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Nicht mehr wegzudenken


Aero International - epaper ⋅ Ausgabe 80/2021 vom 08.07.2021

PORTRÄT

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Der Flughafen in Anchorage, Alaska, ist wichtige FedEx- Basis auch für Flüge in den Pazifik-Raum. Die Airline ist größter Betreiber der Boeing 777F

FEDEX EXPRESS

Wenn alles gut läuft, dann zeigen die Bildschirme des globalen FedEx-Kontrollzentrums in Memphis, Tennessee, das hier alle nur „den Bunker“ nennen, jeden Abend genau dieses Bild: Hunderte Lichtpunkte bewegen sich aus allen Richtungen auf das Zentrum zu. Jeder Punkt steht für ein Frachtflugzeug auf dem Weg nach Memphis. Wenn alles gut läuft. Wenn also nicht irgendwo Unwetter im Weg sind, Verspätungen entstanden sind oder technische Probleme einen Start verzögern.

Nur wenig später beginnt am nahen Flughafen von Memphis ein beeindruckendes Schauspiel – jeden Abend wieder: Im Abstand von unter einer Minute landen Frachter unterschiedlichster Bauart. Von „FedEx 1251“ aus Omaha bis zu „FedEx 003“ aus Frankfurt, von der einmotorigen Cessna 208 aus dem Nachbarstaat bis zur Boeing 777F von einem anderen Kontinent.

Was jetzt abläuft, hat sich FedEx-Gründer Frederick W. Smith schon in den ...

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... sechziger Jahren an der Uni ausgedacht, für eine Examensarbeit. Mit großer Weitsicht erkannte er, dass mit dem Aufkommen von elektronischen Bauteilen und miniaturisierten Geräten ein erhöhter Bedarf an der schnellen Lieferung solcher Waren entstehen würde.

Die damals übliche Methode, auch eilige Luftfracht fast ausschließlich in Passagierflugzeugen mitzunehmen, sorgte aber für Unregelmäßigkeiten und lange Laufzeiten.

Smith wollte den Transport vom Aufgeben der Sendung bis zur Lieferung an den Adressaten kontrollieren. Das, so seine Vorstellung, geht nur mit einem „Speichenrad-System“: An vielen Orten werden Sendungen eingesammelt und dann entlang der „Speichen“ eines gedachten Rads zur Nabe (auf Englisch: Hub) transportiert. Dort werden sie entsprechend ihres Bestimmungsorts umsortiert und dann entlang anderer „Speichen“ dorthin gebracht.

Hunderte Kilometer Laufband

Memphis ist für FedEx der Superhub, die Nabe aller Naben: Der größte Teil der Sendungen im System gehen über den Flughafen im US-Bundesstaat Tennessee. Gleich nach der Landung werden alle Flugzeuge entladen. Briefe, Pakete mit Büchern, Tiefkühl-Hummer oder Autoteile: Wenn eine FedEx-Sendung über Memphis geht, verschwindet sie in den riesigen Sortieranlagen neben dem Flughafen-Vorfeld. Einer der wichtigsten Jobs für die dort Arbeitenden:

Pakete so drehen, dass der computerlesbare Strichcode oben liegt.

Den Rest erledigen Robotersysteme: Hunderte Kilometer lang sind die dröhnenden Laufbänder, auf denen die Pakete durch die Hallen fahren. Kameras scannen die Codes und erkennen so, wohin eine Sendung gehen soll. Computer steuern entsprechend Roboterarme, die Pakete gezielt von einem Laufband aufs nächste schubsen, damit sie den richtigen Weg nehmen. Am Ende landen die Sendungen in genormten Containern – und die verschwinden erneut in den Bäuchen der Frachtmaschinen.

18 weitere Drehkreuze betreibt FedEx in aller Welt, in Europa sind sie in Köln/Bonn (siehe Seite 32) sowie im belgischen Lüttich, in Paris-Charles de Gaulle sowie in Mailand-Malpensa angesiedelt. Je nach ihrem Bestimmungsort bleiben Pakete, die in diesen Drehkreuzen landen, in der Region und werden – ebenso wie in Memphis – einfach in Maschinen umgeladen, die dorthin fliegen.

Oder sie gehen mit Langstreckenmaschinen auf den Weg nach Memphis und von dort in alle Welt.

680 Flugzeuge umfasst die Flotte von FedEx, wenn man die Maschinen der Vertrag-Airlines mitzählt – die größte Frachter-Armada der Welt. Mit dabei sind kleine Turboprops (siehe Kasten Seite 21), aber auch MD-11 und Boeing 777F. Immer noch fliegt die Airline mit 65 A300 – sie ist größter Betreiber des Ur-Airbus. Und sie hält bei Boeing die Produktionslinie für die in die Jahre gekommen 767 am Leben: 48 Bestellungen für die Frachterversion -300F sollen bis 2024 ausgeliefert werden. Keiner betreibt mehr 767-Frachter – gleiches gilt für die 115 Boeing-757-Cargoflugzeuge von FedEx. Sie bilden zusammen mit der 777F die Langstreckenflotte. Die MD-11 dagegen setzt die Airline eher auf kurzen und mittleren Distanzen ein, wo das Volumen groß genug ist.

Bis 2013 war die Boeing 727 eine Säule der Flotte. Eigentlich sollte FedEx Erstbetreiber des A380-Frachters werden – verlor aber angesichts der Verzögerungen im Programm die Geduld. Selbst ein überschallschneller Concorde-Frachter in Kooperation mit British Airways wurde eine Zeit lang ernsthaft erwogen. Denn bei FedEx geht es um jede Minute: In den USA ist die Über-Nacht-Lieferung garantiert – wenn’s nicht klappt, gibt es das Geld zurück. Zur Sicherheit fliegen jede Nacht bis zu fünf leere Frachtmaschinen aus den Ecken des Streckennetzes in die großen Hubs. Muss irgendwo entlang des Wegs ein reguläres Flugzeug aus technischen Gründen am Boden bleiben, landen die Reserve-Maschinen dort und sammeln die Fracht ein, damit nichts zu spät ankommt.

Die Anfänge von FedEx waren viel bescheidener. 1971 gründete Smith das Unternehmen – gleich mit mehreren Sparten: Denn zusätzlich zur Airline, die heute FedEx Express heißt, gab es von Anfang an auch das Netzwerk von Lieferfahrzeugen, die Sendungen beim Kunden abholen und dorthin bringen. Ursprünglich firmierte man als Federal Express – das sollte offiziell klingen und auch Behörden sowie Banken zur Zusammenarbeit animieren.

Der Flugbetrieb begann am 17. April 1973 mit 14 Dassault Falcon 20. Die Businessjets aus Frankreich waren zu Frachtern umgebaut worden. 389 Mitarbeiter brachten 186 Pakete auf den Weg in 25 US-amerikanische Städte.

Profit machte das junge Unternehmen erst ab 1975. Wenige Jahre später sorgte die Deregulierung der Luftfahrt in den USA für einen Riesenschub.

Versteckter Pfeil im Logo

Die Über-Nacht-Lieferung fand ihren Weg in den Alltag – und in den Sprachgebrauch: Die Abkürzung des Firmennamens Federal Express wurde zu einem Verb: „to fedex“ bedeutet in Amerika bis heute „über Nacht schicken“. 1994 passte sich das Unternehmen an und benannte sich in FedEx um. Zugleich entstand das legendäre Logo: Der leere Raum zwischen E und X bildet einen Pfeil nach rechts, der unterschwellig Schnelligkeit, Zielorientierung, Fortschrittlichkeit und alle möglichen anderen positiven Eigenschaften vermitteln soll.

Von der Corona-Pandemie und dem damit verbundenen Anstieg an Internet- Einkäufen hat FedEx erheblich profitiert: Im letzten Quartal des Geschäftsjahres 2020 steigerte sich der Nettogewinn des Gesamtunternehmens, also nicht nur der Airline, um 180 Prozent auf 892 Millionen US-Dollar.

Es ist tiefe Nacht in Memphis. Die Sortieranlagen dröhnen, auf Bildschirmen in den Hallen ist überall die „Sort Down Time“ zu sehen – die Zeit, die noch bleibt, bis alle Pakete umsortiert sein müssen. Danach wird nur noch verladen.

Draußen auf dem Vorfeld inspizieren Mechaniker die Flugzeuge, tanken oder putzen die Frontscheiben. In einem riesigen Saal versammeln sich hunderte Piloten.

Hier werden die Briefing-Unterlagen für ihre Flüge verteilt, außerdem gibt es Verpflegung. Große Tische sind dicht an dicht mit den für die USA typischen, blassgrünen Thermoskannen vollgestellt – jeder darf sich einen Kaffee mitnehmen. Gleich daneben gibt es Sandwich-Pakete.

Wenig später heulen die ersten Triebwerke auf. Die kleinen Propellermaschinen starten als erstes in die Nacht. Auch die Langstreckenjets sind früh dran. Schließlich folgen die inneramerikanisch eingesetzten Flugzeuge dicht an dicht. Es wird leer auf dem Vorfeld und in den Halle. Tausende Nachtarbeiter machen sich auf den Heimweg. Nach wenigen Stunden hektischer Aktivität, in aller Frühe, es ist noch dunkel, sind alle Flugzeuge wieder weg.

Im Kontrollzentrum zeigen die Bildschirme jetzt, wie hunderte Bildpunkte vom Zentrum aus in alle Welt auseinanderstreben. Seit Jahrzehnten ist David Lusk hier in leitender Position aktiv. Bei diesem Anblick wird er immer wieder poetisch: „Das sieht aus wie eine aufgehende Blüte.“ •

»Die Angst zu versagen, darf nie der Grund sein, dass man etwas nicht versucht.«

Frederick W. Smith FedEx-Gründer

INFO /

Zweimal Auftragsarbeit von Cessna

Der US-Flugzeughersteller Cessna ist vor allem bekannt für das meistgebaute Flugzeug der Welt: die viersitzige 172. Als Anfang der achtziger Jahre eine einmotorige Turboprop entwickelt wurde, die im Prinzip die guten Flugeigenschaften der 172 ebenso wie ihre Grundkonfiguration als abgestrebter Hochdecker übernahm, wurde auch FedEx hellhörig. So entstanden auf Wunsch der Airline mehrere Frachtversionen der Cessna 208 Caravan. 238 davon fliegen heute auf Kurzstrecken in Diensten von FedEx-Vertragsunternehmen. Jetzt soll es etwas größer werden:

Die zweimotorige Turboprop Cessna 408 SkyCourier wird seit 2017 entwickelt – die Frachtairline hat 50 Exemplare fest bestellt und für 50 weitere Optionen gezeichnet. Die Maschine soll noch in diesem Jahr ausgeliefert werden. Sie fasst drei LD3-Container. Cessna ist inzwischen eine Marke von Textron Aviation, ebenso wie Beechcraft.