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NICARAGUA: Nicaragua


Clever reisen! - epaper ⋅ Ausgabe 2/2018 vom 10.04.2018

Nicaragua ist noch nicht touristisch entdeckt wie der Nachbar Costa Rica. Vulkane, unberührte Natur und koloniale Schönheiten locken aber auch hier. Eine Reise durch das Landesinnere mit vielen unvergesslichen Erlebnissen


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Bildquelle: Clever reisen!, Ausgabe 2/2018

Bilder: pixabay

Nicaragua: ursprünglich und noch untouristisch. Das Land ist geprägt durch seine zahlreichen Seen und beeindruckenden Vulkane. Sehenswert ist auch die Pazifikküste und Städte wie Granada


Fast überall in Nicaragua ragen sie in den Himmel empor, aktive und inaktive Vulkane. Mal weithin sichtbar in der Ebene präsent, mal zusätzlich am Gipfel mit Rauchwolken geschmückt. Bei ...

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... der Universitäts- und Kolonialstadt León, nahe der pazifischen Küste, schlängelt sich die sogenannte „Kette der Vulkane“ entlang, eine Ansammlung Dutzender Vulkane, die sich von der Grenze zu El Salvador im Norden bis zum Managua-See südlich von León erstreckt. Einer dieser Vulkane ist der rauchausstoßende unübersehbare Momotómbo. Die Einheimischen nennen ihn auch den „Zerstörerischen“, da er 1609 das alte León unter Asche begrub und zerstörte. Die Einwohner gründeten daraufhin an anderer Stelle das neue, das heutige León. Eindrucksvoll und unbedingt einen Besuch wert ist die in weiß erstrahlende Kathedrale aus dem Jahre 1860, eines der Highlights der Stadt. In ihren mit Marmorstatuen geschmückten Mauern fanden einige berühmte Persönlichkeiten ihre letzte Ruhestätte. Der bekannteste ist der 1867 in León geborene Dichter und Nationalheld Rubén Darío, dessen Grabmal von einem Löwen bewacht wird. Richtig imponierend wird es, sobald man auf dem Dach des Gotteshauses steht und den Blick über die Stadt bis zu den Vulkanen auf sich wirken lässt. Wer mehr über das außergewöhnlich talentierte Wunderkind Rubén Darío, eines seiner bekannten Gedichte schrieb er schon im Alter von 13 Jahren, erfahren möchte, besucht sein ehemalige Wohnhaus, in dem Alltagsgegenstände und einige seiner Werke ausgestellt sind. Eine wohlverdiente Pause legt man unbedingt im Parque Central mit seinem auffallenden Löwenbrunnen, dem Fuente de los Leónes, ein. Hier herrscht eine lockere und entspannte Atmosphäre. Jung und Alt trifft sich zum Plaudern, Spielen oder für einen Einkauf bei den fliegenden Händlern.

Ein rasanter Ritt auf dem heißen Vulkan Cerro Negro

Ganz und gar keine Entspannung, sondern einen ordentlichen Adrenalinkick verspricht dagegen ein Ausflug zum nur 20 km von León entfernten aktiven Vulkan Cerro Negro. Das Zauberwort ist „Vulkan-Boarding“. Eine rasante, heiße und steile Abfahrt über schwarzen Sand. Doch bevor man an der Flanke des Vulkans auf einer Art Surfbrett und mit Schutzanzug und Skibrille hinab zum Fuße des Berges saust, steht ein gut einstündiger Marsch samt Sportgerät auf den Gipfel an. Allein der Weg hinauf mit grandiosen Ausblicken in die Umgebung lohnt die Anstrengung. Begeisterung macht sich breit. Oben angekommen, bekommen wir dann doch etwas kalte Füße trotz leicht warmen Vulkansands unter unseren Schuhsohlen und Schwefelgeruch in der Nase. Der zu bewältigende Abhang ist steil, punktet mit einem Gefälle von 45 Grad und misst einige hundert Meter Länge. Ein Tuch vor den Mund gebunden, Handschuhe angezogen und los geht die wilde Fahrt. Erst langsam, dann nach kurzer Eingewöhnung und steigendem Mut kommt man in Fahrt. Schneller und schneller. Am Ende drückt man die Hacken in den grobkörnigen Vulkansand, der einem dann gewaltig um Gesicht und Ohren fliegt. Ordentlich eingestaubt und mit schwarz gefärbtem Gesicht schütteln sich die Abenteurer glücklich die Hände und gratulieren sich für das Überstehen dieses einmaligen und unvergesslichen Erlebnisses.

Nicaragua gilt als das sicherste Land Zentralamerikas und seine Bewohner sind freundlich sowie hilfsbereit.


Estelí – weltberühmte Zigarren und robuste Cowboystiefel

Wer Zigarren liebt sollte einen Abstecher nach Estelí unternehmen. Die verschlafen wirkende Stadt, im Norden Nicaraguas, empfängt den Reisenden mit schachbrettartig angeordneten Straßen, auf denen Bauern frisches Obst und Gemüse feilbieten oder der Eismann mit seinem silbergestrichenen Dreirad erfrischende Leckereien offeriert. Wer genauer hinschaut, entdeckt hier und da urige Produktionsstätten, die handgemachte Cowboystiefel und derbe Gürtel in ihren Auslagen darbieten. Es lohnt sich einen Blick auf die Preise zu werfen, da man beispielsweise in der Hauptstadt Managua deutlich tiefer ins Portemonnaie greifen muss, um genau diese hier hergestellte Ware zu erstehen.

Estelí breitet sich in einer Region mit hohen Bergen aus, besitzt ein angenehm gemäßigtes Klima und ist umgeben von vielen Kaffee- und Tabakplantagen, die den Ort weit über die Landesgrenzen hinaus berühmt gemacht haben. Daher gehört der Besuch einer Zigarrenfabrik zum Pflichtprogramm in Estelí. Empfehlenswert ist eine geführte Tour bei „Plasencia-Cigars“. In der 5. Generation stellt die Familie Plasencia nun schon Zigarren her, als erste Produzenten Nicaraguas auch aus zertifiziertem Bio-Tabak. Auf dem Rundgang durch die Fabrik erfährt man Spannendes über Tabakanbau und die Herstellung der Zigarren, die insbesondere aufgrund ihres komplexen und kräftigen Geschmacks Zigarrenliebhaber aus aller Welt begeistern.

Nicaragua: das Land der 19 Vulkane


Besonders faszinierend ist die Abteilung, in der Dutzende Arbeiterinnen und Arbeiter, sogenannte „torcedores“, mit ihren geschickten Händen aus unterschiedlichen Tabakblättern eine perfekte Zigarre nach der anderen rollen. Eine Fertigkeit, die ständig geübt werden muss, wie uns Francisca, eine der Arbeiterinnen, erzählt: „Mit dem Rollen verhält es sich wie mit dem Spielen eines Musikinstrumentes, man muss stetig dran bleiben“. Rund 300 bis 350 Stück stellt sie am Tag her. Gearbeitet wird an 5 Tagen in der Woche. Bei einer Wochenarbeitszeit von 48 Stunden verdient ein „torcedores“ im Durchschnitt 4000 Córdobas, aktuell etwa 100 Euro. Wenig Lohn für viel exzellente Arbeit. Für Nicaragua jedoch kein allzu schlechtes Gehalt, wenn man bedenkt, dass ein Lehrer noch weniger Geld mit nach Hause bringt. Übrigens: Wer in Estelí lieber seine Spanisch-Kenntnisse auffrischen als Rauchen möchte, ist hier ebenfalls goldrichtig. Denn in keiner anderen Stadt Nicaraguas existieren so viele Sprachschulen wie hier.

Lago de Nicaragua – 15-mal so groß wie der Bodensee

Knapp 150 km südöstlich von León erreicht man die Stadt Granada am riesigen Lago de Nicaragua. Der See zählt mit einer Fläche von gut 8000 km² zu den größten seiner Art Lateinamerikas und ist damit rund 15-mal so groß wie der Bodensee. Bei einer organisierten Bootstour über das eindrucksvolle, bis zu 45 m tiefe Gewässer schippert man vorbei an kleinen Inseln, auf denen wohlhabende Nicaraguaner teils riesige Villen erbaut haben. Andere Mini-Eilande locken mit traumhaft gelegenen Restaurants und Kneipen und wieder andere beherbergen seltene Tier- und Pflanzenarten. Sogar die mächtigen, mehrere Meter messenden und nicht ganz ungefährlichen Bullenhaie kann man im See antreffen. Unterwegs fangen Fischer mit Wurfnetzen manch Leckerei aus dem See, um sie wenig später an die nahen Restaurants weiterzuverkaufen. Gutes Geld bringt beispielsweise der Guapote, ein Buntbarsch.

Granada – charmant und voller Lebensfreude

Granada ist eines der Highlights auf einer Reise durch Nicaragua. Die charmante Innenstadt erkundet man am besten zu Fuß. Einer der schönsten und lebhaftesten Orte Granadas ist der zentrale Park. Den ganzen Tag herrscht buntes sympathisches Treiben. Freundliche und unaufdringliche Händlerinnen verkaufen Souvenirs, unter wunderbar schattenspendenden Bäumen lässt sich ein kühles Getränk erstehen oder lecker speisen und zahlreiche Kutscher mit ihren schönen Pferdegespannen warten darauf, geneigten Gästen die Stadt zu präsentieren. Nur wenige Meter entfernt erhebt sich die majestätische Kathedrale. Das Gotteshaus und Wahrzeichen Granadas wurde einst Anfang des 16. Jahrhunderts erbaut, jedoch Mitte des 19. Jahrhunderts während des nicaraguanischen Bürgerkriegs durch den US-Amerikaner und Freibeuter William Walker und seine Söldner-Truppe vollständig zerstört. Erst 1915 konnte das nun im neoklassizistischen Stil erstrahlende Sakralgebäude mit seinen schönen Deckengemälden wieder für die Gläubigen eröffnet werden.

Ein paar Meter weiter präsentiert sich die sehenswerten Iglesia de La Merced mit ihrer verwitterten Außenfassade und dem angegliederten Glockenturm, der eigentlichen Attraktion der Kirche. Für ein paar Córdoba darf man hinauf. Oben erwartet den Besucher ein phänomenaler Ausblick über die Stadt bis hin zum Nicaragua-See. Zum Ausklang des Tages empfiehlt es sich ein wenig durch die oft in liebevoll restaurierten Kolonialbauten untergebrachten Kneipen rund um den Parque Central zu tingeln. Bei herrlich warmen Temperaturen gönnt man sich einige nicaraguanische Toña-Biere oder fruchtige Cocktails und resümiert über die Tour nach Mittelamerika. Mit eindeutigem Votum. Nicaragua ist ganz sicher eine Reise wert.

GUT ZU WISSEN

Flug: z.B. American Airlines, KLM, Iberia, Lufthansa odre Air France fliegen nach Managua mit Umstieg in den USA oder beispielsweise in Panama. Tickets ab ca. 460 Euro. (Preisvergleich www.discountflieger.de)

Währung: Nicaraguanischer Córdoba. 1 Euro = 38,61 C$ (Stand Februar 2018). Es werden auch meistens US-Dollar akzeptiert.

Einreise / Visum: Touristen aus Europa brauchen für Aufenthalte bis zu 90 Tagen kein Visum beantragen. Das Visum wird vor Ort ausgestellt. Ein Reisepass wird benötigt, der zum Zeitpunkt der Einreise eine Gültigkeit von mindestens sechs Monaten haben muss. Bei der Anreise über die USA muss das ESTA-Visum beantragt werden. Für diesen Zwischenstopp mit Immigration in die USA sollte man ausreichend Zeit (mind. 3 Std.) einplanen.

Reisezeit: Es herrscht ein tropisch-feuchtheißes Klima. Im Osten immer feucht, im Westen am Pazifik mit einer Regenzeit von Mai bis Oktober. Die Durchschnittstemperatur in der Hauptstadt Managua beträgt ganzjährig ca. 27° C.

Veranstalter: Bei Spezialisten wie z.B. Miller Reisen, WorldInsight, PapayaTours oder Explorer im Programm

Webadresse: Einen ersten und guten Überblick mit vielen Informationen, Bildern und Videos über das gesamte Land bekommt man auf der offiziellen Tourismus-Website www.visitanicaragua.com


Bilder: pixabay, flickr