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NEURODERMITIS: SANFT & WIRKSAM GEGEN JUCKREIZ


LandApotheke - epaper ⋅ Ausgabe 4/2018 vom 12.09.2018

Menschen mit systemischen Erkrankungen sprechen auf natürliche Heil- und Pflegemittel oft gut an. Selbst wenn Heilung unmöglich ist: Die Pflanzenapotheke erleichtert das Leben mit der Krankheit.


Artikelbild für den Artikel "NEURODERMITIS: SANFT & WIRKSAM GEGEN JUCKREIZ" aus der Ausgabe 4/2018 von LandApotheke. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: LandApotheke, Ausgabe 4/2018

SCHUTZ UND KRAFT
Empfindliche Haut braucht eine besonders sorgsame Behandlung. Wer unter Neurodermitis leidet, sollten bei Pflegemitteln auf natürliche Inhaltsstoffe und den jeweils optimalen Fettgehalt achten. Die Bedürfnisse der Haut sind nicht zu jeder Zeit gleich


Neurodermitis hat viele Gesichter. Während manche Menschen mit Atopischem (zu Überempfindlichkeitsreaktionen neigendem) Ekzem über weite Strecken ...

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... ihres Lebens lediglich unter trockener Haut leiden oder auf den Kontakt mit Materialien wie Wolle empfindlich reagieren, äußert sich das Leiden bei anderen phasenweise in quälendem Juckreiz, schmerzhaften Schrunden oder akuten Entzündungen, die schwer zu behandeln sind. Neurodermitis ist eine chronische Erkrankung und nicht heilbar. Doch man kann vieles tun, um gut mit ihr zu leben. Dabei hilft die Natur.

HAUT UND STRESS

Für alle von Neurodermitis Betroffenen ist es zeitlebens wichtig, bei der Hautpflege sorgsam vorzugehen und durch eine gesunde Lebensführung neue Krankheitsschübe aufzuschieben oder zu vermeiden. Dabei spielt die Psyche eine wichtige Rolle, denn für die Entstehung von Ekzemen gibt es immer einen Auslöser – und dieser greift die Haut in Zeiten außergewöhnlicher Belastung oder unter anhaltendem Stress stärker als sonst an. Insofern schaffen ein kluges Belastungsmanagement sowie regelmäßige Bewegung und Entspannung die Grundlage für die Gesundheit der Haut. Fast genauso wichtig ist die Ernährung, denn Darm und Haut stehen in enger Wechselwirkung miteinander.

HÜLSENFRÜCHTE FÜR EINE GUTE VERSORGUNG MIT VITAMIN B

Zwischen gesunder Haut und einer intakten Darmflora besteht ein enger Zusammenhang. Für die Darmgesundheit wiederum sind B-Vitamine unverzichtbar, die von Menschen mit Neurodermitis oft nicht optimal verwertet werden können. Vor allem, wenn sie sich rein pflanzlich ernähren – was für Neurodermitiker durchaus empfehlenswert ist – sollten sie deshalb auf eine gute Versorgung mit B-Vitaminen achten. Dabei müssen sie im Blick behalten, dass viele gute B-Vitamin-Lieferanten wie Hühner- und Putenfleisch, Fisch wie Makrele, aber auch Meeresfrüchte, Hartkäse und viele Nüsse zugleich reich an Histaminen sind. Histamine aber können das Hautbild dramatisch verschlechtern und Juckreiz verstärken. Salate und grünes Gemüse spielen bei der Ernährung für Neurodermitiker deshalb eine Schlüsselrolle, ebenso Hülsenfrüchten, die noch dazu reich an wertvollem Eiweiß sind. Im Rahmen der vegetarischen oder veganen Ernährung sind Hülsenfrüchte echte Spitze.

ÖL FÜR DIE VERDAUUNG

Neurodermitiker können häufig B-Vitamine nicht optimal verwerten. Da diese grundlegend für die Darmgesundheit sind, sollten sie auf eine gute Versorgung immer achten, im Winter zusätzlich auf ausreichend Vitamin D. Mit einer Extraportion zugreifen dürfen Neurodermitiker auch bei den Omega-3-Fettsäuren, die in hochwertigen Ölen wie Borretschöl, Leinöl oder Hanföl reichlich vorhanden sind. Vorsicht dagegen ist bei stark histaminhaltigen Lebensmitteln geboten, Betroffene meiden sie häufig ganz von selbst. Besonders den Genuss von Rotwein büßen sie oft mit Juckreizattacken, und auch bei Fisch, Meeresfrüchten und Fleisch (die allesamt hervorragende Omega-3-Fettsäurelieferanten wären) ist Weniger eher mehr. Zitrusfrüchte sollten Neurodermitiker ebenfalls meiden, in der Regel vertragen sie deren Säuren schlecht.

GEMÜSE: Zur gesunden Ernährung gehören für Neurodermitiker Kräuter und Salate sowie frisch zubereitetes Gemüse. Kohlsorten und alles Grüne wie Feldsalat, Spinat oder Endivie versorgen den Stoffwechsel mit den für eine gesunde Haut unentbehrlichen Nährstoffen und Vitaminen


GEFÄHRLICHE ZEITEN

Bei hohen Temperaturen im Sommer und wenn der Winter naht, schlingert die empfindliche Haut regelmäßig in Richtung Krise, denn ihr fehlt die Fähigkeit, sich an Hitze oder Kälte flexibel anzupassen. Dann gilt es, sie besonders zu verwöhnen. Ab einer Außentemperatur vom plus acht Grad Celsius reduziert die Haut ihre Fettproduktion. Kalte Luft speichert zudem weniger Feuchtigkeit als warme, doch auch die beheizte Luft in geschlossenen Räumen ist als Feuchtigkeitsspender für die Haut nicht gerade ideal. So belastet Winterluft sie in vielerlei Hinsicht.
Für Neurodermitiker problematisch sind in der kalten Jahreszeit auch mechanische Reize durch Kleidung, vor allem wenn sie eng anliegend ist. Oft reagiert die empfindliche Haut an Hals und Nacken bei niedrigen Temperaturen nicht nur auf einen kratzigen Schal, sondern schon auf den Kontakt mit den eigenen Haaren. Gegen die Kälte muss sich auch der Neurodermitiker schützen – es spielt jedoch eine große Rolle, mit welchen Materialien er es tut. Weich gekämmte Baumwolle, hochwertige Viskose, Tencel oder Seide schmeicheln der Haut, Wolle auf der Haut dagegen – mag sie auch noch so edel sein – ist für die meisten Betroffenen tabu.

ZUVIEL PFLEGE?

Bei der täglichen Pflege der Haut ist ein individuelles Gleichgewicht gefragt, dass immer wieder neu austariert werden will. Einerseits muss die Haut optimal mit Feuchtigkeit und Fett versorgt werden, andererseits gilt es, ihre Fähigkeit zur Selbstregulierung und den natürlichen Säureschutzmantel bestmöglich zu erhalten. Empfindliche Haut kann unter einem Übermaß an Pflege auch ersticken. Manchmal tun ihr eine warme Dusche und eine Körpercreme gut, manchmal ist die Anwendung eines Duschöls auf der Basis eines reichhaltigen nativen Pflanzenöls besser, das zusammen mit dem Wasser einmassiert wird. Zu einem anderen Zeitpunkt wiederum kann eine fette Salbe die Haut am besten schützen. Für die richtige Wahl der Pflege hilft es jedenfalls, ein gutes Gespür für die jeweils aktuellen Bedürfnisse der Haut zu entwickeln.

Vom täglichen Duschen oder Baden wird Neurodermitikern einhellig abgeraten. Vor allem bei Kindern ist Mut zur Lücke bei der Köperreinigung eine gute Idee. Lauwarmes (oder kaltes) Wasser ist besser als heißes, manchmal erweisen sich auch bewusst gesetzte Kältereize als heilsam.
Nach der Körperreinigung mit sparsam eingesetzten rückfettenden Substanzen arbeitet man am besten gleich eine Pflege der Wahl in die noch feuchte Haut ein. Native Pflanzenöle oder Creme- und Salbenzubereitungen auf dieser Basis dringen in tiefe Hautschichten ein und transportieren zugleich die Wirkstoffe eventuell beigemischter ätherischer Öle dorthin. Empfindliche Haut verträgt dabei einfache Pflegemittel meist besser als solche mit vielen verschiedenen Inhaltsstoffen. Der Grundsatz, nur so viel Pflege zu verwenden, wie die Haut tatsächlich braucht, gilt immer. So vermeidet man es, ihre Selbstheilungskräfte zu schwächen und auch der „Deckel-aufden-Topf-Effekt“ tritt seltener auf – ein Mechanismus, in dem die bereits gereizte Haut auf eine zu reichhaltige, fette Pflege mit heftigem Juckreiz reagiert.

HILFE BEI AKUTEM JUCKREIZ

Juckende Haut braucht effektive Hilfe. Hat sie sich bereits entzündet oder nässt sie, ist der Besuch beim Hautarzt Pflicht, eine Infektion muss immer behandelt werden. Frühzeitig angewendet, kann Eichenrinde Juckreiz lindern. Sie wird entweder als Salbe kurmäßig verwendet oder, bei akuten Beschwerden, in Form von Umschlägen, die schnell Linderung verschaffen.
Heil- und Pflegemittel aus der Natur bieten viele Möglichkeiten auszuprobieren, was individuelle Beschwerden am besten lindert. Bei systemischen Erkrankung wie der Neurodermitis ist das von unschätzbarem Wert.

Dusch- und Körperöl

ZUTATEN:
Hanf-, Borretsch oder Nachtkerzenöl, einige Tropfen ätherisches Öl in Arzneimittelqualität von Lavendel, Melisse oder Rosen nach Belieben

ZUBEREITUNG:
1 50 ml Pflanzenöl mit 4–5 Tropfen ätherischem Öl vermischen.

ANWENDUNG: Die Ölpflege eignet sich besonders zur vorbeugenden Behandlung und zum Schutz der empfindlichen und trockenen Haut. Man trägt das Öl gleich nach der Körperreinigung auf die noch feuchte Haut auf und arbeitet es sanft in die Haut ein. Zur Verwendung als Duschöl kann man die Zubereitung 1:1 mit neutraler Seifenbasis mischen.

Fette Salbe mit Eichenrinde und Hamamelis

ZUTATEN:
50 g Salbengrundlage aus der Apotheke auf natürlicher Basis wie Sheabutter, Wollwachs oder Bienenwachs, 1 EL Hamamelis, Rinde und Blätter, 1 EL Eichenrinde

ZUBEREITUNG:
1 Aus Hamamelis und Eichenrinde einen Sud kochen (ca. 150 ml Wasser, mindestens 10 Minuten kochen).
2 Salbengrundlage und Sud auf die gleiche Temperatur bringen, mit einem sterilen Glasstab vermischen.
3 Abkühlen lassen und in einen Tiegel füllen. Bei Entnahme mit einem sauberen Spatel 3–4 Monate haltbar.

ANWENDUNG: Zur gezielten Pflege extrem trockener Hautareale. Eignet sich hervorragend zum vorbeugenden Schutz.

Hamamelis: In Pflegemitteln für empfindliche und gereizte Haut ist die Zaubernuss häufig zu finden. Sie hat sich insbesondere zur Behandlung von Juckreiz bewährt


Ihre Heilkraft verdankt die Eichenrinde den in ihr enthaltenen Gerbstoffen. Sie verschafft Linderung bei Juckreiz und nässenden Ekzemen


Hauttee

ZUTATEN:
je 30 g Brennnessel, Melisse, Ehrenpreis und Ringelblume, je 20 g Schafgarbe, Walnussschalen, Pfefferminz, 10 g Eichenrinde

ZUBEREITUNG:
1 1 TL Kräuter mit einer Tasse Wasser kochendem Wasser aufgießen.2 10 Minuten ziehen lassen.

ANWENDUNG: Als Kur über einige Wochen zwei Tassen täglich trinken.

Beruhigendes Pflegebad bei akuten Beschwerden

ZUTATEN:
ätherisches Cistrosenöl in Arzneimittelqualität, Totes-Meer-Salz, schwarzer Tee

ZUBEREITUNG:
1 In 4 EL Salz 8–10 Tropfen des Öls sorgfältig einarbeiten.

ANWENDUNG: Bei akuten Beschwerden ins Badewasser geben. Niedrige Wassertemperatur wählen, Badezeit begrenzen. Nicht täglich duschen oder baden. Nach dem Bad mit klarem Wasser sorgfältig abduschen.

Umschläge mit Eichenrindensud

ZUTATEN:
Eichenrinde

ZUBEREITUNG:
1 1 EL Eichenrinde mit ½ l Wasser aufkochen und 5 Minuten köcheln lassen.
2 Abkühlen lassen. Baumwollstreifen in den Sud tauchen und um die betroffenen Hautstellen wickeln. Mit einem zweiten Tuch umwickeln.

ANWENDUNG: Bei starkem Juckreiz, nässender und entzündeter Haut einige Tage lang anwenden. Verschafft rasch Linderung. Den Umschlag so lange liegen lassen, wie es als angenehm empfunden wird. Vorsicht: Eichenrindensud ist stark färbend.

ANPASSUNGSFÄHIGKEIT TRAINIEREN

Saunafreunde sind unter Neurodermitikern selten anzutreffen. Viele Betroffene gehen dem fröhlichen Schwitzen instinktiv aus dem Weg – denn der Aufenthalt in der Sauna und damit unvermeidlicherweise auch im Wasser trocknet die ohnehin schon belastete Haut noch weiter aus. Die meisten Menschen mit Neurodermitis können sich an wechselnde Temperaturen außerdem schlecht anpassen. Sie tun sich mit dem Schwitzen generell schwer. Genau das jedoch kann man in der Sauna sehr gut trainieren – und darin liegt eine Chance. Es ist zumindest einen Versuch wert: Temperaturwechsel in Form von Schwitz- und Wechselbäder oder kalten Duschen können ihre Anpassungsfähigkeit der Haut langfristig verbessern. Auch das gelegentliche Verlassen der individuellen Temperatur-Komfortzone durch die entsprechende Wahl der Kleidung kann positive Effekte haben. Es auszuprobieren lohnt sich in jedem Fall.


FOTOS: BIRGID ALLIG (1), DPA/PICTURE ALLIANCE (1), IMAGO (1), PETER RAIDER (3), SHUTTERSTOCK (5), YOURPHOTOTODAY (1)