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Nierenschwäche frühzeitig erkennen


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Gesundheits-Nachrichten - epaper ⋅ Ausgabe 12/2022 vom 21.11.2022

Immer mehr Menschen erkranken an einer Nierenschwäche (chronische Niereninsuffizienz, CKD), stellen Mediziner fest. Bei Personen ab 40 Jahren ist sie genauso verbreitet wie Diabetes oder koronare Herzkrankheit. Bereits 10 Prozent der Erwachsenen in Europa haben eine chronische Nierenerkrankung. Die Crux: Die Betroffenen wissen häufig nichts von ihrer Erkrankung, denn sie löst zu Beginn keine merklichen Symptome aus. Eine frühzeitige Behandlung ist jedoch wichtig, um Nierengewebe zu retten.

Kläranlage des Körpers

Unsere Nieren sind stille Schwerarbeiter: Sie sorgen für die Ausscheidung von Stoffwechselendprodukten und Giftstoffen über den Urin. Zudem regulieren sie den Wasser- und Elektrolythaushalt. Darüber hinaus bilden sie eine Reihe von lebenswichtigen Hormonen, die unter anderem die Blutbildung (durch Erythropoetin) und die Aufnahme von Kalzium und Phosphat aus dem Darm steuern. Das alles tun ...

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Bildquelle: Gesundheits-Nachrichten, Ausgabe 12/2022

«Die Empfehlungen einer regelmässigen Kontrolle der Nierenfunktion in den Versorgungsleitlinien zu Diabetes mellitus oder kardiovaskulären Erkrankungen sowie zum Medikamentenmonitoring scheinen nicht dazu zu führen, dass betroffene CKD-Patienten von ihrer Erkrankung erfahren», konstatierten Wissenschaftler* im August 2022. Da besteht wohl Optimierungspotenzial.
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... sie nahezu unbemerkt – selbst wenn es ihnen immer schlechter geht.

Diagnosemöglichkeiten

Wer also zu den Risikobetroffenen gehört, sollte mit dem Hausarzt über Früherkennungsuntersuchungen sprechen. Eine Funktionsstörung der Niere im Frühstadium verursacht keine Beschwerden. Doch es finden sich Stoffe im Urin und im Blut, die als Alarmsignale gelten.

Können die Nieren das Blut nicht mehr ausreichend filtern, reichern sich Kreatinin und Harnstoff im Blut an. Dies lässt sich durch eine Analyse der Blutwerte prüfen. Je mehr Kreatinin und Harnstoff im Blut zu finden sind, desto schwächer ist die Filterfunktion der Nieren. Der Kreatinin-Normalwert liegt bei 8 bis 12 Milligramm pro Liter Blut, die normale Harnstoffkonzentration im Blut zwischen 200 und 450 Milligramm pro Liter.

Die Messung des Kreatininwertes ist klinischer Alltag für eine erste Einschätzung der Nierenfunktion. Problematisch daran: Oft steigt er erst an, wenn die Nierenfunktion um gut die Hälfte abgefallen ist. Da wird eine leichte Einschränkung der Nierenfunktion schon mal übersehen.

Besser geeignet für eine frühe Diagnose ist die sogenannte Kreatinin-Clearance, die angibt, wie schnell die Nieren Kreatinin aus dem Blut herausfiltern können, so der Berufsverband Deutscher Internisten. Dazu muss Urin für 24 Stunden gesammelt werden. Man bestimmt dann gleichzeitig Kreatinin im Blut und im Urin. Eine verminderte Kreatinin-Clearance findet sich vor dem Anstieg des Kreatinins im Blut und kann daher schon früh eine Schädigung der Nieren anzeigen. Ausserdem berechnet der Arzt die sogenannte Glomeruläre Filtrationsrate (GFR) aus dem Kreatinin-Wert im Blutserum oder einer anderen Substanz im Blut, z.B. dem Cystatin C. Mit ihrer Hilfe kann er den Schweregrad der Erkrankung beurteilen. Der Normalwert der Glomerulären Filtrationsrate für Kreatinin liegt bei 90 bis 130 Milliliter pro Minute. Meint: Eine gesunde Niere reinigt pro Minute mindestens 90 Milliliter Blut.

Unkenntnis bei Frauen

In puncto Vorsorgeunterschungen zeigen Frauen in der Regel deutlich mehr Engagement als Männer. Umso erstaunlicher ist es, dass die Unkenntnis über eine chronische Niereninsuffizienz (CKD) bei Frauen grösser ist als bei Männern – selbst in höherem Stadium. Zu dieser Erkenntnis kam eine Forschergruppe* nach Auswertung von Daten aus Kohortenstudien und Registern. Wie kann das sein? Die Wissenschaftler vermuten «unbewusste geschlechtsbezogene Unterschiede in der Versorgung (gender bias) oder in der Patient-Arzt-Kommunikation». Unerfreulich gerade angesichts der Tatsache, dass «Frauen allgemein öfter von einer Niereninsuffizienz betroffen sind».

* Stolpe S. et al, Deutsche Medizinische Wochenschrift, 2022

Mögliche Symptome einer Nierenschwäche

Symptome, die auf Nierenprobleme hindeuten können, sind unter anderem:

* ein erstmals auftretender Bluthochdruck von über 140/90 mmHg respektive ein zunehmend schwerer einzustellender Bluthochdruck

* heller, wenig konzentrierter Urin

* schäumender Urin beim Wasserlassen Blut im Urin

* Blutarmut (Anämie), die zu Müdigkeit, Schwäche, Konzentrationsschwierigkeiten und abnehmender körperlicher Belastbarkeit führt

* Schwellungen (Ödeme), z.B. an den Beinen oder im Gesicht

* vermehrte Infektionsanfälligkeit Kurzatmigkeit

* Appetitlosigkeit

* Schmerzen im unteren Rücken

Schwäche, Konzentrationsschwierigkeiten und abnehmender körperlicher Belastbarkeit führt

* Schwellungen (Ödeme), z.B. an den

Ein wichtiger Marker ist zu viel Eiweiss, speziell Albumin im Urin. Herkömmliche Teststreifen erfassen lediglich relativ hohe Konzentrationen der Eiweissmoleküle von über 200 Milligramm pro Liter Urin, also eine «Makroalbuminurie». Doch schon eine zehnfach niedrigere Albuminmenge kann auf einen beginnenden Nierenschaden hinweisen. Deshalb ist ein entsprechend empfindlicher Test sinnvoll, der bereits Konzentrationen von 20 bis 200 Milligramm Albumin pro Liter Urin ermittelt («Mikroalbuminurie»). Bei einer gesunden Niere ist das Filtergewebe so dicht, dass höchstens 200 Milligramm Eiweiss pro Tag im Urin ausgeschieden werden. Regelmässige Messungen der Eiweissausscheidung sind ein wichtiger Bestandteil der Überwachung des Krankheitsverlaufs, da bei fortschreitender Erkrankung immer mehr Eiweiss im Urin nachweisbar ist.

Nierenschwäche vorbeugen und behandeln

Leider hat das Nierengewebe bei chronischer Schädigung nicht die Fähigkeit, sich vollständig zu regenerieren. Doch erkennt man eine Niereninsuffizienz rechtzeitig, kann ihr Fortschreiten verlangsamt oder sogar gestoppt werden. Wichtig ist, die Ursache zu identifizieren und adäquat (medikamentös) zu behandeln.

Wer sein Risiko für Diabetes mellitus und Bluthochdruck senkt, kann so auch einer dadurch bedingten chronischen Nierenerkrankung vorbeugen. Je nach Stadium einer chronischen Nierenerkrankung gelten verschiedene Ernährungsregeln. Eine Ernährungsberatung ist sinnvoll, um die Vorgaben zu verstehen und im Alltag umzusetzen.

Auch bei chronischer Niereninsuffizienz ist Bewegung wichtig. Fachleute empfehlen fünf Mal pro Woche je 30 Minuten leichten Sport.

Das betrifft u.a. den Verzehr von Eiweiss. Mehrere Studien haben gezeigt, dass eine Diät mit wenig Eiweiss bei manchen Menschen das Fortschreiten einer chronischen Nierenerkrankung verzögern und vor Komplikationen schützen kann. Doch auch zu wenig Eiweiss ist ungünstig, denn bei Eiweissmangel würde der Körper Muskeleiweiss abbauen. Die tägliche Nahrung sollte gängigen Empfehlungen zufolge circa 0,8 bis 1 Gramm Eiweiss pro Kilogramm Normalgewicht enthalten. Beispiel: Wer 70 Kilogramm wiegt, nimmt pro Tag also rund 60 Gramm Eiweiss zu sich. Ein Rindersteak (140 Gramm) enthält ungefähr 45 Gramm Eiweiss, ein Frühstücksei rund 13 Gramm.

Ratsam ist auch ein Verzicht auf Salz bzw. salzhaltige Lebensmittel.

Auch wenn man das Gegenteil vermuten würde: Extra viel trinken verbessert die Nierenfunktion an sich nicht. In manchen Fällen beschleunigt eine zu grosse Flüssigkeitszufuhr das Fortschreiten der chronischen Nierneninsuffizienz sogar. Man sollte mit der Hausärztin bzw. dem Ernährungsberater besprechen, wie viel Flüssigkeit täglich sinnvoll ist.

Spätestens ab einer Niereninsuffienz Stadium 4 sollte die Ernährung ganz gezielt angepasst werden. Ab dann wird eine eiweissarme, kaliumarme, kalziumreiche, phosphatarme Ernährung mit zusätzlicher Gabe von Vitamin D3 empfohlen.

Stadien der Erkrankung

Die chronische Nierenerkrankung lässt sich in fünf Stadien unterteilen, hier in eine Tabelle anhand des GFR-Wertes (Glomeruläre Filtrationsrate).

Stadium 1: Wert 90 ml/min oder höher: Gesunde Nieren oder Nierenschaden mit normaler oder erhöhter GFR. Nieren funktionieren insgesamt noch normal.

Stadium 2: Wert 60 bis 89 ml/min: Nierenschaden mit leicht verminderter GFR. Meistens sind noch keine Symptome erkennbar.

Stadium 3: Wert 30 bis 59 ml/min: Mässig verminderte GFR. Die Nierenfunktion ist mässig eingeschränkt. Auftreten von Beschwerden wie Bluthochdruck, Müdigkeit und eingeschränkter Leistungsfähigkeit.

Stadium 4: Wert 15 bis 29 ml/min: Stark verminderte GFR. Die Nierenfunktion ist stark eingeschränkt. Folgen wie Juckreiz, Übelkeit/Erbrechen oder Nerven- und Knochenschmerzen können auftreten.

Stadium 5: Wert unter 15 ml/min oder in Dialysebehandlung: Nierenschwäche im Endstadium (terminale Niereninsuffizienz). Die Nieren können das Blut nicht mehr ausreichend reinigen. Eine Dialyse oder Spenderniere sind nötig, um die Nierenfunktion zu ersetzen.

Quelle: Davita Medical Group