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NICHT DIE LAUTESTEN TÖNE SIND DIE SCHÖNSTEN


Séparée - epaper ⋅ Ausgabe 23/2020 vom 04.12.2019

Guter Sex, Ekstase gar, ist rar oder kompliziert. Das höre ich oft, wenn ich mit Freundinnen spreche. Ich behaupte das Gegenteil: Guter Sex ist leicht. Nur die Art, wie wir darüber denken, macht ihn schwierig.


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Bildquelle: Séparée, Ausgabe 23/2020

ALS TANTRA-MASSEURIN , Ausbilderin und Leiterin einer Tantra-Massagepraxis, als Sexcoach und Autorin habe ich verschiedenste Techniken gelernt, viele Blockaden bei mir und anderen aufgelöst und tage-und nächtelang über Sex geredet. Die Quintessenz aus all diesen Erfahrungen lautet: Guter Sex entsteht von allein – wenn wir uns ihm nicht in den Weg stellen. Er schlummert in uns. Alles, was wir tun ...

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ALS TANTRA-MASSEURIN , Ausbilderin und Leiterin einer Tantra-Massagepraxis, als Sexcoach und Autorin habe ich verschiedenste Techniken gelernt, viele Blockaden bei mir und anderen aufgelöst und tage-und nächtelang über Sex geredet. Die Quintessenz aus all diesen Erfahrungen lautet: Guter Sex entsteht von allein – wenn wir uns ihm nicht in den Weg stellen. Er schlummert in uns. Alles, was wir tun müssen, um erfüllende Sexualität zu leben, ist in uns hineinzulauschen und zu spüren. Das ist ganz natürlich, denn Sexualität ist uns angeboren.
Wenn es denn so einfach ist, warum haben wir nicht alle grandiosen Sex? Dass wir Sex so oft als „schlecht“ empfinden, hat nichts damit zu tun, dass wir mangelhaft wären, wohlmöglich zu dick, zu alt oder wie auch immer unzureichend. Es hat vielmehr damit zu tun, dass wir unsere Vorstellungen von „gutem“ Sex von außen beziehen und uns selbst nicht vertrauen. Diese Sicht auf Sex ist keine individuelle Prägung, sondern eine kollektive. Schließlich leben wir in einer körperfeindlichen und normierenden Gesellschaft. Sex wird oft mit Scham oder gar Verboten verknüpft, doch gleichzeitig werden wir durch allgegenwärtige Medien darauf genormt, dass Sex – so wie er dort gezeigt wird – erstrebenswert sei. Um die Ekstase, die in uns schlummert, zu wecken, müssen wir die Perspektive ändern. Statt uns nach außen zu orientieren, müssen wir den Blick nach innen wenden, denn im Innersten wissen wir genau, was sich für uns zum jeweiligen Zeitpunkt gerade gut anfühlt und was nicht.
Um dieses Wissen zu ergründen und uns selbst besser kennenzulernen, eignet sich „Slow Sex“ hervorragend. Slow Sex ist ein Gegenentwurf zu dem in den Mainstream-Medien propagierten plakativen „Hollywood Sex“ oder gar Porn. „Slow“ meint dabei, dass das Tempo so weit reduziert wird, bis wir in Ruhe in uns hineinhören können. Slow Sex nimmt den Stress aus dem Sex. Er bietet eine komplett andere Art, das Liebesspiel zu beginnen, als dies beim „normalen“ Sex üblich ist, der oftmals die richtige Stimmung und eine Erektion benötigt und eine Menge anderer Bedingungen erfüllen soll.
Slow Sex beginnt damit, dass zwei Liebende sich nackt nebeneinander legen und nichts erwarten, sondern radikal nur das tun, was sich gerade gut anfühlt. Radikal ist dieser Zugang, weil es bedeutet, im Augenblick zu bleiben und nichts zu tun, nur um die Erregung zu steigern, einen Orgasmus zu haben, dem Partner zu gefallen usw. Radikal ist es auch, weil wir dazu einiges verlernen müssen, zum Beispiel die Erwartung, einen Orgasmus zu haben oder die Angewohnheit, bestimmte Muskeln anzuspannen, um die Erregung zu steigern. Was Slow Sex schenkt, ist die unglaubliche Leichtigkeit und tiefe Nähe in der sexuellen Verbindung. Das, wofür wir uns vorher anstrengen mussten, geschieht plötzlich ganz von allein zwischen den Körpern. Die tiefe Sehnsucht nach „ankommen und loslassen“ wird Stück für Stück genährt, und Batterien, die lange leer gelaufen waren, tanken wieder auf. „Slow“ bedeutet nicht, das es nicht wild und intensiv werden kann, doch diese Intensität hat dann eine andere Qualität, weil sie entspannt und wach ist, weil sie nichts fordert und erwartet, weil sie nicht durch möglichst starke Reize, sondern durch achtsames Hinhören und -fühlen entsteht. Wie bei Musik: Nicht die lautesten Töne sind die schönsten. Und anders als beim konventionellen Sex steht nicht der Orgasmus im Mittelpunkt, sondern der Genuss eines jeden Moments.

Yella Cremer gründete 2012 die Liebesschule LoveBase. Nach dem Motto „Guter Sex lässt sich lernen“ unterstützt sie Menschen darin, ihr sexuelles Wesen zu genießen und erfüllenden Sex zu haben. Sie verfasste Tantramassage-Kurzanleitungen und diverse Handbücher. Ihr jüngstes Buch „Liebe würde Slow Sex machen“ besprechen wir in unseren Literaturempfehlungen.


Foto: Photographee.eu/stock.adobe.com; Samuel Cremer