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New World


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PC Games Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 11/2021 vom 20.10.2021

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Bildquelle: PC Games Magazin, Ausgabe 11/2021

Wenige Spiele sind 2021 sehnlicher erwartet worden als New World – das neue MMORPG aus dem Hause Amazon Games. Nach den finalen Betaphasen gab es endlich keine weitere Verschiebung mehr. Am 28. September gingen die Server online – und brachen unter der Last der Spieler fast zusammen. In wenigen Stunden stockten die Entwickler die Hardware massiv auf und die Warteschlangen wurden überschaubar. Ist schon praktisch, wenn man die Power von Amazon im Hintergrund hat. Aber kann der neue Stern am MMO-Himmel auch spielerisch überzeugen? Nicht nur Amazon, sondern auch viele Spieler, die von Konkurrenten wie WoW zunehmend enttäuscht sind, setzen ihre Hoffnung in New World. Wir haben uns direkt zum Release in die Welt Aeternum gestürzt und verraten euch, was das MMORPG bietet – oder ob es das nächste Fiasko aus dem Hause Amazon Games wird.

Genre: Online-Rollenspiel

Entwickler: Amazon Games

Hersteller: Amazon Games ...

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Termin: 28. September 2021

Preis: ca. 40 Euro

USK: ab 16 Jahren

Ein so umfassendes MMO wie New World lässt sich natürlich nicht nach so kurzer Zeit bereits in voller Gänze bewerten. Denn alleine das Erreichen der Maximalstufe dauert mehrere Tage reine Spielzeit. Daher lassen wir das Endgame in unserem ersten Test auch außen vor. Denn um wirklich zu sehen, wie sich die Features der Maximalstufe, beispielsweise hochstufige Expeditionen oder der Sturm auf einen Außenposten, bewähren, müssen nicht nur wir, sondern auch ein Haufen Mitspieler erstmal dort ankommen. Daher belassen wir es bei der Wertung auch lediglich bei einer ersten Tendenz.

Aeternum – das gelobte Land

Die Hintergrundgeschichte von New World spielt ungefähr im 17. Jahrhundert und ist auf den ersten Blick recht einfach gestrickt. Mitten im Atlantik liegt die mysteriöse Insel Aeternum, über die aber nur Gerüchte existieren. Denn bisher ist es noch keinem Abenteurer gelungen, lebend von dort zurückzukehren. Doch die Gerüchte sprechen auch von einer mächtigen magischen Ressource namens Azoth. Sie hat die Macht, sämtliche Dinge, ob gut oder schlecht, zu verstärken oder auch zu verderben. Das ist Grund genug für euch, die Seereise anzutreten, um Aeternum zu finden. Das schafft ihr zwar, aber die Fahrt endet dennoch in einer Katastrophe.

Als einer der wenigen Überlebenden stellt ihr schließlich fest, dass es vor euch schon viele Menschen auf die Insel geschafft haben. Aber nur ein kleiner Teil davon ist noch das, was man als menschlich betrachten würde.

Der Großteil ist der Verderbnis anheimgefallen und streicht als zombieähnliche Wesen durch die Lande. Ihr macht euch nun also auf, die unverdorbenen Überlebenden zu unterstützen und ganz nebenbei die Geheimnisse rund um das Azoth und die Ahnen, eine verschollene Zivilisation, die lange vor euch auf Aeternum gelebt hat, zu entschlüsseln.

Wunderbare und stimmige Welt

Noch während wir unsere Schritte als Gestrandeter an den Küsten von Aeternum machen, fällt uns auf, was sich im Laufe des Spiels unzählige Male bestätigt. Die Designer von Amazon Games haben ganze Arbeit geleistet und mit Aeternum eine Welt geschaffen, die ihresgleichen sucht. Oft haben wir uns erwischt, wie wir einfach nur atemlos unseren Blick durch die Landschaft haben streifen lassen. Oder einen der wunderschönen Sonnenuntergänge zu betrachten, die dank regelmäßigen Tag-Nacht- Wechsel mehrfach am Tag zu beobachten sind.

Egal, ob karge Felslandschaften, dichte Wälder oder die einzelnen Siedlungen: alles wirkt extrem stimmig und sehr lebendig. Große Bäume wiegen sich im Küstenwind, wilde Tiere streifen durch das Buschwerk und verderbte Kreaturen belagern verlassene Dörfer. Was die reine Optik und die Schönheit der Welt angeht, setzt New World vielleicht keine neuen Maßstäbe, braucht sich aber auch definitiv vor niemandem verstecken.

Das wirkliche Highlight ist aber die Soundkulisse, die das Bild nicht nur abrundet, sondern noch übertrifft. Musketenschüsse hallen durch den Wald und die Schläge der Spitzhacken auf Erzgestein sind im Gebirge noch meilenweit zu hören. Und wem beim ersten Auftauchen der Verderbten und ihrem schaurig schönen Gestöhne und Gejaule nicht das Blut in den Adern gefriert, der hat wohl vergessen, den Ton anzuschalten.

Das Sounddesign gehört mit zum Besten, was man in Spielen bisher erleben konnte. Und dabei haben die Entwickler selbst an Kleinigkeiten gedacht. Mit Helm hört sich eure Stimme beispielsweise gedämpfter an als ohne und euer Schwert macht unterschiedliche Geräusche, je nachdem, wo ihr euren Gegner trefft.

Klassenlos, aber nicht waffenlos

Wer in Aeternum überleben will, der muss zur Waffe greifen, um sich gegen wilde Tiere oder umherstreifende Kreaturen zu verteidigen. Im Gegensatz zu den meisten anderen MMORPGs setzt New World dabei auf ein System mit weniger starren Grenzen. So gibt es beispielsweise kein traditionelles Klassensystem oder strikte Aufteilung in Tank, Heiler und Schadensausteiler. Stattdessen definiert sich euer Spielstil über die Wahl eurer Waffe. Davon stehen euch insgesamt elf verschiedene zur Verfügung, die jeweils zwei unterschiedliche Talentbäume zum Aufleveln bieten. Das geschieht wiederum ganz automatisch, wenn ihr die Waffen im Kampf verwendet. Je häufiger ihr beispielsweise einen Bogen benutzt, desto schneller kommt ihr an die Talentpunkte, die den Bogen ihrerseits mit unterschiedlichen Boni oder aktiven Fähigkeiten verbessern.

Das aktive Kampfsystem ist dabei recht übersichtlich gehalten, was es aber nicht unbedingt einfach macht. Neben einem leichten und schweren Angriff kann euer Charakter Angriffen auf Knopfdruck ausweichen und mit einigen Waffen auch Nahkampfangriffe blocken. Dazu gesellen sich pro Waffe maximal drei aktive Fähigkeiten mit teils langen Abklingzeiten. Während in anderen Spielen also perfekte Rotationen im Vordergrund stehen, sind in New World Timing und das Wissen um den Gegner gefragt. Denn wer statt zur Ausweichrolle zum Angriff ansetzt, während der Gegner gerade seinen tödlichen Stoß des Todes ausführt, schaut sich die Radieschen von Aeternum schnell von unten an.

Die richtige Rüstung macht den Kämpfer aus Auch bei der Rüstung gibt es keine starren Grenzen wie in anderen MMOs. Prinzipiell kann euer Held von Stoffkleidern bis Plattenpanzern alles tragen und verwenden, sofern er die geforderte Stufe erreicht hat. Aber natürlich solltet ihr eure Kleidung euren Anforderun- gen anpassen. Plattenrüstungen bieten beispielsweise in der Regel eher höhere Rüstungswerte, was eintreffenden Schaden reduziert. Im Gegenzug sind sie aber deutlich schwerer als Stoff- oder Leder-Items. Und das Gewicht spielt eine große Rolle. Tragt ihr ausgesprochen leichte Rüstung, verursacht ihr nämlich Bonusschaden und könnt schneller ausweichen, während schwere Rüstungen euch das Blocken erleichtern und ihr Gegner besser betäuben könnt. Die Wahl der Rüstung hängt also nicht nur von klassischen Werten ab, die es in New World aber auch gibt.

Mit jedem Level-Aufstieg dürft ihr mehrere Attributspunkte in den fünf Kategorien verteilen. Jedes Attribut skaliert dabei unterschiedlich gut mit den verschiedenen Waffen. Während Stärke beispielsweise euren Umgang mit schweren Zweihandäxten verbessert, profitieren Musketenschützen von Geschick. Für magische Waffen wie den Feuer- oder Lebensstab empfehlen sich hingegen Intelligenz oder Konzentration. Einige Waffen skalieren gar mit zwei verschiedenen Werten. Als fünften Wert steigert Konstitution eure Lebenspunkte, was für keinen Helden verkehrt ist. Die Attribute bieten euch beim Erreichen bestimmter Schwellenwerte aber noch weitere und durchaus passende Boni. Mit viel Stärke tut ihr euch leichter im Bergbau und verursacht Bonusschaden mit Nahkampfwaffen, während Geschick eure Fähigkeit Tiere zu häuten verbessert und ihr effektiver ausweichen könnt. Die Werteverteilung lässt sich übrigens jederzeit ändern – gegen einen saftigen Batzen Taler.

Eine Waffe? Nur für Anfänger!

Das aktive Kampfsystem ist wie oben kurz beschrieben relativ überschaubar komplex. Die Entwickler haben mit voller Absicht keine drölf verschiedenen Fähigkeiten verfügbar gemacht, damit der Fokus weniger auf der Nutzung von Abklingzeiten und Fähigkeiten liegt, sondern eher auf dem eigentlichen Charakter, dessen Positionierung und Reflexen. Außerdem sollen sich die drei Fähigkeiten pro Waffe dadurch wertiger anfühlen. Der Zeitpunkt, wann und wie sie eingesetzt werden, spielt nämlich eine große Rolle. Denn nahezu alle Spezialattacken machen mehr, als einfach nur Schaden am Gegner zu verursachen. Oft gehen damit ein Überwältigen (Betäubung) oder ein Stärkungs-oder Schwächungseffekt einher. Drei Fähigkeiten waren den Entwicklern dann aber vielleicht doch etwas zu wenig.

Denn in New World tragt ihr grundsätzlich zwei Waffen im Kampf, die ihr auf Knopfdruck wechseln könnt. Dieser kleine Kniff macht die Scharmützel gleich doppelt spaßig, denn die verschiedenen Waffen unterscheiden sich in Sachen Spielstil enorm voneinander. Von extrem langsamen Kriegshämmern bis zu ultraflinken Rapieren und Beilen oder Fernkampfwaffen wie dem Feuerstab oder der Muskete ist die volle Bandbreite abgedeckt. Aus dem Nahkampf kurz zurückziehen, Beil wegstecken und Bogen anlegen ist genauso möglich, wie erst die harten Spezialattacken des Kriegshammers rauszuhauen, um anschließend die Specials der Streitaxt auf den Gegner niedergehenzulassen. Unterstützt wird das Kampfsystem dann noch von vier Plätzen für Verbrauchsmaterialien, durch die ihr euch auch während des Kampfes mit Tränken oder bonusbringenden Nahrungsmitteln versorgen dürft.

Geplantes Chaos

Soweit zur Theorie. Aber nur damit hat noch niemand seine Schlachten gewonnen. Die Frage ist, wie fühlt sich das Kampfsystem an und wie viel Spaß machen die Kämpfe am Ende des Tages? Hier muss klar zwischen PvP und PvE unterschieden werden. Denn die KI der umherstreifenden Mobs ist zwar nicht schlecht, aber doch vorhersehbar. Das macht die Kämpfe eher zur taktischen Angelegenheit. Geht es dagegen anderen Spielern an den Kragen, zählen vor allem die Reaktionsschnelligkeit und gutes Ausweichen. Im PvE fehlt es allerdings nach einigen hundert Kämpfen an Abwechslung, was durch die Wahl einer anderen Waffe entschärft werden kann. Im PvP kommt die Abwechslung hingegen von ganz alleine.

Was auf den ersten und bei vielen Spielern auch auf den zweiten und dritten Blick nach totalem Chaos aussieht, folgt durchaus einem Plan. Ihr schaut euch anhand der Bewegungen des Gegners aus, wann dieser welche Attacke starten will und reagiert entsprechend. Kleine Attacken werden geblockt, größeren wird ausgewichen und in die kleinen Pausen zwischen den Hieben des Feindes quetscht ihr gut getimed euren eigenen Attacken. Ein Zweikampf gleicht nicht umsonst einem gut einstudierten Tanz. Gegen mehrere Gegner wird es dann schon chaotischer und damit erheblich schwerer.

Eure Kampfkünste werden neben den Abklingzeiten der Spezialangriffe aber auch noch von Mana und Ausdauer begrenzt. Ersteres braucht ihr für den Einsatz magischer Spezialfähigkeiten, die euch bei der Verwendung der Lebensund Feuerstäbe zur Verfügung stehen. Ausdauer wird hingegen beim Blocken oder Ausweichen verbraucht. Beides lädt sich langsam wieder auf.

Stein-Schere-Papier ...

… ist das Motto der meisten Kämpfe in New World. Das gilt besonders bei der Wahl der Waffen. Jedes der Kampfgeräte hat einige enorme Stärken und Schwächen.

Ist der Bogenträger erstmal im Nahkampf, hat er keine Chance mehr gegen ein schnelles Rapier. Und auch bei den feindlichen Kreaturen gilt dieses System. Einige Gegner sind resitenter gegen magischen Schaden, andere nehmen von Stichen oder Schnitten kaum Schaden, werden dafür aber von Naturschaden in Rekordzeit aus dem Leben getreten.

Und auch hier kommt wieder die Möglichkeit zum schnellen Waffenwechsel ins Spiel. Damit sorgt ihr im Optimalfall dafür, dass ihr immer das Papier für den feindlichen Stein seid. Für die Wahl der richtigen Waffenkombination ist also nicht nur die passende Werteverteilung relevant, sondern auch die Art der Gegner, mit denen ihr euch anlegt. Beachtlich viel Spieltiefe für ein System, in dem man eigentlich nur drei Fähigkeiten hat.

In der Gruppe macht‘s mehr Spaß

Ein MMO würde seinem Namen nicht gerecht werden, wäre man die ganze Zeit alleine unterwegs. Expeditionen, die Dungeons von New World, sind nur in einer Gruppe spielbar und auch im PvP ist man alleine gegen feindliche Kompanien auf verlorenem Posten. Je größer die Gruppen, desto größer das Chaos könnte man meinen. Und läge damit vollkommen richtig. Bereits in Fünf-Mann-Expeditionsgruppen erkennt man die Nachteile des Kampfsystems – inklusive Kollisonsabfrage mit den Mitspielern. Versuchen alle, dem Feind mit Nahkampfwaffen zu Leibe zu rücken, dann gehen viele Attacken ins Leere, weil ihr gar nicht an den Gegner ran kommt. Auch das Ausweichen gestaltet sich schwierig, wenn man von Monstern und Mitspielern eingeengt wird.

Obwohl es kein klassisches Rollensystem gibt, sollte man nicht unbedingt auf die heilige Dreifaltigkeit verzichten. Klar, selbst Expeditionen lassen sich mit fünf grobschlächtigen Nahkämpfern abschließen – leichter wird es aber mit einem Tank und einem Heiler. Oder in New-World-Sprech: mit einem Schwert-und-Schild-Verteidiger und einem Lebensstabträger. Das Bedrohungssystem ist zwar nicht ganz so übersichtlich wie man es gerne hätte, tut aber seinen Zweck. Zumal die betreffenden Waffen-Talentbäume, die von Amazon für Tanks vorgeschlagen werden, über Fähigkeiten verfügen, welche die Bedrohung erhöhen oder Provokation auslösen – was Gegner zwingt, sie anzugreifen. Aber selbst mit Tank sind die Kämpfe kaum statisch. Gegner schubsen den Tank mit ihren heftigen Attacken trotz Blocks durch die Gegend und bleiben selber kaum mal zwei Sekunden ruhig an einem Fleck stehen. Wem das alles zu hektisch ist, der bekommt ein Problem. Wer hingegen auf schnelle Action steht, hat seinen Spaß.

Das Crafting – der heilige Gral

MMORPGs und Crafting – eine lange Geschichte voller Missverständnisse. So könnte man es treffend ausdrücken. Amazon Games will mit New World das Crafting in MMOs nicht nur verbessern, sondern umkrempeln, auf dem Kopf stellen, revolutionieren und aus schnödem Beiwerk ein wichtiges und vor allem interessantes Feature machen. So oder so ähnlich war zumindest die Aussage der Entwickler vor geraumer Zeit. Und eines muss man ihnen lassen, das Crafting in New World macht tatsächlich deutlich mehr Spaß als in den meisten anderen MMOs. Dabei haben die Entwickler gar nicht mal besonders viel anderes gemacht. Ihr sammelt Ressourcen, baut Dinge, levelt die Berufe hoch, sammelt bessere Ressourcen und baut bessere Dinge. Selbst antiquierte Umstände, wie das ständige Craften komplett nutzloser Items, nur um den Level hochzutreiben, haben die Entwickler im Spiel gelassen. Warum macht es dennoch Spaß?

Zum einen sind die Ressourcen zahlreich in der Welt vorhanden. Ihr müsst nicht stundenlang nach einem Erzvorkommen oder einer Blume suchen. Ihr braucht Holz? Haut den nächsten Baum um. Ihr braucht Steine? Haut eure Pickein den nächsten Felsbrocken. Zum anderen gibt es enorm viele Materialien, aber nur relativ wenige herstellbare Items pro Beruf. Das sorgt für zwei Dinge. Hochstufige Items herzustellen ist extrem aufwendig. Aber eben nicht, weil man so unglaublich viele Sachen sammeln müsste, sondern weil die Items aus vielen Einzelteilen bestehen, die wiederum aus vielen Teilen bestehen und so weiter und so fort. Und zum anderen gibt es nahezu keine nutzlosen Ressourcen. Denn selbst für das grandios göttliche Schwert des gottlosen Gottes braucht man einfaches Holz und einfaches Eisenerz – neben einer ganzen Reihe an super seltenen Ressourcen selbstverständlich.

Ein Item, viele Wege

Damit das aber nicht in Frust ausartet, haben die Entwickler einen Kniff ins Spiel gebracht. Nahezu alle Items können aus verschiedenen Materialien zusammengebaut werden. Schmiede ich das Schwert mit Eisenbarren, dann wird es gut. Nutze ich Stahlbarren, wird es besser, und leg ich Platinbarren rein, dann überstrahlt es sogar das breite Grinsen seines Trägers. Das gleiche Prinzip gilt auch bei kleineren Dingen. Mit welchen Kräutern ich meine Gewürzmischung mache, bleibt genauso mir selbst überlassen, wie ob ich für ein Kleid lieber Leinen oder doch Seide verwen- de. Die Menge an Rezepten ist in den einzelnen Berufen daher sehr überschaubar – die Varianten an Items, die hinten rauskommen, ist hingegen unzählbar hoch. Zumal ihr nicht nur die eigentliche Qualität durch Zugabe besserer Materialien steigern könnt, sondern mit speziellen Items auch besondere Effekte aufbringen dürft.

Durch die Beigabe von Azoth, einer universell nützlichen Ressource, die ihr aus allen möglichen Quellen beim Spielen bekommt, und die unter anderem auch für Schnellreisen Verwendung findet, dürft ihr das Itemlevel der Gegenstände gar noch weiter erhöhen. Man hat also stets die Wahl, wie viel man in sein Item investieren möchte und damit auch, wie gut es am Ende sein wird.

Sofern man es überhaupt herstellen kann. Denn nicht nur das eigene Level spielt dabei eine Rolle. Auch die Qualität der Handwerksstation ist von Bedeutung. Diese werden von allen Spielern des Servers in den einzelnen Siedlungen über verschiedene Abgabe-Quests stetig verbessert, wofür man in den meisten Fällen herstellte Gegenstände zum Abgeben benötigt.

Quest-Design – die Achillesferse

Ursprünglich war New World mal als Sandbox-PvP-MMO ohne relevante Quests oder dergleichen entwickelt worden. Das haben die Entwickler aber irgendwann ob des Feedbacks der Spieler über den Haufen geworfen und ein Quest-System implementiert. Was dabei rausgekommen ist, kann man aber im höflichsten Fall als Pseudo-System betrachten. Es eine Katastrophe zu nennen, wäre ebenfalls nicht allzu weit weg von der Wahrheit. Eigentlich existieren in New World bis auf ganz, ganz wenige Ausnahmen nur drei Arten von Quests: Töte X Monster, sammle von toten Monstern X dieser Gegenstände oder sammle aus verteilt stehenden Kisten in diesem Gebiet X Gegenstände. In wenigen Fällen müssen wir dann noch leuchtende Markierungen in der Welt anklicken, um irgendwas zu untersuchen oder zu tun.

Das ist gelinde gesagt nicht nur nicht zeitgemäß, sondern wurde schon vor Jahrzehnten besser umgesetzt. Das Hochleveln des eigentlichen Charakters gerät dadurch zu einem absoluten Grindfest, in dem ihr Stunde um Stunde immer wieder das Gleiche macht. Und bis auf die Hauptstory stecken nicht mal sonderlich gute Geschichten hinter den Quests. Da holen wir dem Koch ein wenig Honig, säubern eine Farm im Auftrag der ehemaligen Einwohner oder suchen nach Hinweisen auf den Verbleib irgendwelcher namenloser Bewohner. Immerhin sind die meisten Quests nahezu voll vertont, was im Englischen wie Deutschen gut gelungen ist und zur Immersion beiträgt. Besser werden die Quests dadurch aber auch nicht.

Dazu muss natürlich gesagt werden, dass das Questen in New World nicht im Vordergrund steht. Denn auch wenn Amazon Games es auf Druck der Spieler implementiert hat, bleibt der Fokus ganz klar auf dem PvP. Wer sich in einer der Siedlungen freiwillig fürs PvP in der offenen Welt markiert, dem stehen dann auch noch weitere Quests zur Verfügung, die schon deutlich durchdachter und spannender sind. Wer als reiner PvEler über Quests hochlevelt, der sollte sich hingegen auf lange Stunden mit viel eintönigem Grind einstellen.

PvP und Fraktionskriege

Die Welt von Aeternum teilt sich in drei verschiedene Fraktionen und elf unterschiedliche Gebiete auf. Das Bündnis, die Marodeure und das Syndikat können dabei einzelne Gebiete unter ihre Herrschaft bringen, indem sie mit der Hilfe ihrer Mitglieder, also euch, die aktuell vorherrschende Fraktion angreifen und das Fort im jeweiligen Areal erobern. Damit es fair bleibt, ist das aber nur zu bestimmten Zeiten des Tages möglich und wird vorher angekündigt. Dann treffen sich die PvP-begeisterten Spieler zu großen und für das ungeübte Auge extrem chaotisch anmutenden Schlachten rund um das Fort.

Der herrschenden Fraktion anzugehören, das bringt euch eine ganze Reihe an Boni. Von niedrigeren Steuern beim Handel über mehr gesammelte Ressourcen oder Zugriff auf spezielle Vorratslager für euer Zeug – die Liste ist lang. Daher ist es angenehm, zu den Siegern zu gehören. Damit aber nicht plötzlich alle Spieler in einer Fraktion unterwegs sind, fallen die Boni, die ihr bekommt, wenn ihr eine feindliche Fraktion angreift und besiegt, auch nicht gering aus. Damit es zu keinem Ungleichgwicht kommt, dürft ihr die Fraktion alle 120 Tage kostenlos wechseln.

Etwas kleinere Gemeinschaften werden dann Kompanien genannt. Sie entsprechen Gilden in anderen Spielen und sind die eigentlichen Herrscher eines Gebiets. Die Kompanie, welches das jeweilige Gebiet in Beschlag genommen hat, darf nämlich verschiedene Steuern festlegen und profitiert von weiteren Boni. Außerdem entscheidet sie darüber, welche Verbesserung in dem Gebiet durchgeführt werden sollen.

Wer auf strategisches PvP und große Schlachten steht, der kommt in New World jedenfalls voll auf seine Kosten. Es gibt wenige große MMOs, bei denen das PvP zwischen verschiedenen Fraktionen so gut durchdacht ist. Das größte Problem dürfte werden, dass nur wenige Spieler an den elitären Kriegen zwischen den herrschenden Kompanien teilnehmen können, da Kompanien auf maximal 50 Spieler begrenzt sind. Dafür gibt es aber noch den Außenpostensturm, eine Art instanziertes Schlachtfeld, für das ihr euch anmelden könnt und bei dem zwei Teams mit jeweils 20 Spielern auf einer Insel um drei Außenposten kämpfen. Übrigens, die Server gehen in New World nicht wie bei anderen MMOs in die Knie, sobald sich mehr als zwei Dutzend Spieler auf einem Fleck bekämpfen. Und auch Phasing wird es nicht geben.

Ihr lernt eure Feinde im Laufe des Spiels also ganz gut kennen, da ihr immer wieder auf dieselben Spieler und Kompanien trefft.

Zurück nach Hause

Und was macht der Held von Welt nach einem harten Tag in der Schlacht? Er geht nach Hause und lässt die Seele baumeln. In New World könnt ihr das wirklich machen. Denn in den per Schnellreisesystem verbundenen Siedlungen auf Aeternum dürft ihr euch an verschiedenen Stellen pro Ortschaft Häuser kaufen und nach eigenem Belieben einrichten. Das Housing hat sogar einen ganz eigenen Berufszweig im Crafting spendiert bekommen: den Tischler.

Überall in der Welt findet ihr verschiedene Vorlagen für Gegenstände, mit denen ihr euer Heim verschönern könnt. Das können besondere Möbel oder Wandbehänge, aber auch diverse Trophäen und dergleichen sein. Trophäen versorgen euch sogar mit kleineren Boni in der Welt von Aeternum. Wirklich beliebt sind aber vor allem die Vorratsbehälter, dank der ihr zusätzliche Items in eurem Zuhause unterbringen könnt.

Da es nicht genügend Häuser für alle Spieler in New World gibt, werden diese mehrfach verkauft. In der freien Welt zu sehen ist immer das Haus, dessen Besitzer die meisten Dekorationspunkte in sei- nem Heim gesammelt hat. Diese erhaltet ihr über das Aufstellen ganz exquisiter und besonderer Möbel. Wer sich ein Eigenheim zulegen will, der muss aber nicht nur den Kaufpreis berappen, sondern auch eine wöchentliche Steuer bezahlen. Bezahlt ihr diese nicht, dann ist euer Haus zwar nicht weg, kann aber nicht mehr betreten werden und ihr profitiert dementsprechend auch nicht mehr von den Boni. Die Unterhaltskosten sind allerdings niedrig und stellen auch Wenigspieler vor kein besonders großes Problem.

Passable Einsteigerfreundlichkeit

New World soll nicht nur die MMO-Urgesteine ansprechen, sondern dem Genre auch möglichst neue Spieler bringen. Daher werden wir in den ersten Spielstunden stark an der Hand genommen, um die grundlegenden Mechaniken des Spiels zu verstehen. Das war’s dann aber schon mit Einsteigerfreundlichkeit. Selbst erfahrene MMO-Veteranen stehen einige Male wie der Ochs vorm Berg, weil Dinge nur unzureichend oder gar nicht erklärt wurden, Quest-Marker an den falschen Stellen oder Zusammenhänge nicht wirklich erkennbar waren.

Dank des standardmäßig eingeschalteten Hilfe-Chats im Spiel bekommt man aber relativ unproblematisch von anderen Spielern geholfen – zumindest jetzt noch. Das kann sich aber irgendwann ändern, wenn sie die gleichen Fragen zum hundertsten Mal gelesen haben. Bei einigen Tooltips sollte Amazon hier nachbessern, das würde schon helfen. Aber um Amazon an der Stelle in Schutz zu nehmen: solche Probleme lassen sich nie zur Gänze lösen. Zumindest nicht bei einem Spiel wie New World, welches über Unmengen an verschiedenen Systemen verfügt, die allesamt ineinandergreifen.

Streitpunkt InGame-Shop

Damit New World auch ohne monatliches Abo weiterhin Geld in die Kassen von Amazon spült, haben die Entwickler einen InGame-Shop ins Spiel gepflanzt, in dem sich interessierte Spieler mit besonderen Skins (in der deutschen Version tatsächlich an einigen Stellen mit “Haut” übersetzt), für Rüstung und Waffen eindecken können. Auch Farbstoffe, dank derer sich vorhandene Rüstungen umfärben lassen, sind dort zu finden. Damit können die meisten Spieler gut leben, auch wenn die Preise vielleicht ein wenig hoch erscheinen. Kompaniewappen und Emotes im Shop anzubieten sorgt dagegen schon für hochgezogene Augenbrauen. Solange es die Entwickler dabei belassen, wird der Shop keine negativen Schlagzeilen schreiben. In der Beta hatte Amazon kurzzeitig allerdings Booster für Erfahrungspunkte und Handwerksfähigkeiten angeboten, was einen gigantischen Shitstorm nach sich zog. Amazon kündigte damals an, dass irgendwann nach dem Launch auch Quality-of-Life-Dinge in den Shop kommen sollen. Angesichts der Reaktionen vieler Spieler sollten sie sich das aber nochmal genau überlegen.

Unser erstes Fazit

Nachdem wir dutzende Stunden in Aeternum verbracht haben, fällt es immer noch schwer, ein vorläufiges Fazit zu ziehen. New World macht vieles richtig. Insbesondere das Kampfsystem und das Handwerk wissen zu überzeugen. Die Welt sieht selbst auf schwachbrüstigen PCs einfach atemberaubend schön aus und alles darin, von Ressourcen bis zu den Monstern fügt sich hervorragend ein. Man sollte aber genau wissen, auf was man sich einlässt. Wer ein Quest-basiertes Spiel à la WoW sucht, der wird in New World nicht glücklich. Die Story ist wenig fesselnd und die Quests sind schlicht langweilig. Für wen allerdings die Erkundung und PvP im Vordergrund stehen, der wird wenig Besseres im Genre finden. New World macht das, was es machen will, ausgesprochen gut – gibt dem Spieler aber wenig darüber hinaus. Zudem gibt es noch eine Reihe an kleineren Kinderkrankheiten, die auf mangelnde Erfahrung der Entwickler in diesem Genre zurückzuführen sind; von unpassenden Spawnraten der Quest-Mobs über wenig intuitiv zu bedienende Karten bis zu schlechtem Balancing der Waffen.

Wie geht’s weiter?

Wie eingangs beschrieben, kann man ein MMORPG in seiner Gänze auch nach mehreren Dutzend Stunden noch nicht abschließend beurteilen. Systeme, die jetzt vielleicht viel Spaß machen, müssen auch ihre Langzeitmotivation beweisen. Die großen Kriege zwischen den Fraktionen finden nur auf Maximalstufe statt, auf der derzeit nur ein Bruchteil der Spie- ler angekommen ist und an dem viele Spieler kleinerer Kompanien wohl nie teilnehmen können. Wie spaßig wird es wirklich sein, die besten aller Waffen und Rüstungen in Kleinarbeit herzustellen? Wie lange bleibt die Balance der Fraktionen bestehen und wo liegt die Motivation für PvE-Spieler im Endgame? Alles Fragen, die erst in einigen Wochen oder Monaten abschließend beantwortet werden. Wir bleiben natürlich am Ball und verbringen weiter Zeit in Aeternum, um euch diese Fragen zu beantworten. Bis dahin bleibt unsere Wertung vorläufig und gilt überwiegend für den Weg zur Maximalstufe, der euch mehrere Dutzend Stunden kosten wird – wenn ihr euch ranhaltet.

MEINE MEINUNG

Philip Sattler

„Eine fantastische Welt, die zum Entdecken einlädt“

Obwohl ich eigentlich in der Welt klassischer Themepark-MMOs zuhause bin, hat mich New World direkt gepackt und nicht mehr losgelassen. Dabei stand der MMO-Aspekt gar nicht mal so im Vordergrund. Allein mein Entdeckerdrang sorgte dafür, dass ich abends stundenlang das „nur noch fünf Minuten“- oder „nur noch schnell dorthin laufen“-Spiel spielte. Die Welt Aeternum ist einfach fantastisch gestaltet und es macht Spaß, die kleinsten Winkel der Insel zu entdecken und die wirklich gut designten Gegner umzuhauen. Wenn New World jetzt noch ein gutes Quest-System hätte, wäre ich vollauf zufrieden. So wird es aber wohl eher ein zeitlich begrenzter Ausflug bleiben. Denn am PvP im Endgame bin ich persönlich wenig interessiert.

PRO UND CONTRA

+ Atemberaubend schöne Welt

+ Perfekte Soundkulisse

+ Wunderschöner Soundtrack

+ Grandiose Atmosphäre

+ Gelungenes, aktives Kampfsystem

+ Passender Schwierigkeitsgrad

+ Motivierendes Crafting-System

+ Vollwertiges Housing-System samt passendem Crafting-Beruf

+ Viele Freiheiten

- Extrem repetitives Quest-System

- Wenig spannende Story

- Kaum Gegnervielfalt

- Lange Laufwege und keine Reittiere

- Einige unintuitive Steuerungselemente

- Einige kleinere Bugs

WERTUNG 8