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Neues beim Zwischenahner Baumschul-Seminar: Sich auf Fragen nach Kunststoff in der Produktion einstellen


TASPO - epaper ⋅ Ausgabe 15/2019 vom 13.04.2019

Plastik im Boden wird inzwischen nicht mehr als harmlos angesehen.

Artikelbild für den Artikel "Neues beim Zwischenahner Baumschul-Seminar: Sich auf Fragen nach Kunststoff in der Produktion einstellen" aus der Ausgabe 15/2019 von TASPO. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Zerfällt Kunststoff, entsteht Mikroplastik, das sich im Wasser und in Böden ansammeln kann.


Fotos: Heinrich Beltz

Mikroplastik ist bis zu fünf Millimeter groß.


Neben herbizidfreier Unkrautregulierung (siehe TASPO 10/19 ) und dem Einsatz torffreier und stark torfreduzierter Substrate in Baumschulen (demnächst in der TASPO), wurde auch das Thema Plastik in der Baumschulproduktion auf dem Baumschul-Seminar 2018 in Bad Zwischenahn diskutiert. Im Mittelpunkt standen Hintergründe und Zusammenhänge sowie Gedanken zu möglichen Anforderungen, die ...

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Neben herbizidfreier Unkrautregulierung (siehe TASPO 10/19 ) und dem Einsatz torffreier und stark torfreduzierter Substrate in Baumschulen (demnächst in der TASPO), wurde auch das Thema Plastik in der Baumschulproduktion auf dem Baumschul-Seminar 2018 in Bad Zwischenahn diskutiert. Im Mittelpunkt standen Hintergründe und Zusammenhänge sowie Gedanken zu möglichen Anforderungen, die mit Mikroplastik in Böden und Düngern auf die Baumschulen zukommen können.

Makro-, Mikround Nanoplastik

Im Jahr 2017 wurden in Europa rund 64 Millionen Tonnen Kunststoffe verbraucht, etwa 40 Prozent davon wurden für Verpackungen eingesetzt. Von der Gesamtmenge des Kunststoffs endeten 2014 rund 55 Prozent im Abfall. Weltweit gelangen etwa 32 Prozent des Kunststoffabfalls in Böden oder Ozeane.

Bei den Kunststoffen in Meeren und Böden spielt die Größe der Teilchen eine entscheidende Rolle. Die großen Plastikteile und -fetzen in Größen von fünf Millimetern und mehr werden als Makroplastik bezeichnet, Teile von unter fünf Millimeter Größe als Mikroplastik und der besonders kleine Teil des Mikroplastiks, je nach Definition mit <1 μm (<0,001 mm) oder <0,1 μm (<0,0001 mm) Durchmesser, als Nanoplastik.

Ein Teil des Mikroplastiks wird von Anfang an in dieser geringen Teilchengröße hergestellt und eingesetzt. Der größere Teil entsteht aber durch den Zerfall von größeren Kunststoffteilchen (sekundäres Mikroplastik), das zum Beispiel beim Waschen von Textilien aus Mikrofaser oder dem Abrieb von Reifen entsteht.

Bodenuntersuchung: anerkannte Messmethode fehlt

Früher wurde Plastik in Böden als relativ harmlos angesehen. Inzwischen hat sich die Sichtweise geändert, denn Mikroplastik kann durchaus giftig sein oder Giftstoffe transportieren.

Bei den extrem kleinen Teilchen des Mikroplastiks, dem Nanoplastik, hat man außerdem nachgewiesen, dass es in die Zellen eindringen und von Zelle zu Zelle wandern kann. Was das für Auswirkungen hat, ist noch nicht ganz klar, es wird aber grundsätzlich kritisch gesehen.

Welche Mengen und Konzentrationen in Böden als riskant zu sehen sind, ist bisher aufgrund fehlender Grenzwerte nicht einschätzbar. Die Untersuchung von Mikroplastik in Böden ist nämlich sehr schwierig, und es gibt keine allgemein anerkannte Messmethode. Besonders die sehr kleinen Teile des Mikroplastiks unter einem Millimeter Durchmesser sowie das Nanoplastik bleiben bei vielen Methoden unberücksichtigt. Übrigens stehen auch die biologisch abbaubaren Kunststoffe („Bioplastik“) in der Kritik, deren Zusammensetzung und Abbauverhalten sehr unterschiedlich sein kann.

Regelungen auf deutscher und europäischer Ebene

In Deutschland ist in der Düngemittelverordnung eine Obergrenze von Fremdstoffen in Düngern/Komposten von 0,5 Prozent des Trockengewichts festgelegt, davon 0,1 Prozent an Plastikfolien.

In der Kritik stehen auch die kunststoffummantelten Dünger. Im Entwurf der neuen EU-Düngemittelverordnung ist vorgesehen, dass sich die Kunststoffummantelungen der Dünger innerhalb von 48 Monaten zu 90 Prozent abbauen sollen. Ob und wann diese Forderung umgesetzt werden soll, mit welchen Übergangsfristen und vor allem welche Untersuchungsmethoden dafür eingesetzt werden sollen, ist zwar noch völlig unklar, aber die geplante Vorgabe drückt deutlich die kritische Sicht der Behörden auf Kunststoffummantelungen aus.

Plastik in Baumschulen: Schlafende Hunde wecken?

Aktuell ist das Thema Mikroplastik für Baumschulen sicher noch nicht sehr drängend, aber es ist zu erwarten, dass es stärker ins Blickfeld rückt. So berichtete der Pflanzengroßhändler Landgard stolz, dass er im Jahr 2018 mehr als 30.000 Pflanzen in nachhaltigen Papierpaletten auslieferte. Und in einer Großen Anfrage der Partei Bündnis 90/Die Grünen im niedersächsischen Landtag wurde am 5. Juli 2018 gezielt nach der Belastung von Böden mit Plastik durch Landwirtschaft und Gartenbau gefragt.

Auf Kundenfragen vorbereiten und Tipps für den Alltag

Sicherlich sind übereilte Reaktionen zu vermeiden, aber die Gartenbaubetriebe sollten sich auf Anfragen ihrer Kunden, wie sie die Belastung der Umwelt durch Mikroplastik vermeiden, vorbereiten.

Grundsätzlich ist wichtig, die eigenen Böden möglichst wenig mit Kunststoffen zu belasten, keine Kunststoff-Betriebsmittel (Bänder, Folien, Etiketten) sollten dort verbleiben. Bei Komposten und anderen organischen Düngern ist darauf zu achten, dass sie frei von sichtbaren Kunststoffteilchen sind. Besonders groß ist die Gefahr bei Material, dessen Ausgangsstoffe aus der Biotonne stammen. Komposte aus rein pflanzlichen Ausgangsstoffen (Grünkompost, Gärreste) sind, wenn sauber gearbeitet wurde, frei davon.

Auch in der Pflanzenanzucht sollte, soweit möglich, auf Kunststoff verzichtet werden. Etiketten, Bänder und Töpfe landen beim Endverbraucher leider nicht selten in der Biotonne. Ein völliger Verzicht auf Plastik bei der Pflanzenanzucht ist leider noch kaum möglich, aber es sollte geprüft werden, inwieweit der Kunde auf den Kunststoffverzicht Wert legt und auch bereit ist, dafür zu bezahlen.

Der Autor

Heinrich Beltz Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau Bad Zwischenahn