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Nicht nur neu, sondern modern


fliegermagazin - epaper ⋅ Ausgabe 100/2021 vom 12.09.2021

Deutsches Museum

Artikelbild für den Artikel "Nicht nur neu, sondern modern" aus der Ausgabe 100/2021 von fliegermagazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: fliegermagazin, Ausgabe 100/2021

In die Jahre gekommen Die Neue Luftfahrthalle hatte sich seit ihrer Eröffnung 1984 nur wenig verändert

Mit der »Zukunftsinitiative« steckt das Deutsche Museum seit 2006 in einem Jahrhundertprojekt: Bis 2028 soll das gesamte Haus modernisiert werden. In der Luftfahrt macht die moderne (ab 1945) und die historische Luftfahrt )von 1918 bis 1945) den Anfang – die historische Luftfahrt bis 1918 folgt im Anschluss.

fliegermagazin: Herr Dr. Kluge, was waren die Gründe für die Erneuerung der Luftfahrtabteilung?

Dr. Robert Kluge: Die »Neue Luft-und Raumfahrthalle«, die jetzt neu gestaltet und renoviert wird, wurde vom damaligen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß maßgeblich mitinitiiert und 1984 eröffnet. Ihr fehlte zuletzt ein wenig das Konzept, und sie war inhaltlich ein bisschen angestaubt. Die Texte waren teils sehr langatmig und wissenschaftslastig. Heute muss man so etwas knackiger präsentieren.

Was darf man denn unter »knackiger« verstehen?

Wir haben uns bemüht, die Luftfahrt dem ...

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... Besucher systematisch näher bringen. Die Exponate sind deshalb künftig nach Themen angeordnet. Es war uns ein Anliegen, die Ausstellung moderner und zeitgemäßer zu gestalten. Wir haben darauf geachtet, dass wir an den Exponaten keine Barrieren und Absperrungen mehr haben. Sie stehen auf Podesten, die die jeweiligen Luftfahrtthemen zusammenfassen. Man kommt so nah ran, dass man die Exponate auch berühren könnte. Wir hoffen natürlich, dass die Besucher das nicht tun werden. Es gibt allerdings auch Handson-Demos wie einen Rotorkopf des Hubschraubers EC135, den man auch anfassen und bewegen kann. Besucher können sich eine Strömungsapp aufs Smartphone herunterladen, die veranschaulicht, wie bei geändertem Anstellwinkel Auftrieb und Widerstand variieren. Außerdem gibt es sehr lebendige Demonstrationen und sogar ein kleines Laboratorium, in dem wir die Grundsätze der Aerodynamik vermitteln. Wir haben beispielsweise eine Reihe von Windkanälen, die an Widerstandskörpern in verschiedenen Formen zeigen, dass ein tropfenförmiger Körper weniger Widerstand bietet als eine flache Scheibe. Alles detailliert zu erklären war mit nur 600 Zeichen pro Beschreibungstext allerdings eine Herausforderung.

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Mit einer Mitgliedschaft können Privatpersonen und Firmen nicht nur das Deutsche Museum fördern. Die Jahreskarte bietet freien Eintritt und spezielle Führungen. www.deutschesmuseum.de

Nur 600 Zeichen pro Tafel! Ist das Ihr Ernst?

Das war ein von den Gestaltern auferlegtes Limit. Man war der Meinung, dass die Leute heutzutage nicht länger für eine Erklärung verbleiben. Wir hatten größte Probleme, das zu akzeptieren. Es ist sehr schwer, komplexe Zusammenhänge in 600 Zeichen zu erklären. Wo das nicht reicht, ergänzen wir mit Zeichnungen oder Audio-/Video-Medienstationen. Und es gibt es immer noch unseren Ausstellungsdienst, der Fragen beantwortet.

Amerikanische Museen sind ja Vorreiter, was Ausstellungen mit Erlebnischarakter angeht. Können wir etwas derartiges auch im Deutschen Museum erwarten?

Mit der Art, wie beispielsweise im Kennedy Space Center das Space Shuttle präsentiert wird, können wir nicht mithalten. Und so nationalistisch emotional wie Museen in den USA sind wir auch nicht.

Was sind die Highlights und Neuigkeiten der Sammlung?

Für fliegermagazin-Leser sicherlich die erste Extra 300L: Sie ist uns direkt aus dem Flugbetrieb vom Besitzer geschenkt worden und wird spektakulär in Steigf luglage an der Wand befestigt – ein optisches Highlight der Ausstellung. Neu ist auch ein Grob-Jet G180 SPn, damals das größte Flugzeug in Kohlefaserbauweise, ein Scheibe Falke, der als Beispiel für die klassische Gemischtbauweise dient. Und eine DHL-Paketdrohne haben wir auch. Neu dazu kam eine Cockpitsektion des Airbus A320. Die ist einerseits neben der einer Boeing 707 platziert, was den technischen Fortschritt in vier Jahrzehnten belegt. Andererseits steht daneben die Kabine einer Cessna 172. So veranschaulichen wir die Ergonomie der klassischen Basic-Six- und Basic-T-Instrumentenanordnung und zeigen, wo man die Informationen im Glascockpit der A320 findet. Zwei Rumpfscheiben von A300 und A350 belegen, dass sich in vier Jahrzehnten aerodynamisch nicht viel getan, die Bauweise sich aber fundamental geändert hat. Und am anderen Ende des Luftfahrtspektrums ist mit dem Segelflug ab 1920 bis zur Neuzeit ein komplett neu überarbeiteter Themenbereich hinzugekommen.

»Die Exponate sollen ganze Themenbereiche erklären«

Nach welchen Kriterien haben Sie die Exponate der neuen Ausstellung ausgesucht?

Unser Anliegen war es, Exponate zu finden, die mehrere Geschichten gleichzeitig erzählen können. So kommt es, dass wir Flugzeuge nebeneinander präsentieren, die auf den ersten Blick kaum etwas miteinander zu tun haben. Das Ultraleichtf lugzeug Flight Design CT steht zum Beispiel neben dem Starfighter – anhand der beiden Flugzeuge erklären wir die unterschiedlichen Konzepte von Gesamtrettungssystem und Schleudersitz. Gleichzeitig steht die CT für Kohlefaserbauweise und schließlich die Ultraleicht-Fliegerei. Es war mir ein Anliegen, ULs stärker vertreten zu haben. Tragschrauber kommen jetzt auch vor.

Was sind die großen Themengebiete?

Unter anderem sind induzierter Widerstand und Randwirbel ein großes Thema. Bei der Überlegung, woran der Laie Verkehrsf lugzeuge unterscheidet, landet man sehr schnell bei den Winglets. Wir erklären, dass diese weniger eine Modeerscheinung sind, sondern Effizienzgründe haben, und dass ihre Entwicklung vom Segelflug ausging. Über die Randwirbelthematik kommen wir dann zur Flugsicherheit.

Mussten Sie für die Renovierung der Räume sämtliche Exponate auslagern?

Ja, das war eine logistische Meisterleistung. Wir haben ein Depot im Großraum München angemietet, eine klimatisierte Industriehalle, die rund um die Uhr bewacht ist. Der Transport der Exponate war dabei sehr aufwändig. Flugzeuge sind nun mal sehr groß. Allmählich füllen sich die Hallen allerdings schon wieder.

Eigentlich sollte die Luftfahrtausstellung ja schon längst fertiggestellt sein. Woran liegt es, dass dem noch nicht so ist?

Ich wurde ursprünglich befristet eingestellt, um die Ausstellung bis Ende 2019 fertigzustellen. Das hätten wir konzeptionell und planerisch auch so geschafft. Die Verzögerungen sind im Wesentlichen der Renovierung des Gebäudes geschuldet, unter anderem hat die Substanz des 1925 errichteten Museums einige Überraschungen bereitgehalten. Dazu kamen die stark boomende Baukonjunktur, Corona und die Insolvenz eines Planungsbüros. Die Ausstellung soll Ende des Jahres fertig sein und spätestens im Frühjahr 2022 eröffnet werden.

Wird es wieder ein paar Jahrzehnte dauern, bis es zur nächsten Umgestaltung kommt?

Tatsächlich ist die Ausstellung auch weiterhin sehr statisch. Es gibt aus baulichen Gründen praktisch keine Möglichkeit, größere Exponate auszuwechseln. Insofern musste das Konzept besonders sorgfältig ausgearbeitet werden. Andererseits gibt es auch Themenbereiche, die sich rasch überholen. Bei Kollisionswarnung mit FLARM, ADS-B & Co. beispielsweise ist die Entwicklung in diesem Technologiebereich unheimlich schnell – da muss man dann schon mit der Zeit gehen.

Welchen Traum haben Sie sich in der neuen Ausstellung nicht erfüllen können?

Seit meinem ersten Praktikum beim Deutschen Museum 1992 versuche ich, die größte Propellerturbine der Welt, eine Kuznetsow NK12, aus Russland zu holen. Der Platz über dem Turbofan einer 747 ist dafür reserviert, man kann sie auch noch nachträglich hinzufügen. Mal sehen, ob es bis zur Ausstellungseröffnung noch klappt.

Info/Tipps

Mit dem eigenen Flugzeug zum Museumsbesuch? Warum nicht! Ein Teil der Luftfahrtausstellung des Deutschen Museums ist in der historischen Flugwerft Schleißheim und damit direkt am Flugplatz in Oberschleißheim untergebracht. 1912 gegründet ist EDNX der älteste Flugplatz in Bayern, der noch in Betrieb ist. Heute ist in Oberschleißheim eine Hubschrauberstaffel der Bundespolizei stationiert, außerdem ist der Platz Heimat von sechs Vereinen, die hier Motorflug und Segelflug betreiben. Für Auswärtige ist der Platzrundenverlauf, teilweise innerhalb der Kontrollzone des Flughafens München, gewöhnungsbedürftig.

Allerdings gilt für Gäste ohnehin eine strikte PPR-Regelung. Das Formular ist unter www.flugplatz-schleissheim.de zu finden. Die historische Flugwerft mit der Luftfahrtausstellung ist nach der Landung nur einen kurzen Fußmarsch entfernt. Wer auch das Deutsche Museum in der Münchner Innenstadt besichtigen will, erreicht dies von Oberschleißheim aus am besten über die nahegelegene S-Bahn-Station.