Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 4 Min.

Nicht gleich in die Röhre


ÖKO-TEST Spezial Gesund & Fit - epaper ⋅ Ausgabe 4/2015 vom 17.04.2015

Rückenschmerzen sind quälend. Da muss es doch eine Ursache geben. Gibt es sicher. Aber die ist nur selten auf Röntgenbildern oder Tomografien zu erkennen. Wichtiger als Bilder sind ein Gespräch mit dem Arzt und eine körperliche Untersuchung. Dann ist die Diagnose meist schon klar.


Artikelbild für den Artikel "Nicht gleich in die Röhre" aus der Ausgabe 4/2015 von ÖKO-TEST Spezial Gesund & Fit. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Foto: imago/Westend61

Wer sich sehr stark mit Rückenschmerzen plagt und das über längere Zeit, sollte zum Arzt gehen. Der kann etliches abklären, ganz ohne Röntgenbild oder Aufnahme aus dem MRT oder CT. Im Gespräch lässt er sich die Art der Schmerzen schildern, fragt nach möglichen Ursachen. Der Mediziner achtet auf ...

Weiterlesen
Artikel 1,00€
epaper-Einzelheft 4,99€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von ÖKO-TEST Spezial Gesund & Fit. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 4/2015 von Haltung bewahren. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Haltung bewahren
Titelbild der Ausgabe 4/2015 von In Kürze. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
In Kürze
Titelbild der Ausgabe 4/2015 von In tragender Funktion. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
In tragender Funktion
Titelbild der Ausgabe 4/2015 von Die einzelnen Abschnitte der Wirbelsäule. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Die einzelnen Abschnitte der Wirbelsäule
Titelbild der Ausgabe 4/2015 von Fehlhaltungen: Bleib aufrecht!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Fehlhaltungen: Bleib aufrecht!
Titelbild der Ausgabe 4/2015 von Nicht immer ein Grund zur Sorge. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Nicht immer ein Grund zur Sorge
Vorheriger Artikel
„Ich muss nicht mehr alles können“
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel Operationen: Oft geht es ohne
aus dieser Ausgabe

Wer sich sehr stark mit Rückenschmerzen plagt und das über längere Zeit, sollte zum Arzt gehen. Der kann etliches abklären, ganz ohne Röntgenbild oder Aufnahme aus dem MRT oder CT. Im Gespräch lässt er sich die Art der Schmerzen schildern, fragt nach möglichen Ursachen. Der Mediziner achtet auf Warnhinweise, die schnelles Handeln erfordert. Das sind Symptome wie Gefühlsstörungen oder Lähmungen in den Beinen, die auf Nervenschäden hinweisen. Fieber und Gewichtsverlust können Hinweise auf Entzündungen oder Tumorleiden sein, Stürze und Unfälle auf Brüche.Körperliche Untersuchung: Sehen, fühlen, testen – in dieser Reihenfolge untersucht der Mediziner. Er bittet die Betroffenen, sich zu entkleiden, und kann dann erkennen, ob die Wirbelsäule s-förmig verläuft, das Becken gerade steht, ob Muskeln verspannt sind oder ob der Patient eine Schonhaltung einnimmt. Auch der Gang macht Probleme sichtbar.

Erst mal reden, fühlen, testen: Nach dem ersten Besuch beim Arzt lassen sich oft schon viele Ursachen ausschließen, sodass keine aufwendigeren Untersuchungen mehr nötig sind.


Foto: lightwavemedia/Shutterstock

Foto: Alexander Raths/Shutterstock

Übungen zeigen die Beweglichkeit der Wirbelsäule: Beugt sich der Patient vor, misst der Arzt den Abstand zwischen Fingern und Boden. Er kann an der Rumpfbeuge auch ein Hohlkreuz erkennen oder eine seitlich gebogene Wirbelsäule. Zusätzlich prüft er, ob sich bei der Vor- und bei der Rückbeuge die Abstände zwischen den Dornfortsätzen der Wirbel verändern. Die Beweglichkeit der Halswirbelsäule zeigt sich, wenn der Patient den Kopf zu allen Seiten beugt und der Arzt ihn anschließend noch einmal selbst bewegt. Schließlich ertastet, berührt und drückt er die Wirbelknochen inklusive des Kreuz-Darmbein-Gelenks sowie die Muskeln. So findet er schmerzende Stellen und Verspannungen. Ob Nerven gequetscht sind, zeigt eine Reihe von weiteren Tests. Der Arzt streicht auch über Arme und Beine, um mögliche Taubheitsgefühle oder Kribbeln zu lokalisieren. Reflextests mit dem Hämmerchen geben Auskunft, ob die Nerven ihre Signale richtig senden. Auch Muskeltests können auf Nervenstörungen hinweisen.

Laboruntersuchungen

Laboruntersuchungen sind nötig, wenn es Anzeichen für ernsthafte Erkrankungen gibt. Ein Blutbild zeigt zum Beispiel, ob der Körper eine Entzündung oder einen Tumor bekämpft. Auch bei entzündlichem Rheuma finden sich typische Antikörper. Bei unter 45-Jährigen, die schon länger an Rückenschmerzen leiden, kann eine Untersuchung auf das Gen HLA-B 27 sinnvoll sein, das viele Menschen mit entzündlichen Gelenkerkrankungen haben. Veränderte Werte von Kalzium und Phosphat können auf Knochenerkrankungen hinweisen.

Röntgen und Tomografien

Die sogenannten bildgebenden Verfahren zeigen, ob sich die Struktur der Wirbelsäule verändert hat. Der Klassiker ist nach wie vor dieRöntgenaufnahme. Der Apparat schickt Röntgenstrahlen durch den betroffenen Körperteil und fängt sie auf einem Fotofilm oder Sensor auf. Dichte Gewebe wie Knochen fangen die Strahlen ab, sodass diese Stellen auf dem Bild weiß bleiben. Auf diese Weise lassen sich Knochenbrüche, verletzte oder verschlissene Knochen und Gelenke erkennen. Auch schiefe Wirbel oder mürbe Knochen, wie sie bei Osteoporose typisch sind, sind zu sehen. Genauere Bilder liefert dieComputertomografie (CT) . Der Patient wird in eine Röhre gelegt und darf sich nicht bewegen. Die Röntgenröhre rotiert um die betroffene Körperregion und macht dabei mehrere Schichtbilder. Die werden am Computer zu einem Bild zusammengesetzt. So kann der Arzt Knochenveränderungen und Tumore erkennen oder die Knochendichte ermitteln. Röntgenapparate und CT arbeiten mit schwach radioaktiver Strahlung, wobei die Belastung durch eine CT deutlich höher ist. Die Strahlung kann Gewebe schädigen und Krebs auslösen. Röntgenbilder und CT-Aufnahmen sollten deshalb nur dann gemacht werden, wenn es unbedingt notwendig erscheint.

Unschädlich ist dagegen dieKernspin- oder Magnetresonanztomografie (MRT) . In der Röhre herrscht ein Magnetfeld. Darauf reagieren die Atome der Körperzellen. Sie verfügen über magnetische Energie, den sogenannten Kernspin, und richten sich im Magnetfeld neu aus. Da verschiedene Körpergewebe und -flüssigkeiten unterschiedlich reagieren, lässt sich aus den Daten ein genaues Bild errechnen. So werden nicht nur Knochen und Weichteile, sondern auch Entzündungen und Tumore sichtbar, besonders wenn zuvor ein relativ harmloses Kontrastmittel in die Blutgefäße gespritzt wird. Für Patienten mit Herzschrittmachern oder Metallimplantaten im Körper ist das MRT aber tabu.

Was auf dem Röntgenbild zu sehen ist, muss nicht unbedingt die Ursache der Schmerzen sein. Deshalb sind die Aufnahmen so umstritten. Außerdem arbeiten sie mit radioaktiver Strahlung.


Foto: Syda Productions/Shutterstock

Andere Diagnoseverfahren

Um festzustellen, ob und welche Nervenwurzeln durch einen Bandscheibenvorfall gequetscht sind, wird eineElektromyografie durchgeführt. Sie misst die elektrische Aktivität einzelner Muskeln. Dafür sticht der Arzt eine Nadel in Muskeln neben der Wirbelsäule. Von dort werden die elektrischen Impulse der Muskeln auf einen Monitor übertragen. Meistens wird gleichzeitig eine Elektroneurografie durchgeführt. Dafür klebt der Arzt mindestens zwei Elektroden auf die Haut und misst die Geschwindigkeit, mit der die Nerven Empfindungen von außen an das Gehirn weiterleiten. Nur wenn andere bildgebende Verfahren keine aussagekräftigen Bilder liefern, kommt eineSzintigrafie infrage. Dazu wird eine schwach radioaktive Substanz in ein Blutgefäß gespritzt. Deren Marker sammeln sich verstärkt an stark durchbluteten Stellen mit schnellem Stoffwechsel und senden Strahlen an eine Spezialkamera. So können Tumore oder Entzündungen von Knochen und Gelenken sichtbar gemacht werden. Die spezielle Untersuchung bringt eine geringe Strahlenbelastung mit sich. Sehr selten wird vor Operationen eineMyelografie durchgeführt: Ein Kontrastmittel wird in den Rückenmarksraum gespritzt. Damit können bei einer Röntgenuntersuchung Verengungen im Wirbelkanal erkannt werden. Das Verfahren birgt das Risiko, dass Nerven verletzt werden und Lähmungen auftreten. Mit diagnostischen Injektionen können einzelne Nervenregionen oder Gelenke vorübergehend mit einem Betäubungsmittel lahmgelegt werden. Die Injektion wird dabei mithilfe einer Röntgendurchleuchtung überwacht.

Bei derRückenmarksspiegelung (Epiduroskopie) führt der Arzt über einen Katheter eine Kamera in den Wirbelsäulenkanal ein. Mithilfe des Epiduroskops kann der Arzt vom Steißbein ausgehend bis zur Halswirbelsäule die direkte Umgebung des Rückenmarks nach möglichen Ursachen anhaltender Schmerzen untersuchen. Narbenbildungen, Engstellen, Reste von Bandscheibenvorfällen oder Nervenverletzungen lassen sich erkennen. Damit der Arzt sieht, wo er sich befindet, ist während des Eingriffs eine Überwachung mit dem Computertomografen notwendig.

DieKnochendichtemessung ist mit Strahlung verbunden: Durch speziell ausgewertete Röntgen- oder CT-Aufnahmen lässt sich der Mineralgehalt der Knochen bestimmen und ein bestehender Osteoporoseverdacht erhärten. Risikofrei ist dagegem einUltraschallbild. Es zeigt Veränderungen von Muskeln und Bindegewebe. Das ist bei Rückenschmerzen nur sinnvoll, wenn der Verdacht auf Verletzungen oder Funktionsstörungen von Muskeln besteht. Ohne Strahlen arbeitet auch die3-DWirbelsäulenvermessung . Hier wird mithilfe von Videokameras und Computer ein dreidimensionales Bild der Wirbelsäule errechnet, das Fehlhaltungen aufzeigt. Die Methode wird hauptsächlich bei der Untersuchung von Haltungsfehlern oder bei Skoliosen eingesetzt.