körpereigene Abwehrsystem hinters Licht zu führen. Als Immunthera- pie versteht man heute in erster Linie die Immun-Checkpoint-Blockade. Die Immun- Checkpoints sind Signalmoleküle auf der Oberf läche von Immunzellen. Diese T-Zellen bekämpfen normalerweise Eindringlinge wie Viren oder Pilze. Sie sind aber auch in der Lage, Tumorzellen zu erkennen und zu eliminieren. Damit sie aber nicht gegen ge sundes Gewebe vorgehen, hält der Körper sie in Schach, bremst sie sozusagen aus. Bei der neu entwickelten Immuntherapie werden die Bremsen quasi gelöst. Und die T-Zellen gehen so mit voller Kraft gegen den Tumor vor.

„Das ist eine große neue, positive Entwicklung, die beim schwarzen Hautkrebs begonnen hat, aber seitdem auch bei anderen Tumorarten eine Rolle spielt. Zum Beispiel beim Blasen- und Nierenkrebs, bei Lungenkrebs, aber auch bei Magen- oder Speiseröhrenkrebs“, schwärmt Prof. Carsten Bokemeyer. „Es gibt Patienten, die darauf sehr gut ansprechen. Bei ihnen ist der Effekt meist auch sehr lang anhaltend.“

Der Vorläufer der Immuntherapie war die Antikörpertherapie, mit der man vor etwa 25 Jahren startete. Dabei wurden sogenannte monoklonale Antikörper vor allem gegen Brust- und Lymphdrüsenkrebs eingesetzt. „Mittlerweile sind über 25 verschiedene Antikörper gegen Krebs verfügbar“, so der Onkologe. Und sie sind effektiver geworden. Die

Immuntherapie spielt heute bei nahezu einem Viertel der Patienten eine wichtige Rolle

Antikörper erkennen spezielle Oberf lächenantennen auf Krebszellen und docken an diese an. Heute wird zum Teil an solche Antikörper noch zusätzlich ein Gift gekoppelt, das dann von der Krebszelle aufgenommen wird und sie absterben lässt. Prof. Carsten Bokemeyer: „Die neueste Entwicklung auf diesem Gebiet ist die Bifunktionelle Antikörpertherapie, bei der zusätzlich gezielt T-Killerzellen des körpereigenen Abwehrsystems zum Tumor gelockt werden, um ihn anzugreifen.“ Also eine Art Mischung aus einer passiven Immuntherapie mit nur einem künstlichen Antikörper und den aktiven Immunzellen. In einem weiteren Schritt versuchen die Wissenschaftler nun, die eigentlichen Abwehrzellen effektiver zu machen. Dazu werden den Patienten körpereigene Immunzellen entnommen, diese mit einem Rezeptor versehen, der die Krebszelle erkennen kann, und wieder zugeführt. Diese CAR-T-Zellen-Therapie erzielt zwar beachtliche Erfolge im Kampf gegen Krebs – zum Beispiel bei Patienten mit Leukämie und Lymphdrüsenkrebs. Allerdings reagieren einige darauf mit schweren Nebenwirkungen wie zum Beispiel starken Entzündungsreak tionen. „Trotzdem versprechen wir uns zukünftig viel von dieser Therapieform“, sagt der Leiter des Zentrums für Onkologie am Universitätskrankenhaus Eppendorf.

Übelkeit war gestern: Die Chemo wird verträglicher

Auch die Chemotherapie wird weiterhin eine wichtige Rolle im Kampf gegen Krebs spielen – und sie ist viel verträglicher als früher. Beispielsweise leiden heute nur noch 20 Prozent der Patienten während der Therapie unter Übelkeit. Früher waren es 80 Prozent. Weiterer Pluspunkt: Sie kann die zielgerichtete Immuntherapie zusätzlich gut unterstützen. Einen weiteren Platz in der Anti-Krebs-Strategie nimmt die Hormontherapie ein, die bei bestimmten Tumorarten wie Brust- oder Prostatakrebs die Lebenszeit der Patienten deutlich verlängern kann. Viele Methoden, viele Optionen – viel Hoffnung. Prof. Carsten Bokemeyer: „Krebs ist zwar immer noch eine schreckliche Diagnose. Aber eben nicht mehr in jedem Fall ein Todesurteil!“

BRIGITTE JURCZYK

@ lifeline.de/krebs Auch das Gesundheitsportal informiert über Diagnose und Therapie von Krebs

So wird Krebs sichtbar gemacht

Bildgebende Verfahren sind immer präziser geworden. Mit ihrer Hilfe lassen sich Tumore aufspüren

Röntgenuntersuchung

Einfache Röntgenaufnahmen werden gemacht, um Tumore zum Beispiel im Magen-Darm-Trakt, im Brustkorb oder im Bauchraum zu erkennen. Bei einer Mammografie werden u. a. Gewebeverdichtungen und Kalkablagerungen im Brustgewebe sichtbar.

Magnetresonanztomografie

Bei der MRT (auch: Kernspintomografie) werden Schichtaufnahmen des Körpers durch Magnetfelder und Radiowellen erzeugt. Besonders Weichgewebe wie Organe oder das Gehirn lassen sich gut darstellen und nach Tumoren und Metastasen absuchen.

Computertomografie

Die Computertomografie (CT) ist ein spezielles Röntgenverfahren, bei dem der Körper Schicht für Schicht durchleuchtet wird. Mit dem CT lässt sich die genaue Position und Ausdehnung zum Beispiel eines Tumors bestimmen. Die CT ist heute immer noch eine der wichtigsten Untersuchungsarten bei Krebs.

Positronen-Emissions-Tomografie

Die Positronen-Emissions-Tomografie (PET) ist eine nuklearmedizinische Untersuchung, bei der mithilfe winziger, radioaktiv markierter Teilchen und einer speziellen Kamera Stoffwechselprozesse des Tumors sichtbar gemacht werden können.

Szintigrafie

Bei der Szintigrafie wird dem Patienten eine radioaktiv markierte Substanz gespritzt. Die reichert sich in bestimmten Regionen vermehrt an. Da Tumorzellen oft einen anderen Stoffwechsel haben als gesunde Zellen, nehmen sie meist mehr dieser Substanz auf und können so leichter erkannt werden.