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NEVER CHANGE A WINNING TEAM


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GRIP - epaper ⋅ Ausgabe 1/2022 vom 28.01.2022

Stell dir vor, du triffst Carroll Shelby. Würdest du ihn fragen, was ihn bei der Konstruktion des legendären Shelby GT350 Competition bewegt hat? Was er empfand, als Kenny Miles den Power-Mustang auf dem Green Valley Raceway in Texas zum Fliegen brachte? Oder würdest du stumm vor Ehrfurcht dafür beten, zu einer Runde mit dem Meister eingeladen zu werden? Ok, Carroll weilt längst im Olymp und überhaupt an einen 65er Shelby Mustang GT350 zu geraten hat in etwa die Trefferquote eines Sechsers im Lotto. Um so größer war meine Überraschung, als ich beim Besuch der Shelby Facilities im kalifornischen Gardena einer anderen, diesmal quicklebendigen Legende begegnete. Der freundliche ältere Herr stellte sich als kein Geringerer als Jim Marietta heraus, Mitglied des einstigen Shelby-Teams.Jim war gerade 17, als er im Januar 1965 zum Team Carroll Shelbys stieß. Er kam aus North Royalton, Ohio, wo ihm ...

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Der Junge lernte schnell, bald werkelte er an Dad´s Auburn Klassiker, wagte sich an dessen Cord 812-SC Beverly Sedan und vervollkommnete sein Geschick an Papas Liebling, einem originalen Reo Speedwagon. Daddy war beeindruckt, der Junior schmiss die Highschool, um als „natural born mechanic“ sein Einkommen zu sichern.Abends verschlang er alles, was es an Gedrucktem über den kleinen Shelby Cobra gab, folgte der Rennsaison so oft es ging und war bald ständiger Zaungast am Track. Beharrlich robbte er sich ans Shelby Team heran, immer bereit, zu helfen, wo eine Hand gebraucht wurde. Shelby´s Rennleiter Al Dowd wurde auf den Dauerbesucher aufmerksam und bot ihm schließlich einen Hilfsjob an. „Bezahlt haben sie mir nichts, ich musste zu allen Rennen auf eigene Kosten anreisen, aber ich bekam Essen, war beim Team und musste nichts mehr für den Eintritt zum Track bezahlen. Wie konnte ich da Nein sagen!“ grinst Jim rückblickend.MIT BEHARRLICHKEIT INS SHELBY-TEAMAm Ende der Saison bekam er einen bezahlten Job, zog von Ohio nach Kalifornien und meldete sich am 1042 Princeton Drive in Venice, Shelby American’s damaligem Headquarter. Er montierte einige Mustang GT350Competition Modelle und schielte neidisch auf die „Seniors“, erfahrene Mechaniker, die nebenan am legendären Cobra Roadster arbeiteten. Und wieder beeindruckte Jim durch Beharrlichkeit: Nach Schichtende assistierte er den Seniors, schnappte eine Menge Fachwissen auf und inhalierte den energiegeladenen Spirit des Tüftlertempels.In diesen glorreichen Tagen lernte Jim mehr, als ihm jede Schule hätte vermitteln können, und wurde zu einem wichtigen Teil des Teams. Dennoch kehrte er nach einigen Jahren nach Ohio zurück, um Schule und Studium durchzuziehen und eine erfolgreicheKarriere als Wirtschaftsprüfer zu machen. Sein Interesse am Motorsport verlor er dabei nie, ebensowenig seine Leidenschaft für Shelby. Mit dem Ruhestand 2013 flammte die alte Besessenheit wieder auf: Wäre doch toll, zum 50. Jubiläum von Shelby einen GT350Competition auf die Räder zu stellen. Mit der alten Crew, nach den alten Plänen. Und vielleicht sogar so konstruiert, wie er schon in den 60ern hätte sein sollen, als Zeitund Kostenbeschränkungen viele Maßnahmen zur Optimierung verhinderten. Peter Brock und Ted Sutton waren angefixt und das Dream-Team setzte nun um, was damals auf der Strecke blieb, zum Beispiel die Einzelradaufhängung an der Hinterachse oder die aerodynamisch optimierte Gestaltung des vorderen Überhangs. Basis für die neuen alten Autos ist der 65er K-Code Mustang 289 V8, aufgebohrt auf 331 cui, und aus dem ursprünglich geplanten Unikat wurden 36: Während der Testläufe in Willow Springs erkundigten sich derart viele Leute, ob der Wagen zu verkaufen sei, dass OVC beschloss, doch eine kleine Serie auf den Weg zu bringen: Offiziell von Shelby und Ford lizenziert, mit fortlaufenden Seriennummern.FLIEGEN IST DOCH NICHT SCHÖNERDer eingangs erwähnte Traum, an Carroll Shelby´s Seite über den Track zu fliegen, erfüllte sich für mich auf andere, nicht weniger unvergessliche Weise: Jim lud mich zu einer Spazierfahrt der besonderen Art ein. „Climb in, buckle up“, schmunzelte er, „let´s go for a ride.“Gänsehaut pur, selbst für einen leidenschaftlichen DriveStyler wie mich, der schon so ziemlich alles unterm Hintern hatte, was Räder, Power und Charakter hat … Jim´s GT350R, natürlich in Wimbledon Weiß mit blauen Streifen, wirkt so original wie damals. Nach einer kurzen Aufwärmzeit ist der 331-cui-V8 so bissig wie in den 60ern, die Tachonadel schießt in Sekunden von 0 auf 60 mph, der Shelby klebt auf der Straße und Jim scheint mit dem Lenkrad verwachsen zu sein. Die Instrumente im kargen Boliden sind dem Original ohne Facelift treu geblieben, die Luft für die Motorkühlung strömt entlang optimierter Wege, Heckscheibe und Seitenfenster sind aus Plexiglas – das ist neu, sollte aber schon 1965 so sein. Das „i“ auf der Haube steht übrigens für IRS – „independent rear suspension“, die Einzelradaufhängung, die seinerzeit fertig geplant in der Schublade lag, aber dem Rotstift zum Opfer fiel.Und dann: Kurzer Blickwechsel unter Männern und Jim überlässt mi den Schlüssel zum Paradies. Der Trip ist so einzigartig wie das Auto, die letzte Chance, einen originalen Shelby GT350Competition zu fahren, gebaut von der Originalcrew in einer originalen Shelby- Fabrik. Das Feeling der 60s, gepaart mit dem unvergleichlichen Shelby-Spirit – mehr geht nicht. Der gewaltige Schub im Rücken, nur unterbrochen von drei blitzschnellen Schaltvorgängen, reicht bis jenseits 200 km/h. Jim hat hierfür übrigens die gleiche Metapher wie wir: „like a greased lightning“ – wie ein geölter Blitz … Nach rund 1.200 m sind 217 km/h erreicht und der Drehzahlmesser zeigt 8.500/min.Die Motorleistung würde ausreichen, die Höchstgeschwindigkeit auch gegen den Wind und an leichten Steigungen einzuhalten … das alles weiß ich zwar, reize es aber nicht aus: Der Connaisseur genießt maßvoll. Das Wissen, eine Ikone zu bewegen, ist Adrenalin genug. Und die Gewissheit, dass der OVC Shelby nicht in einer gut gesicherten Garage oder als Trailerqueen verkümmern sondern als originaler Vintage Racer den Track aufmischen wird? Unbezahlbar. Jim bringt es noch schöner auf den Punkt: „...quite a hoot, hm?“ Kracher trifft es nur zum Teil: Das OVC-Pony ist einfach unbeschreiblich …<strong>Many thanks to Pelican Hill Golf Resort. » www.pelicanhill.com</strong>„IM OVC-PONY ENTLANG DES PELICAN GOLF RESORTS IN NEWPORT BEACH CRUISEN.., DAVON WERDE ICH NOCH BEI MEINEN ENKELKINDERN PRAHLEN.“INTERVIEW MIT JIM MARIETTA„Wer mit Shelby zu tun hatte, war erfolgreich!“Marco: Jim, du bist einer von den „early guys“, die damals Shelby- Geschichte geschrieben haben. Ist es die Expertise, die nicht brach liegen sollte oder die Leidenschaft für den Erfolgs-Mustang, der zum Bau des Continuations führte?Jim: Unsere Zeit damals war einzigartig. Außer Carroll Shelby waren ja noch eine Menge weiterer Cracks am Start. John Morton zum Beispiel, später ein erfolgreicher Rennfahrer. Peter Brock natürlich und Ted Sutton, oder Phil Remington, eine echte Kanone, der den Cobra mitentwickelt hat. Und alle saßen sozusagen ergeben lauschend zu Füßen des Meisters, des sagenhaften Hühnerbarons, des verrückten Champions, der einfach mal frech LeMans aufmischte. Alle waren selbst Experten auf ihrem Gebiet, aber alle hingen an Shelbys Lippen, um zu lernen. Unbeschreiblich ...Marco: Du hast nach deiner Shelby-Zeit ein paar Jahrzehnte in der Wirtschaft gearbeitet. Hast du da den Draht zu Carroll Shelby und den Jungs verloren?Jim: Nein, nie. Ich war zwar beruflich auf einer völlig anderen Baustelle unterwegs, aber der Spirit der Rennstrecke und die Verrückten rund um Shelby mitsamt ihren Entwicklungen haben mich nie losgelassen. Hin und wieder hab ich in den heiligen Hallen vorbeigeschaut, aber das Ganze wurde mir irgendwann zu fancy. All der Kram mit den Klamotten, dem Laden etc. – nicht mein Ding. Da waren mir die Gedankenspiele mit Peter und Ted wichtiger.Marco: Carroll Shelby sagte mal, der Mustang sei ein Auto für Sekretärinnen, das im Rennsport nichts verloren habe. Wie war die Zusammenarbeit mit ihm?Jim: Carroll war ein Maniac, besessen von seiner Arbeit und dem Ziel, es allen zu zeigen. Ford hat unter seiner Regie vier Mal in Folge Le Mans gewonnen und dem zahmen Mustang hat er zu neuen Höhen verholfen. Man muss sich das mal vorstellen: Carroll lieh sich den MG-TC eines Freundes, fuhr auf eigener Achse zum Rennen, gewann, demütigte die technisch überlegenen Jaguar XK 120s und fuhr wieder heim. Das alles in einem vor Hühnerscheiße starrenden Blaumann. Das war 1952. Als ein Jahr später alle seine Hühner krepierten, wurde er professioneller Rennfahrer. Mit ihm zu arbeiten, war immer eine Gratwanderung, so wirklich wahrgenommen hat er eigentlich niemanden.Marco: Wie fühlt es sich für dich an, nach dem Ruhestand nochmal derart durchzustarten? Jim: Was soll ich sagen: Großartig! Als ich damals sozusagen als Hilfsarbeiter bei Shelby anfing, war eine meiner Aufgaben, die hinteren Radhäuser des GT350 Competition zu erweitern, damit die größeren Räder drunter passten. Natürlich von Hand, ohne Maschinen, einzig und allein mit dem Hammer. Ok, ich hab solange gezogen und gehämmert, bis es passte. Das war in vielen Bereichen der Fall: Wir haben alles so gemacht, dass es optimal funktionierte, aber deshalb war es nicht unbedingt schön und perfekt. Mit Peter und Ted hab ich dann rumgesponnen, wie wir einen GT350 bauen könnten, wie er damals hätte sein sollen, wenn nicht Zeit- und Gelddruck bestimmend gewesen wären. Genau das machen wir jetzt, mit Einzelradaufhängung und perfekt gefinishten Teilen.Marco: Hast du noch einen Traum, den du realisieren willst?Jim: Das mache ich doch gerade. Wenn mir damals einer gesagt hätte, dass ich mal einen besseren GT bauen würde als Shelby, hätte ich ihm den Vogel gezeigt. Der Tod von Carroll 2012 hat mich sehr getroffen. Trotz seines Unfalls und seines Herzfehlers ist er 89 geworden – übrigens mit dem Herzen eines Zockers aus Las Vegas, das ihm nach einem bösen Herzanfall 1994 eingesetzt wurde. Wie passend! Damit hielt er noch 18 Jahre durch – eine weitere Stufe auf seinem Weg zur Legende. Einen Teil seines Weges mitgegangen zu sein, ist für mich ein Traum, der nicht zu toppen ist.Marco: Jim, es war ein ganz besonderes Vergnügen, dich zu treffen. Ich wünsche dir mit allen Lesern von GRIP – Das Motormagazin, dass wir noch lange was von deiner Leidenschaft und deinem Können haben. Hit it!FACTs OVC Shelby Mustang GT350RBaujahr 1965/2019 Motor V8 331 cui/ 5.424 cm 3 342 kW (465 PS) 570 Nm max.Borg-Warner T-10Hinterräder 1.640 kg 0-100 km/h in 3,4 s 217 km/h Vmax ab 350.000 Dollar www.ovcmustangs.com

Stell dir vor, du triffst Carroll Shelby. Würdest du ihn fragen, was ihn bei der Konstruktion des legendären Shelby GT350 Competition bewegt hat? Was er empfand, als Kenny Miles den Power-

Mustang auf dem Green Valley Raceway in Texas zum Fliegen brachte? Oder würdest du stumm vor Ehrfurcht dafür beten, zu einer Runde mit dem Meister eingeladen zu werden? Ok, Carroll weilt längst im Olymp und überhaupt an einen 65er Shelby Mustang GT350 zu geraten hat in etwa die Trefferquote eines Sechsers im Lotto. Um so größer war meine Überraschung, als ich beim Besuch der Shelby Facilities im kalifornischen Gardena einer anderen, diesmal quicklebendigen Legende begegnete. Der freundliche ältere Herr stellte sich als kein Geringerer als Jim Marietta heraus, Mitglied des einstigen Shelby-Teams.

Jim war gerade 17, als er im Januar 1965 zum Team Carroll Shelbys stieß. Er kam aus North Royalton, Ohio, wo ihm sein Vater beigebracht hatte, wie man mit einem Schraubenschlüssel umgeht. Der Junge lernte schnell, bald werkelte er an Dad´s Auburn Klassiker, wagte sich an dessen Cord 812-SC Beverly Sedan und vervollkommnete sein Geschick an Papas Liebling, einem originalen Reo Speedwagon. Daddy war beeindruckt, der Junior schmiss die Highschool, um als „natural born mechanic“ sein Einkommen zu sichern.

Abends verschlang er alles, was es an Gedrucktem über den kleinen Shelby Cobra gab, folgte der Rennsaison so oft es ging und war bald ständiger Zaungast am Track. Beharrlich robbte er sich ans Shelby Team heran, immer bereit, zu helfen, wo eine Hand gebraucht wurde. Shelby´s Rennleiter

Al Dowd wurde auf den Dauerbesucher aufmerksam und bot ihm schließlich einen Hilfsjob an. „Bezahlt haben sie mir nichts, ich musste zu allen Rennen auf eigene Kosten anreisen, aber ich bekam Essen, war beim Team und musste nichts mehr für den Eintritt zum Track bezahlen. Wie konnte ich da Nein sagen!“ grinst Jim rückblickend.

MIT BEHARRLICHKEIT INS SHELBY-TEAM

Am Ende der Saison bekam er einen bezahlten Job, zog von Ohio nach Kalifornien und meldete sich am 1042 Princeton Drive in Venice, Shelby American’s damaligem Headquarter. Er montierte einige Mustang GT350

Competition Modelle und schielte neidisch auf die „Seniors“, erfahrene Mechaniker, die nebenan am legendären Cobra Roadster arbeiteten. Und wieder beeindruckte Jim durch Beharrlichkeit: Nach Schichtende assistierte er den Seniors, schnappte eine Menge Fachwissen auf und inhalierte den energiegeladenen Spirit des Tüftlertempels.

In diesen glorreichen Tagen lernte Jim mehr, als ihm jede Schule hätte vermitteln können, und wurde zu einem wichtigen Teil des Teams. Dennoch kehrte er nach einigen Jahren nach Ohio zurück, um Schule und Studium durchzuziehen und eine erfolgreiche

Karriere als Wirtschaftsprüfer zu machen. Sein Interesse am Motorsport verlor er dabei nie, ebensowenig seine Leidenschaft für Shelby. Mit dem Ruhestand 2013 flammte die alte Besessenheit wieder auf: Wäre doch toll, zum 50. Jubiläum von Shelby einen GT350

Competition auf die Räder zu stellen. Mit der alten Crew, nach den alten Plänen. Und vielleicht sogar so konstruiert, wie er schon in den 60ern hätte sein sollen, als Zeitund Kostenbeschränkungen viele Maßnahmen zur Optimierung verhinderten. Peter Brock und Ted Sutton waren angefixt und das Dream-Team setzte nun um, was damals auf der Strecke blieb, zum Beispiel die Einzelradaufhängung an der Hinterachse oder die aerodynamisch optimierte Gestaltung des vorderen Überhangs. Basis für die neuen alten Autos ist der 65er K-Code Mustang 289 V8, aufgebohrt auf 331 cui, und aus dem ursprünglich geplanten Unikat wurden 36: Während der Testläufe in Willow Springs erkundigten sich derart viele Leute, ob der Wagen zu verkaufen sei, dass OVC beschloss, doch eine kleine Serie auf den Weg zu bringen: Offiziell von Shelby und Ford lizenziert, mit fortlaufenden Seriennummern.

FLIEGEN IST DOCH NICHT SCHÖNER

Der eingangs erwähnte Traum, an Carroll Shelby´s Seite über den Track zu fliegen, erfüllte sich für mich auf andere, nicht weniger unvergessliche Weise: Jim lud mich zu einer Spazierfahrt der besonderen Art ein. „Climb in, buckle up“, schmunzelte er, „let´s go for a ride.“

Gänsehaut pur, selbst für einen leidenschaftlichen DriveStyler wie mich, der schon so ziemlich alles unterm Hintern hatte, was Räder, Power und Charakter hat … Jim´s GT350R, natürlich in Wimbledon Weiß mit blauen Streifen, wirkt so original wie damals. Nach einer kurzen Aufwärmzeit ist der 331-cui-V8 so bissig wie in den 60ern, die Tachonadel schießt in Sekunden von 0 auf 60 mph, der Shelby klebt auf der Straße und Jim scheint mit dem Lenkrad verwachsen zu sein. Die Instrumente im kargen Boliden sind dem Original ohne Facelift treu geblieben, die Luft für die Motorkühlung strömt entlang optimierter Wege, Heckscheibe und Seitenfenster sind aus Plexiglas – das ist neu, sollte aber schon 1965 so sein. Das „i“ auf der Haube steht übrigens für IRS – „independent rear suspension“, die Einzelradaufhängung, die seinerzeit fertig geplant in der Schublade lag, aber dem Rotstift zum Opfer fiel.

Und dann: Kurzer Blickwechsel unter Männern und Jim überlässt mi den Schlüssel zum Paradies. Der Trip ist so einzigartig wie das Auto, die letzte Chance, einen originalen Shelby GT350

Competition zu fahren, gebaut von der Originalcrew in einer originalen Shelby- Fabrik. Das Feeling der 60s, gepaart mit dem unvergleichlichen Shelby-Spirit – mehr geht nicht. Der gewaltige Schub im Rücken, nur unterbrochen von drei blitzschnellen Schaltvorgängen, reicht bis jenseits 200 km/h. Jim hat hierfür übrigens die gleiche Metapher wie wir: „like a greased lightning“ – wie ein geölter Blitz … Nach rund 1.200 m sind 217 km/h erreicht und der Drehzahlmesser zeigt 8.500/min.

Die Motorleistung würde ausreichen, die Höchstgeschwindigkeit auch gegen den Wind und an leichten Steigungen einzuhalten … das alles weiß ich zwar, reize es aber nicht aus: Der Connaisseur genießt maßvoll. Das Wissen, eine Ikone zu bewegen, ist Adrenalin genug. Und die Gewissheit, dass der OVC Shelby nicht in einer gut gesicherten Garage oder als Trailerqueen verkümmern sondern als originaler Vintage Racer den Track aufmischen wird? Unbezahlbar. Jim bringt es noch schöner auf den Punkt: „...quite a hoot, hm?“ Kracher trifft es nur zum Teil: Das OVC-Pony ist einfach unbeschreiblich …

„IM OVC-PONY ENTLANG DES PELICAN GOLF RESORTS IN NEWPORT BEACH CRUISEN.., DAVON WERDE ICH NOCH BEI MEINEN ENKELKINDERN PRAHLEN.“

INTERVIEW MIT JIM MARIETTA

„Wer mit Shelby zu tun hatte, war erfolgreich!“

Marco: Jim, du bist einer von den „early guys“, die damals Shelby- Geschichte geschrieben haben. Ist es die Expertise, die nicht brach liegen sollte oder die Leidenschaft für den Erfolgs-Mustang, der zum Bau des Continuations führte?

Jim: Unsere Zeit damals war einzigartig. Außer Carroll Shelby waren ja noch eine Menge weiterer Cracks am Start. John Morton zum Beispiel, später ein erfolgreicher Rennfahrer. Peter Brock natürlich und Ted Sutton, oder Phil Remington, eine echte Kanone, der den Cobra mitentwickelt hat. Und alle saßen sozusagen ergeben lauschend zu Füßen des Meisters, des sagenhaften Hühnerbarons, des verrückten Champions, der einfach mal frech LeMans aufmischte. Alle waren selbst Experten auf ihrem Gebiet, aber alle hingen an Shelbys Lippen, um zu lernen. Unbeschreiblich ...

Marco: Du hast nach deiner Shelby-Zeit ein paar Jahrzehnte in der Wirtschaft gearbeitet. Hast du da den Draht zu Carroll Shelby und den Jungs verloren?

Jim: Nein, nie. Ich war zwar beruflich auf einer völlig anderen Baustelle unterwegs, aber der Spirit der Rennstrecke und die Verrückten rund um Shelby mitsamt ihren Entwicklungen haben mich nie losgelassen. Hin und wieder hab ich in den heiligen Hallen vorbeigeschaut, aber das Ganze wurde mir irgendwann zu fancy. All der Kram mit den Klamotten, dem Laden etc. – nicht mein Ding. Da waren mir die Gedankenspiele mit Peter und Ted wichtiger.

Marco: Carroll Shelby sagte mal, der Mustang sei ein Auto für Sekretärinnen, das im Rennsport nichts verloren habe. Wie war die Zusammenarbeit mit ihm?

Jim: Carroll war ein Maniac, besessen von seiner Arbeit und dem Ziel, es allen zu zeigen. Ford hat unter seiner Regie vier Mal in Folge Le Mans gewonnen und dem zahmen Mustang hat er zu neuen Höhen verholfen. Man muss sich das mal vorstellen: Carroll lieh sich den MG-TC eines Freundes, fuhr auf eigener Achse zum Rennen, gewann, demütigte die technisch überlegenen Jaguar XK 120s und fuhr wieder heim. Das alles in einem vor Hühnerscheiße starrenden Blaumann. Das war 1952. Als ein Jahr später alle seine Hühner krepierten, wurde er professioneller Rennfahrer. Mit ihm zu arbeiten, war immer eine Gratwanderung, so wirklich wahrgenommen hat er eigentlich niemanden.

Marco: Wie fühlt es sich für dich an, nach dem Ruhestand nochmal derart durchzustarten?

Jim: Was soll ich sagen: Großartig! Als ich damals sozusagen als Hilfsarbeiter bei Shelby anfing, war eine meiner Aufgaben, die hinteren Radhäuser des GT350 Competition zu erweitern, damit die größeren Räder drunter passten. Natürlich von Hand, ohne Maschinen, einzig und allein mit dem Hammer. Ok, ich hab solange gezogen und gehämmert, bis es passte. Das war in vielen Bereichen der Fall: Wir haben alles so gemacht, dass es optimal funktionierte, aber deshalb war es nicht unbedingt schön und perfekt. Mit Peter und Ted hab ich dann rumgesponnen, wie wir einen GT350 bauen könnten, wie er damals hätte sein sollen, wenn nicht Zeit- und Gelddruck bestimmend gewesen wären. Genau das machen wir jetzt, mit Einzelradaufhängung und perfekt gefinishten Teilen.

Marco: Hast du noch einen Traum, den du realisieren willst?

Jim: Das mache ich doch gerade. Wenn mir damals einer gesagt hätte, dass ich mal einen besseren GT bauen würde als Shelby, hätte ich ihm den Vogel gezeigt. Der Tod von Carroll 2012 hat mich sehr getroffen. Trotz seines Unfalls und seines Herzfehlers ist er 89 geworden – übrigens mit dem Herzen eines Zockers aus Las Vegas, das ihm nach einem bösen Herzanfall 1994 eingesetzt wurde. Wie passend! Damit hielt er noch 18 Jahre durch – eine weitere Stufe auf seinem Weg zur Legende. Einen Teil seines Weges mitgegangen zu sein, ist für mich ein Traum, der nicht zu toppen ist.

Marco: Jim, es war ein ganz besonderes Vergnügen, dich zu treffen. Ich wünsche dir mit allen Lesern von GRIP – Das Motormagazin, dass wir noch lange was von deiner Leidenschaft und deinem Können haben. Hit it!

FACTs

OVC Shelby Mustang GT350R

Baujahr 1965/2019 Motor V8 331 cui/ 5.424 cm 3 342 kW (465 PS) 570 Nm max.

Borg-Warner T-10

Hinterräder 1.640 kg 0-100 km/h in 3,4 s 217 km/h Vmax ab 350.000 Dollar www.ovcmustangs.com