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New York, New York


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tennisMAGAZIN - epaper ⋅ Ausgabe 100/2022 vom 19.09.2022

TURNIERE STORYS

Artikelbild für den Artikel "New York, New York" aus der Ausgabe 100/2022 von tennisMAGAZIN. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.
PUBLIKUMSMAGNET: Nach seinem Achtelfinalsieg gegen Marin Cilic drehte Carlos Alcaraz ein Fan-Video.

LATE-NIGHT-FINISHES

Wenn es Nacht wird im Big Apple

Die US Open gelten als das mit Abstand lauteste Grand Slam-Turnier. Vor allem, wenn es dunkel wird in New York, geht es nicht nur auf den Rängen wild zu. Umso später die Stunde, umso spektakulärer sind meist auch die Matches. Bereits seit 1975 gibt es die Night Sessions bei den US Open. In diesem Jahr stachen die Partien von Carlos Alcaraz hervor. Nachdem der Spanier im Achtelfinale Marin Cilic um 2:23 Uhr niederrang, wurde es nach einem Tag Pause in seinem Viertelfinale gegen Jannik Sinner noch später – und noch dramatischer.

Um 2:50 Uhr war nach 5:15 Stunden Spielzeit Schluss – das späteste Ende in New York überhaupt sowie das zweitlängste Match der Turniergeschichte. Die verbliebenen Zuschauer im Arthur Ashe Stadium wurden Zeuge eines der besten Matches dieser Dekade. „Die Energie, die ich um drei Uhr früh auf dem Platz gespürt ...

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... habe, war unfassbar. Bei anderen Turnieren, auf anderen Plätzen wäre jeder wahrscheinlich nach Hause zum Schlafen gegangen“, sagte Alcaraz nach dem packenden Fünfsatzkrimi, den er nach Abwehr eines Matchballs für sich entschied.

Die spätesten Matchenden bei den US Open

2:50 Uhr: Carlos Alcaraz - Jannik Sinner (Viertelfinale 2022)

2:26 Uhr: Kei Nishikori - Milos Raonic (Achtelfinale 2014)

2:26 Uhr: Philipp Kohlschreiber - John Isner (Dritte Runde 2012)

Die längsten Matches bei den US Open

5:26 Stunden Stefan Edberg - Michael Chang (Halbfinale 1992)

5:15 Stunden Carlos Alcaraz - Jannik Sinner (Viertelfinale 2002)

5:09 Stunden Sargis Sargsian - Nicolas Massu (Zweite Runde 2004)

2:26 Uhr: Mats Wilander - Mikael Pernfors (Zweite Runde 1993)

2:23 Uhr: Carlos Alcaraz - Marin Cilic (Achtelfinale 2022)

5:01 Stunden Ivan Lendl - Boris Becker (Achtelfinale 1992)

MARTA KOSTYUK & VICTORIA AZARENKA

Verweigerter Handschlag

Das Verhältnis zwischen Spielerinnen aus der Ukraine und Russland sowie Belarus ist aufgrund des russischen Angriffskrieges in der Ukraine deutlich angespannt. Ob es der Frust über die klare 2:6, 3:6-Niederlage in der zweiten Runde gegen die Belarussin Victoria Azarenka war, die dazu führte, dass Marta Kostyuk den obligatorischen Handschlag nach dem Match verweigerte? Stattdessen streckte die 20-Jährige nur kurz den Schläger aus, um ihrer Gegnerin zu gratulieren. „Ich glaube einfach nicht, dass es das Richtige ist in der Situation, in der ich mich gerade befinde. Es war einfach meine Entscheidung. Ich habe mich nicht danach gefühlt“, begründete Kostyuk die Aktion. Azarenka wollte im Vorfeld der US Open bei der „Tennis for Peace Exhibition“ zugunsten der Ukraine teilnehmen, wurde dann aber vom US-Verband „mit Rücksicht auf die Gefühle ukrainischer Akteure“ ausgeladen. „Ich kann niemanden dazu zwingen, mir die Hand zu geben. Das ist ihre Entscheidung“, sagte Azarenka über den verweigerten Handschlag.

JULE NIEMEIER

Nächstes Grand Slam-Hoch

Der Weg von Jule Niemeier führt weiter nach oben. Die US Open waren erst das dritte Hauptfeld bei einem Grand Slam-Turnier für die 23-Jährige. Nach dem Viertelfinale in Wimbledon glänzte sie nun auch in New York mit dem Einzug ins Achtelfinale. Dort war sie im Duell mit der Weltranglistenersten Iga Swiatek anderthalb Sätze die bessere Spielerin, brach dann aber nach verlorenem zweiten Satz ein (6:2, 4:6, 0:6). Niemeier ist sich ihres Potentials bewusst. Die große Bühne scheint sie zu beflügeln, statt zu hemmen. Das stellte auch John McEnroe fest: „Niemeier got game.“ Ein kleiner Ritterschlag von der Legende für das variantenreiche Spiel der Deutschen. „Wenn ich das konstant halten kann in den nächsten Monaten und Jahren, kann ich auf der Tour sehr gefährlich werden und viele gute Spielerinnen schlagen“, sagte Niemeier über ihr spielerischen Fähigkeiten. Die US Open waren gleichzeitig eine Zäsur im deutschen Damentennis. Mit dem Karriereende von Andrea Petkovic und der Schwangerschaft von Angelique Kerber wird Niemeier demnächst die deutsche Nummer eins sein. Eine Rolle, mit der sie sich erst einmal zurechtfinden muss.

DEUTSCHE HERREN

Ganz viel Frust

So dünn besetzt mit nur vier Startern im Hauptfeld waren die deutschen Herren bei den US Open seit 1989 nicht mehr. Damals gewann Boris Becker den Titel. In diesem Jahr war man davon meilenweit entfernt, auch weil Alexander Zverev verletzungsbedingt fehlte. Das US Open-Turnier stand von Beginn an unter keinem guten Stern. Der zuvor formstarke Oscar Otte verletzte sich nach Wimbledon am Meniskus, verpasste so eine gesetzte Position und musste bei seinem ersten Turnier nach der Auszeit gegen den Weltranglistenzehnten Hubert Hurkacz ran – klare Dreisatzniederlage. Auch die drei weiteren deutschen Starter hatten Lospech und spielten gegen prominente Namen. Daniel Altmaier verlor nach hartem Kampf gegen Jannik Sinner in fünf Sätzen. Peter Gojowczyk (gegen Holger Rune) und Qualifikant Maximilian Marterer (gegen Marin Cilic) scheiterten ebenfalls, sodass erstmals seit 1984 kein deutscher Spieler in der zweiten Runde der US Open stand.

ALIZE CORNET

Die Dauerbrennerin

Sie spielt und spielt und spielt... Alize Cornet setzte bei den US Open einen neuen Rekord bei den Damen. Seit den Australian Open 2007 hat die Französin bei keinem Grand Slam-Turnier gefehlt – 63 Majors in Folge! Cornet kann auf ihre beste Grand Slam-Saison zurückblicken: Viertelfinale in Melbourne, dritte Runde in Paris, Achtelfinale in Wimbledon und dritte Runde in New York, wo sie im Auftaktmatch Titelverteidigerin Emma Raducanu besiegte. „Es hätte keine bessere Art geben können, um den Rekord zu brechen als im Louis Armstrong Stadium in der Night Session gegen die Titelverteidigerin zu gewinnen“, sagte Cornet. Für den geschlechterübergreifenden Rekord muss sie noch etwas spielen. Den hält Feliciano Lopez mit 79 Grand Slams in Folge.

Meiste Grand Slam-Teilnahmen in Folge

63: Alize Cornet (2007-2022)

62 Ai Sugiyama (1994-2009)

61 Francesca Schiavone (2000-2015)

56 Jelena Jankovic (2004-2017)

DANIIL MEDVEDEV

Der Fluch des Titelverteidigers

Wenn die French Open als das am härtesten zu gewinnende Grand Slam-Turnier gelten, dann sind die US Open das am schwersten zu verteidigende Grand Slam-Turnier. Es ist wie verhext bei den Herren. Auch in diesem Jahr gab es wieder keine Titelverteidigung. Daniil Medvedev, der im nordamerikanischen Sommer stets seine beste Zeit des Jahres hat, scheiterte im Achtelfinale an Nick Kyrgios und velor zudem die Position als Nummer eins der Weltrangliste. Medvedev war auch gefrustet, weil er nicht bei besten Kräften war. „In dieser Zeit in den USA werde ich immer einmal krank. Die Klimaanlagen sind verrückt“, sagte er. Auch Novak Djokovic und Rafael Nadal haben es nie geschafft, ihren Titel in New York zu verteidigen. Der letzte Spieler, dem dies gelungen ist: Roger Federer, und das sogar viermal in Folge (2004 bis 2008). Rückblickend eine der größten Leistungen von Federer.

DARIA SNIGUR

Mit Herz zur Sensation

Nach dem Turniersieg in Toronto ging Simona Halep als eine der Favoritinnen in die US Open. Doch auch in diesem Jahr schied die Rumänin früh aus. Diesmal gegen die Ukrainerin Daria Snigur, die vor dem Turnier nur Insidern ein Begriff war. Die 20-jährige Ukrainerin spielte in ihrem ersten Grand Slam-Hauptfeldmatch unbekümmert auf. Mit ihrer ungewöhnlichen Ausholbewegung bei der Vorhand brachte sie Halep zur Verzweiflung. Nach ihrem Coup war Snigur den Tränen nahe. „Das ist unmöglich, dass ich gegen Simona gewonnen habe“, sagte sie und widmete ihren größten Sieg ihrem Heimatland. „Dieses Match ist für die Ukraine, für meine Familie, für alle Fans, die mich unterstützt haben.“

BRANDON HOLT & ELIZABETH MANDLIK

Die Kinder der Grand Slam- Champions

Ruud, Zverev, Korda & Co: Im aktuellen Damen- und Herrentennis tummeln sich viele Spieler und Spielerinnen, deren Eltern früher Profis waren. Zwei Namen stachen in New York besonders hervor, da ihre Mütter die US Open gewinnen konnten: Tracy Austin (1979 und 1981) und Hana Mandlikova (1985). Bei Brandon Holt war vielen nicht bewusst, dass seine Mutter die Legende Tracy Austin ist. Der 24-jährige Holt spielte zum ersten Mal die US Open. Bereits die erfolgreiche Qualifikation war eine kleine Sensation mit einer großen Nervenprobe. Sein Quali-Finale wurde nach dem dritten vergebenen Matchball unterbrochen. Der US-Amerikaner war in der Regenpause so müde, dass er beinahe eingeschlafen wäre. „Das wäre dann sicher viral gegangen, der Typ, der disqualifiziert wurde, weil er sein Match verpennt hat“, sagte er nach überstandener Qualifikation. Mit dabei am Spielfeldrand war stets seine Mutter. Holt machte im Hauptfeld weiter, besiegte in der ersten Runde die US-Nummer-eins Taylor Fritz, verlor dann aber trotz klarer Führung gegen Pedro Cachin. Auch Elizabeth Mandlik, die Tochter der viermaligen Grand Slam-Siegerin Hana Mandlikova, spielte sich in New York ins Rampenlicht. Bereits beim WTA-Turnier in San Jose hatte sie ein erstes Ausrufzeichen gesetzt. In New York gewann die 21-jährige US-Amerikanerin, die dank einer Wildcard im Hauptfeld stand, ihr erstes Grand Slam-Match und verlor in der zweiten Runde gegen Ons Jabeur. „Ich hatte nie die Gelegenheit, mit Top-100-Spielerinnen zu trainieren. Nun spiele ich gegen sie und besiege sie auch“, sagte Mandlik.

EMMA RADUCANU

Von 100 auf 0

Es war die Feel-Good-Story des letzten Jahres, als Emma Raducanu als Qualifikantin ohne Satzverlust die US Open gewann. Dass es ganz schnell wieder in die andere Richtung gehen kann, musste die 19-Jährige in den Monaten danach deutlich spüren. Raducanu gewann seitdem nur 14 Matches auf der WTA-Tour. Trauriger Höhepunkt: das Erstrunden-Aus in New York – als zweite Titelverteidigerin nach Svetlana Kuznetsova 2005. In der Weltrangliste fiel sie auf Platz 83 zurück. Statt Weltspitze heißt es nun Neustart für den Sponsoren-Liebling. „Wenn man bedenkt, dass ich 19 Jahre alt bin, hatte ich kein schlechtes Jahr. In den Top 100 zu sein - wenn du mir das vor einem Jahr erzählt hättest, hätte ich es genommen. Aber ich denke, es wäre schön, einfach von vorne anzufangen, neu anzufangen“, sagte Raducanu in New York.

ZHENG, WU & CO.

China-Kracher

Chinas Damen sind stark im Kommen. Bei den US Open erreichten gleich vier Chinesinnen die dritte Runde: Shuai Zhang, Qinwen Zheng, Xiyu Wang und Yue Yuan. Zhang spielte sich sogar ins Achtelfinale vor. Bei den Herren schrieben Yibing Wu und Zhizhen Zhang Grand Slam-Geschichte als erste Chinesen im Hauptfeld der US Open. Wu setzte noch einen drauf und gewann als erster Chinese in der Profiära ein Hauptfeldmatch bei einem Major, während Zhang nach Vergabe von sieben Matchbällen sein Auftaktmatch gegen den Niederländer Tim van Rijthoven verlor. Umso beeindruckender bei Wu: Der 22-Jährige war im März nur die Nummer 1869 der Welt. Seinen rasanten Aufstieg krönte er in New York, in dem er auch die zweite Runde überstand und dann schließlich an Daniil Medvedev scheiterte. „Wir treiben das Niveau des chinesischen Herrentennis nach oben“, sagt Wu.

STREITTHEMA

Ball ist nicht gleich Ball

Hätten Sie es gewusst? Bei den US Open spielen seit vielen Jahren die Damen mit anderen Bällen als die Herren – das gibt es bei keinem anderen Major. Der Damen-Ball ist etwas leichter als die Herren-Variante. Wer nun denkt, dass dies eine Entscheidung des Turniers war, der irrt. Die WTA wollte es damals so und hielt daran fest, angeblich um die Gesundheit der Spielerinnen zu schonen. Iga Swiatek kritisierte die Bälle nun öffentlich und trat damit eine Diskussion los. „Ich habe viele Spielerinnen gehört, die sich darüber beschwert haben. Die Bälle fliegen wie verrückt. Die Damen haben heutzutage ein kräftiges Spiel. Es ist nicht mehr so wie vor zehn Jahren“, sagte Swiatek.