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Neues in Ubuntu 19.04 : Aufgehübscht


Ubuntu Spezial - epaper ⋅ Ausgabe 2/2019 vom 29.05.2019

Die grundlegenden Änderungen der letzten Versionen bewährten sich so gut, dass es die Entwickler dieses Mal bei Bugfixes oder einem aufpolierten Icon-Design beließen.


Artikelbild für den Artikel "Neues in Ubuntu 19.04 : Aufgehübscht" aus der Ausgabe 2/2019 von Ubuntu Spezial. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Ubuntu Spezial, Ausgabe 2/2019

README

Im Halbjahres-Rhythmus veröffentlicht Canonical neue Releases ihrer Distributionen. Bei der aktuellen Version 19.04 handelt es sich um ein Zwischenrelease, das vor allem Paketaktualisierungen, Fehlerbehebungen und einige kosmetische Korrekturen gegenüber der Vorgängerversion mitbringt.

Vor drei Ausgaben schwenkte Ubuntu [1] von der Eigenentwicklung Unity [2] zurück zum Gnome-Desktop [3], der von der ersten Ubuntu-Ausgabe 4.10 (2004) ...

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... bis 2011 schon einmal Ubuntu- Standard war. Das im Herbst 2017 neu belebte Konzept überzeugt: Ohne eigene, mehr schlecht als recht gewartete Software gelingt es Ubuntu nun, den typischen Desktop mit einer breiten, linksliegenden Icon-Leiste 1 und einigen Gnome-Erweiterungen umzusetzen.

Traditionell geben sich die Ubuntu- Entwickler bei Versionen ohne Langzeit- Support wie Ubuntu 19.04 („Disco Dingo”) technisch experimentierfreudiger. Diesmal gab es aber offenbar gar keinen großen Bedarf für technische Umgestaltungen: Abgesehen von aufgefrischten Versionen änderte sich die Software-Basis nur in kleinen Details.

Gnome à la Ubuntu

Traditionell passte Ubuntu den Gnome- Dateimanager Nautilus an die Distribution an. Oft lag Ubuntu diese Desktop- Kernanwendung daher in einer veralteten Version bei: So basierte der Vorgänger Ubuntu 18.10 zwar auf Gnome 3.30, der Dateimanager hing mit Version 3.26 aber hinterher. Ubuntu-Anwender konnten weiterhin Icons und Dateien auf der Desktop-Oberfläche ablegen, obwohl Gnome dies eigentlich seit Version 3.30 nicht mehr vorsieht.

Auch in Ubuntu 19.04 lässt sich die Desktop-Fläche weiterhin als Ablage nutzen, obwohl das die eingesetzte Gnome-Version 3.32 eigentlich nicht gestattet. In der neuen Ubuntu-Fassung erkaufen die Entwickler die Desktop-Icons aber nicht länger mit einer veralteten Dateimanager-Version, vielmehr ermöglicht sie nun die Gnome-ErweiterungDesktop Icons [4].

So kommen auch Ubuntu-Anwender in den Genuss aktueller Neuerungen am Dateimanager, etwa einem ansprechender gestalteten Eingabefeld für Suche und Dateipfad 2 oder der FunktionMit Stern markiert , mit der Sie auch einzelne Dateien als Favoriten markieren, nicht mehr nur Ordner.

1 Seit 2011 hält Ubuntu am Konzept des durchgängig sichtbaren, linken Docks fest.


Verändert hat sich auch das Verhalten beim Umschalten zwischen Fenstern der gleichen Anwendung: Bisher wechselte die bekannte Tastenkombination [Alt]+[Tab] lediglich zwischen Anwendungen. Zwischen den Fenstern des aktiven Programms wechselte [Alt] plus die über dem Tabulator liegende Taste.

An diese Gnome-Eigenheit mussten sich Anwender anderer Desktop-Umgebungen und Windows-Umsteiger erst einmal gewöhnen. Nun zappt [Alt]+[Tab] wie unter anderen Systemen durch alle offenen Fenster. Das bisherige Standardverhalten, das Umschalten zwischen Anwendungen, erreichen Sie nun per [Super]+[Tab].

Zwar frischte bereits Version 18.10 endlich die reichlich altbacken wirkende Ubuntu-Optik auf, so widmete sich das Design-Team diesmal dem Icon-Set: Der Vorgänger hat noch allen Icons ein Quadrat mit abgerundeten Ecken aufgeprägt. Allerdings fielen dadurch alle Programmsymbole, für die das Icon-Theme kein eigenes Symbol mitbrachte, optisch aus dem Rahmen. Schon nach dem Start war diese Disharmonie am Firefox-Icon im Dock zu sehen. Ubuntu 19.04 wirft diese starre Vorgabe über Bord. Die gemischten Formen der Programmsymbole im Dock und im Startmenü wirken nun homogener.

Kleine Neuerungen

2 Die Ubuntu-Unart, den Gnome-Dateimanager in veralteten Versionen auszuliefern, gehört der Vergangenheit an: Das zeigt das aktuelle Nautilus 3.32 mit elegant in die Fensterleiste integriertem Suchfeld und derMit Stern markiert -Funktion.


Mit Gnome 3.32 kommen auch einige neue Features hinzu: Die Intensität desNachtmodus , der nach Sonnenuntergang die Anzeigefarben rötlicher tönt, um den Schlafrhythmus nicht zu beeinträchtigen, lässt sich nun regeln 3.

In Gnomes Einstellungszentrum kam die RubrikAnwendungen hinzu. Hier legen Sie für jede installierte Anwendung fest, ob das Programm Benachrichtigungen anzeigen darf und welche Dateitypen ihm zugeordnet sind.

Last but not least feilten die Gnome- Entwickler für Version 3.32 an der Performance. Auch wenn Ubuntu bereits manche der Optimierungen für Ubuntu 18.10 auf Gnome 3.30 zurückportierte [5], so sollten Animationen wie das Einblenden der Programm-Icons nach Drücken von [Super] nun noch etwas flüssiger ablaufen als bisher.

Dass sich auch die grau gehaltene Standard-Optik des Gnome-Desktops weiterentwickelte, bleibt Ubuntu-Anwendern zunächst verborgen: Die Distribution hält seit ihren Anfängen an einer charakteristischen Optik in Braun-, Rotund in jüngster Zeit auch Lila-Tönen fest und ersetzte den originalen Gnome-Stil durch einen eigenen. Wenn Sie den Gno- me-Standard-Stil ausprobieren möchten, brauchen Sie nur das ProgrammOptimierungen zu starten: Im ReiterErscheinungsbild sind fürAnwendungen , denMauszeiger und dieSymbole seit Ubuntu 18.10 die ThemenYaru ausgewählt. Gnomes Vorgabethema heißtAdwaita .

Der spartanische Gnome-Desktop ohne Dock lässt sich unter Ubuntu mit dem Paketvanilla-gnome-desktop nachrüsten. Bei einer erneuten Anmeldung im System stehen dann die OptionenGNOME ,GNOME Classic undGNOME unter Xorg bereit.

Ubuntu nutzt den normalen Gnome- Anmeldeschirm, bei dem sich diese Optionen aber nicht auf den ersten Blick finden lassen: Wählen Sie zuerst den Benutzer aus. Neben demAnmelden -Button zeigt sich dann ein kleines Zahnrad- Icon, das ein Menü mit den genannten Einträgen öffnet.

Frische Software

Nicht nur die (Desktop-)Oberfläche, auch den Unterbau brachten die Entwickler in der vorliegenden Ausgabe auf den aktuellen Stand: Statt Linux 4.18 werkelt nun der Systemkern in Version 5.0. Spielefans dürfte besonders die Unterstützung von AMD Freesync freuen. Freesync bedeutet, dass Monitor und Grafikkarte sich quasi absprechen, wann ein neues Bild gezeichnet werden soll, statt eine konstante Framrate von zum Beispiel 60 Hz einzuhalten. Das sorgt für eine flüssigere Darstellung von Bewegungen und einer Systementlastung.

3 Die Stärke der automatischen nächtlichen Warmtönung der Bildschirmfarben („Blaulichtfilter”) lässt sich in Gnome 3.32 einstellen.


Der neue Kernel unterstützt außerdem aktuelle AMD-Grafikkartenmodelle. Wie üblich nahmen sich die Kernel-Entwickler auch der Performance der Speicherverwaltung, des Netzwerk-Subsystems und des Dateisystems an.

Die Versions-Upgrades der Anwendungen zeigt die Tabelle „Neue Software”. Hier finden Sie zum Vergleich auch die Versionen des letzten LTS-Release 18.04. Wer sein System von Version 18.04 auf 19.04 aktualisiert, verliert allerdings den Long Term Support bis 2023, er reicht dann nur noch bis Januar 2020. Außerdem erfordert das Upgrade den Zwischenschritt über das vorhergehende Release 18.10.

Ubuntu 19.04 erneuert die Office-Suite LibreOffice auf Version 6.2 4: Zwei alternative Varianten der Oberfläche mit den NamenIn Registern undGruppiert kompakt gelten dort nun als ausgereift, nicht länger als experimentell. So müssen Sie die Funktionen also nicht mehr erst umständlich unterExtras |Optionen |Erweitert aktivieren, sondern dürfen Sie direkt im MenüAnsicht |Benutzeroberfläche auswählen.

Besonders für Notebook-Anwender bietet die AnsichtGruppiert kompakt eine platzsparende Alternative. Die AnsichtIn Registern dagegen kommt Microsoft- Office-Benutzern entgegen, die sich an dessen Ribbons-Oberfläche gewöhnt haben.

LibreOffice 6.2 enthält auch neue Icon-Styles. Beim Start unter KDE ist automatisch das Breeze-Design gewählt, das nicht nur wie das Kubuntu-Icon-Set heißt, sondern auch optisch zu ihm passt. Dank eines neuen Plugins fügt sich dann auch die gesamte Programmoberfläche in den Plasma-Desktop-Stil ein. Das Programm verwendet nun auch die Datei-Dialoge von KDE.

Schon seit langer Zeit bringt LibreOffice eineÄnderungen Verfolgen -Funktion mit, welche die Zusammenarbeit mehrerer Autoren durch eine automatische optische Hervorhebung von Überarbeitungen erleichtern. Lagen viele solcher Markierungen vor, verlangsamte das manchmal das Blättern durch den Text stark. Dieses Performance-Problem lösten die Entwickler.

Auch das Bildbearbeitungsprogramm Rawtherapee legte mit dem Update von 5.4 auf 5.5 einen großen Leistungssprung hin: Mit der MethodeL*a*b*- Farbkorrektur-Bereiche lassen sich Bilder entweder verfremden oder durch ungünstige Beleuchtung hervorgerufene Verfremdungen ausgleichen. Der Schärfefilter zum Nachschärfen einer Aufnahme fällt jetzt wesentlich leistungsfähiger aus. Außerdem kam der neue FilterBildschleier entfernen hinzu, der Dunst und Nebel aus dem Bild entfernt.

4 Die beiden LibreOffice-Oberflächen-Optionen „In Registern” und „Gruppiert kompakt” machen ein traditionelles Menü überflüssig. \


5 Mit seinen Desktop-Widgets und zahllosen Gestaltungsmöglichkeiten für die Leisten ist KDE das ideale Betätigungsfeld für anspruchsvolle Power-User.


Die Windows-Emulationsschicht Wine springt von Version 3.0.3 auf 4. Die neue Major-Version unterstützt die neue 3DBeschleunigungstechnik Vulkan sowie das Windows-spezifische Pendant Direct3D 12. Die Zahl der Windows-Spiele, die sich unter Linux mittels Wine mit hinreichender Performance spielen lassen, dürfte dadurch erheblich anwachsen.

6 Beim ersten Anschluss eines Beamers fragt KDE nun, ob es den Laptop-Schirm klonen oder separate Desktop-Fläche links oder rechts davon bereitstellen soll.


Kubuntu

Der Standard-Desktop von Ubuntu zielt auf Einsteigertauglichkeit und programmatische Schlichtheit ab. Doch früh war den Ubuntu-Machern klar, dass Power-user bei diesem Konzept nicht auf ihre Kosten kommen. Wegen der hohen Nachfrage des schon bei der ersten Ubuntu-Ausgabe enthaltenen KDE- 3-Desktops erschien bereits das zweite Ubuntu-Release 5.04 als Kubuntu-Flavor mit vorinstalliertem KDE [6].

Dass es dabei lediglich um die Vorinstallation und etwas Eye-Candy wie einem zur Desktop-Gestaltung passenden Bootsplash geht, zeigt die Tabelle „Meta- Pakete für Desktopumgebungen”: Installieren Sie eines von ihnen zusätzlich, dann steht bei der Benutzeranmeldung neben dem in Ihrem Flavor vorinstallierten noch der im Paketnamen genannte Desktop zur Verfügung.

Anders als beim Standard-Desktop, dessen Gnome-Basis die Ubuntu-Entwickler stark anpassen, entspricht der Kubuntu-Desktop der vom KDE-Projekt selbst vorgeschlagenen Grundeinstellung. Allerdings lässt sich der KDE-Desktop so frei an die eigenen Bedürfnisse anpassen, dass er im Ergebnis kaum noch als solcher erkennbar ist 5.

7 Der Budgie-Desktop setzt auf Primärfarben und schlichte Formen. Charakteristisch sind auch die rechtsliegende App- und Meldungsschublade.


Kubuntu 19.04 liefert den KDE-Plasma- Desktop in Version 5.15 von Mitte Februar 2019 aus, während Kubuntu 18.10 Version 5.13 beilag. KDE kennt keine instabilen Zwischen-Releases, der Desktop ist also nun zwei Ausgaben weiter. Da die KDE-Entwickler in letzter Zeit aber offenbar davon ausgehen, dass die 5er-Reihe inzwischen alle wichtigen Funktionen besitzt, bleiben die Unterschiede zur letzten Ubuntu-Ausgabe dennoch überschaubar.

Laptop-Besitzer, die ihr Gerät an einen Beamer anschließen möchten, profitieren vom neuenBildschirmanordnung - Widget 6, mit dem Sie festlegen, ob Beamer und Laptop-Screen den gleichen Inhalt anzeigen (klonen ), oder ob die Anzeigefläche des Beamers links oder rechts vo.computerbildschirm anschließt und Sie für die Menge unsichtbar auf dem Notebook arbeiten können. Generell zerstört das Abstecken eines zweiten Monitors nun nicht mehr die Anordnung der Plamoids auf der Desktop-Fläche, was bei Vorgängerversionen viele Nutzer verärgerte.

Das Batteriestands-Widget zeigt nun nicht nur mehr den Akkustand des Laptops selbst, sondern auch den angeschlossener Bluetooth-Geräte. Bei vielen Bluetooth-Funkmäusen erleichter es diese Funktion also, rechtzeitig neue Batterien bereitzulegen.

Mit der über [Alt]+[F2] erreichbaren EingabezeileKrunner am oberen Bildschirmrand finden Sie nicht nur Programme, sondern auch Dateien und Firefox-Lesezeichen. Bisher blähten oft Dubletten die ohnehin schon umfangreiche Liste weiter auf. Diese eliminiert die Software nun.

Die KDE-Optik entwickelte sich an mehreren Stellen weiter: Viele Icons des Standard-ThemesBreeze fallen nun deutlich aussagekräftiger und prägnanter aus als die Vorgängerversionen. Außerdem lassen sich die beschreibenden Texte der auf dem Desktop abgelegten Icons nun bei kleinen Symbolen und auch bei unruhigen Desktop-Hintergründen besser lesen. Auch viele Seiten der KDE-Systemeinstellungen präsentieren sich nun einheitlicher.

8 Der MATE-Desktop startet im Gnome-2-Desktop-Layout und dem Ambience-Theme, das ebenfalls aus dieser Zeit stammt.


9 Die einzigen greifbaren Veränderungen am Xubuntu-Desktop zeigen sich an den Null- und Eins-Symbolen an den Schiebereglern und am Wallpaper.


Ubuntu Budgie

Das jüngste Flavor Ubuntu Budgie basiert auf dem für die Distribution Solus [7] entwickelten, aber als Open-Source- Software für alle Distributionen zugänglichen Budgie Desktop [8]. Dieser sticht durch seine markante Optik, das Mac-OS-ähnliche Dock und der rechtsliegenden Windows-10-ähnlichen Nachrichten- und App-Schublade hervor 7.

Während der Vorgänger Ubuntu Budgie 18.10 bereits Teile der noch nicht offiziell veröffentlichten Version 10.5 des Budgie-Desktops zurückportierte, basiert Version 19.04 jetzt vollständig auf der offiziellen Ausgabe. Dadurch verbesserte sich die Sound-Steuerung in der rechten Schublade, mit der sich nun auch einzelne Anwendungen mit einem Klick stummschalten lassen. Leise Wiedergabequellen verstärken über 100 Prozent hinausgehende Werte für den Lautstärkeschieber.

In denBudgie-Desktop-Einstellungen gibt es nun die OptionWechselt Fensterfokus bei Mauskontakt . Nach Anwahl aktiviert die bloße Mausberührung das Fenster und nicht erst ein Klick.

Außerdem gibt es nun praktische Keyboard- Shortcuts ([Alt]+[Strg]+ [Ziffernblock 1- 5]), um Anwendungsfenster auf dem Desktop zu kacheln oder zu maximieren. Dies wäre besonders auf dem Laptop mit Touchpad praktisch, wo das Ziehen der Fensterkanten nur schwer von der Hand geht. Allerdings bringen nicht alle Laptoptastaturen einen Ziffernblock mit, sodass diese Tastaturkürzel dann darauf nicht zur Verfügung stehen.

Der Budgie-Desktop nutzt Gnome- Technologie. Auf Wunsch vieler Anwender ersetzt Ubuntu Budgie nun allerdings den Gnome-DateimanagerNautilus durch den Nautilus-ForkNemo [9] aus dem Cinnamon-Desktop. Er punktet mit einer zweispaltigen Ansicht, die das Kopieren und Verschieben von Dateien und Ordnern erleichtert.

Ubuntu MATE

Die Ubuntu-MATE-Entwickler bezeichnen Ausgabe 19.04 als „bescheidenes Upgrade für Anwender, die Wert auf Bugfixes und einen verbesserten Hardware- Support wünschen”. Ein „bescheidenes Upgrade” bleibt die neue Ubuntu- MATE-Ausgabe 8 nicht zuletzt deswegen, weil sie wie die beiden vorausgehenden Fassungen weiterhin auf MATE 1.20 basiert, obwohl der Nachfolger in Version 1.22 bereits am 18. März erschien. Die Entwickler begründen ihre Entscheidung mit mangelnder Stabilität: MATE 1.22 verändert einige interne Schnittstellen, viele Anwendungen neigen daher zu Abstürzen.

Beim MATE-Desktop änderte sich also im Vergleich zu den Vorgängerversionen 18.04 LTS und 18.10 wenig. Doch viele Anhänger der MATE-Desktops dürften Kontinuität ohnehin schätzen: Schließlich führt MATE den 2011 aufs Altenteil geschobenen Gnome-2-Desktop genau deswegen weiter, weil viele Anwender den radikalen Bruch beim Umstieg auf Gnome 3 nicht mitmachen wollten. So ist es auch konsequent, dass der Desktop das inzwischen altbacken wirkende in die Gnome-2-Ära passende Ambience- Design beibehält.

Es würde dem MATE-Desktop aber nicht gerecht, ihn als veraltet zu bezeichnen: Gnome 2 war bereits sehr flexibel und kannte ähnlich viele Einstellungsmöglichkeiten wie der KDE-Desktop. Anwender dürfen Leisten in konfigurierbarer Größe an jeder Bildschirmkante platzieren. Neben Startmenü, Fensterwechsler und Systemabschnnitt stehen viele weitereObjekte (Applets) zum Anreichern des Desktops mit zusätzlicher Funktionalität bereit.

Xubuntu

Keine Desktop-Umgebung bewegte sich in den letzten paar Jahren so wenig wie Xfce: Noch immer gilt die Version 4.12 von Mitte 2015 offiziell als stabil. Seitdem arbeiten die Xfce-Entwickler an der Portierung weg von der veralteten Grafikbibliothek Gtk2 zu Gtk3. Währenddessen erscheinen die Komponenten wie das Panel, der Dateimanager Thunar oder das EinstellungszentrumXfce4 Settings in der Zwischenversion 4.13: Wie vor vielen Jahren beim Linux-Kernel gelten Versionsnummern mit gerader Zahl in der zweiten Stelle als stabil, die mit ungerader dagegen als unstabile Entwicklerversion.

10 Während bei aktuelle.computern der Unterschied zwischen den Flavors beim Speicherverbrauch kaum eine Rolle spielt, fallen die 150 MByte, die Lubuntu einspart, bei alten Rechnern womöglich durchaus ins Gewicht.


Da die nächste stabile Version 4.14 zwar große Fortschritte macht, ein Fertigstellungsdatum aber immer noch nicht abzusehen ist, setzt Xubuntu schon seit 18.04 auf Komponenten der 4.13er-Entwicklerserie. Die meisten Pakete sind, wie schon im Vorgänger, in Version 4.13.4 an Bord.

Zu dieser schleppenden Entwicklung passt der Retro-Look 9, an dem Xubuntu ebenfalls seit vielen Jahren festhält. Doch es gibt Anwender, die in einer Desktop-Umgebung eher ein nebensächliches Werkzeug zum Starten von Anwendungen und für Alltagsaufgaben wie das Dateimanagement sehen. Aus einer solchen pragmatischen Sicht sollte sich die Arbeitsplattform möglichst wenig verändern.

Eine taugliche Basis für die täglich anfallenden Arbeiten am Rechner bietet Xfce aber allemal: Der Xubuntu-Desktop startet mit einer dünnen schwarzen Leiste am oberen Rand, die ein Startmenü, die Fensterleiste, ein Benachrichtigungs- und ein Bluetooth-Applet, den Netzwerk-Manager, eine Lautstärkeregelung und natürlich die obligatorische Uhr enthält.

Lubuntu

Das Flavor Lubuntu existiert seit Oktober 2011. Damals setzte es allerdings noch auf den Gtk2-basierten LXDE-Desktop [10], seit Version 18.10 hingegen portieren die Entwickler es auf den LXDE- Nachfolger LXQt [11].

Das modernere LXQt mag geringfügig mehr Arbeitsspeicher belegen, als das zuletzt 2016 in einer stabilen Version erschienene LXDE. Dafür bietet es einen optisch sehr modern wirkenden Desktop 10 und belegt immer noch spürbar weniger Hauptspeicher als alle anderen Ubuntu-Flavors.

KDE-Anwender werden sich in Lubuntu nicht nur wegen der vertraut wirkenden Optik heimisch fühlen, sondern auch, weil viele Komponenten, etwa das Einstellungszentrum, dem KDE-Vorbild nacheifern, wenngleich er dessen Funktionsumfang nicht erreicht.

Dafür belegt Lubuntu nach dem Start rund 150 MByte weniger Arbeitsspeicher als KDE (siehe Tabelle „Speicherbelegung der Flavors”). Dies kann auf alten Rechnern mit unter einem GByte RAM das Arbeiten spürbar beschleunigen. Doch schon au.computern mit 2 GByte Hauptspeicher spielen solche kleinen Unterschiede keine Rolle mehr.

Lubuntu mit dem LXQt-Desktop richtet sich auch an Anwender, welche die durchdachten Bedienkonzepte in KDE zwar schätzen, aber den Funktionsumfang insgesamt als zu unübersichtlich empfinden.

Der LXQt-Desktop ist in Lubuntu 19.04 in Version 0.14.1 mit an Bord. Im Vergleich zu Version 0.13 kamen ein paar neue funktionale und kosmetische Funktionen hinzu, etwa eine zweispaltige Ansicht des Dateimanagers oder neue Desktop-Icons. (tle)

Infos

[1] Ubuntu: https://www.ubuntu.com
[2] Unity Desktop: https://launchpad.net/ unity
[3] Gnome Desktop: https://www.gnome.org
[4] Gnome Desktop Icons Erweiterung: https://extensions.gnome.org/ extension/ 1465/ desktop‑icons/
[5] Ubuntu 19.04 Gnome Performance: https://community.ubuntu.com/ t/ gnome‑3‑32‑performance‑ubuntu‑19‑04/ 10208
[6] KDE Desktop: https://kde.org
[7] Solus Linux: https://getsol.us
[8] Budgie Desktop: https://github.com/ solus‑project/ budgie‑desktop
[9] Cinnamon Desktop: https://github.com/ linuxmint/ Cinnamon
[10] LXDE: https://lxde.org
[11] LXQt: https://lxqt.org