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NEUER FRIEDHOF IN LINGEN/EMS: Einen Friedhof einfach und naturnah gestalten


Friedhofskultur - epaper ⋅ Ausgabe 12/2019 vom 15.11.2019

Manche Grabstätten sind mit Kies oder Platten abgedeckt. Dass es aber auch anders geht zeigt der Neue Friedhof in Lingen (Ems). Interessierte können sich dort informieren, wie Gräber ökologisch und naturnah gestaltet werden können.


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Viele Menschen machten sich für die ökologisch Gestaltung des Neuen Friedhof Lingen stark.


Foto: Ludger Jungeblut

Auf dem Neuen Friedhof in Lingen (Ems) wurden im Sommer 2019 zwei Informationstafeln aus Holz aufgestellt. Sie geben den Friedhofsbesuchern einen Überblick über die umgesetzten ökologischen Maßnahmen und sollen auch als Anregung dienen. Mit Texten, Bildern, ...

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... Klapptafeln und Flyern veranschaulichen diese die gemeinschaftliche Aktion der Friedhofskommission, Stadtpastoral, Naturschutzstiftung Emsland sowie der Friedhofsgärtner und Steinmetze.

Ökologisch und pflegeleicht

Im Sommer 2018 ließ die große mediale Präsenz des Themas „Insektensterben“ Dekanatsreferent Holger Berentzen aufhorchen: „Es stellte sich bei mir die Frage, was wir als Kirche tun können.“ Dabei kamen dann die Friedhöfe in den Blick. Schließlich befinden sich in fast jedem Ort große Friedhofsanlagen in kirchlicher Trägerschaft – also Grünflächen, die Parkähnlich sind. Beim Gang über mehrere Friedhöfe fielen dem Dekanatsreferent besonders die Grabstellen auf, die mit Kies oder Schotter ausgelegt waren – vermutlich, um den Pflegeaufwand möglichst gering zu halten. Allerdings ist der Gedanke, mit Steinen zugeschüttete Gräber wären attraktiv und pflegeleicht, schlichtweg falsch. Denn es ist eher das Gegenteil der Fall.

Zwischen den Steinen setzen sich Samen ab und treiben aus, auch moosige Kieselsteine sehen alles andere als gepflegt aus. Aus diesen Beobachtungen heraus entwickelte sich ein erster Gedanke, Mustergräber anzulegen, die insektenfreundlich und ökologisch gestaltet und zugleich pflegeleicht sind. Damit sollen die Angehörigen Anregungen bekommen, die sie in der eigenen Grabgestaltung und vielleicht sogar im heimischen Garten umsetzen können. Berentzen nahm zunächst Kontakt auf mit Bernward Rusche vom Vorstand des Nabu Emsland-Süd und fragte auch gleich bei Florian Heinen an, dem Geschäftsführer der Friedhofskommission Lingen/ Ems. „Sowohl ich als Geschäftsführer als auch die Mitglieder der Friedhofskommission waren sofort angetan“, zeigt sich Heinen sichtlich erfreut über den Vorschlag zur ökologischen Gestaltung. Sogleich machten sich Heinen und die Friedhofkommission an die Arbeit, steckten intern die Rahmenbedingungen ab und wählten mögliche nutzbare Freiflächen aus.

Gemeinsam planen

Um ein solches Vorhaben umsetzen zu können, bedarf es natürlich gemeinsamer Absprachen, Planungen und Überlegungen. Auch ist es entscheidend Verbündete, Mitstreiter und Sponsoren ins Boot zu holen. Nach einem ersten gemeinsamen Austausch von Berentzen, Rusche und Heinen wurden auch gleich noch weitere Maßnahmen zur ökologischen Aufwertung des Neuen Friedhofs in Lingen besprochen.

Die ökologische Bepflanzung der Mustergräber sollten noch durch eine Reihe weiterer Maßnahmen flankiert werden. Im Raum standen folgende Ideen: Eine Wildblumenwiese und eine Wildhecke anlegen, Insektennisthilfen (Insektenhotels) sowie verschiedene Vogelnist- und Fledermauskästen aufhängen.

„Um unser Vorhaben vorzustellen und sie für eine Beteiligung zu gewinnen luden wir für Mitte November 2018 Gärtner und Steinmetze in Lingen ein,“ blickt Berentzen zurück. Ebenfalls eingeladen war auch ein Vertreter des Christophorus-Werkes. Der Inklusionsbetrieb bietet mit seinen Auszubildenden unter anderem Grabpflege an und baut in einer Holzwerkstatt Vogelkästen und Nisthilfen.

Viele Anregungen und konkrete Unterstützung bekamen die Organisatoren vor allem von der Naturschutzstiftung des Landkreises Emsland. Friedhofsverwaltungen, die sich ebenfalls mit dem Gedanken tragen so ein Projekt umzusetzen, rät Berentzen: „Suchen Sie sich Kooperationspartner, wie etwa Steinmetze, Gärtner oder Schreiner. Lassen Sie sich fachlich beraten durch Nabu, Naturschutzbehörden der Kommune oder des Landkreises oder auch durch den BUND. Und vergessen Sie nicht Förderanträge zu stellen, zum Beispiel bei der Bingo-Umweltstiftung.“ Auch Heinen ermuntert seine interessierten Kollegen: „Einfach mal machen!“ Denn seiner Meinung nach sei es keine Hexerei, Flächen ökologisch zu nutzen. In einer kleinen internen „Expertenrunde“ finde sich schließlich für jeden Friedhof das passende.

Denn die Problematik von Überhangflächen bestehe für fast jeden Friedhofsbetreiber. „Wenn durch solche Projekte die Nutzungsberechtigten oder die Friedhofsbesucher zum Nachdenken angeregt, Kiesgräber aus dem Friedhofsbild verschwinden und wieder mehr bepflanzte Grabstätten angelegt werden, ist das ein Gewinn für die Friedhofslandschaft und die heimische Insekten- und Vogelwelt“, fasst Heinen die Vorzüge des Projektes zusammen.

Foto:Bastian Korves

Mustergräber zeigen beispielhaft wie eine ökologische Grabgestaltung aussehen kann.


Foto: Holger Berentzen

Gezielt umsetzen

Hindernisse bei der Umsetzung gab es keine, berichteten Heinen und Berentzen unisono. Das lag an der guten Kooperation von verschiedenen Partnern. Und von allen Seiten gab es nur Befürworter. Nachdem im Herbst 2018 die Planungen und Vorbereitungen erledigt werden konnten, stand im Frühjahr 2019 der Umsetzung nichts mehr im Weg. Die Arbeiten wurden etappenweise erledigt und gingen auf dem knapp neun Hektar großen Friedhof sehr zügig voran. Die ersten Ergebnisse waren bereits im April/Mai 2019 zu sehen.

Die Mitarbeiter der Friedhofskommission Lingen/Ems konnten gemeinsam mit dem Nabu Emsland Süd, den Steinmetzbetrieben Bastian Korves (Lingen) und Tschörtner (Bramsche), den Gärtnerbetrieben Blumen Schomaker, Blumen Korves sowie der Besser-in-Schuss GmbH des Christophorus Werk Lingen, der Naturschutzstiftung Emsland, den Lingener Kivelingen einiges erreichen.

Bis Ende September haben sich die Pflanzen im Hochbeet gut entwickelt.


Foto: Florian Heinen

Eine Tafel mit informativen Klappkarten zur heimischen Flora und Fauna erklärt, wie diese durch ökologische Grabbepflanzung geschützt werden kann.


Foto: Ludger Jungeblut

So entstanden nach und nach fünf Mustergrabstätten. Eine Wildblumenwiese wurde angesät. Die Samen dafür steuerte die Naturschutzstiftung des Landkreises Emsland bei. In der Nähe der Kapelle wurde ein Hochbeet mit Stauden für Bienen und Schmetterlinge errichtet. Und auf dem Areal verteilen sich knapp zusätzliche 45 Vogel- und Fledermauskästen sowie drei Insektennisthilfen (Insektenhotels). Im August 2019 wurden dann noch die beiden großen Schautafeln ergänzt.

Anschauungsmaterial zum Mitnehmen

Die in den Infotafeln befindlichen Flyer können von den Friedhofsbesuchern mitgenommen werden. Sie dienen sowohl als konkrete Anregung und auch Einkaufshilfe. Denn sie können dem Gärtner gezeigt und der Wunsch geäußert werden, die Grabstelle möge mit Wilder Möhre, Rotklee, Salbei, Schafgarbe, Margerite, Glockenblume oder Johanniskraut bepflanzt werden. Wie das aussehen kann, können sich die Besucher auf den Mustergrabstellen anschauen. Denn sie zeigen durch früh bis spät blühende Blumen und Pflanzen wie sich auf kleinen und großen Gräbern die Vielfalt einer ökologischen Flora gestalten lässt.

Heinen bedankt sich besonders bei den Steinmetzen und Gärtnereien, die die Gestaltung der Mustergräber und die Kosten übernommen haben und sich auch weiterhin um deren Pflege kümmern werden. Erfreut zeigt sich Heinen auch von den ausschließlich positiven Rückmeldungen: „Wir können in den Informationsgesprächen bemerken, dass die Nutzungsberechtigten nun ein Beispiel haben, wie Grabpflege über einen Gärtner aussehen kann. Das bringt viele dazu den Entschluss zu einer Rasengrabstätte oder zu großen Grabplatten nochmals zu überdenken.“ Auch wenn sich bei Heinen noch niemand persönlich gemeldet hat, um sich weiter zu informieren, kann dennoch festgestellt werden: Das Interesse an der Friedhofs- und Bestattungskultur steigt stetig. Doch nicht nur seitens der Friedhofsbesucher stößt das Projekt auf Interesse. Bei Herrn Berentzen sind schon einige Anfragen eingegangen.

„Aus der Region und auch ein Kirchenvorsteher aus einer Gemeinde in Vechta, jemand aus der Region Münster und jemand aus Hamburg haben sich diesbezüglich mit mir in Verbindung gesetzt“, freut sich der Dekanatsreferent darüber, dass die ökologische Umgestaltung des neuen Friedhofs auch weit über Lingen hinaus wahrgenommen wird.