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„NICHT ALLES K ANN DER COMPUTER ÜBERNEHMEN“


schule - epaper ⋅ Ausgabe 4/2021 vom 28.10.2021

INTERVIEW

Noch Rechtschreibung lernen? Das übernimmt doch jetzt der Computer. Oder etwa nicht? Lesen und Schreiben zählen auch weiterhin zu den unersetzlichen Bausteinen einer modernen Allgemeinbildung, und der an der Universität Münster entstandene „Lernserver“ soll bei ihrer Vermittlung helfen. Das von dem Medienpädagogen Friedrich Schönweiss gegründete Bildungsprojekt läuft seit vielen Jahren erfolgreich und hat während der Pandemie neue Aktualität gewonnen.

Lernserver.de bietet individuelle Förderung, die weit über schulische Angebote hinausgeht. Nicht als Konkurrenz, sondern als ergänzende Kompetenz zum Unterricht: Die maßgeschneiderten Angebote von Fehleranalysen – auch als Test per App – und Diagnosen samt den daraus abgeleiteten Förder- und Fordercurricula stehen allen offen: Eltern können sie ebenso in Anspruch nehmen wie Lehr- und Förderkräfte sowie ganze Schulen. Unterstützt werden Kinder ...

Artikelbild für den Artikel "„NICHT ALLES K ANN DER COMPUTER ÜBERNEHMEN“" aus der Ausgabe 4/2021 von schule. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.
PROF. DR. FRIED- RICH SCHÖNWEISS Professor em. an der Uni Münster (Neue Technologien im Bildungs-und Sozialwesen/Medienpädagogik); Initiator des Lernserver-Bildungsprojekts
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... und Jugendliche aller Klassenstufen, nach Abschluss des Alphabetisierungsprozesses bis hin zum Abitur, ob mit größeren oder kleineren Schwierigkeiten.

Schule: Das Bildungssystem steht in postpandemischen Zeiten unter Reformierungsdruck. Welche Relevanz hat der Lernserver in dieser Situation?

Schönweiss: Gleich zu Beginn der Pandemie haben wir unsere Möglichkeiten erwogen, die sich abzeichnenden Probleme abzufedern – und gefordert, nicht am starren Unterrichten nach Lehrplan festzuhalten. In einer derart historischen Situation lässt sich Normalunterricht nicht durch „Homeschooling“ und Youtube-Filmchen ersetzen. Das sehen wir an den vielen Kindern, die massive Lernrückstände haben oder die Sinnhaftigkeit ihrer Anstrengungen hinterfragen.

Eine sofortige Konzentration auf das Wesentliche, also die Grundkompetenzen, hätte allen und besonders den Kindern mit beste- henden Defiziten in diesem Bereich gutgetan. Mittlerweile scheinen dies alle Bundesländer und auch die Bundesbildungsministerin eingesehen zu haben, und es freut mich, diese Programme landauf, landab zu unterfüttern. (*siehe auch Gastbeitrag Seite 42/die Red.)

Ganz grundsätzlich hilft ja der Lernserver allen Beteiligten bei der Unterstützung der Kinder im Kernfach Deutsch. Das Übungsmaterial ist hochindividuell an das Kind angepasst und ermöglicht, Rückstände bei der Rechtschreibung und beim Lesen effektiv und nachhaltig aufzuarbeiten oder sie gar nicht erst entstehen zu lassen. Maßstab ist dabei, die Freude am Lernen zu erhalten oder sie wiederzufinden zu helfen.

Wie sollen Lehrkräfte das leisten? Ist die individuelle Förderung nicht eine zusätzliche Belastung?

Natürlich sind die Kinder wie die Großen an der Belastungsgrenze. Ermutigend ist aber, dass die Lehrkräfte ihre verbleibende Energie im Interesse der Kinder nutzen und neue Wege gehen wollen. Wir haben hier viel vorgearbeitet und unsere Inhalte so fortentwickelt, dass damit für den gesamten Bereich der Rechtschreibung alle möglichen Unterrichts- und Förderszenarien abgedeckt werden können.

Die einzelnen Module des Lernservers haben schon immer darauf abgezielt, die Lehrkräfte zu entlasten. Insbesondere die zeitsparende und hochdifferenzierte Diagnose bildet die Basis für passgenaue Curricula für die einzelnen SchülerInnen, deren Anwendung dank der didaktischen Begleitinformationen zu jedem Lernschritt auch durch externe Förderkräfte vollzogen werden kann. Die individuelle Förderung ist hier also keine Zusatzbelastung, sondern eine Entlastung für Kinder wie Lehrkräfte, mit der die Rückbesinnung auf die Grundlagen substanziell unterfüttert wird. Damit lassen sich Rückstände ohne Frust aufholen und die heterogenen Bedarfe der Kinder bewältigen. Es zeichnet sich ab, dass derartige Lernkonzepte künftig Normalität an den Schulen werden.

Wie sehen Sie die Zukunft für den Lernserver gerade in Bezug auf die pandemiebedingten Probleme von Menschen mit Lese- und Rechtschreibschwäche?

Rechtschreibung und die rasche Erfassung von Texten gehören zu den Grundlagen gesellschaftlicher, sozialer und kultureller Teilhabe. Die seit einigen Jahren zu verzeichnende Erosion dieser Basiskompetenzen hat sich durch die Pandemiebedingungen massiv beschleunigt. Viele Kinder, aber auch Erwachsene könnten hier auf der Strecke bleiben.

Wir bauen deshalb unser Angebot mit großem Einsatz aller Beteiligten weiter aus, ob digital, analog oder interaktiv, ob individuell, für den Regelunterricht oder bei Fortbildungsprogrammen. Es geht uns um das konstruktive Zusammenspiel von Schule, Eltern und Förderkräften, damit keiner auf der Strecke bleibt und unsere Gesellschaft damit gleichzeitig jene Bildungsbasis erhält, die sie braucht, erst recht in unseren digitalen Sturm-und-Drang-Zeiten.

EIN BESONDERES ANLIEGEN …

von Prof. Schönweiss und seinem Team ist es, den von der Flutkatastrophe betroffenen Schulen und Familien zur Seite zu stehen. Auch nach den Sommerferien sind für viele Kinder normale Schulzustände noch in ziemlicher Ferne. Umso wichtiger bleibt die gegenseitige Unterstützung der Schulen: dass z. B. Schulen, die glimpflicher davongekommen sind, anderen zumindest temporär Unterschlupf gewähren. Das Lernserver-Projekt bietet in Zusammenarbeit mit Initiativen und Behörden vor Ort allen Schulen und Eltern der Region an, kostenlos auf Lernserver-Entwicklungen zurückzugreifen, wo immer dies gewünscht wird.

Friedrich Schönweiss: „Ich rufe dazu auf, auch auf der materiellen Ebene an die Betroffenen zu denken.“ Dafür gebe es zwei empfehlenswerte Anlaufstellen, die sich mit großem Engagement um eine Linderung des Schadens bemühen:

a) Die Kreisverwaltung hat bei der Kreissparkasse Ahrweiler ein Spendenkonto zugunsten der Geschädigten eingerichtet: Kreisverwaltung Ahrweiler Spendenkonto „Hochwasser“

IBAN: DE86 5775 1310 0000 3394 57

BIC: MALADE51AHR

b) Der Schulleiter des Are-Gymnasiums, Heribert Schieler, hilft mit seinem gemeinnützigen Förderverein: Förderverein Erdenbrink und Reinhardt KSK Ahrweiler IBAN: DE92 5775 1310 0000 3904 68

BIC: MALADE51AHR

Infos: gym-oppenheim.de/aktuelles/spendenaufruf-fuer-die-flutopfer