Lesezeit ca. 5 Min.
arrow_back

Neuzugang im Revier


Logo von JÄGER
JÄGER - epaper ⋅ Ausgabe 80/2022 vom 15.07.2022

ZWEITHUND

Artikelbild für den Artikel "Neuzugang im Revier" aus der Ausgabe 80/2022 von JÄGER. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.
Jagd ohne Hund ist Schund! Aber ob es immer ein Zweiter sein muss, ist fraglich.

Jäger schaffen gerne einen zweiten Hund an, damit über Jahre oder gar Jahrzehnte hinweg stets ein brauchbarer Hund im Revier zur Verfügung steht. Ein bereits erfahrener, älterer Jagdgebrauchshund könnte einen jungen Neuzugang sofort wieder mit einarbeiten, schließlich lernen Hunde vieles bereits durch Nachahmung.

Andererseits ist es aufgrund der Revierverhältnisse manchmal auch notwendig, für verschiedene Einsatzgebiete jeweils den richtigen Hund zu haben. Doch obwohl Hunde absolut soziale Lebewesen sind, ist nicht jeder Vierläufer für eine Paar- oder Gruppenhaltung wirklich begeistert und geeignet. Außerdem ist der finanzielle Mehraufwand über Jahre hinweg doch erheblich. Natürlich kann eine Mehrhundehaltung in vielerlei Hinsicht für alle Beteiligten eine echte Bereicherung sein, aber nur dann, wenn die Voraussetzungen dafür wirklich stimmen.

Grundsätzlich muss dies sehr gut überlegt ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 4,99€
NEWS Jetzt gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von JÄGER. Alle Rechte vorbehalten.
Lesen Sie jetzt diesen Artikel und viele weitere spannende Reportagen, Interviews, Hintergrundberichte, Kommentare und mehr aus über 1050 Magazinen und Zeitungen. Mit der Zeitschriften-Flatrate NEWS von United Kiosk können Sie nicht nur in den aktuellen Ausgaben, sondern auch in Sonderheften und im umfassenden Archiv der Titel stöbern und nach Ihren Themen und Interessensgebieten suchen. Neben der großen Auswahl und dem einfachen Zugriff auf das aktuelle Wissen der Welt profitieren Sie unter anderem von diesen fünf Vorteilen:

  • Schwerpunkt auf deutschsprachige Magazine
  • Papier sparen & Umwelt schonen
  • Nur bei uns: Leselisten (wie Playlists)
  • Zertifizierte Sicherheit
  • Freundlicher Service
Erfahren Sie hier mehr über United Kiosk NEWS.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 80/2022 von Wir sind Jagd!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Wir sind Jagd!
Titelbild der Ausgabe 80/2022 von Özdemir und das liebe Vieh. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Özdemir und das liebe Vieh
Titelbild der Ausgabe 80/2022 von Drohnen trotz Startschwierigkeiten. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Drohnen trotz Startschwierigkeiten
Titelbild der Ausgabe 80/2022 von KURZ NOTIERT. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
KURZ NOTIERT
Mehr Lesetipps
Blättern im Magazin
Es geht wieder los!
Vorheriger Artikel
Es geht wieder los!
Sicherer geht’s nicht
Nächster Artikel
Sicherer geht’s nicht
Mehr Lesetipps

... werden, zumal hier die große Gefahr lauert, den eigenen Egoismus über das Wohl eines jeden einzelnen Hundes zu stellen.

Nichtsdestotrotz: ein zweiter Hund im Haus bringt ordentlich Leben in die eigenen vier Wände.

Im Vorfeld bedenken

Schon für das Gelingen oder Scheitern einer Vergesellschaftung sind viele verschiedene Faktoren verantwortlich.

Selbst der Hundeführer prägt die Gruppenstruktur entscheidend mit. Er sollte die interne Kommunikation der Vierläufer untereinander verstehen, damit er genau einschätzen kann, wann er eventuell eingreifen muss. Zudem benötigen mehrere Vierläufer mehr Platz, in der Wohnung und im Auto. Ebenso wird der Zeitfaktor unterschätzt. Oft schafft man einen Zweithund zur Gewissensberuhigung an, da eigentlich bereits für den ersten Vierläufer die Zeit fehlt, sich beide Hunde aber dann gut miteinander beschäftigen können. Dies ist jedoch ein Trugschluss.

Außerdem birgt beispielsweise die Kombination aus älterem und jungem Vierläufer ganz unterschiedliche Ansprüche. Ältere Hunde sind bewegungstechnisch nicht mehr so belastbar wie Junge, so dass verschiedene, zeitaufwändige Auslastungsvarianten nötig sind. Ein Senior mag auch nicht mehr so toben wie es der Jungspund gerne hätte. Jeder neue junge Hund muss erst einmal erzogen und ausgebildet werden. Trotzdem darf deswegen der Alte nicht zu kurz kommen!

Achtung Gruppendynamik!

Natürlich soll nur dann über einen Zweithund nachgedacht werden, wenn man den Ersthund wirklich zuverlässig im Griff hat. Man muss alle Hunde gleichzeitig handeln können, eine optimale Leinenführigkeit inklusive. Nie darf auch vergessen werden, dass bereits zwei Vierläufer nach außen hin als Gruppe auftreten. So verteidigt nicht selten der Eine den Anderen vor fremden Artgenossen, selbst bei gleichgeschlechtlichen Paaren. Oder der Zweithund schaltet sich sofort in eine Auseinandersetzung des Ersthundes mit einem anderen Vierläufer ein. Gruppendynamische Prozesse sind also nicht zu unterschätzen. Bei gemischtgeschlechtlicher Haltung stellt sich die Frage, wie unerwünschter Nachwuchs verhindert werden kann, denn der Eingriff einer Kastration ist generell stets gut abzuwägen. Wenn nun all diese Überlegungen abgeschlossen und optimale Rahmenbedingungen gegeben sind, darf natürlich der bereits vorhandene Hund selbst nicht vergessen werden. Ist er wirklich bereit, seine Bezugsperson, das Zuhause und all seine Privilegien mit einem Artgenossen zu teilen? Einzelhunde, die sehr auf ihre Leute fixiert sind, tun sich hiermit meist schwer. Das bis dato harmonische Zusammenleben mit dem Einzelhund, kann also auch empfindlich gestört und der Traum vom Zweithund schnell zum Alptraum werden.

Der passende Hund

Meist wird der Zweithund nach Vorstellungen des Menschen ausgesucht. Soll ein Welpe einziehen, wird dieser dem Ersthund oft einfach vorgesetzt nach dem Motto „Die arrangieren sich schon“. So einfach ist es jedoch nicht. Nie darf vergessen werden, dass es für den Ersthund zumindest anfangs Stress bedeutet, wenn plötzlich solch ein Knirps sein vormals alleiniges Reich für sich einnimmt. Bedenken Sie stets: Welpenschutz existiert nur (!) in der Gruppe, in die der Welpe hineingeboren wurde. Kommt er hingegen in einen neuen Haushalt, in dem bereits Artgenossen leben, ist er dort zunächst ein Fremder, der erst einmal eingegliedert werden muss. Die Vergesellschaftung eines pubertierenden Junghundes mit einem Erwachsenen kann durch die noch unausgewogene hormonelle Lage nicht ganz einfach sein. Da die Stresstoleranz eines Teenagers erniedrigt ist, tut er sich in diesem Alter generell schwerer mit einem Umgebungs- und Halterwechsel. Zudem steckt er gerade mitten in seiner Persönlichkeitsentwicklung, schwankt zwischen Unsicherheit, Kühnheit, Selbstüberschätzung und Hypersensibilität. Ein renitentes Grenzen ausloten steht bei ihm noch an der Tagesordnung, was den bereits vorhandenen Althund ziemlich stressen kann. Daher sollte der Ersthund nicht zu alt sein, wenn mit der Anschaffung eines jungen Zweithundes geliebäugelt wird.

Zudem muss der Halter eventuelle Mobbingtendenzen des aufstrebenden Pubertiers gegenüber dem alteingesessenen Vierläufer erkennen und gegebenenfalls rechtzeitig eingreifen. Dabei geht es allerdings nicht um ein sehr lautes, oft bedrohlich klingendes Spiel / Zurechtweisen des Jüngeren durch den Älteren. Vielmehr ist ein stetiger Aufstieg des Jüngeren mit zunehmender Unterdrückung des Älteren gemeint. Irgendwann kann solch eine Lage durch wachsenden Frust des Ersthundes eskalieren. Dann ist es schwierig bis unmöglich, hier langfristig gesehen für Harmonie zu sorgen. Wirklich gefährliche Auseinandersetzungen laufen im Übrigen deutlich leiser ab als wilde Scheinkämpfe.

Keine gleichaltrigen Welpen

Soll ein erwachsener Vierläufer als Zweithund einziehen, gilt: Selbst, wenn Sympathie zunächst über gemeinsame Spaziergänge gegeben zu sein scheint, können sich im Alltag trotzdem noch Antipathien ausbilden, die auf lange Sicht vielleicht sogar ein Zusammenleben unmöglich machen. Einfacher ist es meist, wenn man unterschiedliche Geschlechter zusammenführt.

Abzuraten ist von der Kombination, zwei Wurfgeschwister aufzunehmen, schon wegen des hohen Zeitaufwandes.

Wäre man alleine mit zwei Welpen, ginge ein wirklich effektives Training nur nacheinander. Kümmert sich hingegen ein Partner komplett um einen zweiten Welpen, ist dies leichter. Trotzdem darf man in der Erziehungsphase zweier Welpen in einem Haushalt nie die Eigendynamik dieses Paares vergessen, durch die Herrchen und Frauchen ganz schnell uninteressant werden. Will man jedoch eine gute Bindung zu beiden Hunden aufbauen, muss man so viel wie möglich mit jedem Vierläufer einzeln unternehmen, damit er auch wirklich Interesse am Menschen bekommt und behält. Außerdem haben zwei Junghunde in der etwa zeitgleich ablaufenden Flegelphase doppelten Unsinn im Kopf. Kommen schließlich zwei gleichgeschlechtliche Vierläufer zur selben Zeit in die Pubertät, kann es aufgrund der hormonellen, aber auch generellen Entwicklungsabläufe häufig zu gravierenden Auseinandersetzungen mit ernsthaften Beschädigungsabsichten kommen.

Ein älterer, souveräner Ersthund würde dem renitenten Jungspund schnell seine Grenzen aufzeigen. Mit zwei Teenagern jedoch bleibt mit Eintritt in oftmals stürmische Pubertätszeiten häufig nur eine dauerhafte Trennung der beiden als einzige Lösung.

Die Zusammenführung

Das erste Kennenlernen findet zunächst auf neutralem Boden statt. Klappt dies, treffen sich Neuzugang und Althund erneut erst außerhalb des Grundstücks, ehe es dann gemeinsam hinein geht. Ressourcen (z.B. Spielzeug, Futter) werden vorab weggeräumt. Der Neuankömmling muss nun seine Umgebung erkunden. Grenzt ihn der Ersthund dabei immer wieder ein, nicht eingreifen, schließlich müssen die beiden untereinander erst einmal für klare Verhältnisse sorgen. Ein gewisser Freiraum ist gerade in der Kennenlernphase für beide Hunde sehr wichtig, damit es nicht sofort zu Eifersucht beim Ersthund kommt. Trotzdem darf natürlich nicht grundsätzlich gelten: „Die machen alles unter sich aus“. Gerade hier ist Hundeerfahrung gefragt: Ganz normale Rügen durch den Althund müssen von wirklich ernsthaften Stänkereien unterschieden werden. Auch Manipulationsaktionen werden bei Erfolg ausgeweitet und entwickeln sich schnell zu regelrechten Schikanen für den unterlegenen Vierläufer. Hier ist ebenfalls ein rechtzeitiges Eingreifen des Halters nötig. Zieht ein Welpe zu einem bereits erwachsenen Hund, ist der Ersthund meist zunächst nicht begeistert davon und tut dies auch zwei bis drei Wochen lang durch Ignorieren, Rückzug oder Knurren kund. Wichtig ist, sich nicht ständig nur um den Neuzugang zu kümmern. Führen Sie sofort feste Regeln und Grenzen auch für den Neuankömmling ein. Streicheleinheiten bekommen natürlich beide genügend, ohne, dass der eine den anderen abdrängen muss. Selbst für diese Klärung ist der Hundeführer zuständig. Zudem sind dem Althund nach wie vor durchaus Privilegien vergönnt, die der Junge von Anfang an eventuell nicht teilen darf. Auch so kommt für den Ersthund gar keine Konkurrenz auf. Erst wenn dieser Rahmen für den Neuen völlig klar und akzeptabel ist, können Regeln gelockert werden. Voraussetzung hierfür ist aber immer, dass das Wort des Hundeführers von allen Vierläufern auch wirklich ernst genommen wird.

Annette Schmitt Unsere Autorin stammt aus der Nähe von München und ist bereits mit der Jagd aufgewachsen. Als Freie Journalistin widmet sie sich im Schwerpunkt den Jagdgebrauchshunden und deren Ausbildung. Sie ist selbst erfahrene Hundeführerin und hält derzeit einen Beagle. Für den JÄGER schreibt sie seit 2008 über alle Fragen zu Haltung, Verhalten und auch zur praktischen Ausbildung von Jagdgebrauchshunden.

Zudem gibt sie in unserer Expertenrunde wertvolle Tipps.